Der Fremde am Klavier

Tony & Ted
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. April 2018
  • |
  • 251 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7528-1265-7 (ISBN)
 
Tony Williams will nur eines: Edward Colton dazu bringen, seinen Grund und Boden an die Beck's Luxury Hotel Coorporation zu überschreiben. Mit dem Bonus dieses Auftrags könnte Tony sich für ein paar Jahre in den Süden absetzen, Sonne, Strand und Cocktails genießen und sich seinen Traum vom Inselleben in der Karibik erfüllen. Edward Colton ist leider eine harte Nuss, an der sich Tonys Kollegen bisher allesamt die Zähne ausgebissen haben. Aber dann erfährt der ehrgeizige Williams etwas über Colton, das alle anderen übersehen haben. Gerade, als sein Traum zum Greifen nahe scheint, mischt sich jedoch Amor ein und bringt alles durcheinander ...

Bearbeitete Neuauflage
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,36 MB
978-3-7528-1265-7 (9783752812657)
Lily Pulcino ist das Pseudonym einer jungen Schriftstellerin, die in Berlin geboren wurde, einen Großteil ihrer Kindheit in Baden-Württemberg verbrachte und nun seit mehreren Jahren mit ihrem Mann auf der kleinen Nordseeinsel Föhr lebt. Dort betreiben sie gemeinsam eine kleine Frühstückspension.
Während ihr Ehemann seine Kreativität in der Töpferei und Keramik auslebt, schreibt Lily Pulcino Romane und Liedtexte.
»Der Fremde am Klavier« (2018) war ihre erste Veröffentlichung.

Kapitel 1


Schwarzes, langes Haar, das ihr offen über die zierlichen Schultern fällt.

Schlanke Hände, deren Finger sich scheinbar unbewusst mit einer dunklen Haarsträhne spielen.

Blasse, beinahe weiße Haut, trotz der kühlen Brise nur von einem dünnen Sommerkleid mit Blumen bedeckt.

Lange Beine, die in bloße Füße münden.

Ein recht hübscher Anblick, insgesamt betrachtet. Dennoch fehlt ihr die elegante Anmut, welche ihre rothaarige Vorgängerin ausstrahlte. Sie steht vor Colton, etwas unbeholfen, redet auf ihn ein. Was sie sagt, kann Tony nicht hören, der Wind trägt ihre Worte auf das heute recht stürmische Meer hinaus und damit von ihm weg, zu weit, um Mäuschen zu spielen. Colton scheint sich für das Gespräch nicht zu interessieren, seine Hände gleiten geschickt über das neue Holzbrett, das er an der Strandwärterstation anbringt, sein Blick ist unbeirrt auf sein Werkzeug gerichtet. Schließlich schüttelt er den Kopf, ohne die holde Maid auch nur eines Blickes zu würdigen, was dazu führt, dass diese etwas beschämt von dannen zieht.

Tony fischt den kleinen Notizblock zwischen den Seiten seines Kreuzworträtselhefts hervor und notiert in fein säuberlicher Schrift: "Keinerlei Reaktion auf Typ Schneewittchen" und schnaubt dabei leise. Als er den Auftrag erhielt, dachte er noch, es sei ein Kinderspiel. Und dann, gleich am ersten Tag am Strand, als er all die verschiedenen Frauen dabei beobachtete, wie sie sich an Colton heran schlichen und einen Versuch wagten, hat er sich schon am Ziel gewähnt. Er musste nur abwarten, welche der Anwärterinnen bei Colton zum Zug kam, und sich dann einmal nett mit der betreffenden Dame unterhalten. Ein Spaziergang.

Wie hat seine Großmutter immer gesagt? Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Selbst nach fast einer Woche ist keine der Frauen zum Zug gekommen. Keinen einzigen Blick hat er ihnen geschenkt, geschweige denn ein Lächeln, das sich mit Sicherheit eine jede von ihnen zauberhaft und umwerfend ausmalt. Kein Wunder, dass Tonys Kolleginnen den Griesgram nicht zur Vertragsunterschrift hatten überreden können. Vermutlich hat er sie ebenso ignoriert wie den ganzen Rest, weshalb eine jede von ihnen äußerst frustriert, zornig oder traurig, definitiv aber unerledigter Dinge zum Firmensitz zurückgekehrt ist.

