Der Zauberhut

Ein Roman von der bizarren Scheibenwelt
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Juni 2015
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97223-9 (ISBN)
 
Die Scheibenwelt gerät in größte Gefahr, als der junge Münze, achter Sohn eines Magiers, den Vorsitz an der Unsichtbaren Universität an sich reißt. Der Zauberhut, magisches Relikt und Zierde des Erzkanzlers, muss vor dem neuen Herrscher in Sicherheit gebracht werden. Doch ausgerechnet der tolpatschige Rincewind wird für dieses Vorhaben auserwählt. Und gemeinsam mit der schönen Barbarenfriseuse Conina schlittert er in ein haarsträubendes Abenteuer.
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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,65 MB
978-3-492-97223-9 (9783492972239)
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Terry Pratchett, geboren 1948 in Beaconsfield, England, erfand in den Achtzigerjahren eine ungemein flache Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten und einer Riesenschildkröte ruht, und hatte damit einen schier unglaublichen Erfolg: Ein Prozent aller in Großbritannien verkauften Bücher sind Scheibenweltromane. Jeder achte Deutsche besitzt ein Pratchett-Buch. Bei Piper liegen der erste Scheibenweltroman »Die Farben der Magie«sowie die frühen Bände um Rincewind, Gevatter Tod, die Hexen und die Wachen vor - Meisterwerke, die unter den Fans einhellig als nach wie vor unerreicht gelten. Terry Pratchett erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den »World Fantasy Lifetime Achievement Award« 2010. Zuletzt lebte der Autor in einem Anwesen in Broad Chalke in der Grafschaft Wiltshire, wo er am 12. März 2015 verstarb.

Am Tag der Geringen Götter ging die Sonne wie ein schlecht pochiertes Ei auf. Silbrig und goldfarben schimmernder Dunst ruhte wie eine faserige Decke auf Ankh-Morpork - feucht, warm und stumm. Frühlingsdonner grollte über der weiten Ebene jenseits der Stadt. Es schien wärmer zu sein als für die Jahreszeit üblich.

Normalerweise schliefen Zauberer recht lange, aber an diesem Morgen standen sie schon früh auf und wanderten ziellos durch die Flure. Sie alle spürten die Veränderung.

Die Universität füllte sich mit Magie.

Natürlich war sie immer voller Magie, aber es handelte sich um einen alten, geruhsamen Zauber, so aufregend und gefährlich wie ein gefütterter Pantoffel. Jetzt sickerte eine neue Art von Magie durchs Gemäuer, scharf wie die Schneide eines Dolches, so fest und massiv wie Stahl, so strahlend und kalt wie Kometenfeuer. Sie filterte durch die Mauern und knisterte an Vorsprüngen, wie statische Elektrizität auf dem Nylonteppich der Schöpfung. Sie summte und zischte. Sie zupfte an Zaubererbärten und wehte als oktariner Dunst von Fingern, die seit mindestens drei Jahrzehnten nicht mehr vollbracht hatten, als blasses Licht zu beschwören. Wie können die Auswirkungen möglichst plastisch und stilvoll beschrieben werden? Den meisten Zauberern erging es wie einem Greis, der sich einer hübschen jungen Frau gegenübersieht und mit einer Mischung aus Grauen und Entzücken feststellt, dass sein Fleisch plötzlich ebenso willig ist wie der Geist.

Kreative Magie, flüsterte es in den Sälen und Fluren der Unsichtbaren Universität.

Einige Zauberer versuchten sich heimlich an Zauberformeln, die sie schon seit Jahren nicht mehr richtig beherrschten, und voller Erstaunen beobachteten sie, wie sich die erhofften Effekte einstellten. Zuerst wahrten sie noch eine gewisse Zurückhaltung, aber schon bald schöpften sie Zuversicht und Vertrauen in ihre neu gewonnenen Fähigkeiten. Mit fröhlichem Juchzen warfen sie grüne Feuerbälle, zogen lebende Tauben aus ihren Hüten oder schufen einen bunten Paillettenregen.

Kreative Magie! Ein oder zwei besonders würdevolle Zauberer, die in ihrem Leben nichts Schlimmeres getan hatten als lebende Austern zu verspeisen, machten sich unsichtbar und stellten den Dienstmädchen nach.

