Das Bild des Zaren

Roman
 
Matthew Plampin (Autor)
 
Random House ebook (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 17. Februar 2011 | 640 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05369-7 (ISBN)
 
Die Geschichte einer Liebe, die gegen alle Schicksalsschläge gefeit ist
Krim, 1854: Thomas Kitson, Korrespondent einer Londoner Zeitung, wird als Berichterstatter in den Krieg gesandt. Schon bald macht er es sich zur Aufgabe, die Inkompetenz der Generäle zu entlarven. So wird Oberst Boyes schnell zum persönlichen Feind.
Manchester, 1857: Nach seiner Rückkehr arbeitet Kitson als Gesellschaftsreporter. Eher durch Zufall lernt er die junge Witwe Jemima James kennen. Schon bald fühlen sich die beiden zueinander hingezogen. Doch dann wird Kitson von seiner Vergangenheit eingeholt. Und er und Jemima geraten in große Gefahr ...


Matthew Plampin wurde 1975 geboren und wuchs in Essex auf. Er studierte englische Literatur und Kunstgeschichte an der Universität von Birmingham und promovierte am Courtauld Institute of Art in London. Hauptberuflich arbeitet er als Dozent für die Kunst und Architektur des 19. Jahrhunderts. »Das Bild des Zaren« ist sein erster Roman. In England hat er bereits einen weiteren historischen Roman veröffentlicht.
weitere Ausgaben werden ermittelt
Manchester Juni 1857 (S. 362-363)

1


Cregg hatte schon den halben Nachmittag zusammen mit Stewart auf der London Road gewartet. Die beiden teilten sich eine Flasche Gin und waren bemüht, die bescheidene Eingangstür der Absteige nicht aus den Augen zu lassen. Cregg wusste genau: Ihm blieb nur noch diese eine Chance. Er hatte genügend Leute zugrunde gehen sehen und wusste daher, was ihm selbst drohte. Trotzdem schien er zu schwach, um sich gegen sein Schicksal aufzulehnen.

Seine Vergeltungsschläge gegen die Armee, gegen Wray - nichts davon hatte ihm ein Gefühl der Genugtuung oder der Erleichterung verschafft. Ja, bisweilen hatte er sogar das Gefühl, als ob dadurch alles nur noch schlimmer geworden wäre. Seine Hand, sein Bein, sein Gesicht - ein einziger Schmerz, manchmal so schlimm, dass es ihm schier den Magen umdrehte, dass er kaum mehr etwas sehen konnte. Für dies alles gab es nur eine Lösung, eine einzige Lösung: die Flasche.

Entsprechend spärlich waren seine Erinnerungen an die Zeit, die er bisher in Manchester verbracht hatte - nur undeutliche Bilder heruntergekommener Spelunken und Absturzkneipen, schmuddeliger dunkler Gassen und Hinterhöfe, abgewirtschafteter Zwei-Zimmer-Häuser, halb eingestürzter Kellerlöcher; und dazu der infernalische Lärm der Fabriken. Gekotzt hatte er in letzter Zeit auch ziemlich häufig und es ein paarmal mit einer zahnlosen - mindestens fünfzig Jahre alten - Hure getrieben. Einfach trostlos. Außerdem konnte er sich noch vage daran erinnern, dass er sich zum Schlafen meist ziemlich unsanft zwischen diverse hustende Gestalten gelegt hatte, die sich irgendwo auf einem Holzfußboden zusammendrängten.

Irgendwann hatte er dann Stewart aufgegabelt, einen blassen, durchtriebenen Iren. Doch er wurde den Gedanken nicht los, dass der Mann nicht nur einen Kameraden suchte, sondern noch etwas anderes im Schilde führte. Auch Stewart war Vollalkoholiker. Trotzdem hörte er sich Creggs Kriegsgeschichten immer wieder geduldig an - all die rührseligen Lobeshymnen auf gefallene Kameraden und die Soldatenlieder, die sein neuer Freund bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit anstimmte.

Angeblich hatte er früher mal als Werkzeugmacher gearbeitet, doch das lag schon eine ganze Weile zurück, und seither hatte er sich vor allem der Selbstzerstörung gewidmet. Soweit Cregg sich erinnerte, war er selbst erst kürzlich, erst vor drei, vier Tagen - den Mund voll Stroh - morgens in der Gosse aufgewacht. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, doch als er sich hinsetzte und seine Gedanken sortierte, war ihm plötzlich wieder eingefallen, dass am Vorabend etwas Schlimmes passiert sein musste.

Er saß direkt vor einem Wirtshaus namens Hare and Hounds und konnte sich noch schwach entsinnen, dass er in das Lokal gegangen war, weil er dort eine wichtige Verabredung gehabt hatte. Ob es zu der geplanten Begegnung gekommen war, wusste er jedoch beim besten Willen nicht mehr zu sagen. Doch dann fiel ihm plötzlich wieder ein, dass er sich ja nicht ganz ohne Grund in Manchester aufhielt. Da war doch etwas. Ach ja, ein Racheplan. Aber was hatte es damit noch mal auf sich, und welche Rolle war ihm selbst dabei eigentlich zugedacht? Er hatte nicht die blasseste Ahnung.

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