Die Lange Erde

Lange Erde 1 - Roman
 
 
Manhattan (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Oktober 2013
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10228-9 (ISBN)
 
Ein Aufbruch zu neuen Welten: Die große neue Serie!

Ein kleiner angekokelter Plastikkasten, ein paar angelötete Drähte, ein Schalter, eine Kartoffel . Als die Polizistin Monica Jansson im Jahr 2015 in den verkohlten Ruinen eines Hauses auf diese eher zweifelhafte Apparatur stößt, ahnt sie nicht, dass der Prototyp einer bahnbrechenden Erfindung vor ihr steht. Einer Erfindung, die die Geschichte der Menschheit für immer verändern wird. Denn der kleine Kasten ist ein Wechsler, mit dem es von nun an jedem möglich sein wird, mit einem kleinen Schritt in die »Lange Erde« hinauszutreten: eine unendliche Abfolge von parallelen Welten, der unseren mehr oder weniger ähnlich und von Menschen unbewohnt. Schon bald setzt auf der alten Erde ein wilder Goldrausch ein. Denn die Lange Erde birgt unendliche Möglichkeiten - und unendliche Gefahren .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 1,16 MB
978-3-641-10228-9 (9783641102289)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Terry Pratchett, geboren 1948, schrieb 1983 seinen ersten Scheibenwelt-Roman - ein großer Schritt auf seinem Weg, einer der erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und einer der populärsten Fantasy-Autoren der Welt zu werden. Von Pratchetts Romanen wurden weltweit 85 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 40 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur verlieh ihm Queen Elizabeth sogar die Ritterwürde. Terry Pratchett starb am 12.3.2015 im Alter von 66 Jahren.

1

Auf einer Waldlichtung:

Als Schütze Percy erwachte, zwitscherten Vögel. Vogelgezwitscher hatte er lange nicht mehr gehört, dafür sorgten schon die Kanonen. Eine Zeit lang blieb er einfach liegen und genoss die köstliche Ruhe.

Andererseits wunderte er sich ein wenig benommen darüber, warum er in feuchtem, aber würzig duftendem Gras und nicht auf seinem Bettzeug lag. Ah, wie herrlich - duftendes Gras! Dort, wo er eben noch gewesen war, hatte es nicht besonders gut geduftet. Er war eher an den Geruch von Kordit, heißem Öl, verbranntem Fleisch und den Gestank ungewaschener Männer gewöhnt.

Er fragte sich, ob er tot war. Schließlich war es ein mörderisches Bombardement gewesen.

Falls er wirklich tot war, dann ging das hier nach der Hölle aus Lärm und Schreien und Schlamm, die er verlassen hatte, durchaus als Himmel durch. Und wenn es nicht der Himmel war, würde ihm sein Sergeant ohnehin gleich die Hölle heißmachen. Er würde Percy hochreißen, kurz inspizieren und dann sofort zur Verpflegungsstelle schicken, damit er sich einen Tee und ein belegtes Brot geben ließ. Aber weit und breit war kein Sergeant zu sehen, und bis auf das Zwitschern der Vögel in den Bäumen war auch nichts zu hören.

Als die Morgendämmerung den Himmel langsam heller werden ließ, fragte er sich: »Was für Bäume?«

Da Schütze Percy ein praktisch veranlagter und vernünftiger junger Mann war, beschloss er, sich in diesem Traum keine Sorgen wegen irgendwelcher Bäume zu machen. Bäume hatten noch nie versucht, ihn umzubringen. Er legte sich wieder auf den Rücken und musste wohl ein wenig eingenickt sein, denn als er die Augen wieder aufschlug, war es helllichter Tag. Er hatte Durst.

Tageslicht - aber wo? Na ja, wahrscheinlich in Frankreich. Es musste Frankreich sein. Percy konnte von der Granate, die ihn ausgeknipst hatte, nicht sehr weit weggeschleudert worden sein. Es musste sich immer noch um Frankreich handeln, aber er lag mitten im Wald, wo überhaupt kein Wald sein durfte. Außerdem fehlten die üblichen Frankreichgeräusche, also das Donnern der Geschütze und das Schreien der Männer.

Die ganze Sache war ihm schlichtweg ein Rätsel. Außerdem war er halb am Verdursten.