Dabei könnte alles ganz einfach sein: Colton unterschreibt einen Vertrag und überschreibt damit der Firma den Landbesitz und die Fischereirechte, auf dass die Geschäftsführung endlich das neue Hotel bauen kann, das seit Jahren geplant wird; dafür erhält der Griesgram eine unerhört hohe Summe und muss nicht nur nicht mehr drei Jobs erledigen, um sich finanziell über Wasser zu halten, sondern nie wieder auch nur einen Finger krümmen. Die Bewohner des Dorfes profitieren vom florierenden Tourismus. Tony erhält für den Abschluss eine ansehnliche Provision und kauft sich irgendwo ein nettes Haus am Strand. Alle sind zufrieden. Keine Verlierer, ausschließlich Gewinner.

Nur, dass der elende Griesgram das nicht einsehen will.

Eine weitere Frau tritt an Colton heran. Die neue Kandidatin erinnert Tony an eine Walküre: langes, blondes Haar, kantiges Gesicht mit wachsamen Augen, eine beeindruckende Oberweite und das forsche Auftreten eines Soldaten. Sie stellt sich breitbeinig hinter Colton und redet kurz mit ihm. Wieder schüttelt er den Kopf, doch anstatt zu gehen, packt die Walküre ihn an der Schulter, reißt ihn zu sich herum und drückt ihm einen gewaltigen Kuss auf. Colton wehrt sich, braucht jedoch einen Moment, um sich zu befreien. Er brüllt die Walküre an, tritt dann mit dem Fuß gegen das kleine Holzhaus und stapft laut fluchend und schimpfend davon. Die Walküre schiebt den Unterkiefer kampflustig zur Seite und scheint kurz zu überlegen, ob sie ihm hinterher marschieren soll, dreht dann aber auf dem Absatz und marschiert in die andere Richtung los.

Wütend schnaubt Tony. Damit ist der heutige Tag gelaufen. Vermutlich versteckt sich Colton in dem Hotel, in dem er als Koch arbeitet, irgendwo in einem Vorratskeller, weit weg von all den Frauen, die ihm ans Leder wollen. Nicht hilfreich. Ganz und gar nicht. Sein Chef ruft mittlerweile täglich bei ihm an und schreibt immer wieder ungeduldige, nörgelnde Nachrichten. Das ist Tony nun wirklich nicht gewöhnt. Für gewöhnlich dauert es keine zwei Tage, bis er jemanden zur Vertragsunterzeichnung bringt. Dieser Kerl trampelt auf Tonys wunderschönen Statistik herum und verpasst seinem guten Ruf eine gehörige Delle. Scheiße aber auch.

Frustriert schiebt Tony sein Notizbuch in die Hosentasche, erhebt sich aus seinem Liegestuhl und kramt seine sieben Sachen zusammen. Er braucht einen Drink oder zwei. Vielleicht auch drei. Vielleicht trinkt er aber auch die gesamte Minibar leer. Besäuft sich auf seinem Zimmer, in der Badewanne, mit sehr viel Schaum und lauter Musik. Oder er haut sich aufs Sofa und klickt sich durch den Pornokanal mit einem Bierchen und einer Flasche Whiskey. Eines steht jedenfalls fest, er wird unter keinen Umständen ...

"Nein, du verpasst nichts. Der gleiche Scheiß wie immer: Wetter stürmisch, Wind eiskalt, Aussicht mäßig und die Touristinnen laufen scharenweise Colton hinterher, der alten Schwuchtel", schwatzt ein junger Mann in sein Handy, während er nur eineinhalb Meter entfernt auf seiner Liege liegt und von Kopf bis Fuß mit Sonnencreme eingeschmiert ist. Nur seine zu große Sonnenbrille und die schwarzen Badeshorts sind nicht von der weißen Creme bedeckt. "Wenn die wüssten, dass der seinen Schwanz lieber in Männerärsche rammt, dann würden die sicher nicht ..."

Tony bleibt stehen.

"... scharenweise bei ihm anstehen. Versteh eh nicht, was die alle an dem Kerl finden."

Hat er da gerade richtig gehört?

"Ja, schon, sportlich ist er. Aber alt. Der ist doch mindestens über dreißig. Und macht dauernd ein Gesicht, als wäre er über 100 Jahre alt und hätte das Leben satt. Soll er halt von der nächsten Brücke springen, statt allen anderen die Laune zu versauen."

