Ein Prozent ist genug

Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen
 
 
oekom verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. September 2016
  • |
  • 272 Seiten
 
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978-3-96006-132-8 (ISBN)
 
Die Fronten sind verhärtet: hier die Anhänger des Degrowth, die negative Wachstumsraten für unverzichtbar halten - dort die Mehrheit der Wachstumsgläubigen, die noch immer von zweistelligen Zuwächsen träumt. Radikale Rhetorik und Konzepte scheinen mehr denn je nötig zu sein, um sich Gehör zu verschaffen. Doch gibt es wirklich keine Lösungen dazwischen? Für Jorgen Randers und Graeme Maxton ist es höchste Zeit, Realitäten anzuerkennen und Denkblockaden zu überwinden. In 'Ein Prozent
ist genug' stehen die Industrieländer, deren Wirtschaft kaum noch wächst im Mittelpunkt. Der aktuelle Bericht an den Club of Rome räumt auf mit dem Mythos der Alternativlosigkeit und präsentiert einen Maßnahmenkatalog für überfällige Reformen in Politik und Wirtschaft: für den Umbau unserer sozialen Sicherungssysteme, für menschenwürdige Arbeitsplätze und einen Klimaschutz,
der der Wirtschaft nutzt.
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
  • 1,95 MB
978-3-96006-132-8 (9783960061328)
3960061323 (3960061323)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Ein Prozent ist genug [Seite 1]
2 - Inhalt [Seite 4]
3 - Liste der Boxen [Seite 6]
4 - Liste der Abbildungen [Seite 8]
5 - Liste der Tabellen [Seite 8]
6 - Geleitwort [Seite 9]
7 - Vorwort [Seite 13]
8 - KAPITEL 1 - Zwei drängende Probleme der reichen Welt [Seite 21]
9 - KAPITEL 2 - Die traditionelle Lösung: Wirtschaftswachstum [Seite 29]
10 - KAPITEL 3 - Die alte Methode funktioniert nicht mehr [Seite 59]
11 - KAPITEL 4 - Fortschreitende Automatisierung [Seite 77]
12 - KAPITEL 5 - Andere Bedrohungen für das heutige Wirtschaftssystem [Seite 95]
12.1 - Alternde Bevölkerung [Seite 96]
12.2 - Ressourcenverknappung [Seite 104]
12.3 - Klimawandel [Seite 104]
13 - KAPITEL 6 - Die Sackgasse: Das Scheitern des marktradikalen Denkens [Seite 109]
14 - KAPITEL 7 - Die Stürme vor uns [Seite 123]
15 - KAPITEL 8 - Eine neue Perspektive [Seite 137]
16 - KAPITEL 9 - Dreizehn leicht realisierbare Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und Erderwärmung [Seite 147]
16.1 - 1. Verkürzung der Jahresarbeitszeit [Seite 152]
16.2 - 2. Anhebung des Renteneintrittsalters [Seite 165]
16.3 - 3. Eine Neudefinition der "bezahlten Arbeit", die auch die häusliche Pflege von Angehörigen umfasst [Seite 169]
16.4 - 4. Erhöhung des Arbeitslosengeldes [Seite 172]
16.5 - 5. Erhöhung der Steuern für Unternehmen und Reiche [Seite 179]
16.6 - 6. Mehr grüne Konjunkturpakete, finanziert durch die Druckerpresse oder Steuererhöhungen [Seite 186]
16.7 - 7. Besteuerung fossiler Brennstoffe und faire Verteilung der Erlöse auf alle Bürger [Seite 189]
16.8 - 8. Verlagerung von der Einkommensbesteuerung auf die Besteuerung von Emissionen und Rohstoffverbrauch [Seite 194]
16.9 - 9. Anhebung der Erbschaftssteuern [Seite 204]
16.10 - 10. Förderung gewerkschaftlicher Organisation [Seite 211]
16.11 - 11. Beschränkung des Außenhandels [Seite 216]
16.12 - 12. Förderung kleinerer Familien (Geburtenkontrolle) [Seite 221]
16.13 - 13. Einführung eines existenzsichernden Grundeinkommens für die Bürger, die es am dringendsten brauchen [Seite 225]
17 - KAPITEL 10 - Die Mehrheit entscheiden lassen [Seite 237]
18 - KAPITEL 11 - Lasst die arme Welt wachsen [Seite 245]
19 - KAPITEL 12 - Die Welt retten [Seite 257]
20 - KAPITEL 13 - Die kommende große Schlacht [Seite 271]
21 - Anmerkungen [Seite 280]
22 - Literatur und Quellen [Seite 285]
23 - Dank [Seite 288]

