Der Baum brennt nicht: Ein kriminelles Weihnachtsfest

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. November 2021
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-5630-6 (ISBN)
 
11 Krimis und Krimi-Erzählungen zum Fest von Hans-Jürgen Raben, Rainer Keip, A. F. Morland, Wilfried A. Hary, Stefan Hensch, Lion Obra, Alea Raboi, Pascal Gillessen, Christian Dörge sowie eine Bonusgeschichte von Niklas Quast In diesem Band sind folgende Krimis und Krimi-Erzählungen zum Fest enthalten: Der Weihnachts-Schlitzer - von Pascal Gillessen Blut in der Krippe - von Hans-Jürgen Raben Mord in Dillon Beach - von Stefan Hensch Der Baum brennt nicht - von Hans-Jürgen Raben Last Christmas - von A.F. Morland Mord im Berghotel - von Rainer Keip »Zufällig Mord« - von Wilfried A. Hary Der Weihnachtsmann ist tot - von Hans-Jürgen Raben Weihnachtliche Rachelust - von Alea Raboi Feuernebel - von Lion Obra Erinnerungen an das Reich Tschaikowskis - von Christian Dörge Bonus-Geschichte: Der Lebkuchenmann - von Niklas Quast Weihnachten, für den Großteil der Menschen das Fest der Liebe, der Besinnung, der Freude und der Gemeinschaftlichkeit; doch es gibt auch einige, für die ist es ein »Fest« des Hasses, des Neides und der Kaltblütigkeit. Und diese Menschen nehmen Weihnachten zum Anlass, sich an ihren Mitmenschen zu rächen, sie zu hintergehen, sie zu betrügen oder manchmal auch aus dem Weg zu räumen... Zu DER WEIHNACHTS-SCHLITZER: Jedes Jahr an Weihnachten verbreitet ein Mörder, den sie nur den Weihnachts-Schlitzer nennen, Angst und Schrecken. Je-des Jahr seit zehn Jahren tötet er an Heiligabend einen Menschen, und das auf grausame Weise. Er lebt mitten unter ihnen und wird doch von den meisten nicht wahrgenommen. Zwischen seinen Opfern scheint es keine Gemeinsamkeiten zu geben, jeder könnte das nächste Opfer sein...
  • Deutsch
  • 0,70 MB
978-3-7389-5630-6 (9783738956306)

1. Kapitel


Seine Finger verkrampften sich um das Lenkrad. Er spürte, wie sein Magen rebellierte. Das nervöse Zittern in seinem rechten Bein wurde schlimmer.

Mit diesen körperlichen Anzeichen wollte ihm sein Innerstes zu verstehen geben: Ich will nicht hier sein! Starte den Motor und fahr' wieder nach Hause! Lass jemand anderes an diesem Mist verzweifeln!

Doch das konnte er nicht. Es war sein Job, sich darum zu kümmern. Das gefiel ihm nicht, er hätte gerne mit einem Kollegen getauscht. Aber es war nun mal nicht möglich. Hier zu sitzen und durchzudrehen, änderte ebenfalls überhaupt nichts daran. Wenn er nicht bald ausstieg und an die Arbeit ging, würde einer der anderen zum Wagen kommen und ihn holen. Würde ihm Fragen über sein Verhalten stellen, ob alles gut war. Die müsste er dann beantworten oder sich herausreden - zusätzlich zu der Arbeit, an welcher er sowieso nicht vorbeikam. Also war es deutlich klüger, einfach auszusteigen und die Situation nicht unnötig schlimmer zu machen.

Er löste seine Hände vom Steuer, musste sie beinahe losreißen. Ein kurzer Blick durch die Windschutzscheibe nach draußen, anschließend in den Rückspiegel. In beiden Richtungen gab es nichts für ihn zu sehen. Bloß eine alte Angewohnheit, um ein paar Sekunden Zeit zu schinden. Bevor man sich sehenden Auges ins Chaos außerhalb des Wagens warf.

Einen Moment später stand er draußen und warf die Fahrertür hinter sich zu. Mehrmals zog und zerrte er an seinem Mantel, in der sinnlosen Hoffnung, sich dadurch die Kälte besser vom Leib halten zu können. Doch der Wind schien einfach hindurchzustechen. Machte es bei dieser Kälte überhaupt noch einen Unterschied, ob man einen Mantel über seinem Anzug trug oder nicht? Wenn es nach seiner Frau ging, schon. Deshalb erinnerte sie ihn auch stets daran, Handschuhe und Schal nicht zu vergessen. Er nahm sie aus seinen Manteltaschen und zog sie über.

