Tageswandler 4: Shaun

 
 
tolino media (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Februar 2021
  • |
  • 232 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7521-3424-7 (ISBN)
 
Unsterbliche zu jagen ist ein einträgliches Geschäft für Shaun. Er wurde für diesen Job mit den Stärken seiner Gegner ausgestattet, hat als Hybrid aber keine ihrer Schwächen. Wenn alles vorbei ist, wird er in sein normales Leben zurückkehren. So ist jedenfalls der Plan, bevor er auf die Vampire Mira und Anzheru stößt. Sie und alle ihre Verbündeten sind weit mehr, als es zu Beginn den Anschein hat... bereits erschienen: Band 1 Mira, Band 2 Anzheru, Band 3 Letizia, Band 5 Gigi und die Kurzgeschichte Marada in Planung: Band 6 Igor und Band 7 Yero

Al Rey ist in Solingen geboren und aufgewachsen und lebt derzeit im schönen Rheinland.
  • Deutsch
  • 0,28 MB
978-3-7521-3424-7 (9783752134247)

Prolog


Der Überwachungsmonitor flimmerte heftig. Shaun überlegte ernsthaft, ob es nicht sinnvoller war, selbst über den Flughafen zu marschieren. Schließlich war kaum etwas zu erkennen. Neben ihm drehte Hugh sich nun schon die dritte Zigarette, seit sie mit Keith ihre Schicht begonnen hatten. Ein sicheres Zeichen dafür, dass auch er langsam die Geduld verlor. Irgendwo im Vereinigten Königreich vermutete ihr Auftraggeber ihre Feinde. Die drei Söldner und noch ein zweites Team warteten jetzt schon seit über drei Wochen auf dem Flughafen London Heathrow auf einen ersten Hinweis.

"Vielleicht fliegen sie gar nicht mit öffentlichen Linien", murmelte Hugh mit der Zigarette im Mundwinkel und durchsuchte seine Taschen nach seinem Feuerzeug.

"Du weißt, wie egal diese Vermutung dem General ist", blockte Shaun die Diskussion sofort ab. Befehl war Befehl.

"Shaun!", meldete sich ihr dritter Kamerad über Funk, der gerade eigenmächtig einen Rundgang machte. "Da sind gerade zwei Subjekte aus Italien eingetroffen. Sie wollen weiter nach Schottland."

Shaun suchte unter den zahllosen Videoübertragungen nach der einen, die das Gate für den entsprechenden Flug zeigte. Als er sie gefunden hatte, betrachtete er den überschaubaren Menschenstrom einen Augenblick, dann griff er zum Funkgerät. "Geht das etwas genauer, Keith? Wen meinst du?"

"Einen Mann und eine schwangere Frau. Ihn kannst du nicht übersehen, der ist ziemlich groß."

Shaun entdeckte das Paar, das Hand in Hand über den Gang lief. Ihr gewölbter Bauch war ebenfalls unübersehbar.

"Bist du nah genug dran für den Scanner?", fragte er ins Funkgerät hinein.

"Gib mir noch ein paar Sekunden", gab Keith zurück. Einen Moment später meldete er sich wieder. "Also entweder haben sie beide ordentlich Fieber, oder es ist normal, dass ihre Temperatur bei 38 Grad liegt."

"Gestaltwandler also." Shaun griff sich seine bereitliegende Ausrüstung. Hugh drückte zuvor noch seine Zigarette aus. "Dass die beiden keine Vampire sind, hätte ich dir gleich sagen können. Zu gesunde Gesichtsfarbe."

Shaun schnaubte nur und sie machten sich auf den Weg. Am Eingang der Wartehalle trafen sie auf Keith. Shaun näherte sich dem verdächtigen Paar von vorn, Hugh und Keith machten einen großen Bogen, um ihnen die Fluchtwege abzuschneiden.

"Guten Tag. Würden Sie mir bitte folgen", forderte er die beiden Gestaltwandler unmissverständlich auf, als er sie erreichte. Sie blieben ruhig sitzen und musterten ihn eindringlich.

