Geschichten aus dem Leben

Lustige und weniger lustige Erlebnisse und Erinnerungen
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. Juni 2020
  • |
  • 218 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-2671-3 (ISBN)
 
Wenn bisher mündlich weitergegebene Geschichten aus der Familie nicht in Schriftform gebracht werden, geraten sie irgendwann in Vergessenheit. Deshalb hat der Autor einige Erinnerungen aus seinem Leben aufgeschrieben, die mal lustig, mal weniger lustig sind. Die Kinder und Enkel können die Geschichten lesen, die bis zu ihren Ururgroßeltern und noch länger zurückreichen, von Ereignissen, die so in keinem Geschichtsbuch stehen und die sie zum Teil auch schon selbst miterlebt haben. Das Buch ist keine Autobiographie im üblichen Sinn des Wortes, mit allen Fakten des Lebens und einer strikten Abfolge entlang der Zeitachse. Es ist mehr eine Auswahl von Begebenheiten, die der Autor selbst erlebt hat oder die ihm von seinen Eltern oder Großeltern erzählt worden sind. Es sind Zeitsprünge, Vor- und Rückblenden enthalten, wie in einem Film. Dass der Text keine Biographie ist, kann man auch daran erkennen, dass wenig private Sachverhalte beschrieben werden.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 4,87 MB
978-3-7519-2671-3 (9783751926713)
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Nach dem Abitur an einem naturwissenschaftlichen Gymnasium in Saarbrücken hat der Autor Geographie und Sportwissenschaft an der Universität des Saarlandes studiert und als Diplom-Geograph abgeschlossen. Danach folgte ein zweijähriges Aufbaustudium an der Simon Fraser University in Vancouver-Burnaby, Kanada. Nach einigen Jahren Berufstätigkeit in einer Bundesforschungsanstalt promovierte er an der Freien Universität Berlin zum Dr. rer. nat. mit einer Dissertation zur Interpolation und Darstellung kartographischer Oberflächen.

Saargebiet und Saarland

Im Mai 1944 kam ich während einer Bombennacht im Tiefbunker eines Saarbrücker Krankenhauses zur Welt. Die ersten 25 Jahre meines Lebens, außer der Zeit der Evakuierung in Oberfranken, habe ich in Güdingen verbracht, heute ein Stadtteil von Saarbrücken. In dieser Zeit sind gesellschaftliche Ereignisse über meine Heimatregion hinweggegangen, die ich aus nächster Nähe miterlebt habe. Die Erinnerungen an diese Zeit haben viele Spuren hinterlassen, unter anderem ein besonderes Maß an Frankophilie. Die unmittelbare Nachbarschaft zu Lothringen und die besondere Situation des Saarlandes nach dem Krieg haben dabei eine nicht unbedeutende Rollen gespielt.

Abbildung 1-1

Der Neugeborene in den Armen seiner Mutter, Sommer 1944.

Saargebiet, 1920-1935

Das Saargebiet (französisch Territoire du Bassin de la Sarre, deutsch Saarbeckengebiet) ist das Industriegebiet an der mittleren Saar, mit den Steinkohle-Gruben und Eisenwerken. Die Region wurde im Versailler Vertrag vorübergehend als Mandatsgebiet vom Deutschen Reich abgetrennt, wie auch die Stadt Danzig und das Memelgebiet. Das Saargebiet umfasste den Südteil des Regierungsbezirks Trier in der preußischen Rheinprovinz und den Westteil der bayerischen Pfalz. Frankreich wurde "Schutzmacht" für das Saargebiet im Auftrag des Völkerbundes, dem Vorläufer der Vereinten Nationen. Die Saarländer erhielten neue zweisprachige Personalausweise, wie der für meinen Großvater (Abb. 1-2). Darin wird als Staatsangehörigkeit Preußen angegeben, mit dem zusätzlichen Stempel Saareinwohner.