Also packte er inmitten dieser ätherischen, von Vögeln heimgesuchten Stille alle seine Sorgen in das, was von seinem alten Tornister noch übrig war, und dachte sich, dass in dem Lied vom Tornister und den Sorgen wohl ein wahrer Kern steckte: Warum sollte man sich groß Sorgen machen? Es war tatsächlich alles sinnlos, jedenfalls spätestens dann, wenn man mit ansehen musste, wie sich links und rechts von einem Männer in nichts auflösten wie Tau am Morgen.

Aber als er sich erhob, spürte er das vertraute Ziehen im linken Bein bis in den Knochen hinein. Es war das Überbleibsel einer Wunde, die nicht ausgereicht hatte, um ihn nach Hause zu schicken, ihm aber wenigstens zu einer Versetzung zu den Jungs von der Tarnung und zu einem verbeulten Farbenkasten im Tornister verholfen hatte. Wenn sein Bein immer noch wehtat, dann war das hier kein Traum! Aber er befand sich nicht mehr dort, wo er zuvor gewesen war, so viel war sicher.

Als er so zwischen den Bäumen hindurchging, dorthin, wo weniger Bäume zu stehen schienen als überall sonst, schoss ihm ein flirrender, eiskalter Gedanke durch den Kopf: Warum haben wir gesungen? Sind wir verrückt gewesen? Was zum Teufel haben wir uns eigentlich dabei gedacht? Überall lagen Arme und Beine herum, verwandelten sich Männer in einen Nebel aus Fleisch und Knochen! Und wir haben gesungen!

Was sind wir doch für elende, hirnverbrannte Idioten gewesen!

Eine halbe Stunde später ging Schütze Percy einen Hügel hinab zu einem Bach in einer flachen Senke. Das Wasser schmeckte ein bisschen brackig, aber in seinem Zustand hätte er auch aus einem Pferdetrog getrunken, und zwar direkt neben dem Pferd.

Er folgte dem Bach, bis er in einen Fluss mündete, keinen sehr breiten Fluss, aber Schütze Percy war ein Junge vom Lande und wusste, dass es am Flussufer Krebse gab. Eine halbe Stunde später kochten besagte Flusskrebse fröhlich vor sich hin. Die Viecher waren größer als alle Flusskrebse, die er je gesehen hatte! Und es gab unglaublich viele davon! Und wie saftig sie waren! Er schlemmte, bis ihm der Bauch wehtat, drehte seinen Fang an einem grünen Stock über einem eilig entfachten Feuer und riss die Krebse mit bloßen Händen auseinander. Vielleicht bin ich wirklich tot, dachte er jetzt, und längst im Himmel. Eigentlich hätte ich überhaupt nichts dagegen, denn von der Hölle habe ich, weiß Gott, schon mehr als genug gesehen.

Am Abend lag er auf einer Lichtung am Fluss, den Kopf auf seinen Tornister gebettet. Als die Sterne aufgingen und heller als je zuvor am Himmel glänzten, fing Percy zu singen an, das Lied vom Tornister und den Sorgen: »Pack Up Your Troubles In Your Old Kit Bag.« Noch ehe er zu Ende gesungen hatte, verstummte er und schlief den Schlaf der Gerechten.

Als ihm die Sonne wieder übers Gesicht strich, erwachte Percy erholt, setzte sich auf - und erstarrte vor Schreck. Angesichts der Blicke, mit denen er ruhig und gelassen gemustert wurde, blieb er stocksteif wie eine Statue sitzen. Vor ihm aufgereiht hockte ein ganzes Dutzend dieser Kerle und betrachtete ihn.

Wer waren sie? Was waren sie? Sie sahen ein bisschen wie Bären aus, aber sie hatten keine Bärengesichter, oder auch ein bisschen wie Affen, nur dicker. Und sie betrachteten ihn in aller Seelenruhe. Das waren doch bestimmt keine Franzosen?

Trotzdem probierte er es mit seinem Französisch: »Parlee wulle wuu?«

Sie sahen ihn verständnislos an.

In die Stille hinein räusperte sich Percy, weil er das Gefühl hatte, dass etwas mehr von ihm erwartet wurde, und stimmte abermals sein »Pack Up Your Troubles« an.

Die Kerle lauschten verzückt, bis das Lied zu Ende war. Dann sahen sie einander an. Schließlich, als hätten sie sich darüber verständigt, trat einer von ihnen vor und sang Percy das Lied seinerseits formvollendet und fehlerlos vor.

Schütze Percy hörte ihm mit vor Staunen offenem Mund zu.

*

Ein Jahrhundert später:

Die Prärie war flach und üppig grün, hier und da stand ein Eichenwäldchen. Der Himmel darüber war geradezu sprichwörtlich blau. Am Horizont bewegte sich etwas, wie ein Wolkenschatten: eine gewaltige, dahinziehende Tierherde.

Eine Art Seufzen war zu hören, ein Ausatmen. Ein Beobachter, der nahe genug gewesen wäre, hätte womöglich einen Windhauch auf der Haut gespürt.

Im Gras lag eine Frau.

Sie hieß Maria Valienté. Sie trug ihren rosa Angoralieblingspullover. Sie war erst fünfzehn, aber sie war schwanger, und das Kind konnte jeden Moment kommen. Die Wehen hatten ihren mageren Körper fest im Griff. Noch vor einem Augenblick hatte sie nicht gewusst, ob sie mehr Angst vor der Geburt oder vor dem Zorn Schwester Stephanies haben sollte, die ihr das Affenarmband weggenommen hatte - das einzige Andenken, das Maria von ihrer Mutter besaß -, weil es angeblich ein Zeichen der Sünde war.

Und jetzt das. Freier Himmel, wo eigentlich eine nikotinfleckige Stuckdecke hätte sein müssen. Gras und Bäume, wo gerade noch ein abgetretener Teppich gewesen war. Alles war falsch. Wo war dieses Hier? War sie überhaupt noch in Madison? Wie war es überhaupt möglich, dass sie hier war?

Aber diese Fragen spielten momentan keine Rolle. Die Schmerzen hatten sie wieder gepackt, und sie spürte, dass das Baby kam. Hier war niemand, der ihr helfen konnte, nicht einmal Schwester Stephanie. Sie schloss die Augen und schrie. Und presste.

Das Baby purzelte ins Gras. Maria wusste, dass sie noch auf die Nachgeburt warten musste. Als das erledigt war, spürte sie eine klebrige Wärme zwischen den Beinen, und da lag ein Baby, das mit einem schleimigen, blutigen Film überzogen war. Es - er - machte den Mund auf und stieß ein leises Wimmern aus.

Aus der Ferne ertönte etwas wie grollender Donner. Ein tiefes Brüllen, wie man es sonst nur im Zoo hörte. Wie von einem Löwen.

Einem Löwen? Maria schrie wieder, diesmal vor Angst .

Der Schrei brach abrupt ab, wie ausgeschaltet. Maria war verschwunden. Der Neugeborene war allein.

Ganz allein - bis auf das Universum. Das auf ihn einströmte und mit unendlich vielen Stimmen auf ihn einredete. Und dahinter eine unermessliche Stille.

Sein ängstliches Geschrei wurde zu einem sanften Gurgeln. Die Stille war beruhigend.

Eine Art Seufzen war zu vernehmen, wie ein Ausatmen. Maria befand sich wieder im Grünen, unter dem blauen Himmel. Sie setzte sich auf und schaute sich ängstlich um. Ihr Gesicht war grau; sie verlor viel Blut. Aber ihr Baby war hier.

Sie sammelte das Baby und die Nachgeburt ein - sie hatte noch nicht einmal die Nabelschnur durchtrennt -, wickelte den Kleinen in ihren Angorapullover und wiegte ihn in den Armen. Sein Gesichtchen sah eigenartig friedlich aus. Sie hatte gedacht, sie hätte ihn verloren. »Joshua«, sagte sie. »Dein Name ist Joshua Valienté.«

Ein leises Plopp, und weg waren sie.

Auf der grasbewachsenen Ebene blieb lediglich ein schleimiger Fleck aus halb getrocknetem Blut und anderen Körperflüssigkeiten zurück, und natürlich das Gras und der Himmel. Aber der Blutgeruch würde schon bald Aufmerksamkeit auf...

"In dieser äußerst anregenden Zusammenarbeit haben Pratchett und Baxter eine unendliche Anzahl von Welten erschaffen, die es zu entdecken gilt - was für eine faszinierende Vorstellung!"
 
"Eine wunderbare, äußerst fantasievolle Geschichte, voller Einfallsreichtum, Humor und mit einigen sehr, sehr klugen Gedanken."
 
"Klassische Science Fiction mit einer Prise Pratchett-Humor."
 
"Für Terry Pratchett-Fans ist dieser Roman unbedingt zu empfehlen."
 
"Ein gelungenes Science-Fiction-Märchen."
 
"Der Auftakt zu einem Mammutwerk."
 
"Abgedreht, aber einfach köstlich."
 
"Der skurrile Prolog einer Saga, die richtig groß werden könnte."

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