Der Himmel über Afrika

 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. November 2019
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8195-5 (ISBN)
 
Eine Reise, die alles verändert

Paris, 1923: Delilah Drummond genießt die goldenen Zwanzigerjahre in vollen Zügen - bis ihr neuester Skandal hohe Wellen schlägt und sie von ihren Eltern nach Afrika geschickt wird. Auf der Farm ihres Vaters in Kenia soll sie endlich zur Vernunft kommen, doch dort warten nur Probleme auf die widerspenstige Engländerin. Das Landgut zu neuer Blüte zu führen, verlangt ihr alles ab, sodass Delilah es kaum erwarten kann, den fremden Kontinent endlich wieder zu verlassen - bis sie den Abenteurer Ryder White kennenlernt, an dessen Seite Afrika in neuem Licht erstrahlt ...

"Dieser Roman steckt voller Emotionen!" Library Journal

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Deanna Raybourn arbeitete als Lehrerin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie ist als Autorin historischer Romane sehr erfolgreich und liebt es, mit ihren Protagonisten fremde Länder zu erkunden, wie z.B. Kenia in ihrem Sehnsuchtsroman "Der Himmel über Afrika".


2


Quentin hob sein Champagnerglas. »Einen Toast. Auf meinen tapferen Liebling Delilah und auf alle, die mit ihr gehen. Bon voyage

Kaum vierzehn Tage waren vergangen, doch ich hatte bereits alle Vorkehrungen getroffen. Ich hatte Kleidung bestellt, Koffer gepackt und Papiere besorgt. Das klingt einfach, doch tatsächlich bedeutete es endlose Besuche bei Couturiers und Ausrüstern, in Buchläden und stickigen Büros, um Tickets, Formulare und Genehmigungen zu besorgen. Am Ende war ich erschöpft, also beschloss ich natürlich, noch einmal richtig auf den Putz zu hauen und das Beste aus meinem letzten Abend in Paris herauszuholen. Quentin hatte vorausgesehen, dass ich ein wenig niedergeschlagen sein würde, und er hatte es so eingerichtet, dass er mich ausführen konnte. Alles in allem war es ein ziemlich mieser Tag gewesen. Fast ein Dutzend Mal wollte ich einen Rückzieher machen, was Afrika betraf, aber an diesem Morgen erschien Mossy in meiner Suite und schwenkte die neueste Ausgabe einer ordinären französischen Zeitung, der es irgendwie gelungen war, Fotos des toten Misha am Ort seines Selbstmordes zu kaufen. Sie wagten zwar nicht, sie zu veröffentlichen, aber die Beschreibungen waren grauenhaft genug, und sie hatten sich schauderhafte Freiheiten bei der Prosa erlaubt.

»>Der Fluch der Drummonds<«, murmelte Mossy. »Wie können sie es wagen! Ich bin keine Drummond. Irgendwann im Jahr 1891 war ich ungefähr zehn Minuten lang mit Pink Drummond verheiratet. Ich kann mich kaum noch an sein Gesicht erinnern. Wenn sie über einen Fluch schreiben wollen, der auf den Frauen unserer Familie liegt, dann sollten sie über den L'Hommedieu-Fluch schreiben«, sagte sie und knallte die Tür hinter sich zu, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen.

Und damit hatte ich jede Hoffnung aufgegeben, das Exil vermeiden zu können, und fing an, mir Cocktails einzugießen. Als Quentin mich abholte, war ich leicht beschwipst, aber er war verschwenderisch mit dem Champagner, und als wir im Club d'Enfer ankamen, war ich restlos betrunken.

Ich schwärmte für den Club d'Enfer. Wie der Name erwarten lässt, war das Etablissement eine Nachbildung der Hölle. Unter der Decke hing roter Satin in der Form von Flammen, und karminrote Lichter tauchten alles in eine sündhafte Glut. Ein durchtriebener kleiner Teufel stand an der Tür und begrüßte die Gäste, indem er mit seinem gespaltenen Schwanz raschelte und den Leuten mit seiner Forke ins Hinterteil piekte.

