Je größer der Dachschaden, desto besser die Aussicht

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. August 2020
  • |
  • 560 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-99675-4 (ISBN)
 

Das Leben läuft, wohin es will Irgendwie hatte Nell sich das anders vorgestellt mit dem Leben. Anfang 40 klang nach liebevollem Ehemann, wunderbaren Kindern und einem fantastischen Zuhause. Stattdessen ist der Verlobte weg, das Geschäft ist pleite und die Ersparnisse sind dahin, während all ihre Freunde die perfekte Hochglanzexistenz führen. Als ein alter Arbeitskollege ihr einen Job als Nachrufschreiberin verschafft, lernt sie die unkonventionelle und lebenslustige Witwe Cricket kennen. Die ungleichen Freundinnen helfen sich gegenseitig, mit dem Abschied von ihrem alten Leben fertig zu werden. Begleitet von Artus, einem riesigen Fellknäuel von Hund, geht Nell endlich ganz eigene Wege. Und trifft unterwegs einen Mann zum Verlieben, wo sie ihn nie vermutet hätte ...

weitere Ausgaben werden ermittelt

Die Bestsellerautorin Alexandra Potter hat schon Millionen Leserinnen mit ihren bezaubernden romantischen Komödien glücklich gemacht. Ihre Bücher wurden in 22 Sprachen übersetzt. Geliebt wird sie für ihren warmen Humor, die scharfsinnigen und herrlich witzigen Dialoge und die wunderbar originellen Figuren, die einem schneller ans Herz wachsen, als man lesen kann. Sie lebt mit ihrem Partner und einem bosnischen Findel-Hund in London.

Wenn sie gerade nicht auf Reisen ist oder schreibt, verbringt sie viel zu viel Zeit auf Instragram. Dort wird sie täglich daran erinnert, mehr Sport zu machen, genug Wasser zu trinken, Achtsamkeit zu praktizieren, dankbar für alles Mögliche zu sein, sich trendy anzuziehen, grüne Smoothies zu trinken, veganen Kuchen zu backen, Ziele zu erreichen, sich neue zu Ziele stecken und daran zu denken zu atmen. Und immer glücklich zu sein! #eatscrollweep #jetztschonfixundfertig #woistdernächsteEisbecher

Neujahr


Was mache ich bloß hier?

Damit meine ich nicht hier im britischen Januar, diesem niemals enden wollenden grauen und dunklen Monat, der sich zieht wie Kaugummi. Diese Aneinanderreihung der deprimierendsten Tage des Jahres, die aus bereits aufgegebenen Neujahrsvorsätzen und einem Instagram-Feed bestehen, der vor frohen »Neues Jahr! Tolle neue Projekte!«-Botschaften irgendwelcher Berühmtheiten geradezu überquillt. Dadurch werde ich ganz sicher nicht #inspiriert, und sie animieren mich auch nicht dazu, mir die angepriesenen Fitnessvideos oder Angeberbücher (Entschuldigung, ich meine natürlich gesegneten Bücher) zu kaufen, ganz im Gegenteil, sie bewirken nur, dass ich mich #ueberfordert mit einer Familienpackung Käseflips aufs Sofa fallen lasse.

Nein, ich meine hier im Sinne von im Hier und Jetzt, kurz vor meinem Geburtstag, an dem ich älter als vierzig werde und alles ganz anders ist, als ich es mir vorgestellt hatte. Jetzt mal ehrlich, wie kann das sein? Als hätte ich eine Ausfahrt verpasst. Als gäbe es irgendwo ein über vierzig-Ziel, auf das meine Freunde und ich zusteuerten, die Jugend in der einen Hand, die Träume in der anderen, voller Erwartungen und Möglichkeiten. Ein bisschen, wie wenn man im Urlaub aus dem Flugzeug steigt und gemeinsam mit allen anderen über die Rollbänder rauscht, wusch, den Gepäckausgabeschildern folgend, gespannt darauf, was einen hinter der automatischen Tür erwartet.

Aber es sind eben nicht die Bahamas mit ihren tropischen Palmen, das Ziel heißt über vierzig, und dazu gehören ein liebevoller Ehemann, wunderbare Kinder und ein fantastisches Zuhause. Wusch. Eine erfolgreiche Karriere, gläserne Schiebetüren und Kleidung von Net-a-Porter. Wusch. Glück und Zufriedenheit mit einem erfolgreichen Leben, in dem alles seine Ordnung hat und genauso ist, wie man es sich immer ausgemalt hatte, inklusive eines Instagram-Accounts, in dem es vor #ichbinsofroh- und #ichliebemeinleben-Botschaften nur so wimmelt.