Vorwort


Vieles auf der Welt muss uns Sorgen machen, das fängt an mit der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit und der sich verschärfenden Ungleichheit, geht weiter zur fortgesetzten Ressourcenerschöpfung, zur wachsenden Umweltverschmutzung bis zum rasanten Artensterben und zur weitverbreiteten Armut. Das größte Problem ist jedoch der schleichende, durch Menschen verursachte Klimawandel. Wenn nichts geschieht, um die globale Erwärmung zu bremsen, wird sich der Fortschritt in fast allen Bereichen menschlicher Tätigkeit im Lauf der kommenden 50 Jahre verlangsamen, weil sich zunehmend beängstigende Klimaereignisse häufen - und Schlimmeres wird folgen. Leider wird im Moment nahezu nichts unternommen, um dieses Problem anzugehen. Die Menschen reagieren nicht, weil sie nicht wagen, das existierende Wirtschaftssystem infrage zu stellen und weil sie die wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Veränderungen fürchten. Sie glauben, dass die nötigen Schritte zur Reduktion von Treibhausgasen das Wirtschaftswachstum beschneiden könnten. Sie meinen, ein geringeres Wirtschaftswachstum würde der reichen Welt mehr Arbeitslosigkeit bescheren und einen Großteil der armen Welt noch auf Jahrzehnte zum Elend verurteilen, wodurch wiederum die Ungleichheit zunähme - ohnehin schon ein großes Problem. Statt also den Übergang in eine saubere, nachhaltigere Welt in Angriff zu nehmen, setzen die Menschen alles daran, das Wachstum anzukurbeln, weil sie glauben, damit würden neue Arbeitsplätze geschaffen und der Lebensstandard steigen, obwohl in Wirklichkeit die Ungleichheit wächst und die Klimaprobleme immer größer werden. Sobald es mehr Arbeitsplätze gibt und die Leute wohlhabender sind, so denken sie offenbar, kann die Gesellschaft anfangen, den Klimawandel zu stoppen. Wenn wir zeigen könnten, dass dieses Hindernis überwindbar ist - so unsere Überlegung -, wenn wir also den vermeintlichen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätzen und Gleichheit aufbrechen könnten, dann würde sich diese Einstellung ändern. Wenn wir zeigen könnten, dass es möglich ist, Arbeitsplätze zu schaffen, den durchschnittlichen Lebensstandard anzuheben und die Ungleichheit zu verringern - sogar ganz ohne Wirtschaftswachstum -, dann könnten wir das Haupthindernis aus dem Weg räumen, das die Menschen davon abhält, die gegenwärtige Entwicklung zu stoppen. Darum geht es in diesem Buch: wie man in der entwickelten Welt die Arbeitslosigkeit senkt und die Kluft zwischen Arm und Reich verringert und gleichzeitig den Klimawandel verlangsamt, die Ressourcenverschwendung vermindert und das Artensterben bremst. Es geht darum, wie man dafür sorgt, dass jeder ausreichend bezahlte Arbeit oder Einkommen für ein gutes Leben hat. Es geht darum, wie der Übergang in eine saubere, nachhaltigere Welt gelingt, ohne dass Menschen dabei auf der Strecke bleiben. Viele unserer Empfehlungen sind unkonventionell und manche werden zweifellos für Kontroversen sorgen. Da sie oft den derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Tendenzen zuwiderlaufen, stoßen sie vielleicht auf reflexhafte Ablehnung. Man muss sich ein bisschen Zeit zum