Einmal muss ich es dir sagen

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. August 2020
  • |
  • 100 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-4333-7 (ISBN)
 
Fünf heiter-romantische Erzählungen von Wolf G. Rahn Der Umfang dieses Buchs entspricht 77 Taschenbuchseiten. - Jahre nach ihrer Scheidung begegnet Claire ihrem Ex-Mann wieder, der in Kanada vergeblich beruflichen Erfolg gesucht hatte. Jetzt steht er vor der Heirat mit einer Bankierstochter, während sein kranker Sohn glaubt, er würde heldenhafte Abenteuer auf der ganzen Welt erleben... - Eigentlich hatte Petra beim Umzug auf die tatkräftige Hilfe ihres Freundes gehofft, doch für Werner ist ein Fußballspiel wichtiger. So muss sie sich also alleine mit den dreisten Möbelpackern herumärgern. Und schließlich lassen auch die sie noch im Stich. - Unglaublich! Da liegt ein riesiger Schneeberg vor Ritas Haustür. Ein Glück, dass ihr Nachbar ihr tatkräftig beim Wegräumen hilft. Allerdings tut er das nicht ganz uneigennützig... - Christa träumt von einem Mann wie Pierce Brosnan. An ihren Zahnarzt denkt sie dabei ganz gewiss nicht. An ihn hat sie schmerzhafte Erinnerungen. Aber das kann sich ja ändern... - Der kleine Martin glaubt, sein Vater sei ein berühmter Clown. Cordula wollte ihrem Sohn die hässliche Wahrheit ersparen. Aber nun drängt ihr Verlobter sie, endlich Farbe zu bekennen. Doch da verschwindet der Junge... - Cornelia findet Rüdiger, den sie über eine Annonce kennengelernt hat, sehr nett. Leider scheint er keine Kinder zu mögen, Wie wird er reagieren, wenn er erfährt, dass sie einen Sohn hat, der noch dazu ziemlich wild ist. Immer wieder schiebt sie das Geständnis hinaus... Fünf heiter-romantische Erzählungen von Wolf G. Rahn
  • Deutsch
  • 0,73 MB
978-3-7389-4333-7 (9783738943337)

Liebe ist der beste Arzt


Trotz des Schirmes wurde Claire klatschnass. Aber das merkte sie kaum. Sie musste sich beeilen, dass sie noch vor Geschäftsschluss die Apotheke erreichte. Die Apotheke, die in dieser Woche Nachtdienst hatte, befand sich am anderen Ende der Stadt.

Sie hastete über die Fahrbahn und zuckte erschrocken zurück. Ein Wagen kam in scharfem Tempo daher und bremste knapp vor ihr. Das Seitenfenster wurde heruntergekurbelt. "Sind Sie lebensmüde?", fauchte der Fahrer. "Dann suchen Sie sich besser einen Bus aus. Der verbeult nicht so schnell und..." Er stockte. "Claire? Tatsächlich, du bist es. Beinahe hätte ich dich nicht erkannt."

"Gerhard!", war auch Claire überrascht. "Du bist wieder in Deutschland?"

"Seit drei Monaten. Das ist eine lange Geschichte. Aber du bist ja völlig durchnässt. Setzen wir uns doch in ein Café. Wie geht es Bernd in der Schule?"

"Er wurde zurückgestellt. Der Junge ist nicht gesund. Ich mache mir große Sorgen um ihn. Die Ärzte vertrösten mich ständig, aber wirklich helfen konnte bisher keiner. Ein angeborener Herzfehler, der ihm mit zunehmendem Wachstum immer stärker zu schaffen macht. Ich hole ihm gerade ein neues Medikament für seinen Kreislauf. O verflixt! Jetzt schaffe ich es doch nicht mehr und muss mit dem Bus durch die ganze Stadt."

"Unsinn!", wehrte Gerhard ab. "Ich fahre dich selbstverständlich. Unterwegs können wir ein bisschen quatschen. Nimm es mir nicht übel, aber du siehst nicht gut aus."

Claire nahm neben dem Mann Platz, von dem sie vor drei Jahren geschieden worden war. Gerhard hatte die Enge der Ehe damals nicht ertragen, hatte dieser Fessel die Schuld gegeben, dass er in seinem Beruf als Ingenieur nicht vorankam, und war nach Kanada gegangen, um dort sein Glück zu machen.

"Drei Monate bist du schon hier und hast nie den Wunsch gehabt, deinen Sohn zu sehen?", meinte sie vorwurfsvoll.

