The Revenant - Der Rückkehrer

Roman zum Film
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. August 2015
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97166-9 (ISBN)
 
Montana, zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Der Pelztierjäger Hugh Glass wird am North Platte River von einem Grizzly angefallen und lebensgefährlich verletzt. Seine beiden Begleiter geben dem Mann keine großen Überlebenschancen. Als sie Indianer in der Nähe ihres Lagers sichten, nehmen sie dem Schwerverwundeten Gewehr, Messer und den Rest seiner Ausrüstung ab und lassen ihn neben einem bereits ausgehobenen Grab zurück. Doch wie durch ein Wunder überlebt Glass - und schwört Rache. Mit einem gebrochenen Bein schleppt er sich durch die endlos weite Prärie auf der Suche nach denen, die ihn so schändlich im Stich gelassen haben.
weitere Ausgaben werden ermittelt
Michael Punke ist Anwalt für internationales Handelsrecht und derzeit US-Botschafter bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf. Er ist Autor historischer Sachbücher und hat außerdem einen Lehrauftrag an der University of Montana. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit dem Band »Der Rückkehrer«, der als »eine der wahrhaft großen Erzählungen über den Wilden Westen« (Salt Lake Tribune) gefeiert wird und auf dessen Grundlage Alejandro G. Iñárritus oscarprämierter Film »The Revenant«, mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle, basiert.

8 | 2. September 1823 - Nachmittag


Glass sah wieder zu der Klapperschlange hinüber, die noch immer träge dalag, ganz damit beschäftigt, ihre Beute zu verdauen. Die Schlange hatte sich keinen Zoll bewegt, seit Glass wieder bei Bewusstsein war. Fleisch. Nachdem er seinen Durst an der Quelle gelöscht hatte, merkte Glass plötzlich, wie ausgehungert er war. Er wusste nicht, wie lange er schon nichts mehr gegessen hatte, aber seine Hände zitterten vor Entkräftung. Wenn er den Kopf hob, drehte sich die Lichtung langsam kreiselnd um ihn herum.

Glass kroch vorsichtig auf die Schlange zu, die Bilder seines entsetzlichen Traums noch lebhaft vor Augen. Als er knapp sechs Fuß von dem Tier entfernt war, nahm er einen walnussgroßen Stein. Mit der linken Hand stieß er den Stein an, sodass er auf die Schlange zuhüpfte und gegen ihren Körper prallte. Die Schlange rührte sich nicht. Glass packte einen faustgroßen Stein und kroch auf Armeslänge heran. Zu spät machte die Schlange einen trägen Versuch, sich in Sicherheit zu bringen. Glass schlug ihr mit dem Stein auf den Kopf, wieder und wieder, bis sie ganz sicher tot war.

Als Nächstes musste er eine Möglichkeit finden, das Tier auszuweiden. Er sah sich im Lager um. Seine Jagdtasche lag fast am Rand der Lichtung. Er kroch zu ihr hin, kippte alles, was sie noch enthielt, auf die Erde: ein paar Schusspflaster, ein Rasiermesser, zwei Habichtsfüße an einer Perlenkette und die sechs Zoll lange Kralle eines Grizzlys. Glass nahm die Kralle, blickte gebannt auf das dick verkrustete Blut an ihrer Spitze. Er steckte sie wieder in die Tasche und fragte sich, wie sie da hineingekommen war. Er hob die Schusspflaster auf, die er vielleicht als Zunder verwenden könnte, denn, dachte er verbittert, ihrem eigentlichen Zweck würden sie ja nicht dienen können. Das Rasiermesser war der einzige brauchbare Fund. Als Waffe machte es nicht viel her, weil die Klinge zu dünn war, aber es konnte allerlei nützliche Verwendung finden. Zunächst einmal konnte er mit dem Messer die Schlange häuten. Er schob es in die Jagdtasche, hängte sie sich über die Schulter und kroch zurück zu der Schlange.

