Where the Heart Is. Nelly und Fynn

New Adult Liebesroman
 
 
Carlsen (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. August 2020
  • |
  • 255 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-646-60667-6 (ISBN)
 
**Stadt, Land, Liebe**¿¿ Endlich hat Nelly ihr Ziel erreicht: als Journalismus-Praktikantin in einer angesagten Großstadt zum ersten Mal Redaktionsluft schnuppern! Ihr Glück ist jedoch nicht von langer Dauer, denn statt in ein Leben voll Glitzer und Glamour wird sie ausgerechnet ins provinzielle¿ Roseville¿ geschickt, um dort einen Artikel übers Landleben zu schreiben. In dem kleinen Dörfchen, das mehr Kühe als Einwohner zählt, duftet es nur leider so gar nicht nach Erfolg. Während ihres Zwangsaufenthalts lernt Nelly aber nicht nur, wie man Traktor fährt und Käse macht, sondern auch den charismatischen Farmjungen Fynn immer besser kennen. Schon bald stellt sie fest, dass er zum einen gut darin ist, ihre Nerven zu strapazieren, zum anderen aber auch ihre Gefühle ganz schön durcheinanderbringt.¿ Liebe¿ lieber ländlich¿ Zwei Menschen, ein Zeitungsartikel und die¿ Weite der Natur: der perfekte Liebesroman für alle¿ City Girls und Country Boys.¿ Vorsicht Suchtpotenzial!¿ //"Where¿ the ¿Heart ¿is. Nelly ¿und ¿Fynn" ist ein in sich abgeschlossener Einzelband.//
  • Deutsch
  • Hamburg
  • |
  • Deutschland
  • 2,33 MB
978-3-646-60667-6 (9783646606676)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Johanna Rau wurde 1995 im Ruhrgebiet geboren, wo sie zusammen mit ihrer Familie lebt. Zurzeit studiert sie Jura an der Ruhr-Universität Bochum. Schon immer hat sie gerne gelesen und sich kleinere Geschichten ausgedacht. Während der Arbeit an ihrem Debütroman ist ihr Feuer fürs Schreiben dann endgültig entfacht. Wenn sie nicht gerade Musik macht, rezensiert sie außerdem gerne Bücher auf ihrem Buch-Blog "Unendliche Geschichte".

1. Kapitel


Irgendwo im Nirgendwo


Die Junisonne steht hoch oben am tiefblauen Himmel und strahlt, als gäbe es irgendeinen Anlass zum Strahlen. Durch die Stöpsel in meinen Ohren singt Ed Sheeran ein schmalziges Liebeslied, das den Irrtum, dieser Tag wäre nicht mein persönlich wahr gewordener Albtraum, auf trügerische Weise verstärkt.

Wie einen Schirm halte ich eine Hand über meine Augen, um trotz des Gegenlichts meine Umgebung genauer wahrnehmen zu können. Unweigerlich entfährt mir ein theatralischer Seufzer. Kaum zu glauben, dass das hier gerade wirklich passiert, dass ich nun wirklich hier bin. Es sieht einfach alles viel zu klischeehaft aus, um echt zu sein. Viel zu nah dran an den zahlreichen Romanen und Filmen, in denen es die Protagonistin auf schicksalhafte Weise in irgendein Kaff auf dem Land verschlägt. Und diese Protagonistin soll nun plötzlich ich sein? Ich sehe schon den Titel in geschwungenen Lettern vor mir: Ein Kuhdorf für Nelly - oder so ähnlich.

Erschöpft von der langen Fahrt in einem furchtbar stickigen Fernbus, der mich hierher ans Ende der Welt gebracht hat, stelle ich meinen Koffer neben mir auf dem Bürgersteig ab. Entweder muss ich mich in einem früheren Leben schwer versündigt haben, wofür das Universum sich nun lebenslänglich mit defekten Klimaanlagen auf Bus- und Bahnreisen rächt, oder aber meine pure körperliche Anwesenheit sendet bereits irgendein Störsignal. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum ich Klimaanlagen im Sommer grundsätzlich nicht an- und im Winter nicht ausstellen kann, sodass ich mein Reiseziel regelmäßig entweder schweißüberströmt oder mit Eiszapfen an der Nase erreiche.

