Sachmet Blutmond

Band 2
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. November 2018
  • |
  • 208 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7481-3590-6 (ISBN)
 
Ägypten lebt in Wohlstand und Frieden unter der Herrschaft von Pharao Amenhotep und seiner Gemahlin Teje. Doch der Kampf der großen Göttinnen Isis und Sachmet, über die Herrschaft der Seelen der Hohepriesterin Sahu-Re beginnt erst. Eine unheimliche Himmelserscheinung bedroht das Schwarze Land. Bent, von Visionen geplagt, fürchtet, Sachmet wolle ein zweites Mal die Menschheit vernichten.

1389 v. Chr.: Uaset, Kemet: Bent, äußerlich geheilt, innerlich zerrissen, versucht ihrer grausamen Vergangenheit zu entfliehen, nimmt daher das Amt der Hohepriesterin im Tempel der Isis an. Doch das Studium der geheimen Schriften und das Lernen der Heilkunst sind nicht ihr alleiniges Bestreben. Fieberhaft versucht sie aus den Mysterien der Isis Heka Achu zu lernen - das Zaubern! Wird es ihr gelingen, das Grab ihres Kindes und ihrer Freundinnen zu finden? Wird sie es schaffen, ihr Haus aus Trümmern auferstehen zu lassen? Denn eines Tages steht sie abermals ihrem Peiniger Amenophis Hapu gegenüber! Und was sie einst der furchterregenden Sachmet geschworen hatte, nimmt unverhofft eine blutige und grausame Wendung.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,99 MB
978-3-7481-3590-6 (9783748135906)
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Ich bin im Saarland geboren, verheiratet und als freischaffende Künstlerin tätig. Das antike Ägypten ist meine Leidenschaft, seit ich Kind war. Meine Passion für Ägypten, insbesondere die Zeit der 18. Dynastie, schlug sich im Jahr 2000 in meinem ersten erfolgreichen Roman Am Horizont der Sonne nieder. Deshret - Rote Erde folgte im März 2003. Sachmet kam 2009 heraus. 2010 erschienen meine drei Romane in 2. überarbeiteter Auflage und auch als E-Book.

Wie aus dem Nichts schwirrten Millionen von Heuschrecken durch den Korridor, getragen von dem heißen, heftigen Wind, der Amenophis fast von den Beinen riß; taumelnd wich er weiter zurück, wie toll um sich schlagend, die Heuschrecken vertreibend. Es gab kein Entkommen, denn hinter ihm befand sich nur die Tür zum Abtritt. Von dort gab es keinen weiteren Ausgang. Bent war verschwunden, stattdessen schritt eine auf bestialische Weise schrecklich blutende Frau auf ihn zu, deren vom Feuer zerfressenes, schauderhaft anzusehendes Gesicht sich in das Haupt einer Löwin verwandelte. Ihr göttliches Brüllen hallte entsetzlich in dem engen Korridor:

"Ich bin Sachmet! Ich bemächtige mich des Frevlers! Ich bin das verzehrende Feuer! Ich bin die Wahrheit und die Gerechtigkeit! Du bist außerhalb der Maat aber ich bin das rächende Auge des Re! Ich bin Hathor-Sachmet, welche sich ihrer Feinde bemächtigt! An meiner Seite Sia und Schai! 23 Achu! Heka! Höre mich Ka! Heka Achu!"

Schon griffen die gespenstigen, schauderhaften Hände nach ihm, legten sich um seinen Nacken, als wollten sie ihn zum Kusse zwingen. Amenophis schrie auf, wollte sich aus der Umarmung winden, aber Sachmet war schneller. Sie schlug ihm die blitzenden Reißzähne ins Gesicht und blies ihren, nach faulem Fleisch und Pestilenz stinkenden Atem in seine Nase. Sodann ließ sie ihn los: "Leben sollst du!", fauchte sie und es hörte sich an wie Donnerschlag. "Leben! Erbärmlich leben! In alle Ewigkeit. Du hast den Kuß des Todes erhalten, aber du wirst niemals sterben! Auf ewig sollst du den Tag verfluchen, der dein Todestag sein sollte. Sachmet hat dich geküßt und verflucht!"

