Totengeld

 
 
Blessing (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. November 2013
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09333-4 (ISBN)
 
Ein getötetes Mädchen im Straßengraben, ein Schmugglerring, der keine Gnade kennt: ein neuer Fall für Tempe Brennan

Der Tod einer jungen Frau, deren Leiche an einem einsamen Highway im Straßengraben deponiert wurde, bereitet Forensikerin Tempe Brennan schlaflose Nächte. Der Teenager könnte ohne Papiere ins Land gereist sein, eine Spur, die Tempe zu dem Geschäftsmann John-Henry Story führt. Doch ihr Hauptverdächtiger starb Monate zuvor bei einem mysteriösen Brand. Und dann ist da noch der Fall eines Schmugglers, der kuriose mumifizierte Artefakte in die USA schleust. Könnte eine Verbindung zwischen dem toten Mädchen und dem lukrativen illegalen Handel bestehen? An Tempes neustem Fall ist nichts so, wie es zunächst scheint. Nur auf eines kann die Todesermittlerin sich verlassen: Die Knochen kennen die Wahrheit.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blessing
  • 0,69 MB
978-3-641-09333-4 (9783641093334)
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Kathy Reichs, geboren in Chicago, lebt in Charlotte und Montreal. Sie ist Professorin für Soziologie und Anthropologie und unter anderem als forensische Anthropologin für gerichtsmedizinische Institute in Quebec und North Carolina tätig. Ihre Romane erreichen regelmäßig Spitzenplätze auf internationalen und deutschen Bestsellerlisten und wurden in 30 Sprachen übersetzt.

1

Man hat mich schon öfter gefangen gehalten. In einem Keller, im Kühlraum einer Leichenhalle, in einer Gruft unter der Erde. Es ist immer furchterregend und intensiv. Aber diese Gefangenschaft übertraf alles, was ich je an körperlichem Schmerz erlebt hatte.

Der Jurorenbereich im Gerichtsgebäude des Mecklenburg County ist so gut, wie solche Einrichtungen eben sein können – WLAN, Computer, Billardtische, Popcorn. Ich hätte eine Freistellung beantragen können. Habe ich aber nicht. Die Justiz rief, und ich kam. Brennan, die gute Staatsbürgerin. Außerdem wusste ich, dass man mich aufgrund meines Arbeitsbereichs sowieso ausschließen würde. Als ich den heutigen Tag plante, hatte ich sechzig, maximal neunzig Minuten eingerechnet, in denen ich mir wahrscheinlich Plattfüße holen würde.

Von wegen Plattfüße. Beachten Sie meinen Gedankensprung. Zu meiner aufregenden beruflichen Fußbekleidung gehören atmungsaktive Goretex-Wanderschuhe und vielleicht Gummistiefel, damit man nicht im Matsch landet. Dass ich jemals mörderische High Heels kaufe, geschweige denn trage, ist so wahrscheinlich wie die Entdeckung von Gigantosaurus-Knochen hinter einem Bad Daddy’s Burger.

Meine Schwester Harry hatte mich zu zehn Zentimeter hohen Pumps von Christian Louboutin überredet. Harry aus Texas, dem Land der großen Frisuren und meilenhohen Stilettos. Damit du professionell aussiehst, hatte sie gesagt. In verantwortlicher Position. Außerdem sind sie sechzig Prozent reduziert.

Ich muss zugeben, das glänzende Leder und die schicken Ziernähte sahen an meinen Füßen toll aus. Aber fühlte ich mich auch toll? Nicht nach drei Stunden Warten. Als der Gerichtsdiener unsere Gruppe schließlich aufrief, torkelte ich fast in den Gerichtssaal, und dann, als meine Nummer aufgerufen wurde, in den Zeugenstand.

»Bitte nennen Sie Ihren vollen Namen.« Chelsea Jett, gefühlte sechs Minuten nach ihrem Juradiplom, 400-Dollar-Kostüm, teure Perlenhalskette und Stilettos, die meine alt aussehen ließen. Die frischgebackene Staatsanwältin Jett versteckte ihre Nervosität hinter einem barschen Auftreten.

»Temperance Daessee Brennan.« Mach’s für uns beide leichter. Lass mich ruck, zuck wieder gehen.

»Bitten nennen Sie Ihre Adresse.«

Ich tat es. »Das ist auf Sharon Hall«, fügte ich leutselig hinzu. Ein Herrenhaus aus dem neunzehnten Jahrhundert, roter Backstein, weiße Säulen, Magnolien. Mein Häuschen ist der Anbau zur Remise, der Annex. Mehr Old South geht nicht. Doch das sagte ich alles nicht.

»Wie lange wohnen Sie schon in Charlotte?«

»Seit meinem achten Lebensjahr.«

»Wohnt unter dieser Adresse jemand bei Ihnen?«

»Manchmal meine erwachsene Tochter, aber nicht im Augenblick.« Das Armband, das Katy mir geschenkt hatte, hing lose an meinem Handgelenk, ein zartes Silberband mit der Gravur Mom rocks.

»Ihr Familienstand?«

»Getrennt.« Kompliziert. Auch das sagte ich nicht.

»Sind Sie in einem festen Arbeitsverhältnis?«

»Ja.«

»Bitte nennen Sie Ihren Arbeitgeber.«

»Der Staat North Carolina.« Immer schön kurz und bündig.

»Ihr Beruf?«

»Forensische Anthropologin.«

»Welche Ausbildung verlangt der Beruf?« Steif.

»Ich habe einen Doktortitel und eine Zulassung durch das American Board of Forensic Anthropology

»Dann führen Sie also Autopsien durch?«

»Sie denken, ich bin forensische Pathologin. Ein häufiger Fehler.«

Jett wurde noch steifer.

Ich schenkte ihr ein Lächeln. Das die Staatsanwältin nicht erwiderte.

»Forensische Anthropologen arbeiten mit Toten, bei denen Autopsien unmöglich sind, also mit Skelettierten, Mumifizierten, Verwesten, Zerstückelten, Verbrannten oder Verstümmelten. Wir werden hinsichtlich vieler Fragen konsultiert, die alle mittels einer Untersuchung der Knochen beantwortet werden. Zum Beispiel, ob die fraglichen Überreste menschlich oder tierisch sind.«

»Dazu ist ein Experte nötig?« Kaum beherrschte Skepsis.

»Einige menschliche und tierische Knochen sind sich täuschend ähnlich.« Ich dachte an die mumifizierten Exemplare, die mich im MCME erwarteten. »Vor allem fragmentierte Überreste sind sehr schwer zu beurteilen. Stammen Sie von einem Individuum, von mehreren, von Menschen, Tieren oder beidem?« Die Bündel, die ich gerade nicht untersuchte, weil ich, mit Füßen so aufgedunsen wie Wasserleichen, hier festhing.

Jett bedeutete mir mit einer ungeduldigen Geste ihrer manikürten Hand weiterzureden.

»Wenn die Überreste menschlich sind, suche ich nach Indikatoren auf Alter, Geschlecht, Abstammung, Größe, Krankheiten, Missbildungen oder Anomalien – nach allem, was zur Identifikation von Nutzen sein kann. Ich untersuche Verletzungen, um die Todesart zu bestimmen. Ich schätze, wie lange das Opfer schon tot ist. Ich betrachte etwaige postmortale Leichenbehandlung.«

Jett hob fragend eine Augenbraue.

»Köpfen, zerstückeln, eingraben, ins Wasser werfen.«

»Ich denke, das genügt.«

Jett schaute auf die Liste ihrer Fragen. Eine sehr lange Liste.

Mein Blick wanderte zu meiner Uhr, dann zu den Unglücklichen, die noch auf ihre Befragung warteten. Ich hatte mich angezogen, um respektvoll auszusehen, dem Bild zu entsprechen, das man von einer Vertreterin des Mecklenburg County Medical Examiner’s Office erwartete. Hellbrauner Hosenanzug, seidenes Rollkragenoberteil. Das traf nicht auf alle meine Mitgefangenen zu. Mein Favorit war das junge Mädchen in engem, ärmellosem Oberteil, Jeans und Sandalen.

Keine Haute Couture, aber ich vermutete, dass ihre Füße sich besser anfühlten als meine. Ich versuchte, in meinen Mörderpumps die Zehen zu bewegen. Keine Chance.

Ms. Jett atmete einmal tief durch. Worauf wollte sie hinaus? Ich zögerte nicht lange, es herauszufinden.

»Als forensische Anthropologin für den Staat stehe ich sowohl bei der UNC Charlotte – ich unterrichte dort ein Hauptseminar –, beim Office of the Chief Medical Examiner in Chapel Hill und beim Mecklenburg County Medical Examiner hier in Charlotte unter Vertrag. Außerdem bin ich konsultierende Expertin für das Laboratoire de sciences judiciaires et de médecine légale in Montreal.« Soll heißen: Ich habe sehr viel zu tun. Ich berate Polizeieinheiten, das FBI, das Militär, Coroner und Leichenbeschauer. Sie wissen genau, dass der Verteidiger mich entlassen wird, wenn Sie es nicht tun.

»Verstehe ich das richtig? Sie arbeiten regelmäßig in zwei Ländern?«

»Das ist nicht so merkwürdig, wie es klingt. In den meisten Rechtssystemen fungieren forensische Anthropologen als spezialisierte Berater. Wie bereits gesagt, werden meine Kollegen und ich nur zu Fällen gerufen, bei denen nicht genügend Fleisch für eine Autopsie vorhanden ist oder die Überreste –«

»Richtig.«

Jett fuhr die endlose Liste auf ihrem gelben Block mit dem Finger ab.

Ich streckte meine unglücklichen Zehen – oder versuchte es zumindest.

»Im Verlauf Ihrer Arbeit für den Medical Examiner, kommen Sie da in Kontakt mit Polizeibeamten?«

Endlich. Vielen Dank.

»Ja. Sehr oft.«

»Mit Staatsanwälten oder Strafverteidigern?«

»Mit beiden. Außerdem ist mein Exgatte Anwalt.« Eine Art Ex.

»Kennen Sie persönlich jemanden, der mit diesem Verfahren zu tun hat, den Angeklagten, seine Familie, die Polizeiermittler, die Anwälte, den Richter?«

»Ja.«

Und damit war ich entlassen.

Ohne Rücksicht auf meine protestierenden Zehen stürzte ich humpelnd aus dem Gerichtssaal, durch die Lobby und zu den Doppelglastüren hinaus. Mein Mazda stand am hintersten Ende des Parkdecks. Da ich erst um zehn nach acht, der in der Vorladung genannten Zeit, eingetroffen war, hatte ich die erste Lücke genommen, die ich fand, und die lag etwa auf dem halben Weg nach Kansas.

Nach einem schnellen Humpeln über die Fahrspur ging ich an einer Reihe von Fahrzeugen entlang und fand meinen Mazda, dicht flankiert von einem riesigen, blauen SUV auf der Fahrerseite und noch stärker bedrängt auf der Beifahrerseite. Schwitzend drückte ich mich zwischen den beiden Türgriffen und dem Außenspiegel hindurch und streifte dabei mit Brust und...

"Geschickt führt sie ihre Leser in die Irre, um am Ende eine überzeugende Lösung zu liefern."
 
"Die Mutter aller Pathologen ist und bleibt Tempe Brennan alias Bones, die auch in ihrem jüngsten spannenden Fall ... so sympathisch dickköpfig wie standhaft ermittelt."

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