Der wagemutige Earl und die schöne Erbin

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. August 2020
  • |
  • 264 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-4923-1 (ISBN)
 
"Heirate mich!" Ungläubig schaut Lennox die wunderschöne Mercy Rutherford an. Seit sie seinen Weg gekreuzt hat, steht das Leben des adligen Erfinders Kopf. Soll er der Liebe mit dieser freiheitsliebenden Amerikanerin eine Chance geben? Er muss sich schnell entschließen, denn Mercys schrecklicher Verlobter, vor dem sie geflohen ist, hat sie nun in Schottland aufgespürt. Die Ehe mit Lennox ist Mercys letzte Rettung! Aber so verarmt, wie Lennox ist, kann er unmöglich eine reiche Erbin heiraten. Das verbietet ihm seine Ehre. Doch tollkühn geht Mercy noch weiter: Wenn keine Heirat, dann soll Lennox ihr zumindest eine sinnliche Nacht schenken ...
Schon als Fünfjährige wollte Karen Ranney unbedingt Autorin werden. Viele Anregungen dafür erhielt sie bei Auslandsaufenthalten in Japan, Italien und Frankreich. Inzwischen stehen ihre Romane regelmäßig auf der Bestsellerliste der New York Times. Karen Ranney ist verheiratet und lebt im amerikanischen Bundesstaat Texas.

2. KAPITEL

Ihr Gesicht war nass. Mercy versuchte den Kopf zu bewegen, der zwanzigmal schwerer zu sein schien als noch vor wenigen Minuten. Sie schob sich etwas aus der Stirn und erkannte, dass es ein Sitzpolster war.

Die Kutsche hatte sich überschlagen. Sie lag auf der Seite, und alles, was auf dem Fußboden gestanden hatte, war im Kutscheninneren herumgeschleudert worden, einschließlich des Picknickkorbs, den man an diesem Morgen für sie gepackt hatte. Ein großes Stück durchdringend riechender Käse lag nur wenige Zoll neben ihrer Nase. Wahrscheinlich war eine der Weinflaschen zerbrochen, und der Wein hatte sich wohl über ihr Gesicht ergossen.

Ruthie lag reglos auf der anderen Seite der Kutsche. Ihr Kopf ruhte auf den ausgestreckten Armen, es schien, als schliefe sie. Allerdings war sie erschreckend blass, und als Mercy sie ansprach, reagierte sie nicht.

Irgendwie schaffte Mercy es, näher zu ihr zu rutschen.

Auf einmal ging das Kutschendach auf, fast so, als würde es von der Hand eines Riesen abgeschält. Nein, korrigierte Mercy sich stumm. Keinem Riesen. Einem ganz normalen Mann.

Er blickte auf sie herunter. "Alles in Ordnung mit Ihnen?"

"Ich glaube nicht, nein."

"Sie sind Amerikanerin", stellte er überflüssigerweise fest.

Mercy blinzelte zu ihm hoch. "Waren Sie es, der den Drachen gesteuert hat?"

"Den was?"

"Den Drachen. Das Monstrum. Nennen Sie es, wie Sie wollen."

"Es ist ein Fluggerät."

"Was auch immer, Sie müssen wahnsinnig sein!"

Er antwortete nicht darauf, runzelte nur die Stirn. "Sie bluten."

Sie berührte ihre Wange. Als sie die Finger betrachtete, waren sie blutverschmiert. Also doch kein Wein.

"Werden Sie ohnmächtig?"

"Sie hätten es verdient", erwiderte Mercy knapp. Sie war unendlich wütend auf ihn, doch mit einem Mal erschien es ihr viel zu anstrengend, es ihm zu sagen.

"Sie haben meine Zofe getötet", warf sie ihm stattdessen vor. "Sie sind nicht nur wahnsinnig, sondern auch ein Mörder."

"Wohl kaum." Er warf einen Blick auf Ruthie. "Sie atmet, aber wir müssen sie hier herausbringen."

Mühelos riss er den Rest des Kutschendachs ab und bog ihn beiseite.

Dann hoben er und der Kutscher Ruthie aus dem Wrack, und die Zofe kam zu sich. Mercy atmete auf.