In der plötzlichen Stille hörte Bent nur wie jemand stolpernd, fallend, sich wieder aufrappelnd durch den Korridor hastete. Wieso lag sie am Boden? Mühsam richtete sie sich auf, erblickte Dreck und Blut auf ihrem schönen Kleid. War ihr so schlecht geworden, daß sie ohnmächtig wurde? Zitternd stand sie auf und versuchte ihr Kleid zu richten. Es war über und über blutig, dazu an den Knien schmutzig. Sie konnte nicht lange in dem Korridor vor den Abtritten gelegen haben, dennoch kam es ihr vor, als hätte sie eine ganze Nacht lang hier gelegen und einen fürchterlichen Traum geträumt. Das war doch wieder ein Anfall von Raserei?

Jäh kam ihr die Erinnerung. Angeekelt spuckte sie aus, als sie an das Gesicht Amenophis Hapus in ihrem Mund dachte. Iarets Kätzchen schmiegte sich maunzend an ihr Bein, wohl schutzsuchend vor dem vermeintlichen Unwetter. Bent wollte sie hochheben, doch sie zitterte zu sehr. Mit weichen Knien sank sie neben die Katze: "Ach, Bast, süße kleine Miu!" Die Katze an sich drückend, als fände sie Trost in dem warmen, weichen Fell, betrachtete sie ihre bebenden, mit klebrigem Blut bedeckte Hände, die sich in den feinen Pelz gruben. Sie spuckte auf ihre linke Hand, wischte das Blut an dem Kleid ab. Darunter sah alles aus wie vorher, heil und glatt, keine Narben, keine Spur von den verbrannten Klauen, die eben noch mit glühendem Haß nach dem Mordbrenner gegriffen hatten. Hastig legte sie beide Hände fühlend an die Wangen: alles heil!

"Oh Isis, ich danke dir! Ein Traum! Ein grauenvoller Traum aus den Tiefen meines Wahnsinns! Ich bin immer noch eine unberechenbare Irre! Doch mein Herz?" Bent hob den Kopf und horchte in sich hinein. "Es tanzt!"

Es klopfte wie toll, tanzte einen unbändigen Tanz des Lebens, als wäre eine gewaltige Last von ihm genommen worden.

Sie lehnte sich noch einen Moment an die Wand, bis sie sich stark genug fühlte um aufzustehen. Heimlich, still und verstohlen huschte sie im Schutze der dicken Säulen über die Höfe zu ihrer Kammer. Niemand begegnete ihr. Welch ein Glück, alle waren mit Essen, Trinken, Musik, Gesang und Plaudereien beschäftigt. Sie wollte sich schnell umziehen, das blutige Kleid verstecken und dann endlich zu der königlichen Gesellschaft zurückgehen. Ein prüfender Blick in den blinden Anch verriet ihr, daß sie lediglich einige Haarsträhnen richten und den Lidstrich ausbessern sollte. Sie schlug sich an den Gedankenkasten, darauf hoffend, einen weiteren Anfall vermeiden zu können. Hier und da zeigten sich Spuren von Blut im Gesicht, auf ihren Armen, Händen und zwischen den Brüsten. Schnell griff sie nach einem Tuch, tunkte es in den Wasserkrug, wischte damit die letzten Blutspuren von ihrem Körper. Dann streifte sie das Kleid über, welches sie bei Neschons Tochter zuerst gekauft hatte, richtete den Schmuck und eilte zurück in den Festsaal.

Dort war die Stimmung mittlerweile am Überkochen. Wieder schallte der laute Ruf des Musikers: "Ich kann nicht hungrig singen, nicht die Harfe halten zum Gesang, wenn ich nicht satt vom Weine bin!"

"So singe doch!"

"Wo ist das Zeug? Meine Kehle ist so trocken wie Stroh!"

Die Lieder wurden immer schlüpfriger, jetzt kam das: 'Drehe ich die Harfe in der Hand, so singe ich von Frauenschand'

Niemand sollte Bent ansehen, was sie eben durchgemacht hatte. Sie zauberte sich ein strahlendes Lächeln ins Gesicht, mischte sich unter die Gäste, plauderte hier und da ein wenig, trank mit Kara einen Becher Wein, brachte Tachut einen Teller voll Obst, aß mit ihr. Mesechnet und Uadja beglückwünschten sie. Andere kamen dazu, küßten sie. Schließlich nahm sie wieder neben Teje Platz.