Das muss doch falsch sein. In seiner Akte stand überhaupt nicht, dass er ... aber das würde natürlich erklären, warum er ... und warum seine Kolleginnen ... Tony schüttelt langsam den Kopf, während ein breites, zufriedenes Grinsen auf seine Lippen tritt und sich dort schnell ausbreitete. Falls das die Wahrheit ist, ist Tony plötzlich einen ganzen Schritt weiter. Vielleicht sogar zwei. Er grinst und setzt sich in Bewegung. Er stapft an dem Kerl auf der Liege vorbei, sehr viel näher, als eigentlich notwendig, und donnert ihm dann scheinbar unabsichtlich seinen Rucksack gegen den Schädel.

"Au! Verdammte Scheiße, was?!"

"Oh, Pardon, verziehen Sie bitte, wie ungeschickt. Heute geht mir schon den ganzen Tag alles schief", entschuldigt er sich und zieht ein unschuldiges Gesicht. Er öffnet seinen Rucksack, kramt nach einem Schokoriegel und bietet ihn den anderem Mann an. "Kleine Wiedergutmachung?"

"Keine Kohlenhydrate, kein Zucker, kein Fett", knurrt der junge Mann und wendet sich wieder nach vorne. "Nein, bloß so ein Vollidiot, der mir seinen bescheuerten Rucksack gegen den Kopf geknallt hat. Wo waren wir? Egal. Kommst du dann morgen?"

Tony packt den Schokoriegel wieder ein und hängt sich den Rucksack über die Schulter. Morgen wird er definitiv ein schwereres Buch in seinen Rucksack packen. Und vielleicht noch ein, zwei Dosen Cola. Aber jetzt braucht er wirklich Alkohol. Und vielleicht ein paar gesalzene Erdnüsse. Oder Chips. Oder auch zuerst Erdnüsse und danach die Chips. Oh - oder Nachos!

Keine Kohlenhydrate, kein Fett? Wovon ernährt sich der Kerl? Wasser und Brokkoli?

Tony schüttelt den Kopf, während er das Strandwärterhäuschen passiert. Was für eine Verschwendung an Lebenszeit und Jugend. Vielleicht sollte er dem Kerl einmal erklären, dass dieses Leben früher oder später sowieso endet, egal, an wie vielen Tagen davon er Kohlenhydrate, Fett oder Zucker zu sich genommen hat. Der einzige Unterschied ist, dass - BOING.


"Verdammt." Ted lässt den Balken in den Sand fallen, kniet sich neben den Touristen, der bewusstlos am Boden liegt und fischt sein Handy aus der Hosentasche. "Annie? Colton hier, ich brauche einen Krankenwagen am Strand, direkt bei der Strandwärterstation D4. Bewusstloser Mann Mitte dreißig, eventuell Gehirnerschütterung." Er klemmt sich das Handy zwischen Schulter und Ohr und fühlt den Puls, während er den Kopf des Fremden mustert. Keine Platzwunde, nur eine kleine Schürfwunde und eine rötliche Stelle, die ziemlich schnell dunkler wird. "Nein, er ist nicht vom Schuppen gesprungen, er ist mit voller Wucht gegen ein Brett gerannt. Kein Surfbrett. Nein, es ist ... Annie, es war ein stinknormales Holzbrett. Ja, eine Latte. Genau. Ja, ich repariere gerade die ... Annie, schick einfach einen Wagen. Danke."

Ted seufzt, steckt das Handy ein, flucht und dreht den Mann in die stabile Seitenlage. Heute ist definitiv nicht sein Tag. Zuerst flirtet in der Küche dauernd die neue Köchin mit ihm, spricht ohne Unterlass und brennt dabei die Spiegeleier an. Als Ted sie dann angebrüllt hat, sie soll verdammt nochmal ihre Arbeit machen und kochen, ist sie heulend zur Tür hinaus gerannt und nicht mehr zurück gekommen, bis seine Frühstücksschicht zu Ende war. Am Strand haben ihn dann noch mehr Frauen angesprochen und bei der Arbeit gestört. Und jetzt, wo er mit Nachschub und dem Schild: "Den Handwerker nicht ansprechen" zurückkehrt, läuft ihm dieser Vollidiot volle Karacho gegen das Brett und fällt um wie Sack Kartoffeln.

Kann denn heutzutage keiner mehr schauen, wo er hin läuft? Ted steht auf, sperrt die Tür zur Station auf und entnimmt dem Kühlschrank einen Kühlbeutel und eine Dose Bier. Zurück bei dem Fremden, legt er...

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