Schwarzes Geld und rotes Blut

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Februar 2020
  • |
  • 121 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-3729-9 (ISBN)
 
Vier Ganoven landen den großen Treffer; sie überfallen mit einem genauestens ausgetüftelten Plan einen Geldtransporter und erbeuten mehrere Millionen Dollar, viel mehr als ursprünglich erwartet. Wenn sie geahnt hätten, mit wem sie sich dadurch anlegen, hätten sie wahrscheinlich die Finger von diesem Coup gelassen: Innerhalb weniger Augenblicke haben sie sich eine der größten und gefährlichsten Organisationen, für die ein Menschenleben keinen Wert hat, zum tödlichen Feind gemacht. Bei den Ermittlungen zum Fall gelangt man schnell zu der Erkenntnis, dass die erbeuteten Millionen aus illegalen Quellen stammen, und Steve McCoy bekommt den Auftrag, den Ursprung des Geldes sowie dessen Verbleib herauszufinden, um dem organisierten Verbrechen zu einer nächsten Niederlage zu verhelfen. Und es dauert nicht lange, da gerät auch McCoy ins tödliche Kreuzfeuer...
  • Deutsch
  • 0,47 MB
978-3-7389-3729-9 (9783738937299)

1.


 

In der Nähe von Albany, Bundesstaat New York, April 1984

 

"Dort unten kommt er!"

Sam Heskett starrte durch sein schweres Fernglas nach unten, wo die Straße aus der Schlucht hervorkam und sich dann in langen Serpentinen den Berg hinaufwand. Sam regulierte die Feineinstellung des Glases und stützte sich mit den Unterarmen auf dem Wagendach ab. "Kein Zweifel", knurrte er. "Das ist der Transporter."

Larry Turner grinste und lud mit einem trockenen Knacken die kurzläufige Winchester durch.

Charles Weaver stand einige Yard entfernt und drehte sich um, als er das Geräusch hörte. Er winkte ab. "Es dauert noch mindestens zehn Minuten, bis der Wagen hier oben ist. Wir haben noch Zeit."

"Ich bin gern auf alles vorbereitet", antwortete Turner, ohne mit seinem Grinsen aufzuhören. Die beiden Männer sahen sich in die Augen, bis Weaver den Kopf wieder zurückdrehte und seine Aufmerksamkeit voll auf den gepanzerten Wagen konzentrierte, der langsam die Steigung emporkroch.

Jeff Mills steckte den Kopf aus dem Wagenfenster der schwarzen Ford-Limousine. "Ist es so weit?", fragte er aufgeregt.

"Bleib, wo du bist, und pass auf, dass die Kiste funktioniert, wenn wir sie brauchen", ordnete Heskett an. "Ich werde dir schon rechtzeitig das Zeichen geben."

Er setzte das Fernglas ab und warf es in den Wagen. "Ich kann keine Veränderung feststellen. In dem Transporter sitzen zwei Mann - wie immer. Ein Begleitfahrzeug ist weit und breit nicht zu sehen. Unser Plan läuft ab wie besprochen."

Er blickte zu Weaver hinüber. "Ist bei dir alles klar?"

Weaver nickte ärgerlich mit dem Kopf. "Ich war in Vietnam und habe gelernt, wie man mit Sprengstoff umgeht. Du kannst dich darauf verlassen, dass bei mir alles klappt. Wenn's sein muss, sprenge ich dir einen Stuhl unterm Hintern weg, ohne dass du einen Splitter abkriegst."

"Ist ja schon gut." Heskett hob besänftigend die Hand. "Ich wollte nur noch einmal alles durchgehen. In letzter Sekunde passieren oft Fehler. Und wir können uns jetzt keinen Fehler mehr erlauben."

Weaver nickte. "Also schön. Wenn der Transporter an der Stelle dort ist" - er deutete mit der Hand schräg nach unten - "lasse ich die Ladung hochgehen. Sie ist so berechnet, dass sie den Wagen weitgehend außer Gefecht setzen wird. Und auch die beiden Wachen dürften ziemlich mitgenommen sein."

