Blogging Queen

Roman
 
 
dtv (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Juli 2011
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-423-40788-5 (ISBN)
 

Alles, was in ist ...

Stewardess Millie ist sauer: Kurz vor ihrem 30. Geburtstag macht eine schwere Ohrenentzündung sie für Wochen fluguntauglich. Die Geburtstagsparty in der Karibik fällt also flach. Als Trost darf Millie das luxuriöse Penthouse einer Freundin hüten und dabei auch das neu entworfene Programmdesign zur Erstellung eines Blogs testen. Schnell erkennt Millie, dass sie dabei endlich ihre geheime Leidenschaft für Mode, Styles und Trends ausleben kann. Aus dem Testlauf wird Ernst. Der Blog »Millie's Magazine« schlägt ein wie eine Bombe, die Modewelt steht Kopf. Doch als plötzlich der attraktive Polizist Frank Stahl vor der Tür steht, der einen international gesuchten Betrüger auf Millies Blogfotos entdeckt hat, bekommt es Millie mit der Angst zu tun. Um ihr virtuelles Glamourleben aufrechtzuerhalten, verstrickt sie sich in immer wildere Lügengeschichten ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • Format: EPUB
  • |
  • Format: EPUB
  • 1,67 MB
978-3-423-40788-5 (9783423407885)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Jutta Profijt wurde gegen Ende des Babybooms in eine weitgehend konfliktfreie Familie hineingeboren. Nach einer kurzen Flucht ins Ausland kehrte sie ins Rheinland zurück und arbeitete im Projektmanagement. Heute schreibt sie sehr erfolgreich Bücher und lebt mit ihrem Mann und diversen Kleintieren auf dem Land.

Eins


Ein letzter Blick zur Uhr bestätigte, was ich schon wusste: Es wurde Zeit, dass ich zum Flughafen kam, aber ich genehmigte mir selbst - und dem geradezu verboten gut aussehenden Typ am Tisch nebenan - noch zwei Minuten. Wenn er bis dahin nicht den Mut aufbrachte, mich anzusprechen, hatte er eben Pech gehabt.

»Entschuldigung, kennen Sie sich in der Stadt aus?«, fragte er prompt. Na bitte, geht doch!

Der Stadtplan, den er seit zehn Minuten studierte, lag falsch herum. Aber ich verzieh es ihm, denn sein Anzug war von Brioni und die Krawatte von Vitaliano Pancaldi. Der Dress hatte mindestens dreitausend Euro gekostet. Der Chronograf (vulgo: Armbanduhr) war einer, von dem hochglänzende Zeitungsanzeigen behaupten, er eigne sich zur Gründung einer eigenen Tradition. Seine Schuhe waren handgenäht. Nein, ich hatte mich nicht unter den Tisch bücken müssen, um das zu sehen, denn er hatte ein Bein über das andere geschlagen und wippte mit dem rechten Fuß genau in meinem Blickfeld auf und ab.

»Ja«, erwiderte ich mit einem kurzen Nicken und einem kühlen, eiligen Lächeln. Ich begann, mein Prada-Portemonnaie aus der Prada-Handtasche zu kramen. Ich ging selbstverständlich davon aus, dass mein Nachbar das dezent geprägte Label zur Kenntnis nahm, dafür hatte ich die Handtasche schließlich extra auf diese Seite des Tisches geholt.

»Können Sie mir vielleicht sagen, wie ich am besten zur Accademia komme?«

Anfänger, dachte ich, sagte es aber natürlich nicht. »Am besten nehmen Sie die Eins.«

Seine Augenbrauen zuckten hoch. Hübsche, schön geschwungene Augenbrauen, korrekt gestutzt und ordentlich gekämmt, nicht dieser Wildwuchs, den manche Menschen im Gesicht trugen, als gäbe es weder Scheren noch Pinzetten oder überhaupt den aufrechten Gang.

»Das Vaporetto. Linie Eins. Von San Marco zur Accademia. Schneller geht's nicht.«

Ich unterstrich das Gesagte mit einem Fingerzeig in Richtung Anleger. »Da herum.«

Bei der Geste rutschte der Ärmel meines Prada-Blazers hoch und enthüllte nun meine Armbanduhr, für die hochbezahlte Supermodels Werbung machen. Damenuhren wurden allerdings nie mit der Gründung einer Tradition beworben, denn die Hauptzielgruppe hatte keine Kinder und konnte sich keine leisten. Kinder versauen Karriere und Figur gleichermaßen. Das gilt übrigens trotz der Heidis und Ursulas, denn Ausnahmen widerlegen keine Regel - sie bestätigen sie.

