Leadership

Lehren, die mich durchs Leben führten
 
 
Hoffmann & Campe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. März 2013
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-455-85063-5 (ISBN)
 
Der einstige Außenminister der USA erzählt aus seinem bewegten Leben und verknüpft seine Erlebnisse mit der Frage: Was habe ich aus diesen Erfahrungen gelernt? Ein warmherziges, humorvolles, manchmal auch unbequemes Buch, das dem Leser zahllose Anregungen bietet, seine Führungsqualitäten und seinen Umgang mit Menschen auf neue Fundamente zu stellen.

Was sind die Geheimnisse der Kunst, zu führen? Was bedeutet es, Verantwortung zu tragen? Welche Rolle spielt der gegenseitige Respekt im Miteinander? Welche Rechte und Pflichten gelten im Commitment? Wie geht man mit Fehlern um - auch den eigenen? Wie schafft man eine produktive Atmosphäre? Colin Powell gibt Regeln und Ratschläge, die davon handeln, was jeder beherzigen sollte, um zu einem effizienten, erfolgreichen, aber eben auch menschlichen, fairen Zusammenarbeiten und Zusammenleben beizutragen.
  • Deutsch
  • Hamburg
  • |
  • Deutschland
  • 2,12 MB
978-3-455-85063-5 (9783455850635)
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I Die Regeln


Meine dreizehn Regeln


Präsident George H. W. Bush wurde am 20. Januar 1989 als Nachfolger von Präsident Ronald Reagan in sein Amt eingeführt. In dem Moment, als er seinen Eid ablegte, war ich nicht länger Nationaler Sicherheitsberater, und die Fackel wurde weitergereicht an meinen langjährigen Kollegen und Mentor, General Brent Scowcroft.

Nachdem ich das Weiße Haus verlassen hatte, kehrte ich in die Army zurück. Im April wurde ich zum Viersternegeneral befördert und zum Befehlshaber des Forces Command (FORSCOM) – Streitkräftekommandos – der US-Army ernannt, dessen Hauptquartier sich in Fort McPherson, Georgia, direkt vor den Toren Atlantas befindet. Ich hatte Befehlsgewalt über sämtliche einsatzfähigen Streitkräfte der Army in den Vereinigten Staaten, und ich beaufsichtigte die Ausbildung der Army National Guard (Nationalgardeabteilung des US-Heeres). Ich war der erste schwarze Army-Offizier, der ein Viersternetruppenkommando innehatte.

Kurz nachdem ich zu FORSCOM gekommen war, wollte die Zeitschrift Parade, eine bekannte Sonntagsbeilage mit über fünfzig Millionen Lesern, eine Titelgeschichte über mich und meine neue Position bringen – einen jener kurzen persönlichen Beiträge für Amerikaner, die ihre Sonntagszeitungen beim Kaffee lesen. Da der Artikel schon lange vor dem Verteilungstermin, dem 13. August, fertig und die Beilage auch schon gedruckt war, konnte Parade nicht wissen, dass Präsident Bush mich genau drei Tage vor Erscheinen meines Beitrags zum nächsten Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs ernennen würde. Der Artikel wurde also derart »passend« veröffentlicht, dass ich nicht alle davon überzeugen konnte, es habe sich dabei um ein rein zufälliges Zusammentreffen gehandelt.

Der Autor dieses Beitrags, David Wallechinsky, ein hochqualifizierter Journalist, brauchte einen Aufhänger für den Schluss. Eine meiner Sekretärinnen, Sergeant Cammie Brown, riet ihm, er solle mich nach den Dutzenden von Papierschnipseln fragen, die ich unter die Glasabdeckung meines Schreibtischs geschoben hätte – Zitate und Aphorismen, die ich gesammelt bzw. im Lauf der Jahre selbst formuliert hatte. David rief an und fragte mich, ob ich ein paar davon vorlesen würde. Die dreizehn, die ich auswählte, erschienen dann in einem abgesetzten Feld neben dem Haupttext.

Nachdem sie erstmals in Parade abgedruckt worden waren, stießen die dreizehn Regeln zu meiner großen Überraschung auf eine weithin positive Resonanz. In den letzten 23 Jahren haben meine Mitarbeiter Hunderte von Exemplaren dieser Liste in unterschiedlichster Form verteilt; sie wurden in Vorträgen präsentiert und kursierten weltweit im Internet.

