Der Wunschtraummann

Roman
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. März 2013
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09459-1 (ISBN)
 
Wenn der Traummann zweimal klingelt ...

Soll er doch bleiben, wo der Pfeffer wächst! Am Silvesterabend hat Tess wenig gute Wünsche übrig, vor allem nicht, wenn sie an ihren Exfreund Sebastian denkt, der sie so schmählich verlassen hat. Dumm nur, dass sie eigentlich an nichts anderes denken kann. Am liebsten wäre es ihr, sie wäre ihm nie begegnet! Doch als sie am nächsten Morgen aufwacht und feststellt, dass genau dieser Wunsch auf wundersame Weise in Erfüllung gegangen ist, dämmert ihr allmählich, dass es gar nicht so einfach ist, beim zweiten Mal alles besser zu machen ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 0,82 MB
978-3-641-09459-1 (9783641094591)
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Erstes Kapitel

Was machst du gerade?

Ich sitze am Schreibtisch, habe das Kinn in die Hand gestützt und starre verdrießlich auf den Bildschirm.

Facebook starrt zurück.

Korrigiere: Verhöhnt mich mit dem fabelhaften Liebesleben der anderen.

Ich scrolle die Seite nach unten und lese die Statusmeldungen meiner Freunde:

Chrissie Hattersley liebt die neue Gucci-Handtasche, die sie von ihrem Freund zu Weihnachten bekommen hat.

Jenny Hamilton-Proctor freut sich auf Silvester mit ihrem perfekten Ehemann und Baby. Ich bin wirklich ein Glückskind.

Aneela Patel <3 Imran Butt

Melody Dabrowski Andy hat mir endlich die Frage aller Fragen gestellt, und ich habe Ja gesagt!

Sara Jenkins Da ich nun endgültig nicht mehr in meine Jeans passe, wird es Zeit, die Katze aus dem Sack zu lassen: John und ich sind schwanger!!!!

Emily Klein Nur noch zweimal schlafen bis zu unseren Flitterwochen auf Bali. ICH KANN ES KAUM ERWARTEN!!

Emily fährt in die Flitterwochen? Ich wusste gar nicht, dass sie geheiratet hat!

Eine E-Mail, die in meinen Posteingang flattert, lenkt mich ab. Sie kommt von meinem Chef, Sir Richard, um mich daran zu erinnern, dass ich mich um sein Visum für seine anstehende Indienreise im neuen Jahr kümmere.

Mist. Das hatte ich völlig vergessen.

»Wird prompt erledigt«, tippe ich kess und klicke auf Senden.

Es ist drei Uhr nachmittags an diesem Silvestertag, und während die meisten anderen Leute gemütlich zu Hause auf dem Sofa sitzen, sich irgendwelche Wiederholungen im Fernsehen anschauen und die übrig gebliebenen Weihnachtsplätzchen verputzen oder aber tausende Meilen entfernt am Strand von Goa liegen und sich die Wintersonne auf den Bauch scheinen lassen, habe ich mich in einem Bürogebäude in Südwestlondon verkrochen.

Das Büro gehört Blackstock & White, Getränkefabrikanten, bekannt für ihren Whisky und andere Marken-Spirituosen, und hier arbeite ich als persönliche Assistentin von Sir Richard Blackstock. PA. Das klingt ziemlich hipp, so als müsste ich aussehen wie eine von Mad Men und immer bienenfleißig und furchtbar tüchtig sein, aber tatsächlich bin ich nicht unbedingt die weltbeste Assistentin. Um ganz ehrlich zu sein, bin ich sogar ziemlich mies. Was allerdings nicht allein meine Schuld ist. Bis vor etwa einem Jahr habe ich hier als Aushilfe gearbeitet, dann ging Sir Richards bisherige Assistentin in den Mutterschaftsurlaub, und mein Chef bot mir ihre Stelle an.