Die Begriffe "Mandatsgebiet", "Protektorat" oder "Schutzgebiet" waren beschönigende Umschreibungen, die meistens in Zusammenhang mit den Kolonien in Übersee verwendet wurden, auch vom deutschen Kaiserreich ("Schutztruppe Deutsch-Südwest"). Ein Historiker schrieb über die Franzosen und das Saargebiet: "Die Franzosen lebten in Saarbrücken wie die Engländer in Bombay, ohne Kontakte zu den Einheimischen." Er wollte damit ausdrücken, dass das Saargebiet faktisch einen Status ähnlich einer französischen Kolonie in Übersee hatte. Die Vertreter der Schutz macht Frankreich sahen das vermutlich auch so.

Abbildung 1-2

Zweisprachiger Personalausweis meines Großvaters Friedrich Diener während der Saargebietszeit

Der Deserteur und das Loch in der Mauer

In unserer Nachbarschaft wohnte ein junger Mann, der in Güdingen geboren und aufgewachsen war. Sein Vater war Lothringer, bei seiner Geburt Deutscher, nach dem ersten Weltkrieg Franzose. Der Sohn hatte unwissentlich die französische Staatsbürgerschaft von seinem Vater geerbt. Erst als der Einberufungsbefehl zur französischen Armee ins Haus flatterte, wurde ihm dieser merkwürdige Zustand bewusst. Er hat diese Aufforderung ignoriert, bis eines Tages französische Militärgendarmen vor der Tür standen und den vermeintlichen Deserteur verhaften wollten. Sie durften aber das Haus nicht betreten, sondern mussten warten, bis entweder eine richterliche Anordnung vor lag oder der junge Mann das Haus verließ. Der hatte aber eine Lösung gefunden: Still und leise brach er ein Loch vom Haus seiner Familie in die andere Hälfte des Doppelhauses. Als alte Frau verkleidet, mit Kopftuch und einem Rechen auf der Schulter, machte er sich da von, anscheinend zur Feldarbeit. Ein Freund hat ihn danach mit dem Motorrad über die grüne Grenze nach Deutschland gebracht und damit dem französischen Militärdienst entzogen. Die Geschichte machte schnell die Runde, denn viele Anwohner hatten das Geschehen verfolgt und natürlich weitererzählt. Die Schadenfreude in der Bevölkerung über die Unfähigkeit der französischen Militärverwaltung war nicht gering.

Ich erinnere mich, dass man während der Saarlandzeit viele Jahre später ab und zu auch einen jungen Mann in französischer Uniform sah, den wir bisher nie als Franzosen wahrgenommen hatten, weil er Dialekt sprach wie wir. Auch in dieser Zeit war die nationalität des Vaters maßgeblich für die Militärpflicht in der französischen Armee. Von einigen Betroffenen wurde er zählt, dass sie kein Wort Französisch verstanden und deshalb bei militärischen Anweisungen für Heiterkeit bei den Kameraden sorgten, weil sie den Befehl nicht ausführten. Die Vorgesetzten waren in diesem Fall machtlos, weil der Rekrut weder die Belehrungen noch die Strafandrohungen verstand.

Abbildung 1-3

Plakat für eine Kundgebung zur Abstimmung über die zukünftige Zugehörigkeit des Saargebietes

Volksabstimmung 1935

Wie im Versailler Vertrag festgelegt, wurde Frankreich das Eigentum an den Steinkohlevorkommen und Kohlengruben im Saargebiet übertragen, als Reparationen für die vom deutschen Militär verursachten Kriegsschäden in Frankreich. Das Mandat dauerte von 1920 bis zur Volksabstimmung 1935. Nach der eindeutigen Entscheidung der Einwohner für Deutschland kam das Saargebiet kurz darauf wieder "heim ins Reich", leider in das dritte Reich der Nationalsozialisten, dessen Verbrechen auch vielen Saarländern großes Leid zugefügt hat. Gegen die Zahlung von 900 Millionen Goldfranken bekam das Deutsche Reich das Eigentum an den Saargruben zurück. Anders als im Ruhrgebiet waren die saarländischen Kohlengruben nicht in privater Hand, sondern im Besitz der staatlichen Bergwerksgesellschaft, auch unter französischer Mandatsaufsicht (Régie des Mines de la Sarre).