Durch meinen Laptop und - zugegeben - ein oder zwei Paar Schuhe und Bücher zu viel ist mein Koffer so schwer, als hätte ich gerade eine Bank überfallen und wäre mit fünfzig Goldbarren auf der Flucht. Was den endlos lang erscheinenden Fußweg von der Bushaltestelle bis hierher nicht gerade angenehmer gestaltet hat. Zu meiner Verteidigung kann ich jedoch anbringen, dass mich die Frage, welche Art von Outfit ich in den nächsten Wochen brauchen werde, auch erheblich überfordert hat. Schließlich habe ich noch mit Barbiepuppen gespielt, als ich mit meinen Eltern Urlaub auf dem Land gemacht habe und das letzte Mal für längere Zeit so weit ab von der Zivilisation und funktionierenden Handymasten war. Dieser Urlaub war auch der letzte gemeinsame mit meinen Eltern. Aber darüber lohnt es sich nicht mehr nachzudenken.

Viel schlimmer: Ich habe schon auf der Fahrt hierher das Schwinden der Empfangsbalken beobachten können, je näher ich meinem Reiseziel gekommen bin.

Das ist also Roseville. Mein vorübergehendes Zuhause, bis meine Chefin Erbarmen mit mir hat und mich von diesem Albtraum erlöst. Doch damit brauche ich, selbst mit ganz viel Optimismus, nicht vor Ende Juli zu rechnen, sodass ich definitiv für eine viel zu lange Zeit hier festsitzen werde.

Kein Wunder, dass sich niemand um diesen Job gerissen hat, denn hier scheint nicht einmal der Hund begraben zu sein. Wahrscheinlich weil in Roseville selbst für die letzte Ruhestätte zu wenig los ist. Und wer kommt für einen Job infrage, den kein anderer machen will? Klar, die Praktikantin, die einem eh ein Klotz am Bein ist. Denn so weiß man diese wenigstens für die nächsten Wochen beschäftigt und ist sie zunächst einmal wieder los.

Dem ersten Eindruck nach zu urteilen, hat die Redaktion bei Google nach dem Dorf mit den wenigsten Einwohnern und dem höchsten Altersdurchschnitt gesucht. Für einen Artikel über das Leben auf dem Land hätten sie wohl keinen besseren Ort finden können, denn augenscheinlich steht alles hier in einem krassen Kontrast zu der Großstadt, in deren schicken klimatisierten Büros meine Kollegen gerade kaffeeschlürfend sitzen.

Die kleine Straße, auf der ich stehe, verdient diese Bezeichnung kaum, weil ich bezweifele, dass je schon einmal ein Fahrzeug über ihren steinigen Untergrund gerattert ist. Sie wird von mehreren kleinen Häuschen gesäumt. Manche sind in die Jahre gekommene, aber gut erhaltene rot oder weiß gestrichene Holzhäuser, andere wurden aus Stein gebaut mit hübschen kleinen Veranden. Und dabei sieht keines aus wie das andere. Insgesamt wirkt alles viel sauberer als in der Stadt und ein bisschen wie eine nett dekorierte Spielzeugwelt.

Von der Bewahrheitung meiner schlimmsten Befürchtungen ziemlich gefrustet wische ich mir den Schweiß von der Stirn. Die Tage werden immer heißer und auch wenn ich den Sommer mag, bin ich von meinen körperlichen Voraussetzungen wohl eher der Frühlings- und Herbsttyp. Mit meinem schicken weißen Sonnenhut wedele ich mir etwas Luft zu, setze ihn jedoch direkt wieder auf, denn dank meiner hellen, sommersprossigen Haut und meiner rotblonden Haare bin ich ansonsten erfahrungsgemäß binnen kürzester Zeit nicht nur innen gar, sondern auch außen schön knusprig.

»Lehrjahre sind keine Herrenjahre«, würde meine Grandma jetzt sagen, könnte sie mein Sieben-Tage-Regenwetter-Gesicht sehen. Natürlich ist da ein Fünkchen Wahrheit dran und ich will mich auch gar nicht beschweren, dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass dieser Spruch auch wirklich noch niemandem geholfen hat. Ich für meinen Teil habe mir den Einstieg in die große weite Redaktionswelt jedenfalls deutlich glamouröser vorgestellt.

Der Plan war, den Sommer über in einer angesagten Metropole Latte Macchiato und Cocktails zu schlürfen und den Duft des Erfolgs zu schnuppern. Stattdessen sitze ich nun hier in einem winzigen Dorf irgendwo im Nirgendwo fest, wo man sich die Milch für den Kaffee wahrscheinlich direkt von der Kuh zapft und methanverpestete Landluft atmet. Gut, wahrscheinlich ist der Großstadtmief für die Ozonschicht deutlich schädlicher, aber Autoabgase sind mir wenigstens vertraut und zehnmal lieber als die tierischen Düfte, die hier meine Sinne vernebeln, seit ich aus dem Bus gestiegen bin.

