Lords und Ladies

Ein Scheibenwelt-Roman
 
 
Manhattan (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. Mai 2013
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11276-9 (ISBN)
 
Ein Klassiker von Terry Pratchett in neuer Übersetzung und Gestaltung

Das kleine Königreich Lancre bereitet sich auf ein ganz besonderes Mittsommernachtsfest vor. Denn an diesem Tag soll die Hochzeit der jungen Hexe Magrat Knoblauch mit Verenz, dem König von Lancre, gefeiert werden. Doch dann ermöglicht das stümperhaft ausgeführte Ritual einer Gruppe von Nachwuchs-Hexen den boshaften Elfen ihren Übertritt in die Menschenwelt - dort wollen sie nichts weniger, als die Herrschaft an sich zu reißen. An der Seite von Oma Wetterwachs und Nanny Ogg läuft die von ihrer damenhaften Prinzessinnenrolle ohnehin ziemlich gelangweilte Magrat zu großer Form auf. Und der märchenhafte Mittsommernachtstraum wird etwas turbulenter als ursprünglich geplant .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,64 MB
978-3-641-11276-9 (9783641112769)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Terry Pratchett, geboren 1948, schrieb 1983 seinen ersten Scheibenwelt-Roman - ein großer Schritt auf seinem Weg, einer der erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und einer der populärsten Fantasy-Autoren der Welt zu werden. Von Pratchetts Romanen wurden weltweit 85 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 40 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur verlieh ihm Queen Elizabeth sogar die Ritterwürde. Terry Pratchett starb am 12.3.2015 im Alter von 66 Jahren.

In den Bergen und Wäldern von Lancre tummelte sich eine Vielzahl von Göttern, darunter auch Hern, der Gehetzte. Er war ein Gott der Hatz und der Jagd. Mehr oder weniger.

Die meisten Götter entstehen aus dem Glauben und der Hoffnung heraus. In Tierfellen tanzende Jäger erschaffen die Götter der Hatz, meist wilde, ungestüme Gesellen mit dem Feingefühl eines Tsunamis. Doch sie sind nicht die einzigen Jagdgötter. Auch die Beute besitzt ein okkultes Mitspracherecht, wenn das Herz klopft und die Jagdhunde bellen. Hern war der Gott der Gehetzten und Gejagten und all der kleinen Tiere, denen das Schicksal früher oder später ein von erschrockenem Quieken begleitetes unappetitliches Ende zugedacht hat.

Er maß ungefähr drei Fuß, hatte Kaninchenohren und winzige Hörner. Dass er zudem ein ganz ausgezeichneter Sprinter war, zeigte sich auch jetzt, als er mit affenartiger Geschwindigkeit durch den Wald raste und rief:

»Sie kommen! Sie kommen! Sie kommen alle wieder!«

»Wer kommt wieder?«, fragte Jason Ogg. Er hielt seinen Daumen in den Wassertrog.

Nanny Ogg seufzte.

»Sie«, sagte sie. »Du weißt schon. Die. Wir wissen es noch nicht genau, aber .«

»Und wer sind die?«

Nanny zögerte. Gewöhnliche Menschen mussten nicht alles erfahren. Andererseits war Jason Schmied, also alles andere als gewöhnlich. Schmiede mussten Geheimnisse wahren können. Und er gehörte zur Familie. Obwohl Nanny Ogg eine recht bewegte Jugend gehabt hatte und auch nicht besonders gut kopfrechnen konnte, war sie sich ziemlich sicher, dass er ihr Sohn war.

»Also.« Sie machte eine vage Handbewegung. »Die Steine, ja? . Die Tänzer, ja? . Also, früher, ja? . Es war einmal ein .«

Sie brach ab und unternahm einen zweiten Anlauf, um Jason zu erklären, dass die Wirklichkeit im Grunde fraktaler Natur ist.

