Bolton Park

 
 
Edel Elements (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. August 2018
  • |
  • 322 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96215-156-0 (ISBN)
 
Neuengland im Jahr 1885: William Harrow Jr. sammelt Beweise über die Missetaten seines Kindheitsfreundes und jetzigen Spielers und Betrügers Avery Paxton, der nicht nur ihm, sondern auch Williams großer Liebe Alison Weiland übel mitspielte. Er stürzt sich für seinen Plan in ein lebensgefährliches Abenteuer. Als Avery Misstrauen hegt, müssen die Harrows und ihre Mitstreiter zu ungewöhnlichen Mitteln greifen, um ihre Ermittlungen zu schützen. Werden sie ihn final überführen können? Als William eines Tages verschwindet, scheint sich das Schicksal auf die Seite des Bösen geschlagen zu haben ...

Daheim


Statson, Neuengland

August 1885

William Jacob Harrow Jr. ließ den Kopf erschöpft gegen die Seitenwand der Kutsche sinken, schloss die Augen und stieß gedehnt die Luft aus. Je näher sie ihrem Ziel kamen, desto mehr wuchs sein Unbehagen. Beinahe wünschte er sich nach Sacramento zurück.

"Fast geschafft", verkündete sein Begleiter Calvin Weiland vergnügt, mit dem er vor zwei Jahren nach Kalifornien gegangen war. Dieser schien sich, anders als er, vorbehaltlos auf seine Familie zu freuen.

Die Mietkutsche, die sie am Bahnhof genommen hatten, bog gerade in die Middleton Road ein, in der sie beide aufgewachsen waren. Die ruhige, mit Kopfsteinen gepflasterte Straße wurde von einem halben Dutzend großen Herrenhäusern inmitten weitläufiger Gärten gesäumt.

Vor dem Anwesen seiner Familie rief Will dem Kutscher zu, er solle anhalten.

"Was hast du vor?", fragte Cal verwundert.

"Ich laufe das letzte Stück." Er zog seine Geldbörse hervor, entnahm einige Scheine und reichte sie seinem Freund, damit der die Droschke bezahlen konnte. "Richte deiner Familie meine besten Grüße aus, ja?" Damit stieg Will aus, ließ sich von dem verdutzt wirkenden Kutscher seine Koffer reichen und trat zurück. Er verharrte noch einen Augenblick und sah dem Gefährt nach, das langsam davonfuhr. Schließlich nahm er seine Koffer auf, überquerte die Straße und hielt auf das große, kunstvoll gearbeitete, schmiedeeiserne Tor zu, das ihn noch von seinem Elternhaus trennte.

Erneut wallte das Unbehagen in ihm auf. Zwei lange Jahre waren seit seinem überstürzten Aufbruch vergangen. Damals war er entschlossen gewesen, nie wieder hierher zurückzukehren. Doch angesichts des eindringlichen Bittens seines Vaters hatte er die lange Reise von der Westküste auf sich genommen.

Vor dem Tor verharrte er erneut. Die Linke auf den Knauf gelegt, suchte sein Blick das Nachbarhaus, vor dem gerade die Kutsche hielt. Cal stieg aus, und kaum, dass er den Kutscher bezahlt hatte, eilten seine Eltern aus dem Haus und schlossen ihren heimgekehrten Sohn freudig in die Arme.

Wills Ankunft schien im Haus seiner Familie hingegen noch nicht bemerkt worden zu sein, denn alles war und blieb ruhig. Zu seiner eigenen Verwunderung verspürte er einen kleinen Stich im Herzen. Leise über sich selbst lachend öffnete er das Tor, trug seine Koffer hindurch und schloss es wieder. Seine Familie würde sich freuen, ihn wiederzusehen. Sie waren nicht im Streit auseinandergegangen. Er war praktisch geflohen, um nicht ständig seine große Liebe mit einem anderen Mann sehen zu müssen.

Es schien, als hätte sich seit seinem Weggang hier nichts verändert. Der beinahe parkartige Garten war in tadellosem Zustand. Hecken und Büsche grünten, die hohen Kastanien ragten majestätisch in den Himmel. In den sorgsam bepflanzten und gepflegten Blumenbeeten blühte es in allen Farben des Sommers. Die Kieselsteine auf der Auffahrt knirschten unter seinen Schuhen, als er auf das weiß getünchte, zweistöckige Haus zuhielt. Mit wachsender Aufregung stieg er die drei Stufen vor dem Portal empor und betätigte den altmodischen Türklopfer.

Während er wartete, dass ihm geöffnet wurde, schüttelte er den Staub aus seinem grauen Anzug, richtete seine Krawatte und ordnete sein dichtes Haar.

Schon kurze Zeit später wurde die Tür von einem jungen Hausmädchen geöffnet, dessen dunkle Augen beim Anblick des jungen Mannes zu leuchten begannen. "Mr Harrow! Sie sind wieder da!"

"Guten Tag, Martha. Sind meine Eltern daheim?" Während er sprach, trat er in das großzügige Foyer mit den schwarzen und weißen Bodenfliesen, den getäfelten Wänden und der hohen Decke. Er stellte seine Koffer neben der Tür ab.

"Gewiss. Der Herr ist mit Dr. Farnsworth und einem weiteren Herrn schon eine Weile in seinem Studierzimmer, und Ihre liebe Frau Mama bespricht das Abendessen mit der Köchin. Miss Sarah ."

Weiter kam sie nicht, da erklang vom oberen Treppenabsatz her ein lautes, freudiges Jauchzen, und schon wenige Augenblicke später warf sich ein kleiner, grün gewandeter Kobold in seine Arme. Weiches, karamellbraunes Haar streifte seine Wange. Erstaunlich kräftige Arme schlangen sich um seinen Hals.

Durch den Aufprall leicht aus dem Gleichgewicht gebracht, trat er einen Schritt zurück, umfing seine Schwester seinerseits, hob sie auf und wirbelte sie einmal im Kreis herum, bevor er sie vorsichtig auf den Boden zurückstellte. Über Sarahs Kopf hinweg sah er Martha im hinteren Teil des Hauses verschwinden, vermutlich, um seine Mutter über seine Ankunft zu informieren.

"Will, endlich! Bleibst du jetzt bei uns?" Miss Sarah Harrow hüpfte aufgeregt vor ihrem älteren Bruder auf und ab. Ihre grün-blauen Augen blitzten und kündeten von der innigen Zuneigung und Bewunderung für den jungen Mann.

"Nun ja", begann der bedächtig. "Vater bat mich sehr eindringlich, heimzukehren, ohne jedoch auf die genauen Gründe einzugehen. Daher kann ich dir nur sagen: Ich bleibe so lange, wie es erforderlich ist."

Sarah schob schmollend die Unterlippe vor, woraufhin ihr Bruder herzlich lachte. "Aber Liebes! So ein Gesicht steht einer so zauberhaften jungen Dame gar nicht gut."

"Ich will aber nicht, dass du wieder gehst. Du gehörst hierher."

Will wollte seiner Schwester einige tröstende Worte sagen, als sich erneut eilige Schritte näherten. Erneut warf sich eine Frau in seine Arme. "Oh, mein Junge! Endlich bist du wieder da!"

"Guten Tag, liebe Mama! Es ist schön, bei euch zu sein." William Harrow Jr. schloss seine Mutter vorsichtig in die Arme.

"Ach, Junge." Liebevoll tätschelte Elizabeth Harrow die Wange des Sohnes, während sie ihn aufmerksam musterte. "Du siehst müde aus. Die Reise war gewiss sehr anstrengend, nicht wahr?"

Der junge Mann nickte, doch noch bevor einer der drei etwas sagen konnte, wurde die Tür zum Studierzimmer geöffnet und der grau melierte Schopf des Hausherrn erschien in der Öffnung. "Was ist denn hier los?" William Harrow Sr. sah sich um, und als er seinen Sohn erblickte, trat er ganz aus dem Raum. "Will, mein guter Junge! Wie schön, dass du endlich da bist."