Schon umschwirrten Fliegen den blutigen Schlangenkopf. Glass hatte mehr Respekt davor. Er hatte einmal gesehen, wie sich ein bereits abgetrennter Schlangenkopf in die Schnauze eines allzu neugierigen Hundes verbissen hatte. In Erinnerung an das arme Tier legte er einen langen Stock quer über den Kopf der Schlange und drückte mit dem linken Bein darauf. Den rechten Arm konnte er nur unter heftigen Schmerzen in der Schulter heben, doch die Hand funktionierte einwandfrei. Also hielt er das Rasiermesser mit der Rechten, um den Kopf abzutrennen. Dann schleuderte er ihn mithilfe des Stocks an den Rand der Lichtung.

Er schlitzte den Bauch von oben nach unten auf. Die Klinge wurde rasch stumpf, was die Arbeit mit jedem Zoll schwerer machte. Dennoch schaffte er es, den Schlangenkörper die fast fünf Fuß bis zum After aufzutrennen. Er zog die Eingeweide heraus und warf sie beiseite. Dann begann er am Hals, mit dem Rasiermesser die Schuppenhaut abzulösen. Nun lag das glänzende Fleisch vor ihm, unwiderstehlich bei seinem nagenden Hunger.

Er biss in die Schlange hinein wie in einen Maiskolben und riss mit den Zähnen an dem rohen Fleisch. Schließlich löste sich ein Stück. Er kaute auf dem zähen Fleisch herum, bekam es aber kaum klein. Vom Hunger getrieben, beging er den Fehler und schluckte. Der dicke Brocken rohes Fleisch schob sich wie ein Stein in seine verwundete Kehle. Vor Schmerzen musste er würgen. Er hustete und dachte einen Moment lang, er werde an dem Brocken ersticken. Doch schließlich rutschte er ihm durch die Speiseröhre.

Er hatte seine Lektion gelernt. Die restlichen Stunden Tageslicht verbrachte er damit, das Fleisch mit dem Rasiermesser in kleine Stücke zu schneiden, die er zwischen zwei Steinen weich klopfte, um dann jeden Bissen mit einem Schluck Quellwasser runterzuspülen. Es war eine mühselige Art zu essen, und als er beim Schwanz ankam, war Glass noch längst nicht satt. Das war besorgniserregend, denn seine nächste Mahlzeit würde ihm nicht einfach so zufallen.

Beim letzten Licht des Tages nahm er die Rassel am Schwanzende in Augenschein. Es waren zehn Hornschuppen, eine für jedes Lebensjahr der Schlange. Glass hatte noch nie eine Klapperschlange mit zehn Hornschuppen gesehen. Eine lange Zeit, zehn Jahre. Glass dachte über die Schlange nach, die kraft ihrer schrecklichen Fähigkeiten ein Jahrzehnt überlebt hatte, immer stärker geworden war. Und dann hatte ein einziger Fehler genügt, ein unachtsamer Augenblick in einer Umgebung, die keine Nachsicht kannte, und schon war sie tot und verschlungen. Er schnitt die Rassel von den Überresten des Tieres und ließ sie durch die Finger gleiten, wie einen Rosenkranz. Nach einer Weile warf er sie in seine Jagdtasche. Er wollte das alles nicht vergessen.

Es war dunkel. Glass zog die Wolldecke um sich, rollte sich zusammen und schlief ein.

Er erwachte durstig und hungrig aus einem unruhigen Schlaf. Jede Wunde schmerzte. Dreihundertfünfzig Meilen bis Fort Brazeau. Er wusste, dass er sich die Entfernung nicht vorstellen durfte, nicht in ihrer vollen Länge. Eine Meile nach der anderen. Er setzte sich als erstes Ziel den Grand. Er war bewusstlos gewesen, als die Brigade den Bach zu der Quelle hochgegangen war, aber den Gesprächen zwischen Bridger und Fitzgerald hatte er entnommenn, dass der Grand ganz in der Nähe war.

Glass zog die Hudson-Bay-Decke von den Schultern. Mit dem Rasiermesser schnitt er drei lange Streifen von dem wollenen Tuch ab. Einen wickelte er sich um das linke Knie - sein gesundes Knie. Er würde beim Kriechen ein Polster brauchen. Die übrigen zwei Streifen band er sich so um die Hände, dass die Finger frei blieben. Den Rest der Decke rollte er auf und schlang den langen Tragriemen der Jagdtasche um beide Enden. Als er sich vergewissert hatte, dass die Tasche nicht aufgehen würde, schob er sie sich zusammen mit der Decke auf den Rücken. Den Riemen hängte er um beide Schultern, damit er die Hände frei hatte.

