Weiberroman

 
 
Hoffmann & Campe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Juli 2013
  • |
  • 432 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-455-81177-3 (ISBN)
 
Der Roman, in dem sich eine ganze Generation wiedererkannte.

Der "Weiberroman", eine witzig-melancholische Liebeserklärung an die siebziger und achtziger Jahre und ein "präzises Sittengemälde seiner Zeit" (Tages-Anzeiger), ist endlich wieder lieferbar.

In den Liebesgeschichten von Gregor Schattschneider porträtiert Matthias Politycki seine Generation. Sofort nach Erscheinen im Sommer 1997 wählten die Kritiker den Weiberroman auf Platz 1 der SWR-Bestenliste. Es entbrannte eine regelrechte Debatte um die darin porträtierte Generation, die sich damit zum ersten Mal dezidiert von den 68ern absetzte - und das Buch wurde zum Bestseller. Politycki begründete damit seinen Ruf als "eminenter Humorist" (Reinhard Baumgart in der Zeit) und "Akrobat der Erinnerung" (Verena Auffermann in der Süddeutschen Zeitung).
  • Deutsch
  • Hamburg
  • |
  • Deutschland
  • 2,46 MB
978-3-455-81177-3 (9783455811773)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Matthias Politycki, 1955 geboren, lebt in Hamburg und München. Der »Grandseigneur unserer Literatur« (Tagesspiegel) zählt zu den renommiertesten deutschsprachigen Gegenwartsautoren. Seit dreißig Jahren veröffentlicht er Romane, Erzählungen und Essays, im Zentrum seines Werkes hat er selbst aber stets die Lyrik gesehen. Bei Hoffmann und Campe erschienen u.a. seine Gedichtbände Ratschlag zum Verzehr der Seidenraupe (2003), Die Sekunden danach (2009), London für Helden (2011) und Dies irre Geglitzer in deinem Blick (2015).

3. Texte und Zeugnisse


Unter den von Schattschneider zurückgelassnen Papieren finden sich nicht nur Fragmente, die als Teile des »Weiberromans« konzipiert wurden, sondern auch jede Menge privater Notizen bis hin zu Einkaufszetteln, Telephonnummern, kleinen Zeichnungen etc. Sie alle wurden in der Mappe »Texte und Zeugnisse«, Fragmentnummer TuZ/[laufende Nummer 1917], zusammengefaßt, aus der im folgenden nur ein geringer Ausschnitt geboten werden kann. Ausgewählt wurden Schattschneiders handschriftliche Fassungen seiner Gedichte »Penners Nachtlied« und »Ich-Verlust«, die von den gedruckten Fassungen erheblich abweichen, zwei Verlagsbriefe, Schattschneiders eigner Entwurf eines Umschlags für seinen Roman wie auch sein Entwurf eines Klappentextes, schließlich, als Kuriosa, eine völlig von ihm selbst geschwärzte Seite (bzw. deren Rückseite) und seine Liste »Schöne Frauennamen, weniger schöne und unschöne«.

Penners Nachtlied  (TuZ/Ly[1])

Unter allen Brücken

Schnarchst du dort auch.

Wahrscheinlich entstand das Gedicht in Schattschneiders früher Stuttgarter Zeit, etwa 1979/80; vgl. seine mehrfache Erwähnung von Pennern in »Katarina«. – Erstveröffentlichung (unter dem Titel »Brunnenwirts Nachtlied«) in: Nachtcafé (Sarzbüttel) Nr. 26, Herbst/Winter 86/87. – Wortlaut der publizierten Fassung: »Hinter all den Brücken/Gibt’s Bier,/’nen Haufen Dosen/fändet ihr/Dort für den Bauch:/Die Penner saufen im Walde./Wartet nur, balde/Sauft ihr dort auch.«

Ich-Verlust  (TuZ/Ly[2])

Du ißt vom selben Brot wie wir.