Die braunen Augen meines Tischnachbarn schauten mich aufmerksam an. Ob das daran lag, dass er sich die Nummer der Vaporetto-Linie zu merken versuchte oder bei der Betrachtung meiner äußeren Erscheinung alle Details wahrnehmen wollte, konnte ich nicht erkennen, hoffte aber natürlich Letzteres. Es machte wenig Spaß, sich exquisit zu kleiden, wenn es niemand zur Kenntnis nahm.

»Und Sie, wohin sind Sie unterwegs?«, fragte er. Seine Stimme war angenehm tief, ein leichter norddeutscher Zungenschlag, der gar nicht zu seinen braunen Augen und dem dunklen Haar passte, machte die Aussprache interessant und ein bisschen exklusiv. Das Wort hanseatisch beschreibt eben nicht nur eine geografische Wahrheit, sondern auch einen gewissen Stil.

»Zum Flughafen.«

»Sind Sie öfter in der Stadt?«

»Regelmäßig.« Ich öffnete das Portemonnaie und nahm einen Fünf-Euro-Schein heraus.

»Geschäftlich?«

»Ja.«

»Entschuldigung, ich will Sie nicht aufhalten. Nicht, dass Sie Ihren Flieger verpassen.«

Bingo. Auf diesen Satz hatte ich gewartet. »Keine Sorge«, sagte ich, während ich den Geldschein neben die winzige Espressotasse legte. »Ohne mich startet er nicht.«

Ich sah das Wort FIRMENJET in seinen leicht geweiteten Augen aufleuchten, lächelte ihm noch einmal kurz zu und setzte die erst vor einigen Stunden erstandene Sonnenbrille auf, während ich auf meinen riskant hohen Absätzen mit kleinen Schritten, die durch die Saumweite des Prada-Bleistiftrocks begrenzt wurden, in Richtung Ausgang trippelte.

Touristen in bunten Hemden, hellen Shorts, weißen Socken und Turnschuhen, die sich vor dem kühlen Wetter in das berühmteste Café Venedigs geflüchtet hatten, starrten hinter mir her.

»Ist das die Schriftstellerin, die diese Krimis mit dem netten Commissario schreibt?«, fragte eine korpulente Deutsche gerade ihre jüngere Begleitung und zeigte auf eine Venezianerin mit grauem, halblangem Haar. Diese ließ nicht erkennen, dass sie sowohl die schrille Stimme als auch den weit ausgestreckten Zeigefinger bemerkt hatte, und trank in Ruhe ihre Schokolade, während sie die Zeitung las.

Ich hätte der Deutschen sagen können, dass sie es nicht war, denn ich kannte beide, wenn auch nur vom Sehen, und wusste, dass die hier Anwesende die Seniorchefin einer der ältesten Glasmanufakturen auf Murano war. Aber ich schwieg. Stammgäste im Caffè Florian kennen noch die Bedeutung des Wortes Diskretion.

Eilig schritt ich zum Ausgang und trat auf den Markusplatz, der ungewöhnlich leer war. Nur die Tauben ließen sich von dem leichten Nieselregen nicht verjagen. Inzwischen war ein kalter Wind aufgekommen, der mich bis auf die Knochen frieren ließ. Ich beeilte mich, so gut es in dem engen Rock und auf den hohen Schuhen eben möglich war, und ärgerte mich, dass ich den Mantel nicht mitgenommen hatte. Aber erstens hatte ich nicht mit diesem Kälteeinbruch Anfang Mai gerechnet, und außerdem passte der Mantel weder farblich noch von der Marke her zum Kostüm. Mit anderen Marken war ich nicht ganz so puristisch, aber wenn ich einen Prada-Tag einlegte, dann machte ich einfach keine Kompromisse, Punktum.

Es gibt nur eine einzige Stadt auf der Welt, in der ein Taxi das denkbar coolste Fortbewegungsmittel ist, und das ist Venedig. Die schnittigen Holzboote mit ihren meist ebenso coolen Fahrern adeln jeden Benutzer und lassen, sofern man einen Sinn für Stil und Eleganz hat, Erinnerungen an Grace Kelly und Cary Grant aufleben. Aber ein venezianisches Taxi ist nicht nur Kult, es ist auch das schnellste und bequemste Verkehrsmittel zum Flughafen. Die Fahrt durch die Lagune ist einfach der direkte Weg.