"Natürlich hatte ich den Wunsch", verteidigte sich der 36jährige. "Ich fand es aber doch richtiger, längst verheilte Wunden nicht wieder aufzureißen."

"Du irrst dich", entgegnete Claire leise. "Ich muss dir etwas gestehen. Ich habe es nie über mich gebracht, Bernd die Wahrheit zu sagen."

Gerhard blickte sie fragend an. "Was meinst du?"

"Der Junge ahnt nicht, dass wir uns getrennt haben. In all den Jahren habe ich ihm Märchen erzählt. Vor allem glaubt er, sein Vater sei etwas ganz Besonderes. Nur aus diesem Grund müsstest du ständig unterwegs sein und könntest nicht zu uns kommen."

"Aber das ist doch Torheit", schimpfte Gerhard. "Bernd ist kein Baby. Irgendwann musst du es ihm ja schließlich sagen."

"Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Wenn sich sein Gesundheitszustand nicht bald bessert, habe ich nur noch wenig Hoffnung für ihn. Er ist so stolz auf dich. Soll ich ihm das auch noch nehmen? Das könnte er nicht ertragen. Andererseits..." Sie machte eine kleine Pause und erwiderte fast flehend Gerhards ärgerlichen Blick. "Andererseits könntest du viel für ihn tun. Dein Arbeitszimmer ist noch unverändert. Wenn du wenigstens für einige Zeit bei uns wohntest, würde ihm das zweifellos helfen."

Gerhard schüttelte entrüstet den Kopf. "Wir sollen heile Welt spielen? Das ist nicht dein Ernst."

"Für Bernd würde ich noch ganz andere Dinge tun", konterte Claire. "Ich verlange ja nicht von dir, dass du zu mir zurückkehrst. Das ist vorbei. Aber Bernd ist auch dein Sohn, und du besitzt ihm gegenüber eine Verantwortung. Mit deinem monatlichen Scheck machst du es dir zu einfach."

Er brachte das Auto vor der Apotheke zum Stehen und wartete, bis Claire wieder zurückkam. Sie ahnte, dass er die Zeit genutzt hatte, um sich ein gutes Argument gegen ihren Vorschlag zurechtzulegen.

"Im Grunde leuchtet mir deine Idee ja ein", gab er gedehnt zu. "Aber ausgerechnet jetzt kommt sie mir völlig ungelegen. Du musst nämlich wissen, dass ich so gut wie verlobt bin. Vielleicht kennst du Marietta Winkelmann. Sie ist die Tochter des bedeutendsten Privatbankiers dieser Stadt."

"Gratuliere!", sagte Claire frostig.

"Begreifst du nicht, dass sie meine große Chance bedeutet? Wenn Winkelmann meine Projekte finanziert, schaffe ich endlich den Durchbruch."

"Du hast es also auch in Kanada zu nichts gebracht?"

Gerhard seufzte. "Anfangs ließ sich alles vielversprechend an, aber dann merkte ich schnell, dass man nicht ausgerechnet auf einen Ingenieur aus Europa gewartet hatte. Überall wird nur mit Wasser gekocht. Und natürlich mit Geld."

"Du willst demnach eine Vernunftehe eingehen? Das sieht dir so gar nicht ähnlich."

"Nein, nein, das verstehst du falsch. Marietta ist eine ganz wunderbare Frau. Sie besitzt alles, was man sich als Mann nur wünschen kann."

"Da nimmt man einen vermögenden Vater eben in Kauf, nicht wahr?"

"Ich konnte es schon früher nicht leiden, wenn du bissig wurdest", regte sich Gerhard auf. "Vor allem aber bist du ungerecht. Warum soll ich nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Nirgends steht geschrieben, dass es unehrenhaft ist, sich in eine Frau mit wohlhabenden Eltern zu verlieben. Allerdings könnte ich bei Marietta wohl kaum auf Verständnis rechnen, wenn ich meine Zelte bei meiner früheren Frau aufschlüge. Wie würdest du denn in einer solchen Situation an ihrer Stelle reagieren?"

"Das weiß ich nicht", wich Claire aus. "Ich weiß nur, dass Bernd gerade jetzt seinen Vater braucht, auf den er so stolz ist. Du musst links abbiegen. Wir haben immer noch die gleiche Wohnung. Was ist? Kommst du mit rauf?"

Widerstrebend willigte Gerhard ein. Ihm war denkbar unwohl in seiner Haut.


