Das Glück des Genießens

Sich spielerisch des Lebens freuen
 
 
Verlag Herder
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. Juni 2013
  • |
  • 176 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-451-34569-2 (ISBN)
 
Vielen Menschen geht im fordernden Alltag die Fähigkeit zu genießen verloren. Dadurch steigt die Tendenz zu Ersatzbefriedigungen aller Art. Die Autorin entlarvt vertraute Annahmen über das Genießen als Irrtümer und vermittelt auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie und den Neurowissenschaften ein neues Verständnis für die Kunst echten Genießens. In spielerischen Übungen lernen die Leser die praktische Anwendung.
  • Deutsch
  • Freiburg im Breisgau
  • |
  • Deutschland
  • 3,59 MB
978-3-451-34569-2 (9783451345692)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ute Rademacher, Dr., ist Diplom-Psychologin, Kommunikationswissenschaftlerin, Business Coach und Inhaberin der Agentur COLIBRI Research in Hamburg. Seit fast 20 Jahren forscht und berät sie internationale Unternehmen.
  • Intro
  • [Impressum]
  • Kapitel 1 Vom Muss zum Genuss
  • Kapitel 2 Von Sinn und Sinnlichkeit
  • Kapitel 3 Genießen - aber richtig
  • Kapitel 4 Welcher Genusstyp bin ich?
  • Kapitel 5 Sail away - es kann losgehen!
  • Bootspflege - Der äußere Rahmen
  • Der Kompass - Die innere Stimme
  • Die Bucht des Spiels
  • Die Lagune der Entdeckungen
  • Die Insel der Schönheit
  • Der Hafen der Entspannung
  • Kapitel 6 Kopfkaviar - kann das Gehirn genießen?
  • Kapitel 7 Vom Quälgeist zur Kraftquelle
  • Anmerkungen
  • [Informationen zum Buch]
  • [Informationen zur Autorin]

Kapitel 1
Vom Muss zum Genuss


Sich von falschen Glaubenssätzen befreien

»Enjoy« – mit einem strahlenden Lächeln stellt mir der blonde Lockenkopf einen knackigen Salat mit scharf angebratenen Gambas vor die Nase. Wie das duftet! Die Frühsommersonne scheint mir auf die Nasenspitze, und das Kleid, das ich heute zum ersten Mal aus seinem Winterquartier befreit habe, flattert fast aufmüpfig um meine noch blassen Unterschenkel. Natürlich werde ich es genießen – wie könnte ich nicht?, denke ich mir, als der erste Happen in meinem Mund landet. Wer würde diesen Moment nicht genießen? Entspannte Stimmung, sanfte Sonnenstrahlen und ein vorzügliches, leichtes Mahl. Und doch gibt es viele Menschen, die sich nicht in diese Verlegenheit bringen würden. Weil zu Hause die Wäsche wartet, die Sonne auch morgen noch scheint und die Reste im Kühlschrank dringend gegessen werden müssen.

Vielen Menschen ist in ihrem fordernden Alltag die Fähigkeit zu genießen mehr und mehr verloren gegangen. Das Gefühl, ständig noch etwas erledigen zu müssen, lässt keinen Spielraum fürs Genießen. Wir müssen Sport machen, weil wir ein paar Kilo abnehmen wollen, statt uns an der Bewegung an sich zu erfreuen. Wir meinen, den neusten Blockbuster sehen zu müssen, weil alle darüber reden, obwohl wir eigentlich lieber zum zwanzigsten Mal gemütlich auf dem Sofa unseren Lieblingsfilm sehen würden. Ein übervoller Terminkalender, unrealistisch lange To-Do-Listen, hohe Erwartungen anderer und von uns selbst machen eine »Genusskultur« schwer möglich. Dauerhafte Anspannung und ein stressgeprägter Lebensstil können im Extremfall zu Burn-out und Depression führen, die sich unter anderen Symptomen durch eingeschränkte oder völlig verschüttete Genussfähigkeit auszeichnen. Dinge, die einem früher Spaß gemacht haben, geraten im Vergleich zu den vielen Aufgaben und Terminen ins Hintertreffen oder werden nur noch lustlos, mechanisch oder angespannt ausgeführt. Anstatt die Stimmung des morgendlichen Spaziergangs zu genießen, wachsen im Kopf anstehende Aufgaben wie das Unkraut im Vorgarten. Das gemäßigte Joggingprogramm artet zum Marathontraining aus, als wollten wir unserer inneren Müdigkeit einfach davonlaufen. Um den täglichen Herausforderungen noch fitter begegnen zu können, gehen wir zusätzlich drei Mal pro Woche ins Poweryoga. Natürlich mit einem Lunchpaket in der Sporttasche, das gefüllt ist mit Sandwiches aus selbst gebackenem Brot und frisch geschnittenen Gemüsesticks. Kein Wunder, dass sich da nicht die erwünschte – und dringend benötigte – Entspannung einstellt!

