Ein Griechenlandbuch für alle - Hellas mon amour

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. April 2020
  • |
  • 357 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-3935-4 (ISBN)
 
Ein Griechenlandbuch für alle: Für die Liebhaber des neuen Hellas mit seiner Schönheit, seiner Natur, seinem Flair, seinen so liebenswürdigen und gastfreundlichen Menschen. Für die Liebhaber des antiken Hellas mit seinen epochemachenden geistigen und künstlerischen Schätzen. Und für alle, die sich für das Urchristentum interessieren. Denn für Christen ist Hellas "heiliges Land". Ein Griechenlandbuch, zugleich mit Witz und wissenschaftlicher Akribie verfasst von einem ausgewiesenen Experten, einem Kenner des Landes, seiner Menschen, seiner Kultur und seiner Sprache oder Sprachen - je nachdem, ob man Alt- und Neugriechisch als zwei Sprachen oder nur als zwei verschiedene Formen ein und derselben Sprache betrachtet. (Für sämtliche Übersetzungen aus dem Alt- und Neugriechischen zeichnet der Verfasser selbst verantwortlich.) Karl Plepelits wurde 1940 in Wien geboren und lebt nach langen Wanderjahren jetzt in der Steiermark. E betätigte sich u.a. als Reiseleiter, als Privatgelehrter für Altertumswissenschaft und Byzantinistik und als Übersetzer griechischer Romane der Antike und des Mittelalters. Als literarischer Autor veröffentlichte er Kurzgeschichten und Romane, alle erschienen in der Edition Bärenklau.
  • Deutsch
  • 0,49 MB
978-3-7389-3935-4 (9783738939354)

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1990. Festland

7. April 1990.

Meine erste Reisegruppe macht sich unter der Obhut von Busfahrer Hansi auf den langen Weg in den Süden, wie Goethes Iphigenie "das Land der Griechen mit der Seele suchend". Und ich erzähle von der Entstehung des modernen griechischen Staates und muss dabei an Kostas' Worte denken, dass damit das Byzantinische Reich wiederbelebt wurde, soweit es sich vom türkischen Joch befreien konnte.

"Die ganze Wahrheit ist das freilich nicht. Griechenland konnte im Prozess der Nationsbildung noch viel weiter in die Geschichte als bis zum Mittelalter zurückblicken, so weit wie kein anderes europäisches Land. Fast die gleiche Bedeutung für das hellenische Nationalbewusstsein hatte nämlich das klassische Hellas. Übrigens war es keine Selbstverständlichkeit, dass sich die neue Nation Hellenen nannte. Dies ist nämlich die antike Bezeichnung, wobei der in den übrigen europäischen Sprachen übliche Name Griechen, Greeks, usw. auf die Römer zurückgeht, die sie Graeci nannten - warum, ist noch nicht überzeugend geklärt. Die Griechen selbst nannten sich seit der Römerzeit Römer, Romaioi (Romií), und ihre Sprache Römisch, Romäika. Das Byzantinische Reich nennen nur wir so. Die Byzantiner selbst nannten es Römisches Reich, Romanía. Der Name Hellenen war nicht unbekannt, bedeutete aber Heiden. Erst die Aufklärung und der Philhellenismus des 19. Jahrhundert führten dazu, dass die antiken Namen Hellas und Hellenen durch die Regierung und die Schule künstlich wiederbelebt wurden. Aber das änderte nichts daran, dass die Selbstbezeichnung als "Römer" im griechischen Volk bis heute lebendig blieb."

"Aber ist diese Identifikation mit den Griechen des Altertums nicht ein reiner Mythos?", fragt einer meiner Herren. "Es ist doch nachgewiesen, dass die heutigen Griechen nur hellenisierte Slawen und Albaner sind."

"Ah, Sie sprechen die bekannte These des Historikers Fallmerayer an, der in seinem 1830 erschienenen Werk Geschichte der Halbinsel Morea genau das behauptet. Damit verärgert er die Griechen bis heute. Also bitte, sagen Sie keinem Griechen, dass er nicht von den klassischen Hellenen abstammt. Sie würden ihn tödlich beleidigen."