Kreative Magie! Einige der kühneren Magier versuchten sich an uralten Flugzaubern und flatterten ein wenig unbeholfen unter den Decken. Kreative Magie!

Nur der Bibliothekar nahm nicht an dem allgemeinen Durcheinander teil. Eine Zeit lang beobachtete er die magischen Possen, schürzte skeptisch die Lippen und wankte dann zur Bibliothek. Niemand hörte, dass er die Tür hinter sich verriegelte.

In den mit niedergeschriebener Zauberei gefüllten Zimmern herrschte angespannte Stille. Die Bücher zerrten nicht mehr an ihren Ketten. Sie hatten das Stadium panischer Angst hinter sich und die Ruhe demütigen Entsetzens erreicht, hockten wie gebannt in den Regalen und . warteten.

Ein langer, haariger Arm tastete nach oben und packte Kaspar Keiners Follschtändiges Leksikon der Magieh mit Richtliniehen für den Kluhgen, bevor der Band zur Seite springen konnte. Einige Sekunden lang streichelte er das Buch, um es zu beruhigen, schlug es dann unter K auf. Sanft glättete der Bibliothekar die zitternde Seite und strich mit einem hornigen Fingernagel über die verschiedenen Einträge, bis er die Stelle fand und las: Kreativer Magus, m. (mythisch). Ein Proto-Zauberer, eine Pforte, durch die neue Magieh in die Welt gelangen könnet; ein Zauberer, dessen Leistunksfähigkeit nicht von den phüsischen Bedingungen seines Körpers beschränkt wird und weder Tohd noch Schicksal zu fürchten brauchet. Es steht geschriebent, dass einst kreative Magier über eine noch junge Scheibenwelt wandelten, aber inzwischen gebet es glücklichermaßen keine mehr, denn kreative Magie ist nicht für den Mehnschen bestimmet, und ihre Rückkehr würde das Ände der Welt bedoiten . Wenn der Schöpfer bereit gewesen wäret, den Menschen mit Gotteskraft auszustatten, hätte er ihm Flügel verliehen. SIEHE AUCH: die Apokralypse, die Legende der Eisriesen und das Kaffeetrinken der Götter.

Der Bibliothekar las die Querverweise, blätterte zur ursprünglichen Seite zurück und betrachtete sie nachdenklich. Nach einer Weile stellte er das Buch vorsichtig ins Regal, kroch unter den Tisch und zog sich die Decke über den Kopf.

Unterdessen standen Spelzdinkel und Krempel auf dem Bardenbalkon des Großen Saals und beobachteten das Geschehen aus einer völlig anderen Perspektive.

So dicht nebeneinander wirkten sie fast wie die Zahl Zehn.

»Was geht hier vor?«, fragte Spelzdinkel. Er hatte eine schlaflose Nacht hinter sich, und es fiel ihm noch immer nicht leicht, klar zu denken.

»Magische Kraft strömt in die Universität«, erwiderte Krempel. »Eine direkte Konsequenz von kreativer Magie. Sie schaffte einen Kanal für pure okkulte Energie. Und ich meine echte Magie, nicht den abgenutzten Kram, den wir während der letzten Jahrhunderte benutzt haben. Wir erleben hier die Dämmerung einer neuen .«

»Einer, hm, neuen Dämmerung?«

»Genau. Es beginnt eine Zeit der Wunder, ein .«

»Ein neues Zeitalter? Ein annus mirabilis?«

Krempel runzelte die Stirn. »Ja«, bestätigte er schließlich. »Etwas in der Art, glaube ich. Du kannst wirklich gut mit Worten umgehen.«

»Danke, Bruder.«

Krempel achtete überhaupt nicht auf die Antwort, die alle Rangunterschiede unberücksichtigt ließ. Stattdessen lehnte er sich an die verzierte Brüstung und beobachtete das magische Chaos im Saal. Instinktiv tasteten seine Hände nach dem Tabaksbeutel - und verharrten, bevor sie ihn berührten. Der alte Zauberer lächelte und schnippte mit den Fingern. Eine brennende Zigarre erschien zwischen seinen Lippen.