"Was ist denn, Officer?", fragte die Schwangere freundlich. Ihrem Gesicht nach war sie Anfang zwanzig. Shaun vermutete jedoch, dass sie schon wesentlich älter war.

"Ihr Gepäck ist bei der Kontrolle aufgefallen. Bestimmt nichts Ernstes, aber Sie wissen ja. die Vorschriften."

"Außer dieser Tasche haben wir kein Gepäck", erwiderte der kräftig gebaute Mann und wies auf die kleine Reisetasche zu seinen Füßen. "Sie müssen uns verwechseln."

Shauns Miene wurde eisern. "Ihr zwei steht jetzt auf und folgt mir. Sonst seid ihr nämlich gleich zwei tote Terroristen. Und das ist immer noch wesentlich glaubwürdiger, als dass ihr euch in Tiere verwandeln könnt."

"Wer bist du?", knurrte der Gestaltwandler bedrohlich leise, doch die schwangere Frau legte ihm eine Hand auf den Arm. "Bitte, Marcus. Nicht hier unter hunderten von Menschen."

Wenige Minuten später erreichten sie den Verhörraum, den ihnen die Flughafenpolizei für solche Fälle überließ. Keith und Hugh hatten zu ihnen aufgeschlossen und bewachten die beiden, während Shaun noch kurz in ihr Büro verschwand, um zu telefonieren. Die Nummer ihres Bosses war auf der ersten Kurzwahltaste eingespeichert.

"Ich hoffe, es ist wichtig", meldete sich seine kratzige Stimme.

"Wir haben zwei Subjekte am Londoner Flughafen, General." Shaun wunderte sich im Stillen immer noch darüber, dass sein Boss darauf bestand, mit seinem militärischen Rang angesprochen zu werden. Schließlich war er seit Jahren nicht mehr im Dienst der Armee. Näheres über seine Entlassung wusste allerdings niemand.

"Und?", fragte der General ungeduldig.

"Eins davon ist schwanger."

Einen Augenblick herrschte Schweigen am anderen Ende der Leitung. Shaun begann, mit den Fingerspitzen auf dem Rand eines Monitors zu trommeln.

"Das könnte höchst interessant sein. Bringt sie her. Das hat ab jetzt oberste Priorität!" Der General legte ohne ein weiteres Wort auf. Shaun straffte die Schultern und marschierte in den Verhörraum hinüber. Die beiden Gestaltwandler fühlten sich sichtlich unwohl in ihrer Haut. Weder hatten sie Platz genommen, noch hatte der große Mann mit den dunklen Haaren die Reisetasche abgestellt. Es fehlte wohl nicht mehr viel und sie würden zum Angriff übergehen. Dennoch setzte Shaun sich gelassen auf die Tischkante.

"Was wollt ihr von uns?", fragte der männliche Gestaltwandler ohne Umschweife.

"Ihr werdet mit uns kommen", antwortete er kühl. "Macht kein Theater, dann wird es auch nicht ganz so schmerzhaft."

Der Gestaltwandler fuhr sich mit der Zunge über die Zähne wie eine Raubkatze. Im Bruchteil einer Sekunde ließ er die Tasche fallen und sprang in einer riesigen schwarzen Panthergestalt auf Shaun zu.

Zu Marcus' Erstaunen wich ihm der seltsame Soldat mit Leichtigkeit aus. Dass diese drei Männer keine gewöhnlichen Flughafenpolizisten sein konnten, war ihm sofort bewusst gewesen, als ihr Anführer sie angesprochen hatte. Sie rochen fremdartig und sie bewegten sich nicht so plump wie Sterbliche. Auch Tove hatte sich verwandelt und griff einen der Männer an, doch auch ihre Attacke ging ins Leere. Einer der Soldaten warf eine Rauchgranate auf den Boden. Der leicht violette Rauch, der sich rasend schnell im Raum ausbreitete, brannte fürchterlich in der Kehle und vernebelte die Sicht. Marcus hustete unwillkürlich gegen das Kratzen in seinem Hals an, aber es schien nur noch schlimmer zu werden.