Leider ist es auch die teuerste Variante. Ich nahm daher die zweitschnellste: ein Vaporetto der Linie Zweiundfünfzig zur Piazzale Roma, auf dem ich im Fahrtwind stehen musste und erbärmlich fror, und von dort den Direktbus zu Venedigs Flughafen Marco Polo.

Maike und Jasmin erwarteten mich bereits.

»Mein Gott, warum kommst du nur immer auf den letzten Drücker?«, fragte Maike mit einem tadelnden Kopfschütteln.

Ich warf ihr ein entschuldigendes Kusshändchen zu, griff nach dem Trolley und verschwand in der Damentoilette. Dort galt es, in Windeseile das edle Kostüm aus Wolle und Seide auszuziehen, vorsichtig zusammenzulegen und im Trolley zu verstauen, ein Kleid aus Kunstfasern überzustreifen, den Reißverschluss im Rücken unter Verrenkungen zu schließen und ein Halstuch umzuknoten, das aus einem Grund, den niemand auch nur ansatzweise begreift, immer noch zur Uniform gehörte. Die farblich passende Jacke aus Kunstfasern war zwar genauso hässlich, wie sie billig war, kam mir in dem Moment aber gerade recht, weil sie etwas wärmte. Dann musste ich noch die Schuhe tauschen, denn mehr als sieben Zentimeter Absatzhöhe gehören laut Berufsgenossenschaft zu den vermeidbaren Gefährdungen am Arbeitsplatz. Im Laufschritt ging es wieder aus dem Waschraum heraus und mit Maike und Jasmin im Gleichschritt, mit wiegenden Hüften und hoch erhobenen Häuptern an den Touristen vorbei, durch die Halle, zur Sicherheitskontrolle und durch das noch geschlossene Gate zu unserem leeren Flieger, den wir für den Rückflug nach Deutschland übernahmen.

Die Cabin Crew war damit vollzählig an Bord.

Es folgten die üblichen Handgriffe vor dem Boarding, das freundliche Lächeln, mit dem die Gäste an Bord begrüßt werden, der prüfende Blick auf das, was in den folgenden fünfundsiebzig Minuten auf uns zukommen würde. Als endlich alle saßen, kam der erste Rundgang, Kontrollblick zum Sicherheitsgurt, die ersten anzüglichen Bemerkungen perlten an uns ab. Zwei Säuglinge an Bord, mindestens einer würde bald schreien. Wenige Reisende in Anzügen, die Mehrzahl in sogenannter Freizeitkleidung, die jeglichen Geschmack vermissen ließ. Seit selbst renommierte Fluggesellschaften Billigflüge verramschten, wurde es immer schwieriger, den Kegelclubs zu entkommen, die in Scharen den europäischen Luftraum bevölkerten.

Schon im Steigflug spürte ich dann das Kratzen im Hals, auf Reiseflughöhe war die Nase verstopft, und im Sinkflug zog und zwickte es in den Ohren. Gut, dass Bordapotheken vollständig ausgestattet sind: Schmerzmittel, Erkältungsmittel, Mittel gegen Fieber, Halspastillen, Nasenspray und eine Handvoll Vitaminbonbons schienen mir eine angemessene Reaktion auf den Beginn eines Infektes, der sich kaum zu einem unpassenderen Zeitpunkt hätte ankündigen können. Zur Sicherheit, um wirklich alles Menschenmögliche getan zu haben, warf ich noch zwei Allergietabletten ein. Einen Arzt ausrufen zu lassen, damit er mir das ebenfalls vorhandene Antibiotikum verschrieb, hielt ich dann doch für übertrieben.

Eine drastische Fehleinschätzung.

»Auf Wiedersehen und gute Heimfahrt. Auf Wiedersehen, gute Heimfahrt. Aufwiedersehen guteheimfahrtaufwiedersehenguteheimfahrtwiedersehen .« Endlich hatte auch der letzte Passagier sein Handgepäck zusammengesucht und das Flugzeug verlassen.

»Na, freust du dich denn schon auf das nächste Wochenende?«, fragte Jasmin, während wir in...

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