VIRALS - Tote können nicht mehr reden

Tote können nicht mehr reden
 
Kathy Reichs (Autor)
 
Random House ebook (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 21. März 2011 | 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05932-3 (ISBN)
 
Tory Brennan ermittelt
Die vierzehnjährige Tory Brennan ist die Nichte der berühmten forensischen Anthropologin Tempe Brennan. Mit ihr teilt sie zwei Dinge: den Instinkt für Verbrechen - und den unbedingten Willen, diese aufzuklären ...
Auf einer einsamen Insel findet Tory die vergrabenen Knochen eines vor etwa 30 Jahren verstorbenen jungen Mädchens. Torys Versuch, gemeinsam mit ihren Freunden die Identität des Mädchens zu lüften, erweist sich als gefährlicher als erwartet: Bei der Toten handelt es sich um die damals sechzehnjährige Katherine Heaton, deren Verschwinden nie aufgeklärt wurde. Die Spuren des Verbrechens reichen bis in die Gegenwart, bis in ein Labor, in dem wissenschaftliche Experimente mit dem gefährlichen Parvovirus vorgenommen werden. Tory und ihre Freunde infizieren sich mit dem Virus - und erlangen dadurch eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit, die ihnen bei ihren Recherchen zugute kommt. Denn der Mörder von Katherine Heaton tut alles dafür, dass das Verbrechen nicht ans Tageslicht gebracht wird ...


Kathy Reichs, geboren in Chicago, lebt in Charlotte und Montreal. Sie ist Professorin für Soziologie und Anthropologie und unter anderem als forensische Anthropologin für gerichtsmedizinische Institute in Quebec und North Carolina tätig. Ihre Romane erreichen regelmäßig Spitzenplätze auf internationalen und deutschen Bestsellerlisten und wurden in 30 Sprachen übersetzt.
Corpus Fontium Historiae
Knut Krüger
Deutsch
Breite: 125 mm
0,84 MB
978-3-641-05932-3 (9783641059323)
3641059321 (3641059321)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Kathy Reichs, geboren in Chicago, lebt in Charlotte und Montreal. Sie ist Professorin für Soziologie und Anthropologie und unter anderem als forensische Anthropologin für gerichtsmedizinische Institute in Quebec und North Carolina tätig. Ihre Romane erreichen regelmäßig Spitzenplätze auf internationalen und deutschen Bestsellerlisten und wurden in 30 Sprachen übersetzt.

KAPITEL 1


Alles begann mit einer Erkennungsmarke. Oder einem Affen mit einer Erkennungsmarke. Wie ihr wollt. Ich hätte mir gleich denken können, dass die uns in Schwierigkeiten bringen würde. Hätte es spüren müssen. Doch meine Wahrnehmungsfähigkeit war damals nicht so gut entwickelt. Noch nicht.

Aber der Reihe nach.

Es war ein typischer Samstagmorgen bei mir zu Hause, abgesehen davon, dass an meinem Zuhause überhaupt nichts typisch ist. Es ist einzigartig - sogar ziemlich merkwürdig. Also genau der richtige Platz für mich.

Da, wo ich wohne, gibt es viele interessante Dinge, vorausgesetzt ihr seid genauso gern in der freien Natur wie ich. Ach, ihr seid keine Naturliebhaber? Dann werdet ihr die Gegend vielleicht ein bisschen . abgelegen finden.

Ich lebe nämlich auf einer verlassenen Insel. Einer schönen einsamen Insel, wollte ich sagen.

Morris Island. Meine Heimat fern jeder anderen Heimat. Endstation. Ein Ort im Nirgendwo. Der Hinterhof von Charleston. Eigentlich gar nicht so übel, wenn man nicht dazu neigt, sich einsam zu fühlen. Was ich tue. Aber was soll's. Ich kann zumindest meine Beinfreiheit genießen.

Morris ist nicht so eindrucksvoll wie andere Inseln. Vier Meilen im Quadrat, das ist alles. Die nördliche Hälfte besteht aus einer unspektakulären, sanft geschwungenen Kette sandiger Hügel. In der Mitte werden die Sandhügel zehn bis zwölf Meter hoch und erstrecken sich weiter in Richtung Süden, wo die Insel sich weitet. Der westliche Teil besteht aus ödem Marschland, das von flachen, den Gezeiten unterworfenen Buchten gesäumt wird. Und im Osten: der unermessliche Atlantik.

Dünen, Sümpfe, Strände. Und Stille. Unbegrenzte Stille.