Nachfolgend finden Sie meine Regeln und die Gründe, weshalb ich daran festgehalten habe.

Es ist nicht so schlimm, wie Sie glauben; morgen sieht es schon besser aus


Nun, vielleicht – vielleicht auch nicht. Diese Regel bringt eine Einstellung zum Ausdruck, sie liefert keine Vorhersage. Ich habe immer versucht, zuversichtlich und optimistisch zu bleiben, ganz egal, wie schwierig die Lage ist. Eine Nacht darüber schlafen – und einfach acht Stunden verstreichen lassen – wird die Infektion eindämmen. Wenn man das Büro abends mit der Einstellung verlässt, dass man es schon schaffen wird, dann wirkt sich das nicht nur auf einen selbst aus; es vermittelt diese Einstellung auch Ihren Mitarbeitern. Es stärkt deren feste Überzeugung, dass wir jedes Problem lösen können.

Auf der Infantry School bläuten sie uns permanent ein, dass ein Infanterieoffizier alles könne. »Für uns ist keine Herausforderung zu groß und keine Schwierigkeit unüberwindbar.« Denken wir zurück, wie Churchill der Welt sagte, Großbritannien werde »niemals, niemals, niemals aufgeben«. Oder, umgangssprachlich ausgedrückt: »Lass dich von den Dreckskerlen nicht fertigmachen.«

»Die Dinge werden besser werden. Du wirst sie besser machen.« Wir machten den Abschluss in dieser festen Überzeugung, und ich glaube das auch heute noch, obwohl oftmals das genaue Gegenteil wahr zu sein scheint.

Eine Variation dieses Themas wurde uns ebenfalls eingebläut: »Lieutenant, selbst wenn Sie total ausgehungert sind, dürfen Sie das nicht zeigen; Sie essen immer als Letzter. Selbst wenn Sie frieren oder kurz vor einem Hitzschlag stehen, dürfen Sie niemals zeigen, dass Ihnen kalt oder heiß ist. Und Sie dürfen auch niemals Ihre Angst zeigen, selbst wenn sie noch so groß ist. Sie sind der Anführer, und Ihre Gefühle gehen auf Ihre Soldaten über.« Ihre Untergebenen müssen glauben, dass Sie selbst in scheinbar aussichtsloser Lage noch das Ruder herumreißen können.

Ich liebe alte Filme und entnehme ihnen viele lehrreiche Exempel, die ich zur persönlichen Ermunterung verwende.

Der klassische Film Haie der Großstadt beginnt mit einer meiner absoluten Lieblingsszenen. Sie spielt in einem New Yorker Billardzimmer. Ein junger Billardcrack, Eddie Felson, gespielt von Paul Newman, fordert den gegenwärtigen Champion, Minnesota Fats, heraus, der von Jackie Gleason gespielt wird. Ebenfalls anwesend ist der Manager des Champions, Bert Gordon, eine mephistophelische Figur, verkörpert von George C. Scott, und eine Handvoll Zuschauer.

Das Match beginnt, und es ist klar, dass Fast Eddie Felson sehr gut ist – vielleicht überragend. Spiel für Spiel gewinnt er immer mehr die Oberhand über Minnesota Fats. Fats kommt ins Schwitzen. Andere versammeln sich um den Tisch und sehen den beiden zu. Fast Eddie und sein Manager wittern schon den Sieg. Der König scheint todgeweiht; lang lebe der neue König. Fats, der bereit ist aufzugeben, sieht zu Bert hinüber, von dem er sich ein paar aufmunternde Worte wünscht. Bert sagt nur: »Nicht aufhören, er ist ein Verlierer.« Bert ist ein Zocker und hat eine Schwäche Eddies entdeckt, ein übersteigertes Selbstbewusstsein, die Fats zu seinem Vorteil nutzen kann. Aber Fats wirkt immer noch angeschlagen. Er entschuldigt sich und geht zur Toilette. Nachdem er sich Hände und Gesicht gewaschen hat, kommt er heraus, scheinbar bereit, sich zu verabschieden. Er gibt dem Bediensteten ein Zeichen, und Fast Eddie lächelt siegessicher, da er glaubt, Fats bitte um seinen Mantel. Aber nein, Fats streckt seine Hände aus, damit der Bedienstete sie mit Talkum einpudert. Dann sagt er, verschlagen lächelnd: »Fast Eddie, lass uns ein bisschen Pool spielen.« Sie kennen den Rest – er schlägt Eddie vernichtend.