"Idiot! Der Frau darf nichts passieren!", brüllte der Wortführer der Soldaten. Um Tove ging es also. Und um das Baby, das seit fast sieben Monaten in ihr heranwuchs, daran gab es für Marcus keinen Zweifel mehr. Blind vor Zorn ging er zum nächsten Angriff über. Dieses Mal erwischte er einen der Soldaten mit der Pranke. Sein Körper wirbelte durch die Luft und sprengte die Tür aus ihren Angeln. Wie viele Sterbliche in der Nähe sein mochten, interessierte Marcus nicht mehr. Sie mussten aus diesem fürchterlichen Rauch heraus. Er hörte Tove gequält husten. Hastig folgte er ihrer Stimme, bekam sie zu fassen und zerrte sie hinaus auf den Gang, auf dem der Rauch weniger dicht war. Marcus spürte, dass seine Kräfte zunehmend nachließen. Was auch immer in diesem violetten Gas enthalten war, es schwächte ihn und seine Geliebte. Die drei Soldaten schienen hingegen immun gegen seine Wirkung zu sein. Sie gingen von der Verteidigung zum Angriff über. Ihr Anführer schoss mit einer Handfeuerwaffe auf ihn, die anderen beiden stürzten sich auf Tove. Marcus verspürte brennende Schmerzen in der Brust. Die Kugeln waren nicht wieder ausgetreten, sondern von seinen Rippen gestoppt worden. Ihm blieb die Luft weg.

"NEIN!", hörte er die Stimme seiner Gefährtin durch den dichten Schleier, der sich zunehmend über alles legte. Marcus sank auf die Knie.

"Schafft sie weg", befahl der Soldat gelassen, der auf ihn geschossen hatte. "Um den hier kümmere ich mich."

Marcus musste sich auf den Fäusten abstützen.

"Ich hab' dich ja gewarnt." Der Soldat beugte sich zu ihm herunter. "Aber Sturheit und Aggressivität ist unter den Unsterblichen sehr weit verbreitet, wenn ich mich nicht irre."

"Was bist du?", keuchte der Gestaltwandler angestrengt. Shaun verzog die Mundwinkel. "Nun, zum Teil bin ich wie du. Aber das verstehst du noch früh genug, Marcus. Jetzt nimm brav die Hände auf den Rücken."

Stattdessen hustete er heftig, obwohl sich das Gas langsam verzog. Die Schwangere schrie nach ihm. Shaun wollte ihn gerade endgültig auf dem Boden festnageln, als der Gestaltwandler plötzlich hochschnellte. Er erwischte ihn mit voller Wucht unterm Kinn, wobei Shaun sich auf die Zunge biss. Ein zweiter unkontrollierter, wütender Schlag traf ihn an der Schulter. Shaun nahm ein leises Knacken wahr, als sein Schlüsselbein brach und er zu Boden ging. Es war bei weitem nicht das erste Mal, dass er sich einen Knochen brach. Dennoch ließ es ihn die eine Sekunde innehalten, die der Gestaltwandler brauchte, um sich aus seiner unmittelbaren Reichweite zu entfernen. Shaun schmeckte Blut. Mit der Waffe im Anschlag stemmte er sich auf die Knie hoch. Wider Erwarten lief der Gestaltwandler nicht in die Richtung seiner schwangeren Frau. Sondern direkt auf die Flughafenpolizisten zu, die mittlerweile am anderen Ende des Ganges aufgetaucht waren. Shaun fluchte leise. Natürlich starrten sie Marcus nur entsetzt an und hielten ihn nicht auf. Und jetzt war es auch zu spät, um zu schießen. Der Gestaltwandler drängte sich an den Polizisten vorbei und ergriff die Flucht.

"Was zur Hölle ist hier passiert?", rief einer der uniformierten Männer. Shaun erhob sich wortlos. Inzwischen hatte sich eine erstaunliche Menge Blut in seinem Mund gesammelt, daher antwortete er lieber nicht. Er winkte ihnen nur und lief in menschlicher Geschwindigkeit Keith, Hugh und der Schwangeren hinterher. Erst als Shaun die ungenutzte Einfahrt erreichte, in der sie ihren Van geparkt hatten, spuckte er das Blut aus. Keith beobachtete ihn...

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