Im Vorfeld der Abstimmung durften im Saargebiet keine Versammlungen stattfinden, in denen für den Anschluss an das Deutsche Reich geworben wurde. Die Kund gebungen wurden deshalb an Orten im Reich veranstaltet, die vom Saarland aus gut mit der Bahn zu erreichen waren, so wie die "Saartreuekundgebung" in Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein, heute Sitz des Bundesarchivs (Abb. 1-3). Die Saarbrücker nahmen abends den Zug nach Koblenz und stiegen morgens zu Fuß hinauf zur Festung.

Das Saarland als unabhängiger Staat

Nach dem zweiten Weltkrieg entstand 1947 das Saarland als "un abhängiger" Staat im französischen Wirtschaftsraum, bereits in den Grenzen des heutigen Bundeslandes. Die Grenzen des Saargebiets von 1920 bis 1935 und die des unabhängigen Saarlands und späteren Bundeslandes sind nicht identisch. Im nördlichen Teil des Saargebiets verlief die Grenze weiter südlich als die des heutigen Saarlands. Der Schwarzwälder Hochwald und der nördliche Saargau gehörten nicht zum Mandatsgebiet. Deshalb war das Saargebiet flächenmäßig etwa um ein Viertel kleiner als das heutige Bundesland. Eine beliebte Fang frage in der Nachkriegszeit war "Wie heißt der höchste Berg des Saarlands?" Die Saarländer, die noch in der Saargebietszeit zur Schule gegangen waren, nannten in der Regel den Schaumberg bei Tholey. Zum neuen Saarland war aber der Schwarzwälder Hochwald hinzugekommen, die Weiskircher Höhen im Hochwald die höchste Erhebung und die in der Saargebietszeit richtige Antwort "Schaumberg" war jetzt falsch.

Abbildung 1-4

Wappen des "Saarstaats" mit den Farben Blau, Weiß und Rot. Die Brückenbögenstehen für die "Alte Brücke" über die Saar zwischen den Stadteilen Alt-Saarbrücken und St. Johann.

Flagge und Wappen des "unabhängigen" Saarlands war in den heraldischen Farben Blau, Weiß und Rot gehalten, wie sie auch in der Nationalflagge Frankreíchs verwendet werden (Abb. 1-4). Auch an dieser Farbwahl war zu erkennen, welches Nachbarland von der saarländischen Regierung präferiert wurde.

Der Unterschied zwischen Saargebiet und Saarland ist nicht je dem geläufig. Selbst Journalisten verwenden die Bezeichnungen nicht immer korrekt. Man sollte im Gespräch mit Saarländern mit Kenntnissen der Heimatgeschichte darauf achten, welchen Begriff man verwendet, um Missverständnisse und Aversionen zu vermeiden.

Graupässler und Rotpässler

Das Saarland wurde von keinem anderen Staat ausdrücklich völkerrechtlich anerkannt, außer Frankreich als der treibenden Kraft für die Unabhängigkeit. Die Saarländer erhielten eine eigene Staatsbürgerschaft. Das Kriterium für die saarländische Staatsbürgerschaft war wahrscheinlich der Geburtsort oder der Wohnsitz im Saarland seit einem bestimmten Datum. Die "echten" Saarländer waren an der Farbe der Per so nalausweise und Reisepässe zu erkennen. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Saarländer "Graupässler" und die anderen "Rotpässler" waren, aber es kann auch anders herum gewesen sein. Noch in meiner ersten Zeit im Gymnasium wurde die Staatsangehörigkeit der Eltern ins Klassenbuch eingetragen. Die Frage nach der Farbe der Ausweispapiere war für...

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