Wie ein Schatten im Sommer

 
 
cbt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. September 2021
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-26206-8 (ISBN)
 
Ein Sommer auf dem Land, die erste große Liebe und ein schrecklicher VerdachtEinen Neubeginn wagen - anderer Ort, andere Leute, alles auf Anfang! Das hofft Vio, als sie mit ihrer Familie in ein kleines Dorf in Süddeutschland zieht. Und als Vio am ersten Tag nicht nur Anschluss an eine nette Clique bekommt, sondern die Pizza auch noch von dem wirklich netten Konstantin gebracht wird, bekommt das Landleben schon mal 5 Sternchen. Bald kann Vio sich gar nicht mehr vorstellen, je etwas anderes gemacht zu haben, als durch leuchtende Maisfelder zu radeln und am sonnenwarmen See zu liegen - den Jungen ihrer Träume neben sich. Wäre da nur nicht die Clique seines großen Bruders Robin mit ihren fremdenfeindlichen Sprüchen, die dann doch einen Schatten ins Sommerlicht werfen. Aber zum Glück hat Konstantin mit denen nichts zu schaffen - oder etwa doch?Ein fein gezeichneter Roman über Zivilcourage, Loyalität und nicht zuletzt - die Liebe!
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 1,81 MB
978-3-641-26206-8 (9783641262068)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Adriana Popescu, in München geboren, arbeitete als Drehbuchautorin fürs Fernsehen, schrieb für verschiedene Zeitschriften und studierte Literaturwissenschaften, bevor sie sich ausschließlich dem Schreiben von Romanen widmete. Mittlerweile harrt eine große Fangemeinde ihren nächsten Veröffentlichungen entgegen, die in mehreren großen Publikumsverlagen erscheinen.

KAPITEL 3

Vio

Mama und ich werden noch mal ins Restaurant fahren.« Papa, mit deutlichen Schweißspuren am T-Shirt, nennt das kleine Vereinsheim, das zum Tennisklub TC Unitas gehört, noch immer liebevoll Restaurant. Ich kriege es nicht übers Herz, ihm zu widersprechen, auch wenn die Küche im Vergleich zu der unseres alten Restaurants in München winzig ist, und der Gastraum nicht mal die Hälfte unserer alten Stammgäste aufnehmen könnte. »Wir wollen die Küche etwas umarrangieren, ein bisschen aufräumen.«

»Ich kann mitkommen.«

»Musst du nicht.« Er drückt mir einen Kuss auf die Stirn, und ich frage mich, was ich sonst machen soll. Ich kenne hier niemanden, das Internet ist noch nicht installiert und meine Bücher sind in irgendwelchen der zahlreichen Kartons, die teilweise noch im Wohnzimmer stehen.

Papa reicht mir einen länglichen Zettel und ein bisschen Geld.

»Bestell dir was zu essen, wir wissen nicht, wann wir heimkommen.«

Der Kühlschrank, der immerhin schon läuft, ist nämlich noch so leer wie mein Blick, als Papa zurück zum Auto geht und einsteigt. Sie sind so voller Vorfreude und Tatendrang, doch mir bricht es fast das Herz, ihn in der kleinen Küche der Vereinsgaststätte zu sehen. In München hatten wir ein Restaurant, eines, das immer voll war. Außer dienstags, da war Ruhetag und Papa immer ganz hibbelig, konnte den Mittwoch kaum erwarten und hat mich mit zum Großmarkt genommen. Abends herrschte Papa über den Grill in der Küche, mit einem Team aus vier Leuten. Mama und zwei Kellner haben bedient, Getränke gezapft und die Gäste bei Laune gehalten. Kaum war ich sechzehn, stand ich offiziell hinter der Theke und durfte helfen.

Das Restaurant war ihr ganzer Stolz. Als dann die Pacht nicht verlängert wurde und mein Drama dazukam, wollten sie raus aus München, irgendwo was Neues aufziehen, aber die Preise waren absurd hoch. Sie fingen an, sich auch im weiteren Umland umzusehen, und aus dem Umland wurde dann ein anderes Bundesland, aus der Großstadt ein Dorf und aus dem Restaurant ein Vereinsheim. Noch immer verstehe ich nicht, wieso sie das hier angenommen und nicht nach etwas Besserem gesucht haben. Wenn nicht in München, dann vielleicht in Nürnberg oder Augsburg.

Mein Blick fällt wieder auf den Bestellzettel in meiner Hand.

Pizza Panda.