Er bückte sich und hob einen kleinen schwarzen Kasten hoch, aus dem eine Antenne ragte. Das Gerät ähnelte einer Fernsteuerung für Modellflugzeuge. Weaver klopfte mit dem Daumennagel gegen das Gehäuse. "Es wird nicht versagen."

"Gut." Heskett drehte den Kopf zu Turner. "Du weißt auch, was du zu tun hast?"

Turners Grinsen wurde noch breiter. Er schlug mit der Hand gegen den Schaft seines Gewehres. "Ich bin für den Feuerschutz verantwortlich. Wenn einer dort unten den Kopf aus dem Wagen steckt, kriegt er eine Kugel verpasst. Es ist kein Problem, auf diese Entfernung zu treffen. Das habe ich lange genug geübt."

"Okay. Dann geh jetzt in deine Stellung." Sam Heskett machte jetzt den Eindruck eines Offiziers, der seinen Truppen letzte Anweisungen vor dem Gefecht gibt. Und dieser Eindruck täuschte auch nicht. Er hatte es zwar nicht bis zum Offizier gebracht, aber immerhin bis zum Sergeanten in Uncle Sams Armee. Weaver und Turner hatten in Vietnam gekämpft, nur Mills besaß in dieser Beziehung keine Erfahrungen.

Weaver hockte sich hinter einen Felsen, den Zündauslöser vor sich.

Turner ging ein paar Schritte vorwärts und legte sich in eine Mulde, die für ihn wie geschaffen schien.

Der Lauf des Gewehres schwankte, bis er regungslos auf eine bestimmte Stelle der staubig grauen Straße gerichtet blieb.

Heskett knurrte befriedigt, dann drehte er den Kopf langsam nach allen Richtungen. Heute war Dienstag, ihr Glückstag. Die Landschaft schien völlig verlassen.

Das einzige Fahrzeug war der gepanzerte Transporter, der immer größer wurde.

Sie hatten sich diese Stelle mit Absicht ausgesucht. Von der Bergkuppe aus konnten sie die Straße nach beiden Richtungen überblicken. Sie hatten es ausgemessen: Wenn ein anderer Wagen auftauchte, dauerte es über zehn Minuten, bis er herangekommen war. Zeit genug für sie.

"Ist die Luft rein?", fragte Mills.

Heskett nickte nur. Er öffnete die Wagentür und machte sich fertig zum Einsteigen. "Wenn ich das Zeichen gebe, fährst du los. Und mach es genau so, wie wir es geübt haben. Nicht schneller und nicht langsamer. Wir müssen in der richtigen Sekunde ankommen."

Mills presste die Lippen zusammen und wischte sich ein paar Schweißtropfen von der Stirn. Seine Hände hatten das Lenkrad umklammert, sodass die Knöchel weiß wurden.

Die Automatik war eingeschaltet, der linke Fuß trat auf die Bremse, der rechte ruhte knapp über dem Gaspedal.

Das einzige Geräusch war der ruhig laufende Motor. Die Spannung war fast körperlich spürbar.

Weaver und Turner waren für Heskett jetzt nicht mehr sichtbar. Er spähte angestrengt nach vorn. Wenn der Transporter in der Lücke zwischen zwei Felsen auftauchte, war der richtige Moment gekommen.

Mitten in dieser öden, von Felsen übersäten Landschaft war genau der richtige Ort für einen Überfall auf einen Geldtransporter. Monatelang hatten sie alles genau beobachtet und geplant. Und dann hatten sie gemerkt, dass der Fahrer einmal im Monat an einem Dienstag eine andere Strecke fuhr. Eine Abkürzung über die Berge. Sie wussten nicht, warum er das tat, und es war ihnen auch egal. Auf jeden Fall hatten sie den idealen Ort für ihren Plan gefunden.

Heskett spürte, wie seine Handflächen feucht wurden. Die Sekunden dehnten sich unerträglich lang. Und als es dann soweit war, reagierte er fast zu langsam.

Die weiß-grün gestrichene Karosserie des Geldtransporters tauchte zwischen den Felsen auf.

Heskett schwang sich in den Wagen. "Fahr los!", schrie er, lauter als es notwendig war. Mills reagierte wie ein Automat. Sein rechter Fuß trat das Gaspedal fast bis zum Anschlag nieder, und der schwere Wagen schoss mit einem Satz vorwärts.

