Aufstieg und Fall der ägyptischen Muslimbruderschaft 2011-2013

 
 
Tectum Wissenschaftsverlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. November 2016
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  • 459 Seiten
 
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978-3-8288-6584-6 (ISBN)
 
Ägypten war eines der Länder, das im Arabischen Frühling in das Zentrum der Aufmerksamkeit der Medien rückte. Doch die anfängliche Euphorie für die Revolution schwand schnell. Die Muslimbruderschaft, die trotz zeitweiligen Verbots und Einschränkungen die wichtigste Oppositionsbewegung darstellte, konnte sich im Zuge der Revolution frei entfalten, eine parlamentarische Mehrheit erlangen und den Präsidenten stellen. Massenproteste führten jedoch dazu, dass dieser erste frei gewählte Präsident bereits ein Jahr danach wieder vom Militär gestürzt und durch einen General ersetzt wurde. Ohne großes Aufsehen der Weltöffentlichkeit - Syrien und die Fluchtbewegung nach Europa kamen nun in den Fokus - konnte sich in Ägypten erneut ein Militärregime etablieren, das jegliche Opposition und freie Meinungsäußerung mit eiserner Hand unterdrückt und die einstigen Träume der Revolution in weite Ferne rückt. Die führenden Köpfe der Muslimbruderschaft sind verhaftet, untergetaucht oder emigriert. Aber auch liberale Kräfte, die die Revolution initiierten, sitzen gleichermaßen im Gefängnis oder verlassen Ägypten. Wie ist es dazu gekommen? Wie kam es zum Aufstieg und Fall der Muslimbruderschaft und welche Rolle spielten dabei die Medien? Welche Entwicklungen lassen sich seit 2013 verfolgen? Der Sammelband vereinigt eine zeitgeschichtliche Analyse des FAZ-Korrespondenten Markus Bickel, eine historische Studie von Martina Schmidl zur Frage der Gewaltanwendung gegenüber den Muslimbrüdern und ihrer Haltung zur Gewalt sowie einen Beitrag von Aisha Essam al-Haddad, der Tochter des außenpolitischen Beraters Mursis, zur Darstellung der "Islamisten" in den ägyptischen Medien. Eines ist sicher: Ägypten bleibt ein Pulverfass und der politische Islam wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
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mit s/w-Abb. und Tabellen
  • 4,70 MB
978-3-8288-6584-6 (9783828865846)
3828865844 (3828865844)
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Der Herausgeber Wolfram Reiss lehrt Religionswissenschaft an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Seit 1997 Mitglied des Advisory Boards des Arab West Reports, Kairo. 1998 Promotion über die "Erneuerung in der Koptisch-Orthodoxen Kirche". 2005 Habilitation über die "Darstellung des Christentums in ägyptischen Schulbüchern". Diverse Publikationen zur Situation von Minderheiten im Nahen Osten und in Europa.

Markus Bickel ist Nahost-Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.). Geboren 1971 in Caracas; Studium der Politik-, Sozial- und Kommunikationswissenschaften in München und Berlin, Abschluss als Diplompolitologe; Absolvent der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München. Von 1997 bis 2002 Politikredakteur der Wochenzeitung "Jungle World", danach Balkan-Korrespondent mit Sitz in Sarajevo. 2005 bis 2008 freier Nahost-Korrespondent in Beirut, unter anderen für "Spiegel Online", "Berliner Zeitung", "taz" und die F.A.Z. Dort seit 2008 als Außenpolitik-Redakteur tätig, von 2012 bis 2015 als Nahost-Korrespondent in Kairo. 2006 erschien bei Marco Polo sein "Reiseführer Montenegro", 2011 in der Edition Weltkiosk "Der vergessene Nahostkonflikt - Syrien, Israel, Libanon, Hizbollah".

Aisha El-Haddad ist Assistenzlektorin an der Fakultät für Massenkommunikation der Cairo University. Sie besitzt Masterabschlüsse in Journalismus, Television sowie ein Diplom in Public Policy der American University of Cairo (AUC). Darüber hinaus hat sie ein Diplom in Islamstudien vom Hohen Institut für Islamstudien in Kairo erhalten. Sie arbeitete als Journalistin in verschiedenen Presseorganen wie z.B. der englischen Version von Islamonline.net und Al-Alam Al-Youm Economic Daily. Als Forscherin beschäftigte sie sich mit Sozialen Medien und sozialen Bewegungen an der AUC. 2010 veröffentlichte sie einen Artikel über "Die Verbindung zwischen der politischen Online- und Offline-Partizipation ägyptischer Jugendlicher: Eine Fallstudie am Beispiel der Facebook-Gruppe Al-Baradie for Egyptian Presidency 2011".