Quentin rieb sich den Allerwertesten. »Also wirklich, musste das denn sein?«

»Oh, Quentin, sei kein Spielverderber. Das hier hat swing.«

Hinter uns stieß meine Cousine Dora einen spitzen Schrei aus, als die Forke ihren Po berührte.

»Spar dir die Mühe«, sagte ich zu dem Teufel. »Sie ist Engländerin. Du wirst dort nichts finden als knochige Missbilligung.«

»Delilah, also wirklich«, protestierte sie, doch ich hörte schon nicht mehr zu. Ein dämonischer Kellner winkte uns zu einem Tisch in der Nähe der Bühne, und noch bevor wir Platz genommen hatten, bestellte Quentin Champagner.

Um uns pulsierte Musik, eine merkwürdige, misstönende Melodie, die an jedem anderen Ort völlig fehl am Platz gewesen wäre, in den Club d'Enfer jedoch passte sie ausgezeichnet.

Als wir saßen, näherte sich der Inhaber. Er - oder sie? - war eine eigenartig androgyne Kreatur mit den Gesichtszügen einer Frau und der Stimme eines Mannes in einem perfekt geschnittenen Smoking. Bei meinem ersten Besuch des Clubs hatte das Wesen sich mir als Régine vorgestellt und schien weder weiblich noch männlich zu sein. Oder beides. Ich hatte gehört, dass Régine eine Vorliebe für stark behaarte Männer oder Frauen mit Pferdegesichtern hatte, was ich beides nicht war.

Régine beugte sich tief über meine Hand, doch dann klemmte er oder sie sie entschlossen in ihre oder seine Armbeuge.

»Mein Herz ist betrübt, Mademoiselle! Wie ich höre, ist Paris im Begriff, einen seiner leuchtendsten Sterne zu verlieren.«

Solch blumige Sprache war im Umgang mit Régine ganz normal. Ich lächelte wehmütig.

»Ja, man hat mich nach Afrika verbannt. Offenbar bin ich zu unanständig, um in Paris zu bleiben.«

»Ein Verlust für die Stadt. Und reisen Sie allein in das pays sauvage

»Nein. Meine Cousine begleitet mich. Régine, kennen Sie Dora? Dora, bitte begrüß doch Régine.«

Dora murmelte etwas Höfliches, aber Régines Blick hatte sich belebt, als sie Doras lange, kummervolle Gesichtszüge musterte. »Noch ein großer Verlust für Paris.«

Dora senkte den Kopf, und ich betrachtete sie prüfend. »Dodo, wirst du etwa rot?«

»Natürlich nicht«, versetzte sie. »Das Licht ist rot.«

Régine zuckte die Schultern. »Ein unverzichtbarer Trick. Im Club d'Enfer müssen Sie wirklich glauben, auf einer Reise durch die Hölle zu sein.« Und damit küsste sie Dora die Hand. Die Röte in Doras Gesicht vertiefte sich, bevor Régine verschwand, um noch Champagner und einige köstliche Knabbereien für uns zu bestellen.

Quentin schüttelte den Kopf. »Ich muss zugeben, dass ich ein wenig besorgt um dich bin, Delilah. Afrika erinnert nicht im Entferntesten an Paris, weißt du. Oder New York. Oder St. Tropez. Oder auch nur an New Orleans.«

Ich nippte an dem Champagner und ließ mir die hübschen goldenen Bläschen heiter zu Kopf steigen. »Ich werde schon zurechtkommen, Quentin. Nigel hat mich mit Empfehlungsschreiben versorgt und mir freundlicherweise sein bestes Gewehr zum Geschenk gemacht. Ich bin gut vorbereitet.«

»Nicht die Rigby!«, sagte Quentin, doch er klang nicht überzeugt.

»Doch, die Rigby.« Es war das zweite Gewehr, mit dem ich schießen und das erste, das ich lieben lernte. Nigel hatte es bestellt, bevor er nach Afrika gegangen war, und es war ein prächtiges Ungetüm von Feuerwaffe - elf Pfund schwer und von so großem Kaliber, dass es einen Elefanten zu Fall gebracht hätte.

Quentin schüttelte den Kopf. »Nur Nigel ist so sentimental zu glauben, dass eine .416 die passende Waffe für eine Frau ist. Kannst du sie überhaupt hochheben?«

»Hochheben und besser damit schießen als alle seine Söhne. Darum hat er sie mir gegeben und nicht ihnen. Sie werden wütend sein, wenn sie merken, dass die Rigby verschwunden ist.« Ich grinste.

»Was ich ihnen nicht verübeln kann. Das Gewehr muss Nigel an die tausend Pfund gekostet haben. Du hast doch an Munition gedacht?«

»Natürlich habe ich das! Liebling, mach nicht so einen Wirbel. Ich werde hervorragend zurechtkommen. Außerdem passt Dora auf mich auf«, sagte ich und deutete mit dem Kinn auf die Stelle, an der sie saß und mürrisch in einem Ei mit scharfer Füllung herumstocherte.

»Arme Dora«, sagte Quentin, und vielleicht lag sogar ein Quäntchen aufrichtigen Mitgefühls darin. Quentin hatte Dora immer gerngehabt, so, wie man auch einen leicht inkontinenten Schoßhund gernhat. Die Tatsache, dass sie einem Spaniel auffallend ähnlich sah, war dabei nicht hilfreich. Sie war pflichtbewusst und langweilig und hatte nur an zwei Dingen im Leben Interesse - Gott und Gärten. Wir waren entfernte Cousinen, zweiten oder dritten Grades - die Äste des Stammbaums der Familie Drummond waren hoffnungslos verknotet. Doch sie war eine arme Verwandte aus der Familie meines Vaters, und als solche stand sie stets auf Abruf zur Verfügung, wenn ich einen Anstandswauwau brauchte. Sie war mir bereits um die halbe Welt gefolgt, und ich fragte mich, ob sie meiner Person ebenso überdrüssig war wie ich ihrer.

Sie blickte von ihrem Ei auf und lächelte Quentin an, während ich weiterredete. »Dora wird es nicht leicht haben, fürchte ich. Meine Zofe hat gekündigt, als ich ihr sagte, dass wir nach Afrika gehen würden. Und es lohnt sich nicht, eine neue auszubilden, nur damit sie von einer Kobra gebissen wird und irgendwann an der Cholera stirbt. Also wird Dora meine Zofe sein und mir gleichzeitig den Anschein von Ehrbarkeit verleihen.« Sie machte Anstalten zu protestieren, aber ich redete weiter. »Ich habe sie aus dem Salon direkt zu LaFleur's geschleppt, damit Monsieur ihr beibringt, mir die Haare zu schneiden.« Dass ich mich in die Wildnis Afrikas stürzen würde, war keine Entschuldigung für ein ungepflegtes Äußeres. Mein glatter schwarzer Bubikopf brauchte regelmäßige und sehr akkurate Pflege, und es war naheliegend gewesen, Dora diese Aufgabe zu übertragen. Ich hatte ihr gesagt, sie sollte sich das Ganze als eine Art Baumbeschnitt oder wie Heckenpflege vorstellen.

Quentin lachte laut, ein sicheres Zeichen dafür, dass der Champagner ihm allmählich zu Kopf stieg.

Ich fixierte ihn mit meinem gewinnendsten Gesichtsausdruck. »Du kannst mir einen Gefallen tun, während ich weg bin.«

»Was immer du willst«, antwortete er unverzüglich.

»Ich habe mein Automobil in einer Garage in London abgestellt.« Ich griff in meine winzige, perlenbestickte Tasche, zog den Schlüssel heraus und schnippte ihn in sein Champagnerglas. »Hol es gelegentlich heraus und fahr ein wenig damit.«

Er starrte auf den Schlüssel, um den herum sich Bläschen gebildet hatten. »Der Hispano-Suiza? Aber der ist brandneu!«

Das war er in der Tat. Ich hatte ihn erst zwei Monate zuvor in Besitz genommen. Ein halbes Jahr lang hatte ich mir die Beine in den Bauch gestanden, bis sie die Farbe endlich richtig hinbekamen. Ich hatte den Händler angewiesen, das Automobil im Scharlachrot meines Lippenstiftes zu lackieren, was der Mann offenbar nicht verstehen...

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