Auch du liest oft im Regenbogen

und wirfst dich fort als Glitzerwelle in dem Meer

von Leidenshoffnung. Und so sehr

ich auch dies alles weiß und mir beständig sage –

und nichts bleibt mehr von allem, was ich je gedacht, getan.

Auch dies ein typisches Jugendgedicht, entstanden vor 1977, wahrscheinlich wie »Aber draußen in Feldern oder so« im Zusammenhang der Geschehnisse um Kristina. – Erstveröffentlichung in: Wespennest. Zeitschrift für brauchbare Texte und Bilder (Wien) Nr. 71/1990.

An Gregor Schattschneider in München (TuZ/Br/[187]):

München, 1231992

Sehr geehrter Herr Schattschneider,

haben Sie vielen Dank für die Zusendung Ihrer Dichtung »Sommersänge«. Eine Veröffentlichung im Verlag C. H. Beck kann aus zwei Gründen leider nicht in Frage kommen. Zum einen ist C. H. Beck ein Sachbuchverlag, der keine zeitgenössische Lyrik herausbringt. Zum anderen scheint uns Ihr lyrisches Œuvre zu schmal, als daß man einen eignen Band damit füllen könnte. Drei kurze Gedichte (Gesamtumfang etwa vier Seiten) sind für eine Buchveröffentlichung entschieden zu wenig. Zudem handelt es sich bei zweien der drei Texte nicht um Erstveröffentlichungen; gewiß verfügt mancher interessierte Leser bereits über die Zeitschriften, in denen Ihre Gedichte zum ersten Mal erschienen sind. Das ohnehin begrenzte Lesepublikum könnte durch diesen Umstand auf ein Drittel schrumpfen. Es mag sein, daß es Ihnen deshalb nicht leichtfallen wird, einen Verlag zu finden, der Ihr dichterisches Werk als Buch herausbringt.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß wir aus diesen Gründen auf Ihr Angebot verzichten müssen.

Mit allen guten Wünschen für Ihre weitere Arbeit und mit besten Grüßen

Dr. Raimund Bezold

Verlag C. H. Beck

Lektorat

An Gregor Schattschneider in Frauenchiemsee (TuZ/Br[298]):

München, 15. Januar 1996

Lieber Gregor, ich bin Deine Verwirrspiele allmählich leid – und Autoren, die sich ständig selbst erfinden müssen, gibt es auch mehr als genug. Deine persönlichen Dinge sind Deine Sache, behellige also bitte nicht das ganze Haus damit. Ich will das Manuskript, bittesehr, und zwar zum vereinbarten Termin.

Nichts für ungut!

C.

Luchterhand Literaturverlag

Verlagsleitung

Umschlagentwurf von Schattschneiders eigner Hand, undatiert (TuZ/Z/[41]): Entwurf eines Klappentextes, handschriftlich, undatiert (TuZ/S/[12]):

Was tun, wenn sich eine ganze Kleinstadt in das Mädchen verliebt hat, das man selber anhimmelt? Und was, wenn man mit einer Frau befreundet ist, von der man Tag & Nacht träumt, für die man sich aber vor seinen Freunden schämt, weil sie anders spricht, denkt, ist als man selbst? Und was schließlich, wenn man mit einer Frau zusammenwohnt, die man zwar von ganzem Herzen verehrt, bewundert, liebt, aber vielleicht nur noch mit einem Viertel Herzen »begehrt«?

Drei Fragen im Leben des Gregor Schattschneider, drei Liebesgeschichten, die er als Teenager, als Twen, als Über-Dreißigjähriger durchlebt und die sich lediglich in einem einzigen Punkt ähneln: Sie gehen noch übler aus, als es Schattschneider im tiefsten Innern befürchtet hat, setzen jede eine gewaltige Zäsur, über die ihm nur eines hinweghilft: die Niederschrift ebenjener Geschichten, ebenjener Kapitel seines Weiber- und Lebensromans.