Glass trank noch mal ausgiebig an dem Bach und kroch los. Eigentlich war es kein Kriechen, eher eine Art Rutschen und Ziehen. Er konnte den rechten Arm benutzen, um das Gleichgewicht zu halten, aber nicht, um sich abzustützen. Das rechte Bein konnte er lediglich nachschleifen. Er hatte versucht, die Muskeln durch Beugen und Strecken zu lockern, doch es blieb steif wie eine Fahnenstange.

Bald hatte er so etwas wie einen Rhythmus gefunden, so gut es ging. Mit der rechten Hand als eine Art Ausleger hielt er das Körpergewicht auf der linken Seite, lehnte sich auf dem linken Arm vor, zog das linke Knie an und schleifte dann das steife rechte Bein hinterher. Wieder und wieder, Stück für Stück. Er hielt mehrmals an, um Wolldecke und Jagdtasche zurechtzurücken. Durch die ruckartigen Bewegungen löste sich das Bündel auf seinem Rücken immer wieder. Schließlich fand er die richtige Reihe von Knoten, die es an Ort und Stelle hielt.

Eine Zeit lang leisteten die Wollstreifen am Knie und an den Händen gute Dienste, auch wenn er sie immer wieder festzurren musste. Er hatte nicht bedacht, wie sich das Nachziehen des rechten Beines auswirken würde. Der Mokassin schützte zwar den Fuß, bedeckte aber nicht den Knöchel. Schon nach kurzer Zeit hatte er ihn sich aufgeschürft und musste haltmachen, um für die Stelle, die Berührung mit dem Boden hatte, einen Streifen von der Wolldecke abzuschneiden.

Er brauchte fast zwei Stunden, um den Bach hinunter bis zum Grand zu kriechen. Als er den Fluss erreichte, schmerzten seine Beine und Arme von der unbeholfenen, ungewohnten Bewegung. Er starrte nach unten auf die alten Spuren von der Brigade und fragte sich, durch welche Fügung die Indianer sie nicht entdeckt hatten.

Die Erklärung lag am anderen Ufer. Hätte er den Fluss überquert, hätte er in einem kleinen Gehölz aus Felsenbirnen die gewaltigen Tatzenabdrücke eines Bären gesehen, genauso deutlich wie die Spuren der fünf Indianerpferde. Durch eine Ironie des Schicksals, von der Glass niemals erfahren würde, hatte ausgerechnet ein Grizzly ihn vor den Indianern gerettet. Wie Fitzgerald hatte der Bär die Felsenbirnen nicht weit vom Ufer des Grand entdeckt. Das Tier schlug sich gerade den Bauch mit den Früchten voll, als die fünf Arikara-Krieger den Fluss hochgeritten kamen. Tatsächlich war es die Witterung des Bären, die den Pinto scheu gemacht hatte. Verstört durch den Anblick und die Witterung der fünf Indianer zu Pferde, war der Bär im Gebüsch verschwunden. Die Jäger nahmen die Verfolgung auf und übersahen so die Spuren am anderen Ufer.

Als Glass aus dem Schutz der Kiefern hervorkam, lag vor ihm eine weite Ebene, die nur durch wellige kleine Erhebungen und vereinzelte Pappelgruppen durchbrochen wurde. Dichte Weiden entlang des Flusses erschwerten ihm zwar das Vorankommen, hielten aber kaum die durchdringende Hitze der Mittagssonne ab. Glass spürte, wie ihm der Schweiß über Rücken und Brust rann, und das Brennen der salzigen Flüssigkeit in den Wunden. Er trank noch einmal an dem kühlen Quellbach, blickte den Fluss hoch und dachte ein letztes Mal an die Möglichkeit, die Verfolgung jetzt sofort aufzunehmen. Noch nicht.

Dass er die Sache aufschieben musste, wirkte auf seinen Willen wie Wasser auf glühendes Eisen - es machte ihn hart und unnachgiebig. Er schwor sich, dass er überleben würde, und sei es nur, um sich an den Männern zu rächen, die ihn verraten hatten.

Glass kroch an diesem Tag noch drei Stunden weiter. Er schätzte, dass er zwei...