Sie selbst hatte beschlossen, seine Hilfe abzulehnen, Idiot, der er war, und aus eigener Kraft aus dem Gefährt zu klettern. Im nächsten Moment stellte sie fest, dass ihr Fuß irgendwo eingeklemmt war, und die Worte ihrer Mutter kamen ihr in den Sinn.

Es ist sein Stolz, der deinen Vater manchmal in Schwierigkeiten bringt, Mercy. An sich ist Stolz eine gute Sache, aber nicht, wenn er zu Hochmut wird.

Kurz darauf kam der Fremde zurück, um auch sie zu holen.

"Ich kann meinen Fuß nicht bewegen." Es ärgerte sie, dass sie ihn um Hilfe bitten musste.

Er erwiderte nichts darauf, kletterte in die Kutsche und entfernte einen Teil des Rahmens. Dann schob er die Arme unter ihre Achseln und zog sie umstandslos aus der Kutsche auf eine Wiese in der Nähe der Straße.

Mercy lag da und blickte in den blauen schottischen Himmel. Wenigstens regnete es nicht.

"Wie fühlen Sie sich?", fragte er nüchtern.

"Wie geht es Ruthie?"

"Ich glaube, sie hat sich den Arm gebrochen."

Mercy schloss die Augen.

"Ich muss Hilfe für sie holen."

"Ich habe ein wenig Erfahrung, was das Schienen von Brüchen angeht."

Sie hob die Lider und bewegte vorsichtig den Kopf, bis er in ihrem Blickfeld auftauchte.

"Sie haben ihr den Arm gebrochen, und jetzt wollen Sie ihn schienen?"

"Etwas Besseres fällt mir nicht ein."

"Ehrlich gesagt, ich möchte nicht, dass Sie sie behandeln."

"Es ist mir egal, was Sie möchten."

"Sind Sie immer so grob?"

"Ja."

"Sie sollten sich entschuldigen." Mercy zeigte mit dem Finger auf ihn. "Für Ihre Einstellung und dafür, dass Sie uns gerammt haben."

Er beachtete sie nicht. Stattdessen ging er zum Kutscher, sprach mit ihm und wies dabei auf den Fuß des Hügels.

"Ich bringe Ihre Bekannte zu mir nach Hause", informierte er Mercy anschließend kurz angebunden. "Dort kann ich sie behandeln. Bis ich zurück bin, wird der Kutscher auf Sie aufpassen."

Natürlich würde Mr. McAdams das tun. Er war ein freundlicher Mensch. Sie hatte ihn in Inverness eingehend befragt. Er war außerordentlich höflich gewesen und bereit, sie hierherzubringen. Natürlich hatte sie ihm ein kleines Vermögen gezahlt, um ihm die Entscheidung zu erleichtern.

Ruthie lag im Gras. Ihre Augen waren geschlossen, als sei sie erneut ohnmächtig geworden. Ohne ein weiteres Wort hob der Fremde sie auf seine Arme. Dann ging er los, den Hügel hinunter in Richtung des Sees.

Auf die Ellbogen gestützt, blickte Mercy den beiden nach, bis sie verschwunden waren, dann ließ sie sich ins Gras zurücksinken. Ihr dröhnte der Schädel, und wahrscheinlich blutete sie wieder.

Kurz darauf kam Mr. McAdams zu ihr.

"Ich fürchte, die Kutsche ist ein Wrack, Miss Rutherford. Aber Mr. Caitheart sagte, er kann uns ein Gefährt borgen."

"Ist das sein Name? Caitheart?"

Mr. McAdams nickte. Er war ein stämmiger Mann, aber andererseits waren Kutscher immer beleibt. Sie brauchten Kraft, um die eigensinnigen Zugpferde zu lenken. Dass Mr. McAdams gerne und viel aß, war eine lässliche Sünde verglichen mit jenen, die er stattdessen hätte haben können.

Die Sünde des Stolzes zum Beispiel.

Mercy drehte leicht den Kopf. Zu ihrer Linken stand das Ungeheuer, das Mr. Caitheart gesteuert hatte. Es sah nicht einmal entfernt nach einem Drachen aus, nur nach einem zersplitterten Stück Holz mit zwei Fetzen Leinwand. Es erinnerte sie an eine Libelle - eine verwundete Libelle, die gelandet war, um sich zu erholen. Oder zu sterben.