Auf unserem kleinen Eiland gibt es zwei von Menschenhand geschaffene Dinge. Das eine ist unsere Wohnanlage, das andere eine Straße. Die Straße. Unsere einzige Verbindung zur Welt da draußen. Es handelt sich um eine einspurige, nicht markierte schmale Asphaltpiste, die sich südwärts durch Marschland und Dünen hindurchschlängelt, ehe sie Morris verlässt und an Lighthouse Creek vorbei nach Rat Island führt. Irgendwann trifft sie dann bei Folly Beach auf den Highway, der sich an Goat Island vorbei in Richtung Stadt zieht.

Rat. Goat. Folly. Wer sich über die Namen wundert, sollte mal bei der Charleston Historical Society nachfragen, wer sich diese hübschen Bezeichnungen ausgedacht hat. Und es gibt noch viel mehr davon.

Das alles war neu für mich. Bis letztes Jahr bin ich noch nie südlich von Pennsylvania gewesen. Dann brach ich in das Leben meines Dads ein.

Was meinen »Mitbewohner« angeht .

Christopher »Kit« Howard ist mein Vater.

Das wissen wir beide jetzt seit genau sechs Monaten. Damals bin ich nach South Carolina gezogen, um mit ihm zusammenzuleben.

Nach dem, was mit meiner Mom passiert war, blieb mir keine andere Wahl.

Nach dem Unfall.

Ich weiß nicht genau, warum, aber Mom hat Kit nie von mir erzählt. Er hatte keine Ahnung, dass er Vater ist, und das schon seit vierzehn Jahren.

Über diesen Schock ist er immer noch nicht hinweggekommen. Manchmal sehe ich es seinem Gesicht an. Wenn er nach einem kurzen Schläfchen erwacht oder nach vielen Arbeitsstunden endlich wieder frische Luft schnappt, zuckt er regelrecht zusammen, wenn er mich sieht. Das ist meine Tochter, denkt er dann. Ich habe eine 14-jährige Tochter, die bei mir wohnt. Ich bin ihr Vater.

Ich bin nicht weniger geschockt, Paps, aber ich arbeite daran.

Wie soll ich meinen frisch entdeckten Vater beschreiben? Kit ist einunddreißig, Meeresbiologe und Forscher am Institut von Loggerhead. Ein Workaholic.

Als Erzieher ist er ziemlich hilflos.

Vielleicht ist alles noch zu neu für ihn - ihr wisst schon, das Erstaunen darüber, plötzlich mit einem eigenen Teenager konfrontiert zu werden. Oder ich erinnere ihn an seine eigene wilde Jugend. Jedenfalls hat er keine Ahnung, wie er mit mir umgehen soll. An einem Tag behandelt er mich wie einen seiner Kumpel, am nächsten wie ein kleines Kind.

Um ehrlich zu sein, trage auch ich einen Teil der Verantwortung dafür, dass alles nicht ganz einfach ist. Ich bin keine Heilige. Und die Entdeckung, einen Vater zu haben, hat mich total aus der Bahn geworfen.

Hier sind wir also. Gemeinsam. Am Ende der Welt.

An jenem Tag war ich gerade dabei, Seemuscheln zu klassifizieren. Langweilig? Vielleicht. Aber ich bin eine begeisterte Wissenschaftlerin. Ich liebe es, Dingen auf den Grund zu gehen, Antworten zu finden. Mom hat schon immer Witze darüber gemacht, wie schwierig es sei, ein Kind großzuziehen, das schlauer ist als die meisten Hochschuldozenten.

Mein Motto: Ich bin, wie ich bin.

Berge von Muscheln bedeckten den Küchentisch. Sundial-Muscheln, Haiaugen, Truthahnflügel. Frisch gereinigt und poliert schimmerten sie im frühen Morgenlicht.

Ich fischte eine neue Art aus dem Eimer zu meinen Füßen und achtete darauf, dass nichts von dem Bleichwasser auf meine Kleider tropfte. Unverkennbar eine Scotch Bonnet: weiß, eiförmig, die geriffelte Oberfläche von einem gleichmäßigen Muster rotbrauner Flecken überzogen. Zufrieden mit meinem seltenen Fund, legte ich die Muschel zum Trocknen beiseite.

Das nächste Objekt war mir ein Rätsel. Herzmuschel oder Arche-Noah-Muschel? Beide Arten sind an der Küste von South Carolina weit verbreitet.

Obwohl die Muschel fast zwei Stunden im Bleichwasser gelegen hatte, war ihr Äußeres immer noch von hartnäckigen Ablagerungen übersät. Seepocken und verkrusteter Schlick verdeckten jedes Detail.