"Wo ist denn Euer wunderschönes Kleid geblieben?", fragte die Königin.

"Ein bedauernswerter Unfall mit einem Becher Wein, Majestät.", lächelte Bent unverblümt. Der Zeremonienmeister trat an den Tisch. Leise erklärte er, ein hoher Gast hätte sich soeben verabschiedet. "Pharaos Baumeister, er läßt sich entschuldigen, ihm wäre unwohl geworden."

Mit einem Nicken nahm die Königin es zur Kenntnis. "Besser ihm als mir", sagte sie schmunzelnd zu Bent, der es in diesem Augenblick kalt den Rücken hinunterlief. "Ich kann ihn nicht leiden! Aber, ich denke auch allmählich über den Aufbruch nach. Es wird Zeit, seht doch, alle sind trunken. Meine liebste Sahu-Re, nehmt meinen aufrichtigen Dank für Eure Gastfreundschaft entgegen. Es war ein wundervolles Fest und Isis wird froh sein, wieder in ihrer Heimstatt zu sein."

Wenig später stand Bent an dem großen Eingangstor, das hinaus in die Stadt und hinunter zum Nil führte; dort wiegte sich die königliche Barke Aton Tjehen in den sanften Wellen.

"Der Baumeister!", dachte sie mit Grausen. "Der Fatzke! Das Monstrum! Das war kein Traum! Das war kein Wahnsinn! Er war tatsächlich da! Hier, in meinem Haus!" Ein Todesschrecken überkam sie, wünschte sich, sie besäße einen Stock auf den sie sich stützen könnte. Ach glückliche Tachut, sie besaß eine Stütze! Bent betete zu sämtlichen Göttern, daß alle endlich verschwanden und sie sich zurückziehen könnte. Gänsehaut überzog ihren Körper, ihr wurden schon wieder die Knie weich, aber das konnte sie sich nicht erlauben. Vor ihr, auf der gewaltigen Freitreppe verneigten sich manche der Gäste vor ihr, andere waren schon in ihre Sänften oder Barken gestiegen, hier wurde sich noch verabschiedet, da wurde noch geplaudert. Manche schwankten bedenklich. Teje war bereits am Fuß der Treppe angelangt, als Taduchipa der Königin gerade fröhlich zurief, daß sie in des Vaters Sänfte nach Hause zurückkehren wollte. Offensichtlich hatte sie diese soeben in dem Getümmel entdeckt.

Noch einmal an diesem denkwürdigen Tag flackerte in Sahu-Re Sachmets Wut auf, abermals spürte Bent die unbändige Macht der Medu Netjer, als sie an die Zukunft des Mädchens dachte. Sie würde denjenigen zum Manne nehmen, dem sie selbst einst in ihrem Wahn das Leben nehmen wollte. Dem Thronfolger!

"Ich werde einen Weg finden! Meiner göttlichen Rache wird er nicht entgehen!", fauchte sie leise, entsetzt über diesen Gedanken, warum sie den Prinzen töten wollte. Und noch entsetzter darüber, daß sie leibhaftig ihrem Peiniger Aug in Aug gegenübergestanden war.

"Willst du nicht mal aufstehen?" Kara rüttelte an Bents Decke. "Es ist bald Mittag! Du hast Pflichten! Mir scheint, du hast gestern ordentlich dem Bier zugesprochen! Los! Hoch!"

"Ach laß mich doch in Ruhe!", brüllte Bent unter ihrer Decke und drehte sich zur Wand. Was für eine furchtbare Nacht lag hinter ihr. Immer wieder stand das gruselige Erlebnis in dem Korridor vor ihren Augen, sooft sie die Lider schloß. Nicht einen Augenblick kam der Schlaf. Und das lag nicht daran, daß alle Bediensteten des Hauses, nachdem die Gäste gegangen waren, weiterfeierten. Auch die Frauen der Isis, die mittags nicht dabei sein konnten, feierten. Es war genug von dem prächtigen Ochsen übrig, Bier floß in Strömen, die Musikanten spielten bis spät in der Nacht. Sie hatten sich das Feiern redlich verdient. Nein, daran scheiterte Bents schlaflose Nacht nicht. Sie scheiterte an ihren Träumen, an...

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