Die Psychologin Tanja Hoff hat sich zusammen mit ihrem Forschungskollegen Reinhold Bergler in ihrem Buch »Genuss und Gesundheit« die Genussfähigkeit der Deutschen systematisch unter die Lupe genommen1. Ihre Befragung von insgesamt 1000 Personen in verschiedenen Regionen zeigt, dass echte Genießer auch das beste Gesundheitsverhalten zeigen. Je genussfähiger Menschen sind, desto ausgeprägter sind tendenziell ihr Selbstwertgefühl, ihr Maß an Selbstverantwortlichkeit und ihre Körpersensibilität.

Tanja Hoff plädiert dafür, Genuss zu etwas Alltäglichem zu machen und ihn nicht auf besondere Momente oder Situationen zu verschieben. Wir brauchen Genuss nicht nur, wenn wir mal wieder weniger um die Ohren haben oder in den Ferien. Um auch im Alltag von dem »Müssen Modus« in den »Genussgang« schalten zu können, ist etwas Übung nötig. Denn wenn Sie bis heute daran geglaubt haben, dass man sich seinen Genuss erst verdienen muss, wird es Ihnen schwer fallen, dieses Muster von heute auf morgen zu ändern. Dieses Buch möchte Ihr wohlwollender Ratgeber in Sachen Genussfähigkeit werden. Herzlichen Glückwunsch, dass Sie es sich gekauft haben oder liebe Menschen kennen, die es Ihnen geschenkt haben! Ich möchte Ihnen in diesem Buch das Genießen gerne als Zustand bewussten Wohlfühlens vorstellen, das nachweislich zu einem gesunden und glücklichen Leben dazu gehört. Ich würde mich freuen, wenn Sie beim Lesen Anregungen und Mut bekommen, sich von unberechtigten Ängsten und falschen Glaubenssätzen zu befreien. Ein anderes Verständnis von Genießen ist ein guter Anfang, reicht aber nicht aus, um Ihr Leben genussvoller zu machen. Deswegen werden Ihnen einfache Übungen und Gedankenspiele die Kunst des Genießens auch praktisch etwas näher bringen. Die Übungen bauen aufeinander auf, deswegen haben Sie am meisten davon, wenn Sie die Entdeckungsreisen in den Kästen begleitend zum Lesen Schritt für Schritt machen. Sie brauchen sich aber nicht sklavisch daran zu halten, wenn Ihnen eine bestimmte Übung partout nicht liegen sollte. Machen Sie sich von dem, was Sie bei den Übungen über sich entdecken, eine innere Notiz oder legen Sie sich ein ganz persönliches »Genusstagebuch« zu, in dem Sie Ihre Erfahrungen und Ideen rund ums Genießen festhalten – mit Notizen, Gedanken und vielleicht hier und da einer Zeichnung oder kleinen Collage als Stimmungsbild.

Sind Sie neugierig, welcher »Genusstyp« Sie sind? Es wäre schön, wenn Sie zu Anfang eine kleine Bestandsaufnahme machen würden, damit Sie sich und Ihre Einstellung zum Genießen besser kennenlernen. Werfen Sie doch einmal einen Blick auf die Fragen im Kasten.

Die Genussexperten Tanja Hoff und Reinhold Bergler haben die Antworten ihrer Befragten von der Nordsee bis zum Bodenseeeiner genauen Analyse unterzogen. Sie ermittelten drei unterschiedliche Genusstypen: die Genießer, die Genussarmen und die Genusszweifler. Dabei ist weniger wichtig,was Menschen genießen, sondern wie sie Genuss gegenüber eingestellt sind, erleben und bewerten.