"Nicht so schnell!", fluchte Heskett. Seine Finger tasteten auf dem Wagenboden herum, bis er die Maschinenpistole fand. Er hob sie hoch und machte sie feuerbereit.

Der Wagen holperte über den unebenen Boden, und die Stoßdämpfer wurden bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit beansprucht. Heskett hielt sich mit einer Hand an einem Haltegriff fest und starrte mit zusammengezogenen Augenbrauen auf die leichte Staubwolke, die hinter ihnen aufstieg.

Mills bremste heftig. Sie hatten die Straße erreicht. Der Transporter war über ihnen und keuchte die Steigung hinauf.

Heskett hielt den Atem an. Die Vorderfront des Transporters war noch einen knappen Yard von der Holzstange entfernt, die unauffällig neben der Straße im Boden steckte. Dann war er auf gleicher Höhe.

Die Explosion war lauter, als er es bei der Probe in Erinnerung hatte. Der Transporter wurde wie von einer Riesenfaust hochgehoben und schwebte einen Augenblick in der Luft. Beängstigend langsam kippte er dann zur Seite und rutschte von der Straße runter. Das gequälte Metall kreischte, Glas splitterte, und der hohe Schrei eines Menschen in höchster Angst stieg in die Luft. Wie abgeschnitten brach der Schrei plötzlich ab.

Mills hatte bereits Gas gegeben und jagte den Wagen die Steigung hinauf. Es dauerte nur Sekunden, bis sie bei dem Transporter waren.

Heskett sprang hinaus, ehe Mills stoppte. Zwei rasche Schüsse peitschten auf, und wie in Zeitlupe fiel ein Körper aus der weggesprengten Fahrertür des Geldtransporters.

Heskett kniff die Augen zusammen und sah nach oben. Ein winziges Rauchwölkchen schwebte dort, und Turner winkte einmal.

Heskett warf einen flüchtigen Blick zu der aufgerissenen Straße. Die Panzerminen hatten ganze Arbeit geleistet. Weaver verstand sein Handwerk, das musste man ihm lassen. Der Transporter war nur noch ein Wrack. Heskett pirschte sich langsam näher, die Maschinenpistole im Anschlag. Seine Vorsicht war überflüssig. Der vordere Teil des Wagens war total zerstört. Das Fahrerhaus sah aus, als hätte eine Granate eingeschlagen, und so ähnlich musste die Mine wohl auch gewirkt haben.

Der Boden des Wagens war aufgerissen. Fahrer und Beifahrer mussten von Metallsplittern durchsiebt worden sein. Beide bluteten aus zahlreichen Wunden. Dem Fahrer, der neben dem Wagen lag, hatten Turners Schüsse den halben Hinterkopf weggerissen.

Heskett gab Mills ein Zeichen, und der Ford kam langsam näher. Er setzte sich hinter das Heck des anderen Wagens und schob ihn vorsichtig an. Es geschah alles so, wie sie es berechnet hatten. Ein kleiner Anstoß genügte, und der Transporter rutschte in die breite Rinne zwischen den Felsen. In einer Staubwolke glitt er tiefer, bis er zwischen Geröll zur Ruhe kam. Von der Straße aus war er jetzt nicht mehr zu sehen.

Weaver kletterte den Abhang hinunter, während Turner noch oben auf der Bergkuppe blieb und die Gegend im Auge behielt. Mills war ausgestiegen und kramte im Kofferraum herum. Er setzte eine Art Schneeschieber zusammen. Seine Nervosität war wie weggeblasen. Jeder wusste genau, was er zu tun hatte, und sie arbeiteten schnell und präzise. Worte waren jetzt nicht mehr notwendig.

Mills begann, die Straße von den herumliegenden Asphaltbrocken zu säubern. Die Explosion hatte ein relativ kleines Loch gerissen, da der Druck steil nach oben gegangen war. Zusammen mit Weaver dauerte es nur wenige Minuten, bis die Straße wieder einigermaßen normal aussah. Dann fuhr Mills den Wagen über das Loch. Er stieg wieder aus und...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

0,00 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen