Ich schenkte dem falschen Arzt mein Vertrauen: Dr. Staffner packt aus 16

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. September 2019
  • |
  • 100 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-3172-3 (ISBN)
 
Der Psychotherapeut und seine wahren Fallakten von Wolf G. Rahn Der Umfang dieses Buchs entspricht 97 Taschenbuchseiten. - Erst 42 und schon Oma. Damit kann sie Gisela nicht abfinden. Das Leben kann doch nicht schon vorbei sein. Verzweifelt bemüht sie sich, durch Kosmetik, Garderobe und Sport ihre Jugend festzuhalten. Und dann lernt sie einen anderen Mann kennen... - Als Mädchen war Gerda ihrer Schwester das große Vorbild. Doch mit zunehmendem Alter wird sie immer unverträglicher und rechthaberischer. Überall zettelt sie einen Streit an und mischt sich in privateste Dinge ein. Wie lange kann das gut gehen? - Schon bald verliert Erika ihre natürliche Scheu gegenüber ihrem neuen Frauenarzt. Er ist rücksichtsvoll und kompetent. Selbst als er ihr einen Job anbietet, ahnt sie nicht seine Absichten. Ein folgenschwerer Fehler. Und 10 weitere Schicksalsgeschichten aus dem Leben Während meiner langjährigen Tätigkeit als Psychotherapeut kamen viele Menschen zu mir, die ein Ereignis oder ihr eigenes Verhalten aus dem seelischen Gleichgewicht geworfen hatte. Indem ich versuchte, ihnen zu helfen, erfuhr ich zum Teil erschütternde Lebensbeichten. Die Namen wurden selbstverständlich von mir geändert.
  • Deutsch
  • 0,98 MB
978-3-7389-3172-3 (9783738931723)

Ich konnte nicht verkraften, eine Großmutter zu sein


Zweifellos passte mein entgeistertes Gesicht nicht zu der freudigen Mitteilung, die unsere Tochter Cornelia uns soeben anvertraut hatte.

"Das ist mein wunderbarstes Geburtstagsgeschenk", hörte ich Franz neben mir beteuern, bevor er sich strahlend an mich wandte. "Na, was sagst du dazu, Schatz? Du wirst Oma."

Er meinte es liebevoll, aber seine Worte trafen mich wie bohrende Pfeilspitzen. Genau das war mir gerade bewusst geworden. Oma! Mit meinen 42 Jahren würde ich zu jenen Frauen gehören, die man sich gemeinhin mit altmodischer Frisur, überholten Ansichten und rheumageplagtem Rücken vorstellt.

Um Cornelia nicht wehzutun, heuchelte ich ebenfalls Freude und fragte sie besorgt, ob sie sich auch gut fühle.

"Mir geht es blendend", versicherte die 21jährige, die genauso früh geheiratet hatte wie ich seinerzeit. "Aber du siehst ganz blass aus, Mutti. Ich glaube, du brauchst einen Stärkungsschluck. Es wird auch Zeit, dass wir auf Vatis Wohl anstoßen."

Franz beging heute seinen 50. Geburtstag. Mit welcher Liebe hatte ich das Fest vorbereitet, seine Geschenke ausgesucht und ihn mit dem teuren Tennisracket auch voll begeistert. Aber das prächtige Essen, das mit viel Mühe und Phantasie hergerichtete kalte Buffet und der tolle Tischschmuck zählten plötzlich nicht mehr. Alles drehte sich nur noch um das Baby.

Ich war nicht etwa eifersüchtig, aber es fiel mir schwer, jetzt noch die aufmerksame Gastgeberin zu spielen. Immer wieder musste ich daran denken, dass dieser Tag einen neuen Abschnitt in meinem Leben einleitete. Den letzten. Nach Großmutter kam nichts mehr.

Der Geburtstag meines Mannes ging vorbei, doch danach war nichts mehr wie vorher. Häufig blieb ich vor dem Spiegel stehen und entdeckte voller Entsetzen schon wieder ein graues Haar, das ich schleunigst auszupfte.

Ich fand auch, dass mich meine Bekannten in letzter Zeit so prüfend anschauten. Lag es an meinen Fältchen, die sich leider nicht ausreißen ließen wie ein paar graue Haare? Offenbar sah man mir bereits an, dass ich alt wurde.