Nachdenken nehmen, um zu sehen, dass unsere Vorschläge einen besseren Weg in die Zukunft weisen und eine machbare Option zur Anhebung des durchschnittlichen Lebensstandards überall auf der Welt darstellen. Wir möchten auch erklären, warum unser Buch Ein Prozent ist genug heißt. Diesen Titel haben wir aus drei Gründen gewählt. Erstens muss sich die reiche Welt, wie wir ausführen werden, an geringere Wachstumsraten gewöhnen. Daran lässt sich auch durch Absenken der Leitzinsen ins Bodenlose, monetäre Lockerung und andere wirtschaftspolitische Maßnahmen nichts ändern. Statt zu jammern, wenn Regierungen und Zentralbanken das Wachstum nicht auf über ein Prozent pro Jahr anheben können, sollten wir uns damit zufrieden geben. Ein Prozent ist genug. Der zweite Grund, warum wir sagen, dass ein Prozent ausreicht, besteht darin, dass eine solche Selbstbeschränkung nötig ist, um mit der Zerstörung aufzuhören, welche die Menschheit auf dem Planeten anrichtet, und den Schaden zu beheben. Wenn auch nur ein Prozent der Arbeit und des Kapitals weltweit von klimaschädlichen (»schmutzigen«) Sektoren in klimafreundliche (»saubere«) Sektoren verlagert würde, könnten wir die globale Erwärmung unter 2 Grad Celsius - die akzeptierte Schwelle - halten. Traditionell investiert die Gesellschaft weltweit rund ein Prozent des Gesamtwerts ihrer Waren und Dienstleistungen (BIP) in die Energieversorgung - also hauptsächlich in Kohle, Erdöl und Erdgas. Wenn ein weiteres Prozent in den Energiesektor flösse - und zwar in die Energiegewinnung durch Sonne, Wind, Wasser und Biomasse mit günstiger CO2-Bilanz -, dann würde in zehn Jahren die Prognose für unser Klima ganz anders aussehen als heute. Würden wir das zusätzliche eine Prozent über eine Generation hinweg in Erneuerbare investieren, wäre das Klimaproblem gelöst. Der dritte Grund ist die Ungleichheit. Während der Occupy-Proteste in den Vereinigten Staaten und anderswo forderten viele auf ihren Protestschildern ein Wirtschaftssystem für die 99 Prozent. Denn mittlerweile ist die Konzentration des Reichtums so weit vorangeschritten, dass ein Prozent der Bevölkerung so viel besitzt wie der Rest der Welt zusammengenommen.  1     Was ist »marktradikales Denken«? Marktradikales Denken zielt auf individuelle Konsumsteigerung, Wettbewerb und Freihandel. Gemeinsames Handeln gilt hingegen als ineffizient, und hohe Steuern sowie ein starker Staat stellen diesem Denken zufolge eine Gefahr dar. Die Steigerung der Wirtschaftsleistung (BIP) wird für wichtiger gehalten als die Steigerung der Produktivität pro Kopf (BIP pro Einwohner). Marktradikale meinen, dem Gemeinwohl sei am besten durch eine Steigerung des BIP gedient, und spielen die Tatsache herunter, dass dies oft stärker den Interessen der Reichen dient als denen der Armen. Schließlich fördert der Marktradikalismus kurzfristiges Denken, indem durch hohe Diskontsätze künftige Kosten und Erträge menschlicher Tätigkeit ausgeblendet werden. Wir meinen, das muss sich ändern, und mit dieser Haltung sind wir nicht allein. Deshalb richten sich die politischen Empfehlungen in unserem Buch auf die Bedürfnisse der 99 Prozent und sollen dazu dienen, das wirtschaftliche