»Mal sehen . manche Stellen sind dünner als andere, wo früher die alten Tore waren, also, eigentlich keine Tore, aber das habe ich selber nie ganz verstanden, also keine richtigen Tore, eher so was wie Stellen, wo die Welt dünner ist . Die Sache ist jedenfalls die: Die Tänzer . sind so was wie ein Zaun . wir, also, wenn ich wir sage, meine ich uns vor Tausenden von Jahren . Gut, aber sie sind nicht bloß irgendwelche Steine, sie bestehen aus so was wie Donnerkeileisen, aber . und dann gibt es noch so was wie die Gezeiten, bloß nicht aus Wasser, immer dann, wenn die Welten sich so nahe kommen, dass man fast rüberwechseln kann . oder so. Wenn Leute sich bei den Steinen aufhalten und dummes Zeug anstellen . dann kommen sie wieder zurück, wenn wir nicht aufpassen.«

»Und wer sind die

»Das ist ja gerade das Problem«, antwortete Nanny verzagt. »Wenn ich es dir sage, verstehst du es falsch. Sie leben auf der anderen Seite der Tänzer.«

Ihr Sohn starrte sie an. Dann huschte der leise Schatten des Verstehens über sein Gesicht.

»Ach so«, sagte er. »Schon kapiert. Das hab ich mal gehört, dass die Zauberer unten in Ankh immer Löcher in ihren Teppich der Realität reißen, und dann kommen die grauslichsten Gestalten aus den Kerkerdimensionen. Riesige Ungetüme mit Dutzenden von Augäpfeln und mehr Beinen als eine ganze Moriskentanzgruppe.« Er packte seinen Hammer Nr. 5. »Keine Bange, Mama. Wenn die sich hier blicken lassen, zeig ich's ihnen.«

»Nein, es ist ganz anders«, sagte Nanny. »Die da leben draußen. Aber die hier leben . drüben

Jetzt verstand Jason gar nichts mehr.

Nanny zuckte mit den Schultern. Früher oder später musste sie es sowieso jemandem sagen.

»Die Herrschaften«, erklärte sie.

»Und wer sind die?«

Nanny blickte sich um. Immerhin befanden sie sich in einer Schmiede. Hier hatte es schon eine Schmiede gegeben, als an das Schloss noch lange nicht zu denken war. Als es noch nicht mal ein Königreich gab. An allen Wänden hingen Hufeisen. Das Eisen war bis in die Mauern gedrungen. Die Schmiede war ein Ort, wo Eisen verglühte und in neuer Gestalt wiedererstand. Wenn sie das Wort hier nicht aussprechen konnte, wo dann?

Sie wagte es trotzdem nicht.

»Du weißt schon«, sagte sie. »Die Schönen. Die hohen Damen und Herren. Die Leuchtenden. Das Sternenvolk. Du weißt schon.«

»Hä?«

Nanny legte vorsichtshalber die Hand auf den Amboss, erst dann sprach sie es aus.

Jasons gerunzelte Stirn glättete sich, ungefähr mit derselben Geschwindigkeit, mit der die Sonne aufgeht.

»Die?«, sagte er. »Aber sind die denn nicht nett und .?«

»Siehst du?«, gab Nanny zurück. »Ich hab's ja gleich gewusst, dass du es falsch verstehen würdest.«

»Wie viel?«, fragte Ridcully.

Der Kutscher zuckte mit den Schultern. »Billiger wird's nicht.«

»Es tut mir leid, Erzkanzler«, sagte Ponder Stibbons. »Aber das ist die einzige verfügbare Kutsche.«

»Fünfzig Dollar pro Person? Das ist ja der reinste Straßenraub, und das auch noch am helllichten Tag!«

»Nein«, erklärte der Kutscher geduldig. »Unter Straßenräuberei am helllichten Tag«, fuhr er, aus dem Schatz langjähriger Erfahrung schöpfend, fort, »verstehen wir, wenn jemand vor uns aus dem Gebüsch springt, uns mit Pfeil und Bogen in Schach hält, bis seine Kumpane sich aus den Bäumen und von den Felsen heruntergeschwungen haben, und uns um die gesamte Barschaft sowie alle sonstigen Habseligkeiten erleichtert. Es gibt natürlich auch noch den nächtlichen Straßenraub. Er läuft genauso ab wie der am helllichten Tag, mit dem einzigen Unterschied, dass die Räuber die Kutsche in Brand stecken, damit sie bei der Arbeit besser sehen können. Der Straßenraub in der Dämmerung dagegen, ja, der .«

»Soll das etwa heißen, dass das Ausgeraubtwerden im Preis inbegriffen ist?«, fragte Ridcully.