"Aber dass im Mittelalter massenhaft Slawen und Albaner eingewandert sind, ist doch Tatsache."

"Vollkommen richtig. Aber die alten Griechen wurden deshalb ja nicht ausgerottet. Übrigens sind die klassischen Griechen selbst durch die Vermischung zweier prähistorischer Volksgruppen entstanden. Das waren einerseits die mittelmeerischen Träger der Kykladenkultur des 3. Jahrtausends vor Christus und der minoischen Kultur des 2. Jahrtausends vor Christus, andererseits die indoeuropäischen Sprecher des Griechischen, die zwischen 2000 und 1200 vor Christus einwanderten und sich mit der Urbevölkerung vermischten. Und vergessen wir nicht, dass sich seit Alexander dem Großen die Griechen selbst im gesamten Orient, ja bis an den Indus ansiedelten und die griechische Kultur und die griechische Sprache weithin verbreiteten. Dementsprechend zerfiel das Römische Reich in zwei Hälften, eine lateinischsprachige Westhälfte und eine griechischsprachige Osthälfte. Musterbeispiel Apostel Paulus aus Tarsus: Er war erstens Jude, zweitens Grieche, denn er wuchs in der griechischsprachigen Stadt Tarsus auf und schrieb wie die Evangelisten griechisch, und drittens römischer Bürger; als solcher bezeichnet er sich selbst in der Apostelgeschichte (22,25ff.).

Und nun wollen wir ein bisserl virtuelle Geschichtsbetrachtung betreiben und als gegeben annehmen, dass Mohammed nie auf die Idee gekommen wäre, eine neue Religion zu gründen, und dass die Türken nie den Drang verspürt hätten, ihre zentral- und ostasiatische Urheimat zu verlassen. Dann hätte das griechische Ostrom weiterhin geblüht, und es wären rund ums östliche Mittelmeer eine Reihe von Völkern entstanden, deren Sprachen sich alle aus dem klassischen Griechisch gebildet hätten. Wir würden sie vielleicht hellenisch nennen, so wie wir die Sprachen auf dem Gebiet Westroms romanisch nennen, weil sie sich aus dem Lateinischen Roms gebildet haben. So aber haben zuerst die Araber und dann die Türken das griechische Sprachgebiet so weit zurückgedrängt, dass es praktisch auf das heutige griechische Staatsgebiet beschränkt ist. Sogar die ehrwürdige alte Hauptstadt Konstantinopel zählt heute kaum noch 2000 Griechen. 1919 waren es noch 350.000, fast ein Drittel der damaligen Einwohnerzahl.

 

8. April 1990.

Heute betreten wir das "Land der Griechen", das Land der Philosophie, der politischen Visionen, des gewaltigen Bühnendramas. Das Land Homers. Und siehe da, es präsentiert sich unseren faszinierten Augen in seinem allerschönsten Kleid, dem Kleid des Frühlings, für den die heutigen Griechen das schöne Wort "Eröffnung" haben.

Wir betreten das "Land der Griechen", und uns empfangen die Aufschriften in der altehrwürdigen griechischen Schrift, der Mutter der kyrillischen und der lateinischen Schrift. Natürlich hat sich das Griechische wie jede andere Sprache im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelt, sprich, verändert. Nur, eine Rechtschreibreform hat man wie im Englischen nie durchgeführt. Man schreibt also heute noch wie vor 2000 Jahren, spricht die Buchstaben aber zum Teil anders aus. Was bei der Transkription griechischer Namen in lateinische Buchstaben ein gewaltiges Problem darstellt, zumal auch diese in den verschiedenen Sprachen zum Teil verschieden ausgesprochen werden. Denken Sie zum Beispiel daran, wie TH und Z im Englischen ausgesprochen werden. Nebenbei: Genauso werden TH und Z im heutigen Griechisch ausgesprochen. Das können wir übrigens gleich üben, nämlich mit dem Namen unseres heutigen Tagesziels: Thessaloniki, gegründet 315 vor Christus vom makedonischen König Kassandros und nach dessen Gemahlin Thessalonike, einer Schwester Alexanders des Großen, benannt (die ihrerseits so hieß, weil sie am Tag des makedonischen Sieges über Thessalien in der Schlacht auf dem Krokusfeld 352 vor Christus geboren wurde). Aber das Schluss-E in Thessalonike ist ein Eta, ein langes E. Und Eta wird heute eben wie I ausgesprochen. Desgleichen EI, OI und Y. Und noch etwas: H wird wie in vielen anderen Sprachen nicht ausgesprochen. Die Griechen sagen also nicht Hellas, sondern Ellas.