Viele Male vor einer schwierigen Sitzung, einer unangenehmen Begegnung, einer feindseligen Pressekonferenz oder einer aggressiven Anhörung im Kongress war das Letzte, was ich vorher tat, auf die Toilette zu gehen, meine Hände und mein Gesicht zu waschen und zu trocknen, in den Spiegel zu sehen und leise zu mir zu sagen: »Fast Eddie, lass uns ein bisschen Pool spielen.« Ich liege vielleicht zurück, aber ich bin nicht besiegt. Ein Infanterieoffizier kann alles erreichen.

Übrigens, nur um das Bild zu vervollständigen: Paul Newman ist der Star. Am Ende des Films gibt es ein Revanchespiel, und er besiegt Fats. Diese Szene schaue ich mir nie an.

Lass es raus, und dann lass es hinter dir


Jeder wird mal wütend. Es ist ein natürliches und gesundes Gefühl. Man ist sauer auf seine Kinder, seinen Ehepartner, seine besten Freunde, seine Gegner. Aber es ist meiner Erfahrung nach kontraproduktiv, wütend zu bleiben. In diesem Punkt wurde ich einmal von meinem Amtskollegen, dem französischen Außenminister Dominique de Villepin, der mich – und die meisten Amerikaner – wütend, sehr wütend machte, auf eine schwere Probe gestellt.

Dominique war ein Karrierediplomat, der prestigeträchtige französische Elitehochschulen absolviert hatte, ein bekannter Historiker und ein begabter Dichter, und er war ein sehr enger Vertrauter des damaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac. Mit seinem wallenden silbernen Haar und seinen makellosen Anzügen und Krawatten gab er eine recht elegante Figur ab.

Anfang 2003, der Zeit unmittelbar vor dem Zweiten Golfkrieg, wurde die Situation im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wiederholt diskutiert. Der Vorsitz des 15 Mitglieder zählenden Sicherheitsrats wechselt monatlich; im Januar war turnusgemäß Frankreich an der Reihe, sodass Dominique auf dem Stuhl des Ratsvorsitzenden saß. Die Franzosen waren strikt gegen ein militärisches Eingreifen im Irak und führten die Gruppe der Gegner an. Deutschland, Russland und eine Reihe weiterer Länder hatten sich ihnen angeschlossen. Wahrscheinlich hatten wir mehr Gegner als Unterstützer.

Während ihrer Amtszeit schlagen die Vorsitzenden des Sicherheitsrats normalerweise ein Besprechungsthema vor, das ihnen besonders am Herzen liegt. Dominique setzte für ein Außenministertreffen der 15 Sicherheitsratsmitglieder das Thema Terrorismus auf die Tagesordnung.

Mir war nicht ganz wohl bei dem Gedanken an dieses Treffen. Würde es ausufern? Die meisten meiner Kollegen in Washington glaubten, die Franzosen würden es zu einer Sitzung über den Irak machen – was eine schlechte Idee wäre; bei den Vereinten Nationen wollten sie den Irak vom Tisch haben. Doch Dominique versicherte mir, bei dem Treffen solle es ausschließlich um Terrorismus gehen; der Irak würde nicht erörtert werden. Ich vertraute seiner Zusicherung.

Die Zusammenkunft verlief bestens … bis Dominique die Konferenz verließ, um zu den zahlreich versammelten Pressevertretern zu sprechen, vor denen er unsere Position zum Irak attackierte und klarstellte, dass...

»Ist für jedermann lesenswert: Powell verpackt seine Regeln in amüsant erzählte Anekdoten aus seiner so erfolgreichen militärischen und politischen Laufbahn«
 
»Ein Schwerpunkt seiner oft
humorvollen Memoiren ist die Kunst, Menschen zu führen und Verantwortung zu
tragen.«
 
»Jede einzelne dieser Regeln und Prinzipien ist in bestem Plauderton beschrieben. Aus den Begebenheiten im Leben Colin Powells kann man fraglos Lektionen über Führung lernen.«

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