Das Ziel ist nicht - ich wiederhole: nicht - #woistesfalschgelaufen und #waszumteufelistmitmeinemlebenlos?

Ich sitze im Schneidersitz auf meinem Bett und sehe mich im Zimmer um, mein Blick bleibt an den Umzugskartons in der Ecke und den beiden großen, noch ungeöffneten Koffern hängen. Ich habe immer noch nicht alles ausgepackt. Ich starre sie an, versuche mich aufzuraffen und sinke dann zurück in die Kissen. Das kann warten.

Stattdessen fällt mein Blick auf das neue Notizbuch auf meinem Nachttisch. Gerade erst gekauft. Dem Artikel zufolge, den ich gelesen habe, liegt der Schlüssel zum Glück im Verfassen einer täglichen Dankbarkeitsliste.

Wenn Sie alles aufschreiben, wofür Sie dankbar sind, werden Sie sich insgesamt besser fühlen, negative Denkmuster durchbrechen und Ihr Leben verändern.

Ich nehme das Notizbuch und einen Stift in die Hand und schlage die erste Seite auf. Meine Augen starren auf das weiße Blatt, mein Kopf ist leer.

Wenn Sie ein wenig Inspiration benötigen, hier ein paar Tipps für den Anfang:

Ich atme.

Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein, oder? Atmen? Dankbarkeit schön und gut, aber ohne zu atmen, wäre ich schlicht und einfach tot.

Das inspiriert mich wirklich überhaupt nicht.

Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie nicht gleich wissen, was Sie aufschreiben sollen. Beginnen Sie einfach mit einer Sache, und arbeiten Sie sich langsam zu den fünf Punkten pro Tag vor.

In Ordnung. Ich schreibe einfach das Erstbeste auf, was mir einfällt.

1. Meine Flugmeilen

Okay, das gehört vielleicht nicht ganz zu den gesegneten und spirituellen Dingen, die der Verfasser des Artikels im Sinn hatte, aber Sie wissen ja nicht, wie glücklich ich über die gesammelten Meilen war, als ich letzte Woche zurück nach London geflogen bin.

Zehn Jahre lang habe ich in Amerika gelebt, fünf davon mit meinem Verlobten in Kalifornien. Kalifornien ist einfach großartig. Sonne, so viel das Herz begehrt. Flipflops im Januar. Unser kleines Café mit Buchladen, in das wir unsere gesamten Ersparnisse investiert hatten, mit köstlichem Frühstück und Wänden voller Bücher. Ich war glücklich, verliebt und freute mich auf die Hochzeit. Die Zukunft streckte sich vor uns aus wie eine bonbonfarbene Wimpelkette. Alles würde so werden, wie ich es mir immer erhofft hatte.

Aber dann scheiterte krachend unser Unternehmen und mit ihm auch unsere Beziehung: alles zurück auf null. Aus der Traum, meinen Prinzen zu heiraten und mit ihm den Rest meines Lebens zu verbringen, zusammen mit unseren süßen Kindern und einem Hund aus dem Tierheim - und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Stattdessen musste ich das, was von meinem Leben noch übrig war, zusammenkratzen, meine Flugmeilen gegen ein Upgrade eintauschen und tränenüberströmt den Atlantik überqueren. Wenn ich schon pleite und mit gebrochenem Herzen zurückfliegen musste, dann doch zumindest mit Schlafkomfort, Käseplatte und kostenlosen Getränken, vielen Dank!

Mein vom Gin berauschtes und mit Käse und Kräckern vollgestopftes Ich plante, nach London zurückzukehren, eine Wohnung zu mieten, diese mit Duftkerzen auszustatten und mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Mein Einwanderungsvisum lief eh bald ab, die Zeit war reif für einen Neuanfang, einen, der mich nicht ständig daran erinnerte, was ich verloren hatte. Außerdem hatte Dad mir großzügigerweise ein Darlehen angeboten, damit ich schnell wieder auf eigenen Füßen stehen konnte. Mein American Dream hatte sich ausgeträumt: Es war Zeit, nach Hause zu fahren.