Franz beschwerte sich, dass wegen meiner zahlreicher werdenden Cremes auf der Spiegelablage im Bad für sein Rasierwasser kein Platz mehr blieb. Aber schließlich musste ich doch irgend etwas tun. Sollte ich etwa untätig zuschauen, wie ich von Tag zu Tag immer schrumpliger wurde?

"Wo hast denn du Falten?", wehrte Franz lässig ab. "Dein Gesicht ist so glatt wie ein Babypopo."

Musste er mich bei jeder Gelegenheit an den bevorstehenden Familiennachwuchs erinnern? Außerdem zeigte seine Bemerkung, dass er mich offensichtlich überhaupt nicht mehr richtig anschaute. Kein Wunder! Eine Frau in meinem Alter verlor eben an Attraktivität. Da blickten sich die Männer auf der Straße lieber nach den jüngeren Dingern um.

Aber damit wollte ich mich nicht abfinden. Mir sollte nicht jeder schon von weitem die Großmutter ansehen.

In den Boutiquen, die meine Tochter bevorzugte, besorgte ich mir ein paar neue Sachen. Als ich sie zum erstenmal trug, bekam Franz einen Lachkrampf. "Willst du so etwa auf die Straße gehen?", erkundigte er sich. "Diese knallenge Hose. Na, und erst der Pulli. Das schreiende Orange tut ja direkt in den Augen weh."

"Die Verkäuferin hat versichert, dass mir beides ausgezeichnet steht", konterte ich. "Ich bin ja schließlich noch keine hundert, dass ich mich in grau und schwarz hüllen müsste. Dir stünde etwas mehr Mut zur Farbe auch ganz gut zu Gesicht."

"Ich bin doch kein Papagei", maulte Franz und wandte sich wieder einem Prospekt zu, der für Kinderwagen warb. Er interessierte sich neuerdings sehr für Babyausstattungen.

Was würde er erst sagen, wenn er meinen Minirock sah. Der war vielleicht wirklich ein bisschen arg kurz. Doch viel mehr beunruhigte mich die Tatsache, dass ich beim Anprobieren auf ein paar Pölsterchen aufmerksam geworden war, die unbedingt verschwinden mussten. Überflüssiges Fett machte träge, und das wollte ich keinesfalls sein.

Ich probierte verschiedene Diäten aus, für die Franz ebenfalls nur ein müdes Lächeln hatte. "Määäh!", alberte er wie ein Ziegenbock, als ich meinen frischen Salat zu mir nahm, der mit dem pikanten Joghurtdressing wirklich ausgezeichnet schmeckte.

"Blödmann!", fuhr ich ihn ärgerlich an. "Du solltest dich auch etwas gesünder ernähren. Man kann doch nicht nur von Knödel und Schweinebraten leben."

"Stimmt", gab er mir grinsend recht. "Hin und wieder sollte auch ein Brathuhn den Speisezettel bereichern." Er nahm mich nicht ernst.

Ich begriff nicht, wie man einfach so tun konnte, als wäre nichts geschehen. Schließlich wurde auch Franz in die Rolle des Großvaters gedrängt, aber er schien sich sogar mächtig darauf zu freuen. In seinem Alter!

Den neuen Tennisschläger hatte er noch kein einziges Mal benutzt. Früher hatte er mich meistens zu einem Match überreden müssen. Jetzt war ich es, die ihm pausenlos in den Ohren lag, endlich wieder einmal mit mir auf den Platz zu gehen. Sportliche Betätigung würde meiner Figur guttun.

Ein paarmal seufzte Franz und tat mir den Gefallen. Dann häuften sich die Ausreden, und schließlich erklärte er offen, keine Lust zu haben. "Du kannst doch auch mal ohne mich gehen", fand er und machte dabei ein Gesicht, als plagte ihn in sämtlichen Gelenken die Gicht. Was war nur aus ihm geworden? Er ließ sich regelrecht gehen. Dabei kannte ich ihn voller Schwung und Unternehmungsgeist.

Beim erstenmal blieb ich enttäuscht daheim. Als sich sein Verhalten jedoch ein paar Tage später wiederholte, schlüpfte ich in meinen neuen Tennisdress und schwang mich aufs Fahrrad, sicher, mich ohne Franz sterblich zu langweilen.

Ich hatte Glück. Kaum erschien ich auf dem Platz, als mich ein Mann bestürmte: "Suchen Sie einen Partner? Sie müssen sich unbedingt meiner annehmen. Ich bin neu im Verein, und die anderen spielen alle um Lichtjahre besser als ich. Übrigens heiße ich Rainer. Und Sie?"

"Gisela", gab ich zur Antwort und fühlte mich schon erheblich besser. "Ich bin aber eine miserable Spielerin. In letzter Zeit kam ich kaum zum Trainieren."

"Prima!", freute sich Rainer. "Dann haben wir ja etwas gemeinsam. Vielleicht finden wir noch weitere Übereinstimmungen heraus." Der Blick, mit dem er mich bedachte, ging mir durch und durch. Es war lange her, dass ich von einem Mann derart unverblümt gemustert worden war.

Rasch stellte sich heraus, dass er mir im Tennis überlegen war. Rücksichtsvoll bemühte er sich jedoch, mich das nicht spüren zu lassen. "Mit Ihnen zu spielen, macht richtig Spaß", behauptete er. "Hoffentlich machen Sie sich in Zukunft nicht mehr so rar."

Wir tranken noch einen Grapefruitsaft zusammen, und Rainer scheute sich nicht, seine ganze Lebensgeschichte vor mir auszubreiten. So erfuhr ich, dass er 36 Jahre alt und verheiratet, aber kinderlos war.

Auch ich erzählte von mir und meiner Familie. Dass er sich mit einer werdenden Großmutter unterhielt, verschwieg ich allerdings.

Von nun an nahm ich das Training wieder regelmäßig auf. Franz konnte ich nur ganz selten überreden, mich zu begleiten. Er lernte Rainer kennen und fand ihn ganz nett. Dass dieser Mann der eigentliche Grund für meine wiedererwachte Tennisbegeisterung sein könnte, kam ihm nicht in den Sinn.

Das wurde mir selbst erst nach einiger Zeit klar. Rainer und ich duzten uns längst, wie das unter Sportskameraden nun einmal üblich ist. Wir vermieden es, von unseren Ehen zu sprechen. Dafür sagte er mir immer häufiger Komplimente.

"Deine neue Frisur steht dir prima, Gisela", meinte er. "Nur hier im Nacken könnte sie ruhig noch etwas kürzer, frecher sein." Seine Finger glitten spielerisch an meinem Hals in die Höhe. Dabei lächelte er mich auf seine lausbubenhafte Art an, dass mir ganz schwummerig zumute wurde. Ich fragte mich, ob er wohl den Wunsch verspürte, mich zu küssen. Und wie würde ich auf einen solchen Versuch reagieren?

Himmel, ich wusste es nicht! Ich war mir keineswegs sicher, ob ich ihn entrüstet zurechtweisen würde. Mir war nur klar, dass ich seine fast zärtliche Berührung als durchaus angenehm empfand.

Rainer kannte mein Alter, aber er war ungewöhnlich nett zu mir. Das tat so gut.

Einmal holte ihn Jutta, seine Frau, nach dem Training ab. Ich wusste, dass sie andere sportliche Betätigungen bevorzugte.

"Für Tennis benötigt man zuviel Kraft", sagte sie zu mir. "Das überlasse ich meinem Mann. Ich möchte doch nicht mit Boxerwaden und sehnigen Armen herumlaufen."

Irgendwie gefiel mir ihr Blick nicht, und ich atmete auf, als Rainer beim nächsten Treffen meine Waden als ausgesprochen weiblich bezeichnete.

"Was heißt das konkret?", bohrte ich.

Sein unbekümmertes Lächeln brachte mich noch um den Verstand. "Ich bin verrückt nach allem Weiblichen", gestand er mir. "Übrigens besitzt du ein ganz zauberhaftes Grübchen, wenn du lachst. Du solltest viel häufiger lachen."

Das tat ich in seiner Gegenwart bereitwillig. Nur, wenn ich nach Hause kam und Franz in seinem Fernsehsessel vorfand, verging mir das Lachen.

"Du wolltest doch den Rasen mähen", erinnerte ich ihn.

Er winkte ab. "Bei der Hitze? Ich begreife nicht, wie du bei solchen Temperaturen auch noch auf dem Tennisplatz herumrennen magst."

"Du selbst hast es mir beigebracht", hielt ich ihm vor. "Aber das...

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