Genießer weisen eine positive Genussbilanz auf. Sie erleben Genuss durchweg positiv ohne Ängste der Maßlosigkeit, Reue oder gar Sucht. Sie schätzen Genuss als Verbesserung des eigenen Wohlbefindens. Genießer sind mit sich im Reinen, sind selbstbewusst und haben ein gutes Gespür für ihren Körper und seine Bedürfnisse. Interessanterweise leben sie nicht nur genussvoll, sondern auch gesund. Im Gegensatz zu gängigen Vorstellungen führt eine positive Genusshaltung also nicht zu Verweichlichung oder Unmäßigkeit, sondern einem gesunden Körpergefühl und Lebensstil.

Wie genieße ich?

Setzen Sie sich in bequem und entspannt hin. Nichts soll drücken oder zwicken. Denken Sie an einen Moment, an dem Sie etwas intensiv genossen haben. Das kann eine Situation aus der jüngsten Vergangenheit oder schon eine Weile her sein. Spüren Sie sich in diese Erinnerung hinein und beantworten Sie ehrlich und wohlwollen folgende Fragen:

  • Wie habe ich mich dabei gefühlt?
  • Von welchen körperlichen Empfindungen wurden diese Gefühle begleitet?
  • Was habe ich nach dem Genussmoment gefühlt?
  • Was habe ich über mich und den Genuss gedacht?

Seien Sie ehrlich und wohlwollend mit sich. Bewerten Sie sich nicht, sondern versuchen Sie, diese Übung als kleines Beobachtungsexperiment durchzuführen, das Ihnen etwas über Sie offenbart.

Wenn Sie sich an keinen aktuellen Genussmoment deutlich erinnern können, stellen Sie sich diese Fragen beim nächsten Genießen ?

Die Genussarmen stehen dem Genießen kritisch gegenüber: Ihre Einstellung zum Genuss wird von Ängsten und Sorgen geprägt. Sie fürchten, eine positive Genussorientierung führe zu Gewichtszunahme, Passivität und gesundheitlichen Schäden. Genuss ist ihrer Haltung nach nicht die Möglichkeit, sich selbst zu verwöhnen, sondern ein Mangel an Disziplin und Kontrolle. Sie orientieren sich insgesamt weniger an ihren (körperlichen) Bedürfnissen.

Die Genusszweifler stehen dem Genießen mit gemischten Gefühlen gegenüber. Sie nehmen die Vor- und Nachteile nur eingeschränkt wahr und haben eher eine ausweichende, unsichere Haltung. Kostenfaktoren des Genießens werden ins Feld geführt, und häufig versagen wir uns einen Genuss oder entwickeln ein schlechtes Gewissen.

Können Sie sich in einem dieser Beschreibungen wiederfinden? In welche Richtung weisen Ihre Antworten auf die Fragen im Kasten?

Genussfähigkeit ist in den verschiedenen Regionen unterschiedlich stark ausgeprägt. Am genussfähigsten sind demnach die Rheinländer und Bewohner von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Düsterer auf der Genusslandkarte wird es bei den calvinistisch geprägten Norddeutschen. Die meisten Genusszweifler sind den in ostdeutschen Bundesländern zu finden. Es wundert nicht, dass Rheinländer verstärkt unter den Genießern zu finden sind, sind sie doch für ihre lebensfrohe und gesellige Lebensart bekannt. Dem rheinischen Frohsinn und Optimismus kann man sich kaum entziehen, wird man doch schon am Kölner Flughafen mit Lebensweisheiten wie »Et hätt noch emmer joot jejange« begrüßt, der sicher nicht auf das hohe Niveau bei der Flugsicherheit anspielt.

Genießen steht nicht in allen Regionen unserer Republik hoch im Kurs. Während Italiener »das süße Nichtstun« als gesunden Ausgleich zur Arbeit kultivieren, rückt es in unserem Sprachgebrauch verdächtig nah an Faulheit und schlechten Charakter: genussvolle Muße wird als »Müßiggang, als aller Laster Anfang« oder gar »des Teufels Ruhebank« gerügt. Selten wird aber vor einem Mangel an Genussunfähigkeit gewarnt, obwohl er nachgewiesenermaßen ein Symptom von Burn-out und Depressionen ist. Wenn Sie sehr lange darüber nachdenken müssen, wann Sie das letzte Mal etwas intensiv genossen haben, ist dies ein erstes Alarmsignal. Sind Sie über dem Nachdenken eingeschlafen, sollten Sie ernsthaft prüfen, ob Sie von Burn-out betroffen...

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