Großartig. Endlich hatte ich eine Gelegenheit, mein elektrisches Werkzeug zu benutzen. Ein Geschenk meiner Großtante Tempe.

Vielleicht habt ihr schon mal von ihr gehört.

Ich war total von den Socken, als ich es herausgefunden habe. Ich bin mit Dr. Temperance Brennan verwandt, der weltbekannten forensischen Anthropologin. Sie war schon immer mein Idol. Als Kit es mir erzählt hat, wollte ich es zuerst nicht glauben, aber an der Sache gibt es nichts zu rütteln. Tempes Schwester, Harry, ist meine Großmutter.

Wir haben also eine echte Berühmtheit in unserer Familie. Eine renommierte Wissenschaftlerin. Wer hätte das gedacht.

Okay, ich war meiner Tante Tempe erst ein Mal begegnet. Aber das war nicht ihre Schuld. Schließlich wusste auch sie erst seit sechs Monaten von meiner Existenz, so wie Kit.

Tante Tempe hat einen echt spannenden Job. Sie identifiziert Leichen. Kein Witz. Egal ob ein toter Körper verbrannt, verfault oder mumifiziert ist. Von Maden zerfressen oder nur noch ein Skelett. Tante Tempe stellt fest, wer das ist. War. Dann versucht sie gemeinsam mit der Polizei herauszufinden, was mit ihr oder ihm passiert ist.

Cooler Job, wenn man einen robusten Magen hat. Hab ich.

Das Wissen um die Verwandtschaft mit meiner Tante hat mir geholfen, mich selbst zu verstehen. Warum ich auf jede Frage eine Antwort finden muss. Warum ich mich lieber mit fossilen Raubvögeln oder der globalen Erderwärmung beschäftige, als shoppen zu gehen.

Ich kann nichts dafür. Das liegt an meiner DNA.

Tante Tempe hat sich darauf spezialisiert, Knochen zu analysieren und aus ihrem Zustand spezifische Schlussfolgerungen zu ziehen. Warum sollte ich also meine Begabung nicht dazu nutzen, die Schale von Weichtieren zu reinigen?

Denn Muscheln sind im Grunde nichts anderes als Knochen.

Ich nahm den kabellosen elektrischen Minischleifer aus meinem Werkzeugkasten, befestigte den Bürstenkopf daran und entfernte behutsam die Verschmutzungen, die an der Schalenoberfläche hafteten. Danach tauschte ich den Bürstenkopf gegen einen kleinen Schleifstein aus, um die Verkrustungen abzuschmirgeln.

Nachdem die größeren Seepocken verschwunden waren, schloss ich mein Sandstrahlgerät an meinen Druckluftkompressor an und benetzte die Muschel vorsichtig mit Aluminiumoxid. Als Nächstes benutzte ich einen Dentalreiniger, um die hartnäckigsten Partikel zu beseitigen. Ich spülte den verbliebenen Sand mit einer Munddusche ab und nahm ein weiteres Mal mein Multielektrogerät zur Hand, diesmal mit einem Polierkopf. Fertig.

Eine glänzende ovale Muschel lag vor mir auf dem Tisch. Außen braun getupft, innen purpurn. Zehn Zentimeter lang. Die zahlreichen radialstrahligen Rippen ließen keinen Zweifel aufkommen.

Ich schaute vorsichtshalber noch mal in meinem Handbuch der Küste South Carolinas nach. Richtig, die Dinocardium robustum, eine Herzmuschel.

Rätsel gelöst. Ich legte die Muschel auf den entsprechenden Haufen und streckte meine Hand erneut in den Eimer. Leer.

Zeit für eine andere Beschäftigung.

Ich beschloss, mir einen kleinen Snack zu machen. Die Auswahl war äußerst dürftig, da Kit schon seit über einer Woche nicht mehr eingekauft hatte. Ich unterdrückte einen Anflug von Verärgerung. Der Supermarkt befand sich dreißig Minuten entfernt auf James Island, da kam er schließlich nicht jeden Tag vorbei.

Wir leben hier wie Schiffbrüchige. Es ist wirklich ein Elend.

Also begnügte ich mich mit ein paar Karottenstangen, die nicht mehr ganz frisch waren, und konnte der Versuchung nicht widerstehen, mir eine Cola Light aufzumachen. Ich bemühe mich durchaus, mich gesund zu ernähren - Hauptsache, ich kriege genug Koffein. Ich brauche das.

Ich warf einen Blick auf mein Handy. Schon ziemlich spät, und sie waren immer...

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