»So liest man seinen sehr gut recherchierten Roman auf einen Rutsch weg - und glaubt einfach nicht, dass man so etwas überleben kann.«, Heilbronner Stimme, 06.02.2016
 
»>Der Oscar für den besten Hauptdarsteller geht an Leonardo DiCaprio!< Diese magischen Worte, diese unendliche Erleichterung - wir haben sie natürlich schon vorab gespürt, als wir den Roman >Der Totgeglaubte< von Michael Punke gelesen haben. Denn das ist: richtig geiler Oscarstoff.«, Süddeutsche Zeitung, 05.01.2016
 
»Ein ungewöhnliches und höchst spannendes Buch. (...) Wem der Film unerträglich erscheint oder wer ihn besser verstehen will, dem sei das Buch empfohlen.«, Abendzeitung München, 02.01.2016
 
»könnte ein neuer Abenteuer-Klassiker werden. Er beeindruckt durch seine starken Charaktere und durch die überraschende, fesselnde Handlung mit wahrem Kern, denn die wichtigsten Ereignisse sind historisch belegt.«, Emsdettener Volkszeitung, 12.11.2015
 
»Aus der wahren Geschichte holt der Autor das John-Wayne-Potenzial heraus.«, Märkische Allgemeine, 05.09.2015
 
»Rachefeldzug im Wilden Westen. (...) Ein Buch, das - etwas klischeehaft - die Mythen und Legenden des Wilden Westens beschwört.«, Münchner Merkur, 29.08.2015
 
»Diese von US-Autor Michael Punke erzählte Geschichte ist nicht nur ungemein packend, sie beruht auch auf einer historisch verbürgten Begebenheit.«, Schweizer Familie, 27.08.2015
 
»Es ist keine verkitschte Karl-May-Geschichte, die Michael Punke, der einen Lehrauftrag an der University of Montana hat, schrieb, sondern sie gewährt einen Einblick in das harte Leben der Pelztierjäger, ihren Überlebenskampf, in dem es auch um Ehre und Kameradschaft geht.«, Siegener Zeitung, 26.08.2015
 
»Michael Punke ist ein spannender Roman gelungen, und viele seiner Schilderungen dürften authentisch sein.«, Main-Echo, 22.08.2015
 
»>Der Totgeglaubte< ist zwar vor allem die authentische Chronik eines Überlebenden mit fiktiven Ergänzungen, aber auch eine großartige Darstellung der frühen Siedlungsgeschichte des amerikanischen Westens. Spannend bis zur letzten Zeile«, Dom Radio, 16.08.2015
 
»Michael Punke entfaltet seinen Roman auf Basis tatsächlicher Begebenheiten und schildert auf diese Weise eindrucksvoll, welche Werte das Zusammen- und Überleben in der Pionierzeit bestimmt haben.«, Kurier am Sonntag, 16.08.2015
 
»Das Ende ist etwas überraschend, anders als gedacht und überzeugt gerade deshalb. (...) Ein wirklich in allen Bereichen überzeugender Roman, der nirgends Schwachstellen aufweist. Absolute Leseempfehlung.«, niklas-leseblog.jimdo.com, 11.08.2015
 
»Punke lässt den Leser tief eintauchen in die herb-romantische Welt der Trapper des Wilden Westens.«, Kölner Stadt-Anzeiger, 07.08.2015
 
»Gefällt Ihnen, wenn Sie Trapper und Flinten mögen.«, Playboy
 
»>Der Totgeglaubte< liest sich wie ein Wild-West Klassiker, ist dabei aber authentischer und kommt ohne jeglichen Kitsch aus. (...) In seinen Grundfesten ist Michael Punkes erstaunlich kurzweiliges Buch eine authentische Wiedergabe einer der großen Geschichten Amerikas im 19. Jahrhundert, die erwiesenermaßen keine Erfindungen sind.«, Buchkultur (A)
 
»Der Western, oft totgeglaubt, lebt noch immer. Auch als Buch.(...) Eine harte Durchhaltegeschichte, lakonisch erzählt, nicht ohne Romantik. Viel Natur, viel Innenschau. Handelsposten, Pulverhörner, Mokassins.«, Stadtblatt Osnabrück

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