Aber es hatte sich viel verändert, seit ich das Land verlassen hatte, und ich stellte schnell fest, dass die Mieten sich verdoppelt, nein, vervierfacht hatten. Auch die Single-Freundinnen mit ihren Gästezimmern und billigen Weinflaschen gab es nicht mehr - wie oft hatten wir früher zusammen getrunken und uns gegenseitig lautstark darin bestärkt, dass X doch eh ein Vollidiot sei, ohne den man viel besser dran wäre, also keine Panik! Wir hatten alle Zeit der Welt! Dabei spulten wir immer wieder dieselbe Liste an Berühmtheiten ab, die viel älter waren als wir und es dennoch geschafft hatten, den Mann ihrer Träume zu ergattern, ein Kind zu gebären und im ok!-Magazin mit einer Geschichte über das Wunder der Geburt abgedruckt zu werden, bevor es zu spät ist.[1]

Mittlerweile sind alle meine Freundinnen verheiratet, und in die Gästezimmer sind Babys, Etagenbetten und Sticker mit Kinderliedern eingezogen, statt Wein trinken sie Kräutertee, und um 21:30 Uhr geht es ins Bett. Ich hatte also die Wahl: Couchsurfing mit einer Tasse Kamillentee oder . zurück zu meinen Eltern.

Bitte nicht falsch verstehen, ich liebe meine Eltern. Aber das alles war sicher nicht Teil des PLANS. Während der letzten zwei Jahrzehnte kam es zu keinem Zeitpunkt in meinen Zukunftsplänen vor, als Single über vierzig in mein altes Kinderzimmer zurückzuziehen - auch wenn meine Mutter mein Einzelbett gegen ein Doppelbett eingetauscht und sogar mit zueinander passenden Laura-Ashley-Lampen dekoriert hatte.

Mein altes Kinderzimmer war für Heimatbesuche mit dem amerikanischen VerlObten gedacht, der eigentlich in Kürze zum gut aussehenden Ehemann befördert werden sollte; für nostalgiegeprägte Weihnachtsfeste auf dem Land mit unserer wachsenden Schar an rotwangigen Sprösslingen. Für Wochenenden, an denen die Eltern auf ihre geliebten Enkel aufpassen, während wir uns in eins dieser angesagten, überteuerten Boutique-Hotels verabschieden, mit altmodischen Glühbirnen über der Bar, einem Bio-Menü mit irgendwelchem Fleisch aus Weidehaltung und Massagen, die ruhig etwas kräftiger sein dürfen.

2. Zimmergesucht.com

Davon erzählte mir meine beste Freundin Fiona, die wiederum durch ihre Nanny davon erfahren hatte. »Das solltest du wirklich machen, Nell! Das klingt doch wirklich nach jeder Menge Spaß!«, rief sie mir fröhlich von der anderen Seite ihrer Arbeitsplatte aus Carrara-Marmor zu, die ihre frisch renovierte offene Küche krönte. Hier saß ich also zusammengesunken, deprimiert und vom Jetlag gebeutelt und nippte an einem dünnen, fürchterlich schmeckenden Kräutertee, da Fiona mir netterweise angeboten hatte, die ersten Tage nach meiner Ankunft in London bei ihr unterzukommen.

Fiona findet immer, dass mein Leben sich nach jeder Menge Spaß anhört. Vielleicht kommt es einem wirklich so vor, wenn man es mit der Sicherheit einer glücklichen Familie im Rücken betrachtet. So wie auch Bungee-Jumping, das Leben in einem sechzig Quadratmeter kleinen Tiny House oder die Haare lila färben lustig klingt, wenn man es nicht selbst machen muss.

Also, jetzt bitte nicht falsch verstehen. In manchen Phasen meines Lebens hatte ich tatsächlich Riesenspaß. Nur eben nicht in der aktuellen.

»So kann man es auch sehen«, erwiderte ich spöttisch und warf Izzy, meinem fünfjährigen Patenkind, das sich gerade über sein Porridge hermachte, ein Lächeln zu. Mir kamen da ganz andere Wörter als Spaß in den Sinn, aber Tante Nell sollte wohl besser nicht das böse S-Wort sagen.

»Dein Patenkind findet auch, dass es sich nach Spaß anhört, nicht wahr, mein Schatz?«, rief Fiona aufgeregt, griff nach einer Schüssel und gab ein paar frische Blaubeeren, Chia-Samen und einen Klecks Manuka-Honig hinein.

Ich mag Fiona sehr - wir sind seit dem Studium miteinander befreundet -, aber sie lebt in einem vollkommen anderen Universum als ich. Glücklich verheiratet mit David, einem...

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