Hier gibt es offenbar alles. Pizza, Pasta, Döner, Tacos, Chicken Wings, vegane Falafel, Burger, Hotdogs und Salate, nur keine Pandas. Ich halte Pizza für die sicherste Wahl und entscheide mich für eine mit frischen Tomaten, Basilikum und Mozzarella, dazu noch eine Flasche Cola und Pizzabrot. Dabei fällt mir auf, dass ich gar keinen Mindestbestellwert erfüllen muss. Kein Wunder, Walddorf ist nicht besonders groß, offenbar lohnt da jede Lieferung, selbst wenn es nur eine Pizza ist.

Nachdem ich bei der Nennung meiner Adresse erst noch mal die Hausnummer checken muss, heißt es, meine Bestellung wäre in knapp zwanzig Minuten bei mir, bevor mir ein schöner Abend gewünscht wird. Die Stimme am anderen Ende klingt gut gelaunt und wenig gestresst, das wiederum freut mich.

Die Wartezeit verkürze ich mir mit ein bisschen Recherche. Bei Instagram gebe ich den Hashtag #Walddorf ein und sehe mir die neuesten Suchergebnisse an. Wie nicht anders zu erwarten, finde ich zahlreiche Sommerschnappschüsse, Fotos von jungen Menschen auf bunten Badehandtüchern, mit fruchtigen Cocktails auf irgendwelchen Partys, auf die ich nicht eingeladen war, und von Jungs, die von einem Steg ins Wasser springen, alle bemüht, besonders lässig zu wirken. Alles schreit nach entspannten Sonnentagen weit abseits des Großstadtstresses, nach die Seele baumeln lassen.

Aus purem Heimweh gebe ich auch noch #München ins Suchfeld und werde von Fotos bekannter Ecken meiner Heimatstadt empfangen. München ist mit Abstand die schönste Stadt Deutschlands - oder Italiens, je nachdem, wie man es sieht. Denn an manchen Tagen kam mir das Flair in den Straßen meiner Stadt sehr südländisch vor. Am Ufer der Isar sitzen sie, grillen, stoßen mit ihrem mitgebrachten Aperol Spritz an und lächeln in die Kameras. Letzten Sommer war ich noch eine von ihnen, irgendwo mittendrin, bevor es die Runde gemacht hat und das Getuschel hinter meinem Rücken immer lauter wurde.

Seufzend lege ich das Handy zur Seite und setze mich auf die Stufen vor unserem Hauseingang, behalte die Straße genau im Auge und zähle vier Radfahrer, ein Auto und eine Gruppe Fußgänger, nicht gerade das, was ich um diese Uhrzeit Hochbetrieb nennen würde.

Dann ertönt das Geräusch eines Rollers, der offenbar näher kommt, und tatsächlich sehe ich ihn in unsere Auffahrt einbiegen. Eine knallgelbe Vespa, ein Typ mit einem mattschwarzen Jethelm, auf dem zwei schwarze Plüschohren kleben, taucht auf. Der Fahrer verbirgt seine Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille.

Wie eine Szene aus diesem einen Film, den Mama so gerne schaut.

Wenn man von den Bärenohren mal absieht.

»Hast du Pizza bestellt?« Er lächelt zu mir rüber und ich nicke. Sobald er den Motor ausgeschaltet hat, nimmt er den Helm ab, was seine Frisur ihm nicht verzeiht, und steigt ab. Obwohl ich hier niemanden kenne, kommt er mir irgendwie bekannt vor. »Dann bin ich dein Panda.« Er tippt schnell gegen den Helm. »Wegen der Ohren.«

Das ringt mir ebenfalls ein Lächeln ab. Vermutlich ist er in meinem Alter und verdient sich im Sommer als Pizzalieferant etwas dazu. Aus dem großen eckigen Kofferfach des Rollers fischt er eine Pizzaschachtel und die Tüte mit dem bestellten Pizzabrot heraus.

»Cola war auch für dich?«

»Korrekt.«

Mit allem beladen kommt er zu mir, und ich stehe auf, mustere ihn eindringlich. Hellbraune, wilde Haare, ein verschmitztes Lächeln und der Duft von Basilikum, aber ich habe keine Ahnung, woher ich ihn kennen könnte. Doch sein Gesicht werde ich ganz sicher nicht so schnell vergessen.

»Sag mal, du warst doch vorhin im Tennisklub, oder?«

Ah! Natürlich! Dort habe ich ihn mit seinem Vater gesehen.

»War ich.«

Er reicht mir im Austausch gegen das Geld meine Bestellung und nimmt die Sonnenbrille ab, wodurch sanfte braune Augen sein Gesicht endlich komplettieren.