»Einheitspreis der Räubergilde«, antwortete der Kutscher. »Vierzig Dollar. Prokopfpauschale.«

»Und wenn man nicht zahlt?«, fragte Ridcully.

»Ohnekopfpauschale.«

Die Zauberer berieten sich.

»Wir haben hundertfünfzig Dollar«, knurrte Ridcully. »Aus dem Tresor kriegen wir nichts mehr raus, weil der Quästor gestern den Schlüssel gegessen hat.«

»Ich hätte da eine Idee, Erzkanzler«, sagte Ponder.

»Nur zu.«

Der Leser unsichtbarer Schriften lächelte den Kutscher freundlich an. »Haustiere werden doch sicher umsonst befördert, nicht wahr?«

»Uuuk?«

Nanny Oggs Besen zischte im Tiefflug über die Waldwege. Er schoss so rasant um die Kurven, dass ihre Stiefel über den Boden schrammten. Als sie vor Oma Wetterwachs' Haus einfach absprang und vor lauter Eile vergaß, ihn auszuschalten, hatte er noch so viel Tempo drauf, dass er weiterraste und sich in die Wand des Plumpsklos bohrte.

Die Tür stand offen.

»Huhu?«

Nanny warf einen Blick in die Spülküche, dann polterte sie die enge kleine Treppe hinauf.

Oma Wetterwachs lag stocksteif im Bett. Ihr Gesicht war grau, ihre Haut kalt.

Nachdem man sie schon des Öfteren so aufgefunden hatte, war sie, um etwaigen Besuchern eine peinliche Überraschung zu ersparen, mittlerweile tollkühn dazu übergegangen, immer ein selbstgemaltes Schild in den starren Händen zu halten, auf dem stand:

BIN NICH TODT.

Das Fenster war mit einem Stück Holz festgekeilt, damit es nicht zufallen konnte.

»Aha«, sagte Nanny, mehr zu sich selbst als zu sonst wem, »du bist unterwegs. Dann, dann, dann setze ich, während ich auf dich warte, schon mal das Teewasser auf, ja?«

Esmes Geschicklichkeit in der Kunst des Borgens machte sie nervös. Sicher war es eine feine Sache, in den Verstand von Tieren und dergleichen eindringen zu können, aber viel zu viele Hexen fanden danach nie wieder zurück. Nanny hatte jahrelang für eine Blaumeise Schmalz und Speckschwarten auf die Fensterbank gelegt, weil sie davon überzeugt war, dass es sich bei dem Vogel um Oma Postulat handelte, die eines Tages beim Borgen spurlos verloren gegangen war. Nanny fand das gruselig. Und als Hexe konnte einen sonst nichts so leicht gruseln.

Sie ging runter in die Spülküche, holte mit dem Eimer Wasser aus dem Brunnen und dachte diesmal sogar daran, die Kaulquappen herauszufischen, bevor sie den Kessel aufs Feuer stellte.

Dann spähte sie in den Garten hinaus.

Nach einer Weile flatterte etwas über die Beete hinweg und steuerte das offene Fenster im ersten Stock an.

Nanny goss schon mal den Tee ein. Vorsichtig entnahm sie dem Zuckertopf ein Löffelchen Zucker, kippte den Rest in ihre Tasse, gab das Löffelchen zurück in den Topf, stellte die beiden Tassen auf ein Tablett und trug es nach oben.

Oma Wetterwachs saß kerzengerade im Bett.

Nanny blickte sich um.

An einem Deckenbalken hing eine große Fledermaus.

Oma Wetterwachs rubbelte sich die Ohren.

»Schiebst du mal den Topf drunter, Gytha?«, murmelte sie. »Die Viecher lassen gerne mal alles unter sich und machen Flecken auf den Teppich.«

Nanny beförderte das unaussprechliche Nachtgeschirr unter dem Bett hervor und schob es mit dem Fuß auf den Läufer.

»Ich bring dir ein...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

8,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen