Wir sind viele

Eine Anklage gegen den Finanzkapitalismus
 
 
Süddeutsche Zeitung (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Oktober 2011
  • |
  • 48 Seiten
 
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978-3-86497-010-8 (ISBN)
 
Die Occupy-Bewegung ist die Spitze einer Befreiungsbewegung. Sie besetzt nicht nur Straßen und Plätze, sondern sie versucht, Politik und Gesellschaft vom aggressiven Finanzkapitalismus zu befreien. In den USA gehen Polizeikräfte massiv gegen die Protestierer vor ... weil sie angeblich den wirtschaftlichen Betrieb stören. In Paris, in Berlin und Rom gibt es diese angeblichen Störer auch. Sie gehen auf die Straße, nicht weil sie Distanz zur Politik suchen, sondern weil sie die Politik verändern wollen: Politik soll wieder dem Menschen dienen, nicht der Wirtschaft. Die Protestierer sind zornig, aber das schadet nicht. Mit zornigen Fragen beginnt die Veränderung.
2011
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 0,13 MB
978-3-86497-010-8 (9783864970108)
3864970105 (3864970105)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Der Autor Heribert Prantl, geboren 1953 in Nittenau/Oberpfalz, studierte Rechtwissenschaftund Geschichte. Nach seiner journalistischen Ausbildung war er als Richter und Staatsanwalt an verschiedenen bayerischen Amts- und Landgerichten tätig. Seit 1987 arbeitet er als politischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung, ab 1995 leitete er dort das Ressort Innenpolitik. Er wurde unter anderem mit dem Geschwister-Schol-Preis (1994) und dem Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik (1996) ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein Band 'Helmut Kohl - Geld und Macht' (2000).
1 - INHALT [Seite 7]
2 - Legion ist ihr Name, denn ihrer sind viele [Seite 8]
2.1 - Die Sinngebung des Sinnlosen [Seite 9]
2.2 - Die Stärke Europas [Seite 10]
2.3 - Wider die Gleichgültigkeit [Seite 11]
2.4 - Die Speichen des Vertrauens [Seite 12]
2.5 - Die Dirigenten des Geldmarkts [Seite 13]
2.6 - Eine Satansmühle [Seite 14]
2.7 - Der Staat als nützlicher Idiot [Seite 15]
2.8 - Zynismus und Frevelei [Seite 17]
2.9 - Lebensdienlichkeit der Wirtschaft [Seite 18]
2.10 - Heimat Europa [Seite 19]
2.11 - Bürgerinnen und Bürger, nicht Euronen [Seite 20]
2.12 - Rebellion mit Grund [Seite 21]
2.13 - Alte und neue Gerechtigkeitsrisiken [Seite 23]
2.14 - Demokratie in der Kiste [Seite 25]
2.15 - Wie ein kluger Sozialstaat aussieht [Seite 26]
2.16 - Bebels Utopie [Seite 27]
3 - Gott liebt die Zornigen [Seite 30]
3.1 - Die Vergöttlichung [Seite 31]
3.2 - Die Vergöttlichung der Armut [Seite 31]
3.3 - Das Occupy- Evangelium [Seite 32]
3.4 - Der geheilte Besessene [Seite 33]
3.5 - Schickt Exorzisten zu den Analysten [Seite 34]
3.6 - Ein Wüterich verliert den Kopf ... [Seite 36]
3.7 - ... der Zornige bewahrt sich den Verstand [Seite 36]
3.8 - Gott ist Dialektiker [Seite 37]
3.9 - Wenn die Deutschen zornig werden [Seite 38]
3.10 - Wider ein korruptes System [Seite 40]
3.11 - Das innere Feuer [Seite 42]
3.12 - Der Gott im Kabarettisten [Seite 43]
3.13 - Ein Volk befreiter Sklaven [Seite 44]
3.14 - Die Befreiung der Elenden [Seite 45]
3.15 - Fragen an ein Irrenhaus [Seite 47]

KAPITEL 1
Legion ist ihr Name, denn ihrer sind viele
(S. 7-8)

Die Menschen gehen nicht auf Distanz zur Politik – sie gehen auf die Straße, sie besetzen Plätze; das ist keine Distanz, das ist etwas anderes. Sie entfernen sich nicht von der Politik, sondern versuchen, sie zu beeinflussen. Legion ist ihr Name, denn ihrer sind viele. Vordergründig ist die Protestbewegung gegen Banken, Finanzmärkte und Sozialabbau eine negative Bewegung, weil sie nur abzulehnen scheint. Doch durch das „Nein“ hindurch schimmert mehr: die Suche nach Positivem, nach Perspektiven, nach anderen Leitlinien der Politik. Die weltweiten Proteste fordern von ihren Regierungen, in einer globalisierten Welt für ein gewisses Maß an ökonomischem Anstand zu sorgen. Das ist nicht unbillig, das gehört zum inneren Frieden. Und die Sorge darum gehört zu den Grundaufgaben der Staaten und der Europäischen Union.

Vor vierzig, vor fünfzig Jahren stand Europa für Hoff nung und eine grenzenlose Zukunft, heute steht es für Zukunftsängste und grenzenlose Unsicherheit. Auch diese Unsicherheit spiegelt sich wider in den Demonstrationen. Auf den Straßen und Plätzen von Berlin, Rom und Paris sammelt sich aber nicht nur der Protest gegen den Finanzkapitalismus und seine echten und angeblichen Handlanger. Hier konstituiert sich die europäische Öff entlichkeit. Es ist dies der zweite Akt der Konstituierung: Der erste hat 2003 stattgefunden, bei den Massendemonstrationen gegen den Irak- Krieg der USA. Damals ging es um die Grundfragen der Außenpolitik in Europa. Jetzt geht es um die Grundfragen der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik.

Diese europäische Öff entlichkeit hat keine goldenen Füllfederhalter dabei, um eine Charta oder eine europäische Verfassung zu unterschreiben; sie trägt stattdessen Plakate und Transparente; manchmal hängt sie sich Masken vors Gesicht. Diese Öff entlichkeit gibt keine diplomatischen Erklärungen ab; sie ruft stattdessen ihre Parolen. Sie spricht nicht die gleiche Sprache; aber sie braucht keine Übersetzer, denn ihre Botschaft ist überall ähnlich. Sie wehrt sich gegen die radikale Ökonomisierung der Politik und des öff entlichen Lebens. Sie artikuliert Unbehagen und Angst vor einem Raubtierkapitalismus, der Arbeitsplätze auff risst und die Gesellschaft zerreißt. Sie misstraut dem Staat und seinen Milliardenrettungsschirmen für die Banken und seinen Billionenhebeln für den Euro. Das europäische Betriebssystem ist aber nicht der Euro, sondern die Demokratie.

Die europäischen Nationalstaaten haben ihre Fasson verloren, aber die Europäische Union hat sie nicht gewonnen. Diese EU gewinnt an Größe, aber nicht an Stärke. Die sozialstaatlichen Ordnungen zerbrechen, und die EU gibt sich hilfl os. Sie gründet sich, allem anderen Gerede zum Trotz, nicht auf drei Säulen, sondern nur auf eine einzige: die Wirtschafts- und Währungsunion. Die politische Union ist fern, die Sozialunion noch ferner. Wenn aber Europa eine Zukunft haben soll, dann als solidarisches und demokratisches Reformprojekt, das den Menschen den Glauben an die politischen Gestaltungskräfte und die Hoff nung auf soziale Grundsicherung zurückgibt.

„Ich war Europas letzte Chance“ – so hat Adolf Hitler vor seinem Ende im Bunker gesagt. Es war eine dämonische „Chance“. Hitler hat auch das noch zerschlagen und zerstört, was vom alten Europa nach dem Ersten Weltkrieg noch übrig geblieben war,...

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