Vater und Sohn umarmten sich herzlich. "Wir haben dich schon brennend erwartet. Komm!" Der ältere Harrow machte Anstalten, den jüngeren mit sich in sein Arbeitszimmer zu ziehen, doch seine Frau fiel ihm in den Arm. "Aber William! Nun lass den Jungen doch erst einmal ankommen. Was auch immer ihr drei da drinnen ausheckt, wird wohl noch etwas warten können."

Einen Moment sah es so aus, als wollte er seiner Gattin widersprechen, doch etwas in ihren Augen brachte ihn dazu, einzulenken. "Natürlich, Liebes. Mach dich frisch, stärke dich, und danach werden wir reden."

Flankiert von Mutter und Schwester wurde William Harrow Jr. in das obere Stockwerk geführt, bevor noch einer der Harrow-Männer reagieren konnte.

Kopfschüttelnd, doch nicht ohne Belustigung, kehrte der Hausherr zu seinen Gästen zurück und schloss die Tür.

In seinem alten Zimmer angelangt, ließ Will seinen Blick langsam über die vertraute Einrichtung wandern. Obwohl er über zwei Jahre fort gewesen war, schien hier alles wie immer zu sein. "Es hat sich wirklich gar nichts verändert", sprach er wie zu sich selbst.

Sarah, die es sich gerade auf seinem Bett gemütlich machte, zuckte ungerührt mit einer Schulter. "Das nennt man 'Zuhause', großer Bruder."

"Danke für die Belehrung, Schwesterchen."

"Ach, Kinder!" Elizabeth Harrow lachte. "Ist Calvin mit dir heimgekehrt?", fragte sie ihren Sohn.

"Ja." Will stand vor seinem kleinen Schreibtisch und blätterte durch das dort liegende Balladenbuch. Er konnte sich noch daran erinnern, dass er es vor seinem Aufbruch dort abgelegt hatte.

"Margie und Harold sind gewiss froh, ihn wiederzuhaben."

"Bleibt er hier oder kehrt er an die Westküste zurück?", fragte Miss Sarah etwas zu beiläufig. Sie spielte angelegentlich mit den Falten ihres Kleides, sah aber unter gesenkten Wimpern zu ihrem Bruder hinüber.

"Das weiß ich nicht. Wieso? Hat er dir gefehlt?", neckte er die junge Dame.

"Nein! Ich wollte es nur wissen."

"Selbstverständlich!" Der Bruder nickte nachdrücklich, doch das Zucken seiner Mundwinkel verriet ihn.

"Du bist gemein!", klagte Sarah.

"Stimmt. Entschuldige bitte." Nach einer kurzen Pause fragte er: "Wie geht es Ally?"

"Ha!", machte das junge Fräulein, doch die Mutter antwortete sachlich. "Leider geht es ihr ganz und gar nicht gut. Sie verlässt ihr Zimmer nicht mehr und lässt niemanden an sich heran."

"Ist sie wirklich blind?"

Die Mutter nickte.

"Kann man denn da gar nichts tun?"

"Leider nicht. Der Sturz vom Pferd war zu heftig."

Will schüttelte traurig den Kopf. "Ich werde sie auf jeden Fall besuchen. Das habe ich mir ganz fest vorgenommen. Vielleicht kann ich sie ja etwas aufheitern."

"Als ob wir es nicht alle versucht hätten." Wills jüngere Schwester klang schnippisch.

"Das habt ihr gewiss, aber es kann doch nicht schaden, wenn ich es auch versuche, oder?"

Die Geschwister schwiegen und starrten einander an.

"Nein", lenkte Sarah schließlich ein.

"Ja, jetzt ist es wirklich wie früher." Elizabeth Harrow schüttelte lachend den Kopf, griff nach den Händen der Tochter und zog sie vom Bett. An ihren Sohn gerichtet, fuhr sie fort: "Wir lassen dich jetzt allein. Mach dich frisch und ruhe dich etwas aus. Das Abendessen wird um sieben serviert."

"Wie immer", kommentierte Sarah, wurde jedoch von ihrer Mutter weiter zur...

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