Von Anfang an habe ich ihm gesagt, ich bin nicht zur Assistentin geboren. Keine Ahnung, welche Eigenschaften man als geborene Assistentin braucht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man dann nicht mit dem Zwei-Finger-Suchsystem tippt oder bei der »Ablage« einfach alles wahllos in eine Schublade stopft. Und ob es am Ende eines Briefs »hochachtungsvoll« oder »mit freundlichen Grüßen« heißen muss, weiß man auch.

Doch Sir Richard wischte all meine Bedenken mit seinem leutseligen Lächeln beiseite. Sir Richard ist Mitte fünfzig, hat eine Vorliebe für glänzende Anzüge und eine überkämmte Glatze, mit der er vergebens versucht, eine üppige Haarpracht vorzutäuschen, und er ist der netteste Chef, den ich je hatte. Und darum ist es auch so schade, dass er in einigen Monaten in den Ruhestand geht, sinniere ich, während ich auf einen Post-it-Zettel »Visum« kritzele und ihn dann an meinen Computer klebe, der mittlerweile mit den kleinen Klebebotschaften fast völlig zugekleistert ist.

Ich starre die rosaroten und gelben Post-it-Zettel an und spüre ein nagendes Unbehagen in der Magengrube. Eigentlich müsste ich mich dringend daranmachen, sie einen nach dem anderen abzuarbeiten, denn sonst wird eines Tages mein Bildschirm dahinter verschwinden.

Und mit ihm Facebook.

Mein Blick fällt auf das Fotoalbum einer Freundin mit dem Titel Paradies, und ich blättere gelangweilt in den Bildern: ein Sonnenuntergang . die Ansicht eines Infinity-Pools . die beiden, wie sie sich Henna-Partner-Tattoos aufmalen lassen . er, wie er sie fest umarmt hält und ihr liebevoll tief in die Augen schaut .

Ein ebenso tiefer Seufzer entringt sich meinen Lippen. Ich war ja eben schon deprimiert, aber jetzt möchte ich mich am liebsten in eine Ecke verkriechen und mir eine Decke über den Kopf ziehen. Verglichen mit den geschenkeüberhäufenden Freunden, perfekten Ehemännern und romantischen Liebesurlauben ist mein eigenes Liebesleben oder vielmehr das völlige Fehlen desselben einfach zum Heulen. Ich meine, ich weiß, dass ich mich in vielerlei Hinsicht sehr glücklich schätzen kann. Okay, ich mag zwar keine tolle Vorzeigekarriere haben, aber immerhin habe ich einen Job. Ich habe ein Dach über dem Kopf (wobei es streng genommen Fionas Dach ist; Fiona ist meine Mitbewohnerin, die Wohnung gehört ihr, und ich bin ihre Untermieterin), und wie meine Mum mir immer wieder gerne vorhält: »Sei froh, wenigstens bist du gesund.«

Schön, aber noch lieber wäre mir, ich wäre gesund und mit einem Typen zusammen, der mich auf Händen trägt.

Ich lasse das Fotoalbum links liegen und wende mich wieder der quälenden Frage neben meinem Profilfoto zu: »Was machst du gerade?«, wobei ich wieder den altbekannten Kloß im Hals habe. Den versuche ich eigentlich zu ignorieren, es gelingt mir aber nicht.

Drei kleine Worte: An Seb denken.

Ehrlich gesagt tue ich eigentlich nichts anderes. Er ist mein erster Gedanke morgens nach dem Aufwachen und der letzte, wenn ich abends ins Bett gehe. Und das seit unserer Trennung vor zwei Monaten. Genauer gesagt, vor zwei Monaten, einer Woche und drei Tagen.

Ja, ich zähle immer noch.