Gleichgewicht Schritt für Schritt zu ihren Gunsten zu verschieben - ohne dabei instabile Verhältnisse zu riskieren. Mit anderen Worten, wir meinen, die oberen ein Prozent haben genug. Kurzum: Ein Prozent ist genug - in vieler Hinsicht. Als Verständnishilfe für die theoretischen Grundlagen, auf denen unser Buch aufbaut - um zu zeigen, dass wir uns auf ein in sich konsistentes Theoriegerüst stützen -, haben wir mehrere Kästen in den Text eingefügt - mit kurzen Antworten auf Fragen, die sich Leserinnen und Leser vielleicht stellen. Diese Kästen sind jeweils dort platziert, wo die Frage erstmals aufgeworfen wird. Aber vielleicht kommen Ihnen bestimmte Fragen an ganz anderer Stelle in den Sinn; dann können Sie mithilfe der Liste der Boxen die Antwort suchen. Viele der hier vorgestellten Ideen eignen sich also dazu, das allgemeine Wohlergehen und den Lebensstandard in der reichen Welt zu heben. Wir glauben, dass ein Haupthindernis dafür im »marktradikalen Denken« liegt (siehe Box 1).  2     Was ist Kurzsichtigkeit? Kurzsichtigkeit ist die Neigung, die kurzfristigen Folgen einer Entscheidung - was sie in den kommenden Stunden, Wochen oder Jahren für Menschen bedeuten könnte - stärker zu betonen als ihre für die Gesellschaft langfristigen Konsequenzen, die sich in den nächsten Jahrzehnten, vielleicht sogar erst in der Zeit nach den heute lebenden Generationen, ergeben können. In der Wirtschaftstheorie, und häufig auch in der Praxis von Unternehmen und Regierungen, entscheiden sich Menschen in der Regel für das Ergebnis mit dem höchsten Kapitalwert oder Nettogegenwartswert (NGW). Der NGW ist die Summe aller künftigen Kosten und Erträge einer Entscheidung, die auf ihren heutigen Wert diskontiert wird. Dabei wird davon ausgegangen, dass ein Ertrag in der Zukunft weniger wert ist als heute. So ist es beispielsweise besser, einen Geldbetrag heute zu erhalten als morgen. Das heißt, 10.000 Euro heute sind mehr wert als 10.000 Euro in einem Jahr. Der Grund hierfür ist, dass Sie die 10.000 Euro, die Sie heute besitzen, in ein Unternehmen investieren oder zur Bank bringen und Zinsen kassieren könnten. Angenommen, Sie gewinnen auf diese Weise 10 Prozent im Jahr, hätten Sie in einem Jahr 11.000 Euro. (Der Einfachheit halber lassen wir die Inflation unberücksichtigt.) Wirtschaftswissenschaftler in Privatfirmen und Regierungen verwenden zur Berechnung des Nettogegenwartswerts den sogenannten »Diskontsatz«. Wenn wichtige Entscheidungen anstehen, wie der Bau eines neuen Flughafens, wird der Diskontsatz meist ziemlich hoch angesetzt - inflationsbereinigt bei rund 10 Prozent pro Jahr, und zwar auch deshalb, weil es zahlreiche andere Verwendungszwecke für die benötigten Finanzmittel gibt. Um den Gesamt-NGW für ein Vorhaben zu ermitteln, werden aus jedem Jahr die diskontierten Nettoerträge (Einnahmen minus Kosten) addiert, und wenn die Kosten für den Bau des Flughafens heute geringer sind als die gesamten diskontierten Einnahmen über die Lebensdauer des Projekts, hat es einen positiven NGW und gilt als »rentabel«. Nach Meinung der konventionellen Wirtschaftstheorie ist es...

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