Martina Schmidl schreibt derzeit ihre Dissertation im Bereich der Assyriologie als uni:docs-Stipendiatin der Universität Wien. Sie absolvierte das Diplomstudium Altsemitische Philologie und Orientalische Archäologie (2012) sowie das Individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (2015), beide ebenfalls an der Universität Wien. Sie war etwa zweieinhalb Jahre lang Teil des interdisziplinären Nationalen Forschungsnetzwerks (NFN) "Imperium & Officium", gefördert vom österreichischen FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung), aus dem auch ihr Dissertationsthema stammt.
Der Kontext der Publikation über die Muslimbruderschaft (Wolfram Reiss)

Abstracts

I Sisis starker Staat: Von der Revolution zur Repression in Ägypten (Markus Bickel)
1 Einleitung
2 Vom SCAF zu den Islamisten
3 Der Sieg des Polizeistaats
4 Stabilität statt Demokratie
5 Massaker und Menschenrechtsverletzungen
6 Austausch der Autokraten
7 Kampf gegen den Terror
8 Kollektives arabisches Erwachen
9 Friedhofsruhe, kein Frühling
Bibliographie

II Gewalt gegen Islamisten: Der Fall der ägyptischen Muslimbruderschaft (Martina Schmidl)
Abkürzungsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Der Begriff "Gewalt"
1.2 Islamismus, islamischer Fundamentalismus, politischer Islam - eine Begriffsklärung
1.3. Inhaltliche Schwerpunkte und Besonderheiten
2 Abriss der historischen Entwicklung der Muslimbruderschaft bis Anwar as-Sadat
2.1 Historische Gegebenheiten: Ägypten in den 1920ern
2.2 Die Gründung der Muslimbruderschaft
2.3 Die Muslimbruderschaft als politischer Akteur
2.3.1 Der zweite Weltkrieg
2.3.2 Nach dem zweiten Weltkrieg
2.4 Die Auflösung der Muslimbruderschaft
2.4.1 Die Ermordung Hasan Bannas
2.4.2 Die erneute Zulassung der Muslimbruderschaft
2.5 Die Muslimbruderschaft und Nasir
2.5.1 Kooperation
2.5.2 Entzweiung und Auflösung
2.5.3. Saiyid Qutb und die Organisation 1965
2.6 Die Muslimbruderschaft und Muhammad Anwar as-Sadat
2.7 Zusammenfassung
3 Die Haltung der Muslimbruderschaft zu Gewalt
3.1 Hasan al-Banna
3.2 Saiyid Qutb
3.3 Der Weg zur offiziellen Gewaltlosigkeit
4 Husni Mubarak und die Muslimbruderschaft - Von Duldung zu Ächtung
4.1 Die Muslimbruderschaft in den 1980ern
4.2 Die Muslimbruderschaft in den 1990ern
4.3 Die Muslimbruderschaft in den ersten Jahren des 21. Jhdts.
4.3.1 Wahlen 2000
4.3.2 Wahlen 2005
4.3.3 Wahlen 2010
4.4 Zusammenfassung
5 Der "Arabische Frühling", die Muslimbruderschaft und das Militär
5.1 Die Hintergründe des "Arabischen Frühlings" in Ägypten
5.1.1 Die Muslimbruderschaft und der "Arabische Frühling"
5.2 Nach dem Rücktritt Mubaraks
5.3 Die Parlamentswahlen 2011/2012
5.3.1 Die Partei der Muslimbruderschaft
5.3.2 Der Ablauf der Wahlen
5.4 Regierungsarbeit
5.5 Nach den Wahlen ist vor den Wahlen - die Präsidentschaftswahlen 2012
5.5.1 Die Auflösung der verfassungsgebenden Versammlung
5.5.2 Die Nominierung Muhammad Mursis
5.5.3 Die Auflösung des Unterhauses
5.5.4 Die Stichwahl
5.6 Mursi als Präsident
5.7 Die präsidiale Machtübernahme
5.7.1 Die Verfassung 2012
5.8 Der zweite Jahrestag der Proteste gegen Mubarak
5.9 Die Verfassung in der Praxis
5.10 Die Absetzung Mursis
5.11 Widerstand von Seiten der Muslimbruderschaft
5.11.1 Mehrheitlich zivile Zusammenstöße
5.11.2 Konflikte mit den Sicherheitsbehörden
5.11.3 Religiös motivierte Angriffe
5.12 Unterdrückung und Verfolgung - das (erneute) Verbot der Muslimbruderschaft
5.13 Die neue Verfassung
5.14 Gerichtsverhandlungen bis März 2014
5.15 Conclusio
6 Gesamtsicht auf die Entwicklung der Muslimbruderschaft / Summary of "Violence against Islamists: The Case of the Muslim Brotherhood"
Bibliographie
Anhang 1: Deklaration von über der Verfassung stehenden Prinzipien
Anhang 2: Verfassungsdeklaration des SCAF 2012