*


Die Augen des 7jährigen Bernd leuchteten, während er seinen Vater mit Fragen überschüttete. "Hast du wirklich den Brand der Ölquelle in Texas ganz allein gelöscht? Wie hieß denn das schnellste Pferd, das du dem Scheich abgekauft hattest? Nimmst du mich mal in die geheimnisvollen Höhlen mit, die du voriges Jahr erforscht hast?" Eine Frage aber kehrte immer wieder: "Bleibst du jetzt für immer zu Hause?"

Gerhard strich seinem Sohn übers zerzauste, ein wenig dünne Haar. "Vom Schreibtisch aus kann ich meine vielfältigen Aufgaben unmöglich erledigen", gab er zu bedenken, und nach einem hastigen Blick zu Claire hinüber, die das Abendessen richtete, ergänzte er: "Aber in Zukunft werde ich mir mehr Zeit für euch nehmen. Mein Direktor muss das einsehen."

Bernd strahlte. "Das muss er", bekräftigte er. "Sonst nimmst du dir einfach ein ganzes Jahr Urlaub. Das wäre toll. Dann fahren wir alle zusammen nach Australien und besuchen deine Känguru-Farm."

Ein so fröhliches Abendessen hatte Claire lange nicht mehr erlebt. Allerdings musste sie sich zu einer heiteren Miene zwingen, wusste sie doch, wie enttäuscht Bernd sein würde, wenn sein Vater sein Versprechen nicht hielt.

"Ich komme in den nächsten Tagen wieder vorbei", stellte Gerhard in Aussicht, als er sich von ihr verabschiedete. Bernd schlief bereits. Gerhard hatte ihm zuvor noch eine spannende Geschichte erzählen müssen.

Er fand sich bereits am nächsten Tag wieder ein und brachte Bernd ein Plüsch-Känguru mit, das ein winziges Baby im Beutel trug.

"Das sind Mutti und ich", jubelte der Junge. "Vati ist gerade unterwegs."

"Bestimmt macht er irgendwo besonders große Sprünge", meldete sich Claire anzüglich. Trotzdem warf sie Gerhard einen dankbaren Blick zu. Wenn Bernd nur glücklich war!

Ohne dass sie ihn ein weiteres Mal darum bitten musste, kam Gerhard nun regelmäßig. Er brachte kleine Geschenke, vor allem aber atemberaubende Geschichten mit, die Bernd begeistert in sich aufnahm.

Das Kind wunderte sich, warum sein Vater am Morgen schon immer im Büro war, auch wenn es noch so zeitig aufwachte. Daraufhin erklärte sich Gerhard bereit, wenigstens gelegentlich im Arbeitszimmer auf dem alten Ledersofa zu übernachten.

"Er fühlt sich schon viel besser", vertraute Claire ihm an. "Und er besitzt auch eine frischere Gesichtsfarbe. Könnten wir nicht am Wochenende einen Ausflug unternehmen?"

"Ich weiß noch nicht, was Marietta für Pläne hat", erinnerte Gerhard. "Sie wundert sich ohnehin schon, dass ich mich in letzter Zeit so rar mache."

"Hast du ihr den Grund denn nicht gesagt?", staunte Claire. "Wenn ihr heiraten wollt, darf es doch keine Geheimnisse zwischen euch geben. Auf den Jungen wird sie bestimmt nicht eifersüchtig sein."

"Da hast du zweifellos recht. Ich spreche mit ihr. Sie wird es verstehen."

Aber Marietta Winkelmann ließ ihn gar nicht richtig ausreden. Dass es um ein krankes Kind ging, dessen Vater Gerhard zu allem Überfluss war, ignorierte sie völlig. "Willst du etwa eine alte Liebe wieder aufwärmen?", warf sie ihm vor. "Das finde ich nicht sehr geschmackvoll."

"Sei nicht albern, Liebling", verteidigte sich der Beschuldigte. "Unter unsere gescheiterte Beziehung haben Claire und ich vor drei Jahren einen endgültigen Schlussstrich gezogen. Das kann sie dir bestätigen. Aber Bernd ist wirklich sehr krank, und ich habe die ganze Zeit nur an mich und meinen Beruf gedacht. Das war nicht richtig."

"Fehler begeht jeder Mensch. Auch deine geschiedene Frau und eines Tages auch dein Sohn. Du wirst dich doch von den beiden nicht in die Rolle des Schuldigen drängen lassen? Wenn eine Ehe in die Brüche geht, haben das in der Regel beide Partner zu...

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