Zwei Monate, eine Woche und drei Tage waren vergangen seit »dem Gespräch«. Nun ja, ich sage zwar Gespräch, aber darunter versteht man ja eigentlich einen verbalen Austausch zwischen zwei Menschen. In diesem speziellen Fall war das Gespräch allerdings eher einseitig, weil Seb mir sagte, dass er mich zwar liebe, es aber nicht die ganz große Liebe sei. Dabei starrte er unbehaglich auf seine Turnschuhe und wich geflissentlich meinem Blick aus, während ich ihm gegenüber auf dem Sofa saß, mit den Tränen kämpfte und versuchte, mir nicht anmerken zu lassen, dass er mir gerade das Herz brach.

Wir waren ein Jahr zusammen, und ich habe ihn wirklich sehr geliebt. Ich liebte ihn, weil er Amerikaner war und so ganz anders als ich, mit seinen seltsamen Anspielungen auf irgendwelche alten Fernsehserien, von denen ich noch nie was gehört hatte, seiner Schwäche für Soja-Latte und seiner Angewohnheit, die U-Bahn-Stationen falsch auszusprechen. Ich liebte ihn, weil er erfolgreich war und klug und starke, breite Schultern hatte, an die ich mich anlehnen und mich wie ein Löffelchen in »die Kuhle« schmiegen konnte. Ich liebte ihn sogar für sein schreckliches Gitarrengeschrammel - seine etwas eigenwillige Version von »Wonderwall« war sein erklärtes Lieblingsstück -, und es war so süß und einfach entzückend, dass er immer die Hälfte der Akkorde vergaß.

Und dann natürlich der Sex. Bei der Erinnerung daran verspüre ich wieder das altbekannte Ziehen. Das liebte ich ganz besonders an ihm.

Manche Menschen lernen sich erst kennen und verlieben sich dann irgendwann. Zuerst sind sie bloß Freunde. Bei Seb und mir war es wie ein Blitzeinschlag. Er war der Eine. Gleich vom ersten Augenblick an, bei unserer ersten Verabredung, bei der ich so nervös war, dass ich ihm mein Glas Rotwein in den Schoß gekippt habe, wusste ich, es war um mich geschehen. Widerstand war zwecklos. Ich war dabei, mich Hals über Kopf in ihn zu verlieben, und ich konnte nichts dagegen tun.

Wobei ich allerdings noch nicht ahnte, dass mich das bald Kopf und Kragen kosten sollte.

Seit dem »Gespräch, das eigentlich keins war« habe ich nichts mehr von ihm gehört, abgesehen von der einen oder anderen SMS mit »wollte nur mal Hallo sagen« und einer E-Karte mit Weihnachtsgrüßen. Schuld daran bin ganz allein ich selbst. Auch wenn er das so nicht gesagt hat, weiß ich doch sehr wohl, dass ich mir die Trennung selbst zuzuschreiben habe. Es ist meine Schuld, dass es mit uns nicht funktioniert hat, und ich muss immer daran denken, wenn ich alles anders gemacht hätte, wären wir jetzt bestimmt noch zusammen .

Ich merke, wie mir Tränen in die Augen steigen und an meinen Wimpern kitzeln, und blinzle sie schnell fort. Es ist sowieso sinnlos, sich darüber Gedanken zu machen. In einer Beziehung gibt es keine Probezeit, und man bekommt keine zweite Chance, es richtig zu machen. Das mit Seb und mir ist aus und vorbei, und ich muss endlich über ihn hinwegkommen und nach vorne schauen.

»Wow, das ist ja hier wie in einer Geisterstadt.«

Ich schrecke von meinem Bildschirm hoch und sehe eine hochgewachsene Gestalt mit neongrüner Jacke und Fahrradhelm auf dem Kopf im Foyer stehen. Der Typ greift in die Kuriertasche, deren Riemen er quer über die Brust geschnallt hat, und da heute niemand am Empfang sitzt, kommt er den Gang entlang auf mich zu.

»Wo sind die denn heute alle?«, fragt der Kerl mit starkem irischen Akzent, während sein Blick durch das Büro schweift und die leeren Schreibtische mit den Resten verstreuter Weihnachtsdekoration streift.

»Die sind beschäftigt ....

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