Thessaloniki erreichen wir gegen Abend. Zugleich erreichen wir das Meer, die Ägäis, den innersten Zipfel des Thermaischen Golfs. Eine ausführliche Besichtigung geht sich heute nicht mehr aus, nur noch eine Stadtrundfahrt mit Fotostopps, zu denen uns einige besonders fotogene Plätzchen verlocken: der Weiße Turm (15. oder 16. Jahrhundert), das Wahrzeichen Thessalonikis auf der ausnehmend hübschen Strandpromenade, sodann die mittelalterliche Zitadelle hoch über der Stadt an der Stelle der antiken Akropolis und die spätantiken Stadtmauern. Und da wir dabei an einer idyllisch gelegenen Taverne mit blütenreichem Gastgarten vorbeikommen, legen wir hier eine Rastpause ein, um uns in geschichtsträchtiger Atmosphäre auf Griechenland einzustimmen.

Plötzlich hört man einen heftigen Wortwechsel zwischen einem meiner Herren und dem Kellner. Natürlich springe ich sofort auf, um zu vermitteln. Und da beschwert sich der Kellner, der Herr habe "Turkish coffee" verlangt. So einen Kaffee gebe es in ganz Griechenland nicht, und überhaupt sei alles Türkische ein rotes Tuch für die Griechen. Durch ausdrückliche Entschuldigung gelingt es mir, die Wogen zu glätten und ihn zu veranlassen, dem Herrn "Ellinikó kafé", "Griechischen Kaffee", zu bringen. Und dem Herrn erkläre ich: "Natürlich ist das türkischer Mokka. Aber nennen Sie ihn um aller Götter willen nie wieder türkisch. Früher sagte man auch in Griechenland Turkikó kafé". Aber seit der türkischen Invasion auf Zypern und der Teilung der Insel 1974 ist die Abneigung gegen alles Türkische so stark, dass seither krampfhaft versucht wird, die griechische Sprache, vor allem Orts- und Familiennamen, quasi zu enttürkifizieren. So hieß einer der zwei Jachthäfen im Piräus früher Turkolimáno. Auf den neuen Karten heißt er Mikrolimáno, Kleiner Hafen. Ein Sprachforscher hat kürzlich über 1000 Wörter türkischen Ursprungs im Griechischen ausgemacht.

Bald sehen alle, wie griechischer Kaffee serviert wird: in einem langstieligen Kupferkännchen, aus dem er in eine Porzellantasse gegossen und eventuell mit Zucker gesüßt wird. Touristen wird gelegentlich Milch angeboten. Die Griechen trinken den Kaffee normalerweise skéto, das heißt, ohne Zusatz, also schwarz.

Schließlich steuern wir unser heutiges Hotel an. Und siehe da, hier erwartet uns eine attraktive junge Fremdenführerin, die sich als Paraskeví vorstellt.

 

9. April 1990.

Aus der Zeit der griechischen Klassik, sprich, aus dem 5. und 4. Jahrhundert vor Christus, besitzt Thessaloniki naturgemäß keine Überreste. Auch die Spuren aus der hellenistischen Zeit nach der Gründung sind verschwindend gering. Besser dokumentiert ist die römische Kaiserzeit, vor allem durch die teilweise ausgegrabene Agora (Forum) genau in der Mitte der von den Stadtmauern umschlossenen Altstadt.

Als Erstes zeigt uns Paraskeví zwei spätantike Baudenkmäler aus dem Beginn des 4. Jahrhundert: den Galerius-Bogen und die sogenannte Rotunde. Der mit historisch interessanten, aber wenig qualitätvollen Reliefs verzierte Galerius-Bogen ist der Rest eines Triumphbogens zu Ehren des Kaisers Galerius, der hier...

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