III From Islamophobia to Islamistophobia: Framing Islamic Movements in Egyptian Newspapers from 2011 Revolution until 2013 Coup (Aisha Essam El-Haddad)
List of Tables
List of Figures
1 Introduction
1.1 Who Are Islamists?
1.1.1 Terms and Definitions
1.1.2 Reasons for Islamism
1.1.
Abstracts

Sisi's Strong State - From Revolution to Repression in Egypt (Markus Bickel)

Markus Bickel describes the fall of Egypt's revolution after the coup d'état of then army chief Abd al Fattah al-Sisi in July 2013. All the hopes for a peaceful democratic change which liberal and Islamist actors who stood behind the uprising against Hosni Mubarak held, have been shattered since then - with tens of thousands kept in Egyptian prisons and hundreds more shot by police and army forces all across the country. With local franchises of the "Islamic State" (IS) spreading to the Sinaipeninsula and major cities such as Alexandria and Cairo, President Sisi has so far succeeded in winning the West for his self-declared war against all shades of the Islamist scene - making no distinction between peaceful members of the Muslim Brotherhood and Jihadi groups. Without social progress his model of stability without transparency nor participatory elements to pacify the opposition his autocratic rulership is doomed to fail.

Violence against Islamists: The Case of the Muslim Brotherhood (Martina Schmidl)

This paper deals with the Egyptian Muslim Brotherhood in its violent interaction with outside agents. In this context, violence by, but also against the Muslim Brotherhood in Egypt is under scrutiny. While the focus of the investigation lies on a detailed treatment of the events leading up to and following the Arab Spring in Egypt in 2011 until the spring of 2014, historical developments since the founding of the organisation in 1928 are also summarised - though less extensively - to provide ample context for attitudes on and the implementation of violence. Historically speaking, violence has mostly been connected to political activities of the organisation, which is why this study focuses on this aspect of the brotherhood. Its attitude towards violence is not only investigated in practical, historical terms, but also in the treatment of violence by important thinkers of the movement - as well as discrepancies between the two. In this context, opinions of leaders of the brotherhood on violence are given, with emphasis placed on the attitudes of Hasan al-Banna and Saiyid Qutb.1

From Islamophobia to Islamistophobia: Framing Islamic Movements in Egyptian Newspapers after the January 25th Revolution (Aisha Essam El-Haddad)

This study examined how Egyptian newspapers framed Egyptian Islamic movements in the two years following the January 25, 2011 revolution. A content analysis was conducted on four newspapers including the state-owned Al-Ahram and three private newspapers representing different levels of professionalism: Al-Masry Al-Youm, Al-Youm Al-Sabea' and Al-Dostor. The total sample consisted of 197 front-page news articles. Results indicated that Egyptian newspapers predominantly associated Islamism with negative values. Among the top five frames that dominated Egyptian newspapers coverage of Islamists - "antidemocracy", "politically organized",v"violence", "polarization", and "anti-revolution" - four were negative. The study found framing differences across Islamic groups, especially between the Muslim Brotherhood and the Salafi Al-Noor party. Negative framing was more common in private newspapers scoring lower on professional and ethical standards. Results suggest that Islamists were already framed negatively before they reached power, and when their political roles changed framing became more negative. The study provides a reference point for future comparisons with the framing of Islamic movements in Egypt following the removal of President Mohammed Morsi on July 3, 2013.

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