Mozarts letztes Requiem

Kriminalroman
 
 
Verlag Anton Pustet Salzburg
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. April 2020
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7025-8075-9 (ISBN)
 
Kann Musik töten?
Diese Frage steht im Zentrum einer Serie unerklärlicher Morde im winterlichen Salzburg. Nach dem Tod des Chefdirigenten der Salzburger Philharmoniker während der Aufführung von Mozarts Requiem in der Peterskirche nimmt Chefinspektor Nathan Stiller die Ermittlungen auf. Doch jedes Mal, wenn er einen Verdächtigen ins Visier genommen hat, verstirbt dieser, noch bevor er ihn überführen kann. Da können weder die wissenschaftlichen Analysen des Leiters der Gerichtsmedizin noch die bizarren Geistesblitze von Stillers Assistenten oder die profunde Quellenkenntnis einer Antiquarin weiterhelfen. Denn hinter der Mordserie steckt ein mysteriöses Todeswerk, das weniger einen kriminellen als einen künstlerischen Ursprung hat. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Kriminalfall aussieht, entwickelt sich zu einer packenden Geschichte über die Macht der Musik und über den Sinn von Leben und Tod.

> Nicht alles ist so, wie es scheint
> Hochspannung pur im Salzburg der Gegenwart
> für Musikinteressierte und Mozart-Fans
> sachlich fundiert
  • Deutsch
  • Österreich
978-3-7025-8075-9 (9783702580759)
weitere Ausgaben werden ermittelt

9


»Was gibt's da zu lachen, Inspektor Biba?«, fragte Stiller seinen Assistenten barsch, als dieser sich ihm mit einem breiten Grinsen anschloss, um mit ihm die Musiker in der Sakristei zu besuchen. Biba lächelte ihm verschmitzt zu. »Wussten Sie, Chef, dass ich mal als Oboist bei den Salzburger Musikanten gespielt habe? Da sind mir ein paar Musikerwitze in Erinnerung geblieben, die ganz zu unserem Fall passen würden, etwa .« »Ich will nichts hören«, schnitt ihm Stiller das Wort gleich ab. Zu spät. »Der Orchestermusiker über ein gelungenes Konzert: Der Dirigent leistete keinen nennenswerten Widerstand .« »Zum Totlachen, Biba, zum Totlachen .«, bemerkte der Chefinspektor sarkastisch und schritt forsch mit seinem vierbeinigen Begleiter zur Sakristeitür neben der Kunststeinstatue der Maria Säul im linken Seitenaltar des Querschiffes. Der Gruppeninspektor trottete eilfertig hinter ihm her. »Warten Sie, Chef, der da ist wirklich lustig«, wollte er schnell noch einen reißen. »Was ist das Idealgewicht eines Kapellmeisters?« Ohne sich umzudrehen, drohte Stiller in vollem Ernst: »Ich warne Sie: Noch so ein platter Jux, und Sie sind vom Dienst suspendiert - und das ist kein Witz, Herr Inspektor!« Biba senkte zerknirscht den Kopf. »Sorry, Chef, ich wollte nur die trübe Stimmung etwas aufheitern .«