Die Reise nach Schottland war eine Dummheit gewesen, selbst wenn es sich um einen Liebesdienst handelte. Und Ruthie mitzunehmen hatte alles nur noch schlimmer gemacht. Nicht dass sie New York je ohne die Zofe verlassen hätte. Allein schon, weil sie auf ihren Ruf achten musste. Außerdem war Ruthie ihre einzige wirkliche Freundin. Aber nun hatte sie noch etwas auf dem Gewissen, nämlich Ruthies Unversehrtheit.

Mr. McAdams hatte die Pferde ausgespannt. Nun ging er zu ihnen, ließ die Hand über die Flanken der Tiere gleiten, untersuchte sorgfältig ihre Beine, eines nach dem anderen. So diskret wie möglich tastete auch Mercy nach ihren Beinen. Gott sei Dank trug sie eine Krinoline unter ihrem dunkelblauen Reisekleid, die um einiges bequemer war als ein Reifrock, besonders in der Kutsche.

Sobald sie zu dem Ergebnis gekommen war, dass anders als bei der bedauernswerten Ruthie alles in Ordnung war, setzte sie sich auf. Nur der Kopf tat ihr immer noch weh, doch das war alles.

Eine halbe Stunde verging, und es hatte nicht den Anschein, als ob Mr. Caitheart bald wieder zurückkommen würde. Auch schien Mr. McAdams an nichts anderem Interesse zu haben als an seinen Pferden.

Nun gut, dann musste sie eben selbst herausfinden, wie es Ruthie ging. Mercy atmete tief durch. Sie war nach Schottland gereist, um ihre Unabhängigkeit unter Beweis zu stellen, und sie würde genau jetzt damit anfangen.

Als sie aufstand, wurde ihr ein klein wenig schwindlig. Es dauerte einen Moment, bis die Welt um sie herum aufhörte, sich zu drehen. Dann raffte Mercy ihre Röcke, setzte sich in Bewegung und machte einen Bogen um die hohen purpurfarben blühenden Pflanzen, die stachelig waren und fast gefährlich wirkten. Sie war Disteln noch nie so nahe gekommen, aber sie wusste, wie sie aussahen. Den Kaminsims im Salon ihres Sommerhauses zierten Schnitzereien von Disteln und anderen schottischen Pflanzen. Auf diese Weise ehrte ihr Vater die Herkunft ihrer Mutter, auch wenn ihre Mutter noch nie in Schottland gewesen war.

Bei ihrer Großmutter war es eine andere Geschichte. Dass sie vierzig Jahre in North Carolina gelebt hatte, glaubte man nicht, wenn man sie sprechen hörte. Und die Geschichten, die sie erzählte, verrieten, dass sie ihr Leben lang unter Heimweh nach Schottland gelitten hatte.

Als Erstes ging Mercy zur Kutsche. Mr. McAdams hatte ihre Habseligkeiten herausgeholt und am Straßenrand aufgereiht. Als sie ihr Retikül und den Handkoffer gefunden hatte, den sie seit ihrer Abreise aus New York mit Argusaugen bewachte, trat sie zu dem Kutscher.

"Sind die Pferde unverletzt, Mr. McAdams?"

"Scheint so, Miss Rutherford. Sie haben sich bloß zu Tode geängstigt."

Mercy streckte die Hand aus und strich dem Pferd, das ihr am nächsten stand, über die Nüstern. Sie war keine besonders gute Reiterin, aber auf dem Sommersitz hielt ihre Familie Pferde, und sie mochte die Tiere.

"Ich mache mich auf den Weg und sehe nach, wie es Ruthie geht." Sie runzelte die Stirn. "Mr. Caitheart scheint so bald nicht zurückzukommen, und ich möchte sicherstellen, dass mit ihr alles in Ordnung ist."

Der Kutscher nickte.

Mercy zögerte. Aus einem unerfindlichen Grund fühlte sie sich verantwortlich für Mr. McAdams' Kutsche. Hätte er nicht eingewilligt, sie zu ihrer Großmutter zu bringen, wäre er Mr. Caitheart, diesem Idioten, niemals über den Weg gelaufen.

Das demolierte Gefährt sah aus wie ein platt getretener...

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