Drei Fragen, drei Frauen, drei Städte, drei Lebensalter – Schattschneider erzählt die Geschichte einer Generation, der 78er-Generation, die nichts mit den 68ern zu tun haben will und dafür auch irgendwann mal die Quittung kriegt. Erzählt, von Ostpolitik bis Mauerfall, von Schlaghosen bis Designerbrille, »was so los war« während der goldnen 70er und 80er Jahre. Erzählt, und zwar völlig unbeleckt von Political Correctness, »was so los ist« mit Männern & Frauen – und wie er das tut, mal witzig, ironisch, verspielt, mal melancholisch-lapidar, bestätigt aufs wunderbarste unsre Vermutung, daß gerade die klassischen Liebesgeschichten von jeder Generation immer wieder neu erzählt werden müssen, und zwar dringend.

Schattschneider hat – unter dem äußerst irreführenden Titel »Weiberroman« – ein Buch geschrieben, das es doppelt in sich hat: als Lebenspanorama einer gerade erst versunkenen Zeit, entworfen mit dem leidenschaftlich langen Atem der europäischen Tradition, die ihren Figuren erst einmal in aller Ausführlichkeit bei ihren alltäglichen Verrichtungen zusieht, ehe sie diese in den Strudel der Ereignisse und schließlich in den Abgrund reißt. Und, nicht zuletzt, als Hohelied auf die Frauen, als frappierend scharf konturierte Antwort auf die Frage, die nicht erst seit »Romeo und Julia« die Gemüter aller Liebenden und Geliebten (und mit ihnen aller Leser) bewegt, irritiert, fasziniert: die Frage, warum es so aberwitzig wunderbar und schrecklich zugeht zwischen den Männern und Frauen.

Die schwarze Seite (E[133]):

Aus der Fülle an geschwärzten Fragmenten, deren inhaltlicher Bezug zur erzählten Geschichte des »Weiberromans« offen bis fragwürdig ist (vgl. S. 376f. und meinen Exkurs in Anm. 32 zu »Kristina«), sticht eines hervor, das aus einer mit verschiednen Kugelschreibern, Blei- und Faserstiften wild übermalten und demzufolge völlig schwarzen Seite besteht. Aus naheliegenden Gründen gibt das für den Abdruck nichts her; wer sich trotzdem einen Eindruck davon verschaffen will, möge dies beispielsweise anhand des Ersten Buchs von Sternes »Tristram Shandy« (12. Kap.) tun, eines unsrer Lieblingsbücher übrigens, damals, in Wien. – Auf der Rückseite von Schattschneiders schwarzer Seite findet sich die folgende Notiz:

Cappuccino-Beutel ungesüßt

2 x Fanta

Dusch-Wisch-Ding

Burti oder so

Bretzel

KloPa

Erdnußglück

W-Bier

Miracoli

Schuhspr.

Schöne Frauennamen, weniger schöne und unschöne (TuZ/TaLi[25]):

Diese Liste, obwohl undatiert, ist in ihren Urspüngen sehr genau dem 12. Januar 1979 zuzuordnen, dem Abend unsres letzten Playmate-Seminars, vgl. S. 220. Selbstverständlich umfaßte unsre damalige Liste nur einen Bruchteil der im folgenden wiedergegebnen Namen; Schattschneider muß die Liste über Jahre hinweg weitergeführt und ergänzt, geradezu »aktualisiert« haben: Nicht wenige der von ihm aufgelisteten Frauennamen finden sich in mehreren Sparten, immer wieder aufs neue durchgestrichen und neu bewertet – allen voran der Name Tania, der, mit Ausnahme der Sparten –1 und +1 in allen andren Sparten auftaucht. – Wiedergabe der Liste nach dem letztgültigen Stand, also (aufgrund der Signifikanz einiger mit Bleistift bzw. Kugelschreiber zusätzlich eingetragener Namen) mindestens Ende ’95. Eine Kommentierung derselben, insbesondere die Korrektur einiger besonders eklatanter Fehlurteile (Uma +3! Josephine –4! usw.), wie auch eine weitere Ergänzung und Aktualisierung bleibt ein Desiderat der zukünftigen Schattschneider-Forschung.

Schöne Frauennamen, weniger schöne und...

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