Bella Figura

Schauspiel
 
 
Hanser (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Januar 2019
  • |
  • 80 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-446-26294-2 (ISBN)
 
Boris will mit seiner heimlichen Geliebten einen erotischen Abend in einem abgelegenen Hotel verbringen. Dann aber fährt er beim Zurücksetzen eine alte Dame an, die hier Geburtstag feiert - die Schwiegermutter der besten Freundin seiner Frau. Alle Beteiligten versuchen jetzt Bella Figura zu machen, doch das misslingt auf tragisch-groteske Weise. In ihrem jüngsten Stück zeigt sich Yasmina Reza wieder als "die große Paar-Dramatikerin, die witzigste, die wir haben" (Gerhard Stadelmaier, FAZ). Thomas Ostermeier und Florian Borchmeyer, Regisseur und Dramaturg an der Schaubühne in Berlin, haben das Schauspiel bühnenwirksam ins Deutsche übertragen.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 1,00 MB
978-3-446-26294-2 (9783446262942)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Yasmina Reza, 1959 geboren, ist Schriftstellerin, Regisseurin und Schauspielerin und die meistgespielte zeitgenössische Theaterautorin. Bei Hanser erschienen Eine Verzweiflung (Roman, 2001), Adam Haberberg (Roman, 2005), Im Schlitten Arthur Schopenhauers (Ein Theaterstück, 2006), Frühmorgens, abends oder nachts (2008) über Nicolas Sarkozy, Nirgendwo (2012), Glücklich die Glücklichen (Roman, 2014), Babylon (Roman, 2017), für den sie mit dem Prix Renaudot 2016 ausgezeichnet wurde, außerdem Kunst (Schauspiel, 2018) und Der Gott des Gemetzels (Schauspiel, 2018). DasTheaterstück Der Gott des Gemetzels wurde 2011 sehr erfolgreich von Roman Polanski verfilmt, hochkarätig besetzt mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly.

I


Ein Frühlingsabend. Es ist noch hell.

Der Parkplatz eines Restaurants (das man nicht sieht).

Ein Mann, stehend.

Ein Auto mit offener Beifahrertür.

Die Beine einer Frau gucken heraus.

Sie zündet sich eine Zigarette an.

Bevor der Mann spricht, kann ein bisschen Zeit vergehen.

BORIS: . Oder wir nehmen ein Zimmer im Ibis und vögeln gleich . Wär mir ohnehin lieber.

ANDREA: Im Ibis .!

BORIS: Oder sonstwo! . (kleine Pause) Es wäre besser, wenn du im Auto nicht rauchen würdest.

Andrea inhaliert den Rauch und bläst ihn geflissentlich ins Auto, vorne wie hinten.

BORIS: Also, was machen wir?

ANDREA: Mir egal .

BORIS: Bleiben wir hier, fahren wir? Was machen wir, Andrea?

ANDREA: Antworte mir: Findest du es normal, mit mir in ein Lokal zu gehen, das dir deine Frau empfohlen hat?

BORIS: Sie hat es mir nicht empfohlen, sie hat nur gesagt, es ist angenehm und das Essen ist gut.

ANDREA: Das ist dasselbe.

BORIS: Nein .!

ANDREA: (Sie steigt gemächlich aus dem Auto.) Und mit wem hättest du da hingehen sollen?

BORIS: Mit niemand Bestimmtem. Mit Kunden.

ANDREA: Du hast deine Frau nach einem Lokal gefragt und wusstest, dass du mit mir da hingehen wirst.

BORIS: Ich habe sie nicht gefragt. Wir haben darüber geredet. Was ist denn da dabei?

ANDREA: Wenn du mir ein Tuch schenken willst, fragst du sie dann auch, in welchem Geschäft du es kaufen sollst?

BORIS: Das hat doch nichts miteinander zu tun.

ANDREA: Das ist genau dasselbe.

BORIS: Andrea, ich mach mir die Mühe und lad dich zum Essen ein .

ANDREA: Du machst dir die Mühe? .

BORIS: So habe ich das nicht gemeint .

ANDREA: Du machst dir die Mühe, mich zum Essen einzuladen?!

BORIS: Ich mach mir die Mühe, ja, die Mühe, Zeit dafür zu finden. Du wirfst mir immer vor, dich nur noch zu treffen, um mit dir ins Bett zu gehen, oder dich bestenfalls in einer genau abgetimten Mittagspause unterzubringen, das muss ich mir ständig anhören. Ich habe ein Essen arrangiert, und zwar in einer Situation, die sehr schwierig ist für mich, wo ich mich geradezu verrenken muss .