»Ich bin Konstantin. Konstantin Wagenfeld.«

Umständlich reicht er mir die Hand, die ich - bedacht darauf, nichts von meiner Bestellung fallen zu lassen - auch annehme.

»Vio.«

»Du bist neu hier?«

»Ziemlich frisch, ja.«

»Cool. Willkommen in Walddorf.«

»Danke.«

Vermutlich hat die Gemeinde ihn als Begrüßungsbeauftragten ausgewählt, weil sein Lächeln schön und seine Augen klar sind.

»Übernehmt ihr die Vereinsgaststätte?«

Nachdem ich den Pizzakarton und die Cola auf der Stufe neben mir abgestellt habe, macht Konstantin noch immer keine Anstalten zu gehen.

»Meine Eltern, ja.«

»Sehr gut, da hat echt Essen gefehlt, Tennis macht nämlich sauhungrig.«

»Du spielst Tennis?«

»Ich versuche es.«

»Und was macht man hier so, wenn man nicht Tennis spielt? Oder es versucht?«

»Wir haben auch einen Kegelklub.«

»Wow.«

»Ich weiß, damit kann man Neuankömmlinge so richtig beeindrucken.«

»Wer sagt denn, dass ich nicht beeindruck bin?«

Kurz schleicht sich Unsicherheit in seinen Blick, er kaut auf der linken Seite seiner Unterlippe, aber ich erlöse ihn schnell und wechsele das Thema.

»Schicke Vespa.«

»Die gehört meinem Bruder, aber ich darf sie fahren, wenn er sie nicht braucht.«

»Nur im Dienst?«

Dabei deute ich auf sein T-Shirt, auf dem ein großer Panda eine noch größere Pizza über seinem Kopf balanciert. Als müsse er sich noch mal vom Motiv überzeugen, sieht er auf sein Shirt und zuckt dann fast entschuldigend die Schultern.

»Ist nur ein Sommerjob. Und nein, ich fahre damit auch privat rum.«

»Geht das denn?«

»Hier schon.«

»Gibt es hier viel zu erkunden?«

»Wenn man weiß, wo es sich lohnt, dann schon.«

Die Pizza wird langsam kalt, mein Magen knurrt leise, aber bestimmt, und trotzdem beende ich das Gespräch nicht.

»Und du weißt das, nehme ich an?«

»Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Und du?«

»In München.«

»Wow.«

Ja, klar, München beeindruckt immer. Vollkommen egal, welche Geschichte man dort zurückgelassen hat.

»Da können wir hier natürlich nicht mithalten.«

»Ihr habt immerhin einen Kegelklub.«

Konstantin sieht auf seine Schuhe - weiße Chucks - und schließlich wieder zu mir.

»Wenn du mal 'ne Dorfführung brauchst .«

Er zieht einen Kugelschreiber aus der Gesäßtasche seiner Jeans, beugt sich runter und schreibt mir seine Nummer auf den Pizzakarton.

»Lass mich raten, dann bist du mein Panda?«

»Ganz richtig.«

Wieder klopft er auf den Helm, an dem die beiden Ohren kleben.

»Gerüchte besagen, ich kenn mich hier gut aus.«

»Danke für das Angebot.«

Und dann muss er weiter, die nächste Bestellung ausliefern. Ich beobachte ihn dabei, wie er sich den Helm aufsetzt, dessen Bärenohren ihm offensichtlich nicht im Ansatz peinlich sind. Bevor er die Sonnenbrille aufsetzt, sieht er noch mal zu mir und salutiert, startet dann die Vespa und wendet geschickt in der Auffahrt. Zweimal hupt er kurz, dann rollt er zurück auf die Straße und...

»Die große Kunst der Autorin ist, schwere und teils harte Themen in so eine schöne Sommergeschichte zu verpacken, die sich [...] locker und leicht lesen lässt.«
 
»Ein wunderschöner Roman über den Sommer mit lauen Nächten, blühenden Feldern und dem puren Landglück, und dem Schatten den der Fremdenhass wirft.«
 
»Für mich ein unvergessliches Leseerlebnis und daher auch eine ganz große Leseempfehlung, nicht nur für junge Menschen.«
 
»Der Autorin ist gelungen authentisch, sympathische, nahbare und absolut unterschiedliche Charaktere zu erschaffen, die mir alle Herz gewachsen sind.«
 
»Eine tolles Buch über Liebe, Freundschaft und Mut für sich und andere einzustehen.«
 
»Ganz viel Respekt an die Autorin für dieses Buch, und wie gesagt: lest es einfach.«
 
»Ein Roman mit einer wichtigen Thematik, die sehr zum Nachdenken anregt.«

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