In der Tat herrschte in der Sakristei eine gedrückte Atmosphäre, zusätzlich beschwert durch die bleierne Stille, die bei der Ankunft des Chefinspektors schlagartig eintrat. Die meisten Musiker warteten neben ihren Instrumenten oder noch mit ihren Noten in der Hand, ohne ein Wort miteinander zu wechseln. Vergeblich bemühte sich Stiller, mit ihnen ins Gespräch zu kommen; seine Fragen prallten jedoch gegen eine Mauer des Schweigens, die er, so entgegenkommend er sich auch zeigte, nicht zu durchbrechen vermochte. Als er nach einiger Zeit bereits ans Aufgeben dachte und die Sakristei verlassen wollte, um die Befragung im Beichtstuhl anzufangen, hörte er Gruppeninspektor Biba hinter sich: »Liebe Kollegen, ihr seid stiller als ein Gitarrist, dem man Noten vorgelegt hat .« Der Chefinspektor rollte mit den Augen. »Das hat mir gerade noch gefehlt!«, dachte er. Doch der unerschütterliche Frohsinn seines Assistenten schien wieder Leben in die stummen Musiker zu bringen. »Oder stiller als ein Bratschist, der in der vierten Lage spielen muss .«, fügte der Konzertmeister unter dem zögerlichen Lächeln seiner Kollegen hinzu. »Soso, wenn es darum geht, abgedroschene Witze über Bratschisten zu reißen, findet jeder sofort die Sprache wieder«, erwiderte ein anderer Orchestermusiker, der wohl der erste Bratschist sein musste, sichtlich pikiert. »Dabei kenne ich so viele andere Kollegen, die es genauso verdient hätten .« »Zum Beispiel Dirigenten«, griff Biba geschickt in das Gespräch wieder ein. »Man braucht nur an den Spruch des unvergessenen Celibidache zu denken: Ein Dirigent ist ein verkappter Diktator .« ». der sich glücklicherweise mit der Musik begnügt hat«, führte ein weiterer Geiger den Satz zu Ende. »Ich hatte die Ehre, Sergiu Celibidache als Dirigenten zu erleben, als ich bei den zweiten Geigen der Münchner Philharmoniker am Anfang meiner Karriere gespielt habe«, erklärte er. »Er war schon in seinem Dirigierstil durchaus streng, vor allem in den aufreibenden, unendlichen Proben, aber bei Weitem kein Wüterich wie Löwenstein .« »Ein Wüterich?«, hakte Stiller nach, einen für die Ermittlungen relevanten Punkt witternd. Die Musiker nickten schweigend. »Und das ist schon ein Euphemismus, Herr Chefinspektor«, sagte ein kleinwüchsiger Kontrabassist hinter seinem bereits in der Tasche verstauten Instrument hervor. »Wäre nicht der Respekt vor dem Verstorbenen, würde ich sogar sagen, es herrschte unter ihm seit seiner Ernennung zum Generaldirektor der Salzburger Philharmoniker der reine Terror .« »Ich glaube, er hat uns einfach nicht als Mitmenschen betrachtet, sondern nur als ein Mittel zum Zweck, das ihm bedingungslos ergeben gehorchen sollte«, versuchte eine junge Klarinettistin zu erklären. Und ein Kollege aus den zweiten Geigen pflichtete ihr bei: »Er selbst hat immer wieder behauptet, das Orchester sei bloß ein Instrument zur Vermittlung musikalischer Gedanken. Nicht die Interpreten, sagte er, sondern einzig und allein die Musik zähle .«

»War er heute anders als sonst?«, fragte Stiller, bevor das Gespräch in eine abstrakte Diskussion über den Sinn der Musik und des Musizierens abschweifen konnte. »Und wie!«, riefen einige Musiker fast synchron aus. »Zunächst erschien er bei der Generalprobe erstaunlich gut gelaunt, fast fröhlich, was bei ihm noch nie der Fall gewesen ist, und schon gar nicht kurz vor einem Konzert«, erzählte der Konzertmeister. »Im Laufe der Probe aber hat er uns dann regelrecht schikaniert: Bei jedem Takt hat er das Spiel fast schadenfroh unterbrochen und jedem einzelnen von uns vor allen anderen vorgehalten, die falschen Töne zu spielen - was natürlich nicht stimmte, denn letztendlich haben wir das Requiem von Mozart bei den Salzburger Philharmonikern so oft aufgeführt, dass jeder seinen Part mittlerweile in- und auswendig kann.« »Was ich da blase, hat er zu mir sogar gesagt, habe mit Mozart rein gar nichts zu tun«, zitierte ein Hornist, immer noch gekränkt. »Und dabei war er es selbst, der dann im Konzert alles falsch dirigiert hat«, fuhr der Konzertmeister fort. »Seine Schlagfiguren wurden während des Konzerts immer eigenwilliger, fast als ob er uns absichtlich in die Irre führen wollte.« »Völlig unberechenbar war er auf einmal«, ergänzte der erste Cellist. »Wie wenn Sie das Requiem von Mozart spielen müssen, und der Kapellmeister dirigiert das deutsche Requiem von Brahms, verstehen Sie?« Stiller nickte zustimmend, auch wenn er den Vergleich nicht ganz nachvollziehen konnte - den Namen Brahms hatte er wohl zum ersten Mal gehört. »Bei der Aufführung haben wir praktisch nur noch auf den Konzertmeister geschaut und seinen Schlag ignoriert, es ging nicht anders«, erklärte schließlich der erste Bratscher. »Natürlich wussten wir nicht, dass er so krank war .«, versuchte die Klarinettistin zu beschwichtigen. »Ja, im Nachhinein, wenn man die tragischen Umstände seines Ablebens sieht, erscheint sein Verhalten durchaus nachvollziehbar. Aber wir konnten es ja nicht ahnen .«, pflichtete ihr der Konzertmeister aufrichtig betrübt in der allgemeinen Stille bei.

Wieder versuchte Biba, die Stimmung nach einem Moment beklommenen Schweigens zu heben. »Na ja«, kommentierte er gelassen, »immerhin können wir jetzt schon sagen: Falls er ermordet wurde, dann dürfte hier wohl jeder ein Motiv gehabt haben .« Stiller schaute verblüfft zu seinem Assistenten. »Nein, nein, was denken Sie, wir haben ihn trotz allem für seine bedingungslose Hingabe an die Musik bewundert, sosehr wir auch darunter gelitten haben«, rechtfertigte sich der Konzertmeister. »Ohne ihn wären die Salzburger Philharmoniker nicht zu dem geworden, was sie jetzt sind: neben den Berlinern und den Wienern wohl eines der besten Orchester Europas«, ergänzte der erste Cellist mit einem gewissen Stolz. »Ich verstehe, aber vielleicht gibt es jemanden, gegen den er seinen Zorn mehr als gegen die anderen gerichtet hat .«, versuchte Stiller nachzuhaken. Die Köpfe der Musiker drehten sich fast synchron in Richtung des Chorpräfekten Samuel Libeskind, der etwas abseits unbeteiligt in seinem Mantel in einer Nische der Sakristei stand, seine dicke Mappe unter dem Arm, als brenne er darauf, endlich die Kirche verlassen zu dürfen. Das Gesicht des Chorleiters verfinsterte sich, bevor er sichtlich angespannt antwortete: »Was schaut ihr alle auf mich? Ich habe nichts zu sagen. Lasst mich in Ruhe.« »Vorher möchte ich Sie jedoch zu einem kurzen Gespräch unter vier Augen einladen, während der Inspektor Ihre Kollegen weiter befragt. Ich warte auf Sie im dritten Beichtstuhl, Herr Libeskind«, forderte Stiller den Chorleiter mit Nachdruck auf und verließ mit seinem Hund die Sakristei.

Gerade vor dem dritten Beichtstuhl wartete ich auf Stiller mit meinem Notizbuch in der Hand neben den nicht wenigen Personen, die sich eingefunden hatten, an dem ungewöhnlichen Ort als Zeugen das Gespräch mit dem Chefermittler zu suchen. »Könnte ich während der Vernehmung in der anderen Seitenkabine des Beichtstuhls Platz nehmen, Herr Stiller?«, fragte ich ihn unter vier Augen. Ich wusste nicht, wie stark sein Vertrauen zu mir war, doch einen Versuch war es wert. Immerhin hatte er mich früher schon das eine oder andere Mal in die Ermittlungen mit eingebunden, wenn es ihm nützlich erschienen war. »Sie wissen schon, der Kriminalroman .«, rechtfertigte ich mich. »Und wer weiß, ob sich unter den Zeugen auch unser Mörder befindet .« Er sah mich sichtlich widerwillig an, überlegte kurz und zeigte mit einem Kopfnicken auf die Schlange vor dem Beichtstuhl. »Denken Sie nicht, die Befragung so vieler Menschen würde Ihre...

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