ANDREA: Man erweist mir die Gnade, mit mir essen zu gehen. Ich bin so undankbar!

BORIS: Ich will nicht, dass du dich bedankst, nur dass du dich ein bisschen freust .

ANDREA: Ich dreh durch vor Glück.

BORIS: Gehen wir woanders hin? Wo willst du hin? .

ANDREA: Begreifst du nicht, wie unangenehm für mich allein schon die Tatsache ist, dass deine Frau in etwas verwickelt ist, das nur dich und mich angeht, dass ihr Urteil auf ein Vergnügen Einfluss nimmt, das wir beide allein genießen wollen?

BORIS: Begreife ich schon, begreif ich schon. Aber ich finde, du übertreibst.

ANDREA: Und woher kennt sie das Restaurant? Geht sie da mit ihrem Liebhaber hin?

BORIS: Sehr witzig.

ANDREA: Weiß sie, dass du heute Abend hier bist?

BORIS: Nein.

ANDREA: Was hast du ihr denn erzählt, wo du heute Abend bist?

BORIS: Hör auf zu rauchen.

ANDREA: Warum?

BORIS: Du rauchst zu viel.

ANDREA: Ich mag das, wenn du dir Sorgen machst. Vielleicht rauche ich so viel, damit du dir Sorgen machst.

BORIS: Tue ich auch.

ANDREA: Vielleicht mache ich alles bis zum Exzess, damit sich jemand Sorgen macht.

BORIS: Ich mache mir Sorgen.

ANDREA: Nicht ernsthaft.

BORIS: Doch.

ANDREA: Nein.

BORIS: Andrea. Was machen wir jetzt? Schau, es ist doch nicht schlecht hier! Schön gelegen, es gibt Bäume. Wir essen auf einer hübschen Terrasse zu Abend. Lass uns ein bisschen Spaß haben. Wir lachen doch sonst gern, wir beide.

ANDREA: Gefällt dir mein Rock?

BORIS: Super.

ANDREA: Nicht zu kurz?

BORIS: Nein.

ANDREA: Meine Tochter findet ihn zu kurz.

BORIS: Die hat keine Ahnung. Kinder haben keinen Geschmack.

ANDREA: Sie will, dass ich wie eine Dame aussehe.

BORIS: Darum mach dir mal keine Sorgen. Küss mich.

ANDREA: Nein.

BORIS: Küss mich. (Er schnappt sie; sie küssen sich mehr oder weniger.)

ANDREA: Ich hab mich so auf heute Abend gefreut.

BORIS: Ich mich auch.

ANDREA: Ich mach ihn nicht kaputt. Was hast du ihr gesagt, wo du heute Abend bist? .

BORIS: Müssen wir darüber jetzt reden?

ANDREA: Was hast du ihr gesagt?

BORIS: Nichts.

ANDREA: Fragt sie nicht, wo du hingehst?

BORIS: Sie ist in Valenciennes.

ANDREA: Sie ist in Valenciennes! Na klar. Ich bin so doof.

BORIS: Du machst mich fertig.

ANDREA: Es ist alles so vorhersehbar.

BORIS: Ich bin jetzt nicht in der Stimmung für so einen Schwachsinn.

ANDREA: Also haben wir die ganze Nacht?

BORIS: Nein.

ANDREA: Ach so? Warum nicht? Warum haben wir nicht die ganze Nacht, wenn deine Frau in Valenciennes ist?

BORIS: Weil das nicht geht. Das weißt du genau.

ANDREA: Ach ja? Und warum geht das nicht?

BORIS: Weil ich kein freier Mann bin. Ich bin ein Mann mit Familie, mit Verpflichtungen. Wie schaffst du's eigentlich immer, die schönsten Momente kaputt zu machen?

ANDREA: Die Mücken machen sich gerade über mich her!

BORIS: Im Handschuhfach ist so ein Sprühding.

Andrea nimmt das Spray im Auto. Sie sprüht sich ein.

BORIS: Sprühst du mich auch ein.

Sie sprüht ihn an, zielt aufs Gesicht und .

BORIS: Bist du bescheuert? . Du hast mir voll ins Auge gesprüht, Andrea!

ANDREA: Ach Quatsch . Habe ich dir eigentlich erzählt, dass ich mit einem Kollegen aus der Apotheke die Nacht verbracht habe?

BORIS: Ach ja? .

ANDREA: Kann sein, dass ich sexsüchtig werde. Als Ersatz für das Codein-Paralazol.

BORIS: Codein-Paralazol? Ist das neu?

ANDREA: Es kickt mich.

BORIS: Du willst mich heute Abend fertigmachen.

ANDREA: Die Macht hätte ich gern.

BORIS: Wo kommt auf...

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