Anschließend machte er sich mit hängendem Kopf auf den Weg.

Sein Name war Bradley Stark. Er war Detective beim OCPD, dem Oldwood City Police Department. Seit zwanzig Jahren war er Teil der Mordkommission.

Und er hasste Weihnachten.

Stark setzte einen Fuß vor den anderen. Er hatte direkt am Waldrand geparkt und steuerte nun auf den einsamen Officer zu, der zwischen zwei Bäumen stand und ihm zuwinkte. Für einen Moment wirkte der Mann wie der Wächter zur Hölle. Was von einem bestimmten Standpunkt aus betrachtet nicht einmal übertrieben war.

Schnee fiel in dicken Flocken vom Himmel, legte sich auf Starks Gesicht und schmolz dort langsam. Seine Haut war bereits nach einer knappen Minute nahezu taub. Unter seinen Schuhen, die für dieses Wetter vollkommen ungeeignet waren, knirschte es laut bei jedem Schritt. Als Detective war er leider an einen bestimmten Dresscode gebunden. Ob ihm hier draußen deshalb die Zehen abfroren oder er ausrutschte und sich die Hüfte brach, spielte keine Rolle. Wenigstens konnte er sich besonders dicke Socken anziehen, ohne eine Ermahnung fürchten zu müssen.

Es war ungefähr zehn Uhr morgens, trotzdem war das Tageslicht eher spärlich. Dichte graue Wolken hingen über allem, verbannten die Sonne und deckten die gesamte Stadt mit einem weißen Leichentuch ein. Ein äußerst passendes Bild. Vielleicht gab es da oben ja doch jemanden, der die Geschehnisse auf der Erde im Auge behielt.

Stark erreichte den Officer, der sofort einen ersten Bericht abgeben wollte. Aber der Detective hob herrisch die rechte Hand, um ihm das Wort abzuschneiden. Er wusste bereits, was der Kerl ihm sagen wollte. Kannte den Vortrag praktisch schon auswendig.

»Bringen Sie mich einfach zur Leiche«, forderte er den Officer auf.

Der Uniformierte reagierte verwirrt, dann nickte er verstehend. Er kannte die Geschichten. So wie alle anderen sie kannten. Und durch einen dummen Zufall, weil er ausgerechnet heute in ausgerechnet diesem Teil der Stadt Dienst schob, wurde er nun plötzlich selbst zu einem Teil dieser Geschichten. Zu einem kleinen, vollkommen unbedeutenden Teil. Er hatte nicht einmal Text. Dennoch würde er noch seinen Enkeln und allen anderen, die es hören wollten, davon erzählen. Auch denen, die es nicht hören wollten.

Stumm übernahm der Officer die Führung und führte Stark durch den Wald. Sobald die Nadelhölzer dichter standen, nahm das Tageslicht sogar noch weiter ab. Es fehlte nicht mehr viel und sie mussten sich mit Taschenlampen aushelfen.

Stark blickte nach links und rechts, versuchte zwischen den unendlich scheinenden Baumreihen etwas zu entdecken. Ein Eichhörnchen vielleicht oder ein Reh. Irgendein Anzeichen von Leben an diesem düsteren Ort. Doch sämtliche Tiere lagen entweder in einem warmen Versteck oder flohen vor dem lauten Getrampel der Menschen. So blieben nur Stille, Einsamkeit und Finsternis in dem Wald zurück.

Er war ein erwachsener Mann, ein Polizist noch dazu. In seinem Leben hatte Stark bereits sehr viele Tote gesehen. Manch einer davon war äußerst übel zugerichtet worden. Er hatte auch Überlebende gesehen, die nach ihrem Martyrium fast nichts menschenähnliches mehr an sich hatten. Trotzdem lief ihm in diesem Augenblick ein Schauer über den Rücken. Und das kam nicht vom kalten Wind. Die Atmosphäre hier war beängstigend. Wie mochte sich da erst das Opfer gefühlt haben? Aber vermutlich war es zu diesem Zeitpunkt sowieso schon tot gewesen.