Aber wenn ich ganz ehrlich sein darf: Wann hat bisher überhaupt je einer meiner Pläne funktioniert? Eigentlich wäre dieser wirklich der erste. Herzlich willkommen in meinem Leben!

Gerade jetzt in diesem Moment, da mir die ganze Tragweite meines Dilemmas bildlich vor Augen geführt wird, bin ich nur noch ein einziges Ausweichmanöver um mitten auf der Straße liegende Pferdeäpfel von einem dramatischen Heulkrampf entfernt. Doch ich entscheide mich dagegen. Die Fliege, die seit einigen Minuten penetrant um meine Nasenspitze kreist und trotz der deutlichen Signale meiner defensiv wedelnden Hand weiter beharrlich Kontakt zu mir herzustellen versucht, wäre dafür einfach kein würdiges Publikum.

Plötzlich ertönt unmittelbar hinter mir der ohrenbetäubend laute Klang einer Hupe und reißt mich aus meinem Selbstmitleid. Erschrocken drehe ich mich um und kann mich nur mit einem olympiareifen Hechtsprung zur linken Seite rechtzeitig vor einem riesigen Traktor auf den schmalen Bürgersteig retten.

Unsanft lande ich auf meinem Hinterteil und beim Versuch, mich abzufangen, schrappen meine Handinnenflächen schmerzhaft über den heißen Asphalt.

Als ich mich vom ersten Schock erholt habe und genauso ungalant wie ein Käfer, der auf dem Rücken liegt, versuche vom Boden aufzustehen, rauscht das Blut wild in meinen Ohren. Durch die Schnappatmung hebt und senkt sich meine Brust hektisch und unregelmäßig. Ein Blick auf meine zitternden Hände verrät mir, dass meine Haut, abgesehen von ein paar feinen Kratzern, weitestgehend verschont geblieben ist.

Ein paar Meter weiter kommen die gigantischen Räder des Traktors schließlich zum Stehen und ein junger Typ ungefähr in meinem Alter springt schwungvoll vom Fahrersitz.

Mit zügigen Schritten kommt er auf mich zu. Er trägt kniehohe dunkelgrüne Gummistiefel, eine ausgewaschene Jeans und ein groß kariertes rotes Hemd, für das er von der Fashion-Polizei eigentlich verhaftet gehörte. Sicher hat er ein schlechtes Gewissen und macht sich Sorgen, ob bei mir alles in Ordnung ist. Und das sollte er auch. So mörderisch, wie er hier um die Ecke gebogen ist, muss er sich jetzt schon eine echt gute Entschuldigung einfallen lassen.

»Sag mal, geht's noch?«, fragt er stattdessen wider meinen Erwartungen, als er schließlich vor mir steht, und ich muss aufpassen, dass mir nicht vor Verblüffung meine Augen aus dem Kopf fallen.

Der hat sie ja wohl nicht mehr alle!

»Wie bitte? Wenn mich nicht alles täuscht, hast du mich gerade beinahe platt gefahren!« Ich kann förmlich spüren, wie sich hektische Flecken gigantischen Ausmaßes an meinem Hals bilden, so wie sie es leider immer tun, wenn ich richtig sauer bin.

»Keine Ahnung, wo du herkommst, Mädchen .«, beginnt er mit einem derart selbstgefälligen Tonfall, dass ich den Drang verspüre, ihm mit viel Schwung auf den Fuß zu treten.

Allein wie er das Wort »Mädchen« betont hat, lässt die emanzipierten Alarmglocken in meinem Kopf energisch Sturm läuten. ». aber hier bei uns benutzen Fahrzeuge die Straße und Fußgänger den Gehweg . oder sie laufen zumindest am Rand.« Lässig pustet er sich eine Strähne seines dunklen, leicht welligen Haares aus der Stirn, das perfekt zu seinen kastanienbraunen Augen passt. »Außerdem .« Er schnippt mit seinen Fingern das Kabel meiner Ohrstöpsel durch die Luft. Die Dinger müssen mir bei meiner halsbrecherischen Stunt-Einlage aus den Ohren gefallen sein.

Verärgert weiche ich einen Schritt von ihm zurück.

»Außerdem ist mein 6-Zylinder nicht gerade ein Elektroauto.«

Einfach unglaublich. Jetzt kommt der mir auch noch mit irgendwelchen technischen Details. Sehe ich so aus, als würde ich regelmäßig Autoquartett spielen?

»Soll heißen, der Traktor ist...

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