»Dazu war ich schon seit Jahren nicht mehr in der Lage«, dachte er laut. »Große Veränderungen werfen ihr, äh, Licht voraus. Unsere Kollegen dort unten haben es noch nicht begriffen, aber dies ist das Ende von Kategorierungsebenen und -stufen. Wir mussten ein solches System schaffen, um die magischen Energien zu . zu rationalisieren. Jetzt stehen sie uns im Übermaß zur Verfügung.« Plötzlich fiel ihm etwas ein. »Wo ist der Junge?«

»Er schläft noch .«, begann Spelzdinkel.

»Ich bin hier«, sagte Münze.

Er stand im Tor, der zu den Unterkünften der Seniorzauberer führte, und in der rechten Hand hielt er den aus Oktiron bestehenden Stab, der ihn um mehr als einen Meter überragte. Dünne, netzartige Linien aus gelbem Feuer tanzten über das schwarze Metall. Es war so dunkel, dass der Zauberstab wie ein Riss im Gefüge der Welt wirkte.

Spelzdinkel spürte, wie sich der goldene Blick des Knaben in sein Bewusstsein brannte, alle Gedanken erfasste und sie an die Rückwand seines Schädels projizierte.

»Ah«, sagte er und versuchte, möglichst freundlich und onkelhaft zu sprechen. Es klang wie ein heiseres, raues Todesröcheln. Nach einem solchen Anfang konnte es nur noch schlimmer werden, und Spelzdinkel hörte seine Befürchtungen bestätigt, als er hinzufügte: »Wie ich sehe, bist du schon, hm, auf.«

»Mein lieber Junge«, intonierte Krempel.

Münze bedachte ihn mit einem kalten, durchdringenden Blick.

»Ich habe dich gestern Abend gesehen«, sagte er. »Kennst du alle Geheimnisse der Magie?«

»Nur einige«, erwiderte Krempel, der sofort begriff, worauf der Junge hinauswollte. Voller Unbehagen erinnerte er sich an Billias und Virrid Festschmaus. »Ich bin gewiss nicht annähernd so mächtig wie du.«

»Werde ich zum Erzkanzler ernannt, wie es meine Bestimmung ist?«

»Oh, natürlich«, versicherte Krempel. »Daran kann überhaupt kein Zweifel bestehen. Darf ich mir deinen Stab ansehen? Die Zeichen darauf bilden höchst interessante Muster .«

Er streckte eine fleischige Hand aus.

Und damit offenbarte er ein in jeder Hinsicht empörendes Verhalten. Normalerweise kam es keinem Zauberer in den Sinn, den Stab eines Kollegen ohne dessen ausdrückliche Genehmigung zu berühren. Aber es gibt eben Leute, die sich nicht dazu durchringen können, in Kindern vollwertige Menschen zu sehen, und aus diesem Grund glauben sie, man brauche ihnen gegenüber keine guten Manieren zu zeigen.

Krempels Finger schlossen sich um den schwarzen Zauberstab.

Es ertönte ein Geräusch, das Spelzdinkel nicht im eigentlichen Sinne hörte, sondern eher fühlte. Einen Augenblick später sauste Krempel von der Brüstung fort und prallte gegen die Wand. Es klang, als ließe jemand einen Sack Schweineschmalz fallen.

»Versuch nie wieder, meinen Stab anzufassen«, sagte Münze. Er drehte sich um und schaute durch den bleichen Spelzdinkel. »Hilf ihm auf. Wahrscheinlich ist er nicht schwer verletzt.«

Der Quästor eilte zur Mauer und beugte sich über Krempel, der asthmatisch keuchte. Seine Wangen glühten in einem sonderbaren Ton. Spelzdinkel klopfte ihm auf die Hand, bis er schließlich die Augen öffnete.

»Hast du gesehen, was geschehen ist?«, fragte Krempel.

»Ich bin mir nicht, hm, sicher«, hauchte der Quästor. »Was ist geschehen?«

»Das Ding hat mich gebissen.«

»Wenn du den Stab noch einmal berührst, wirst du sterben«, sagte Münze ruhig. »Ist das klar?«

Krempel hob vorsichtig den Kopf, aus Furcht, er könne ihm von den Schultern fallen.

»Völlig«, erwiderte er.

»Und jetzt möchte ich mir gern die...

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