Während Stark dem Officer folgte, hielt dieser sich an einen schmalen Trampelpfad, der mitten durch den Wald verlief. Der Pfad endete auf einer kleinen Lichtung, von der wiederum mehrere Wege in unterschiedliche Richtungen abgingen. Im Zentrum der Kreuzung lag die Leiche.

Bilder blitzten durch seinen Verstand, Erinnerungen und Albträume vermischten sich. Es war wie bei den anderen Neun.

Aber etwas war auch anders. Oder besser gesagt: jemand.

Stark kniff misstrauisch die Augen zu. Da war die Leiche, die auf dem gefrorenen Boden lag. Da waren der Officer, der ihn hergeführt hatte und einige andere Kollegen, welche den Tatort absperrten und als helfende Hände fungierten, falls man sie brauchte. Auch die Spurensicherung war zugegen, machte Fotos, nahm Proben. Aber es war kein erfahrener Detective vor Ort, der ihn begrüßte und ihm anschließend voll hämischer Freude den Fall überließ. Er war froh darüber, diesen Mist für sich abhaken zu können. Stattdessen bibberte und zitterte eine junge Frau in ihrem Mantel und sah der Spurensicherung bei der Arbeit zu. Sie bemerkte Starks Eintreffen gar nicht, dermaßen fasziniert war sie anscheinend von der Tätigkeit der anderen. Als hätte sie etwas Vergleichbares noch nie zuvor gesehen. Woraus der Detective schloss, es nicht gerade mit einem erfahrenen Profi zu tun zu haben.

Warum schickte man ausgerechnet eine Anfängerin an diesen besonderen Tatort? Etwas an der Sache war faul. Es stank nach Politik. Nach behördlicher Willkür. Und Korruption. Was es am Ende auch war, Stark wollte nichts damit zu schaffen haben.

Die Frau drehte sich um und erschrak kurz bei seinem Anblick. Dann setzte sie ein freundliches Lächeln auf und kam mit ausgestreckter Hand auf ihn zu. »Justina Kemp. Sind Sie Bradley Stark?«

Er ergriff ihre Hand und schüttelte sie. »Leider ja. Die Zentrale hat mich zu Hause angerufen. Bin so schnell gekommen, wie ich konnte. Hat etwas länger gedauert. Das Wetter ...« Mit dem rechten Zeigefinger zeigte er zum Himmel. »Sie verstehen.«

»Kein Problem, Sir. Ich bin selbst erst vor einer Viertelstunde hier angekommen.«

Sir? Er war nicht ihr Vorgesetzter, sondern ein Detective, genau wie sie. Sie legte das Verhalten eines Streifenpolizisten an den Tag. Was bedeutete, die Detective-Prüfung lag bei ihr noch nicht lange zurück. Die Frau war somit nicht bloß unerfahren. Sie war ein Küken, das gerade erst geschlüpft war. Welcher verblödete Sesselfurzer hatte sie an diesen Ort geschickt?

»Alles klar, Kemp. Sagen Sie einfach Stark zu mir, das machen alle anderen auch. Verfügen Sie über irgendwelche Informationen, die mir die Officers und die Spurensicherung nicht geben können?«

Sie schüttelte entschieden den Kopf. »Nein, wie gesagt, ich bin erst seit ein paar Minuten hier.«

»Gut. Dann können Sie jetzt zurück zu Ihrem Wagen gehen und mir die Sache überlassen. Um die Formalitäten kümmern wir uns morgen. Ich komme zu Ihnen aufs Revier.« Damit war die Sache für ihn erledigt und er wendete sich von ihr ab. Seine Aufmerksamkeit galt jetzt den beiden Vertretern der Spurensicherung.

Da spürte er eine Hand an seinem rechten Oberarm. »Ich befürchte, da besteht ein Missverständnis, Stark.« Den Namen verwendete sie nur widerwillig, war nicht daran gewöhnt. »Ich bin nicht der übliche Detective am Tatort, der nur auf Ihre Ankunft wartet und den Fall dann einfach abgibt. Ich bin Ihre neue Partnerin.«

Für ganze zehn Sekunden wusste Stark nicht, was er darauf erwidern sollte. Jedes Wort dieser Behauptung klang dermaßen unmöglich ... lächerlich ... absurd. Im Grunde musste man das passende Wort erst erfinden, um das Gesagte...

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