Zurück nach Hollyhill

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. Februar 2013
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09292-4 (ISBN)
 
Hollyhill - das Dorf, das durch die Zeit reist

Wie weit würdest du gehen? Um das Geheimnis deiner Herkunft zu lüften, den Jungen deiner Träume zu bekommen und deine Freundin zu retten? Für die 17-jährige Emily werden diese Fragen plötzlich entscheidend, als sie nach dem Abitur in das geheimnisvoll einsame Dartmoor reist, um das Dorf ihrer verstorbenen Mutter zu finden. Ein Dorf, das auf keiner Karte eingezeichnet ist. Das jedoch genau der Junge kennt, der in Emily von der ersten Sekunde an Gefühle auslöst, die irgendwo zwischen Himmel und Hölle schwanken .

Emily kann es nicht fassen! Am Tag ihres Abiturs erhält sie einen Brief ihrer verstorbenen Mutter, in dem diese Emily in geheimnisvollen Worten beschwört, das Dorf aufzusuchen, das einst ihre Heimat war. Kurzerhand steigt Emily in München ins Flugzeug - und landet allein und vom Regen durchnässt mitten im englischen Dartmoor. Hilfe naht in Form eines Geländewagens, darin Matt, der attraktivste Junge, den Emily je gesehen hat. Als sie ihn nach dem Weg nach Hollyhill fragt, verändert Matt sich jedoch schlagartig. War er zuvor offen und hilfsbereit, stimmt er nun nur widerwillig zu, Emily nach Hollyhill zu bringen. Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch das einsame Moor landen sie schließlich in dem winzigen Dorf, dessen Bewohner zwar alle ein wenig schrullig, aber freundlich zu Emily sind. Nur Matt, der Junge, in den sie sich Hals über Kopf verlieben könnte, gibt ihr bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Gefühl, unerwünscht zu sein. Bis eines Nachts ein Mörder auftaucht und Emily entführt. Und plötzlich findet sie sich im Jahr 1981 wieder - und dort sind die gewöhnungsbedürftige Mode und ein grimmiger Matt ihr geringstes Problem .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,72 MB
978-3-641-09292-4 (9783641092924)
weitere Ausgaben werden ermittelt

2

In der Nacht vor ihrem Abflug hatte Emily so schlecht geträumt wie seit Jahren nicht.

Sie war über eine Weide gestolpert, die so bucklig war, dass ihre nackten Füße bei jedem zweiten Schritt einknickten. Der Wind rupfte an ihren Haaren und ihrem Pullover, der Regen durchweichte ihre Kleidung genauso wie ihre Haut, die an den Händen bereits schrumpelte. Bei einem ihrer hektischen Versuche, über die Schulter nach hinten zu blicken, stürzte sie über einen der Grasbuckel und schlug sich das Knie an einem Stein auf. Emily ignorierte das Loch in ihrer Jeans und hastete weiter, auf den schwarzhaarigen Jungen zu, der ihr mit weit aufgerissenen Augen etwas zurief. Er saß auf einem Pferd, das ihr Angst machte, weil es wie verrückt auf der Stelle tänzelte, aufgescheucht vom Sturm und . von irgendetwas anderem. Emily schreckte vor dem dunklen Tier zurück, zur gleichen Zeit zerrte eine Böe an ihr und warf sie auf den Boden. Sie war kaum aufgeschlagen, da griff eine Hand nach ihr und .

Emily erschauerte. Sie wollte gar nicht wissen, wer oder was dort an ihrem Arm gerissen hatte und sie würde es auch nicht herausfinden, denn genau in diesem Moment war sie mit dem Kopf gegen die Nachttischkante geschlagen und aufgewacht.

Emily rieb sich die Stirn. Diese ziemlich unerfreuliche Nacht hatte eine Beule hinterlassen, die bei ihrem letzten Blick in den Spiegel schon eine bläuliche Färbung angenommen hatte. Da zahlt es sich doch mal aus, Pony zu tragen, dachte sie und drückte ihre Stirn gegen die kühle Scheibe des Reisebusses.

Den Flug von München nach London hatte sie dank wiederholter Atemübungen ihrer Yogalehrerin gut überstanden, auf der Zugfahrt nach Exeter war sie allmählich ruhiger geworden. Doch nun saß sie seit knapp anderthalb Stunden in dem klapprigen Bus und wurde langsam wieder nervös: Sie zuckelten mehr durch das Dartmoor als dass sie fuhren, von einem kleinen Ort zum nächsten. Dabei wollte sie eigentlich nicht im Dunkeln in Bellever Tor ankommen, sie wusste schließlich noch nicht einmal, wo sie dort übernachten sollte. Und der Busfahrer war ihr auch keine wirklich große Hilfe gewesen. Von einem Ort namens Hollyhill jedenfalls hatte er noch nie etwas gehört.

Geistesabwesend drehte Emily das Kettchen an ihrem Arm und starrte auf die Landschaft, die wie in Zeitlupe an ihr vorüberzog. Bis eben hatte sie hauptsächlich Felder gesehen: grüne, weite Felder, durchsetzt mit braun und gelb bewachsenen Buckeln und gesprenkelt mit Schafen. Ab und an ragte ein vom Wind zerzauster Baum in den Himmel, und immer wieder trennten Steinmäuerchen das Gras in einzelne Parzellen, doch darüber hinaus - nichts. Kilometerweit kein Haus, kein Auto, kein Mensch. Bis auf die winzigen Dörfer, die sie anfuhren, war kaum ein Zeichen von Zivilisation zu erkennen. Dieses Moor war unendlich weit und schön - und unheimlich. Und erst der Himmel, der das alles überspannte: Er reichte von tiefschwarzen Wolken bis zu hellblauen Tupfen und silbernen Strahlen dort, wo sich die Sonne durchzukämpfen versuchte.

Emily starrte und blinzelte dann zweimal, um sich selbst aus ihrer Trance zu holen. War sie nicht schon viel zu lange unterwegs? Sie wollte gerade die Aufmerksamkeit auf den Fahrer lenken, um ihn zu fragen, wann sie ihr Ziel erreichen würden, als der Bus rumpelnd zum Stehen kam.

»Bellever Tor«, grummelte der Mann mit sonorer Stimme und drehte Emily sein knittriges Gesicht zu. »Wolltste nicht hier aussteigen? Näher kann ich dich nicht bringen, Schätzchen, sorry

Emilys Englisch war nicht schlecht. Ihre Mutter hatte die wenigen gemeinsamen Jahre nur in dieser Sprache mit ihr gesprochen, und später hatte sie sich große Mühe gegeben, diese, ihre Sprache so wenig wie möglich zu vergessen. Jedenfalls bereitete es ihr keine Probleme, den breiten Akzent des Fahrers zu entschlüsseln.

»Gibt es noch einen anderen Halt in Bellever Tor?«, fragte sie und schielte aus dem Fenster. Sie hatten am linken Straßenrand gehalten, vor einem Viehgatter, über das man eine Weggabelung erreichte. Weit und breit war kein Haus zu sehen, nur Wald und Felder. Emily wandte sich wieder dem Fahrer zu.

»Nah«, antwortete der. »Wirst'n bisschen laufen müssen. Am besten da lang.« Er nickte mit dem Kopf in Richtung eines Schotterwegs, der direkt zwischen die Schatten der Bäume führte und um diese Nachmittagszeit bereits beängstigend düster wirkte. »Oder nimmste den, is' aber noch'n bisschen länger.« Diesmal zeigte er auf die schmale, asphaltierte Straße, die am Rande des Waldes verlief und weiter vorn einen Bogen um diesen zu schlagen schien.

Emily seufzte. Das waren ja großartige Aussichten. Sie schnappte sich Rucksack und Rollkoffer und quetschte sich umständlich die schmalen Stufen hinunter aus dem Bus. Der Fahrer sah ihr nachdenklich zu. »Willste wirklich mit dem Koffer da rauf? Da hinten ist Postbridge, da nimmste dir besser erst ma'n Zimmer. Oder gehste da lang«, schlug er vor und zeigte in Richtung des asphaltierten Weges, »da kommt 'ne Jugendherberge irgendwann.«

»Zimmer suchen, klar«, murmelte Emily. Genau das hab ich ja vor. Sie hob den Kopf und nickte dem Busfahrer zum Abschied zu. »Vielen Dank«, sagte sie entschieden. »Ich komme schon zurecht.«

Etwa eine halbe Stunde später war sich Emily nicht mehr so sicher. Sie hatte es ein paar Schritte mit dem Feldweg probiert und dann schnell aufgegeben: Die Rollen ihres Koffers wollten sich auf dem Schotter einfach nicht vorwärts bewegen. Und ein wirklich gutes Gefühl hatte ihr der Wald ohnehin nicht bereitet. Also war sie umgekehrt und hatte sich die längere Variante vorgenommen. Bloß: Wie lang konnte die eigentlich sein?

Es war schon fast fünf Uhr. Und es hatte angefangen zu regnen. Emily blieb am Straßenrand stehen, ließ ihren Rucksack von den Schultern gleiten und durchwühlte ihr Handgepäck nach der zitronengelben Regenjacke, die ihr Fee zusammen mit einem pinken Schirm zum Abschied geschenkt hatte. Das war ihre Art von Humor. Sie schlüpfte in die Jacke und friemelte ihre langen, braunen Haare unter die Kapuze. Schon besser. Eine Viertelstunde würde sie noch weiterlaufen, wenn sie dann immer noch nicht in Bellever Tor angekommen war, würde sie umkehren und sich in - wie hieß das noch? Postbridge? Dort würde sie sich ein Zimmer suchen.

Energisch umfasste Emily den Griff ihres Koffers und zog ihn weiter. Sie vermied es, nach rechts zu blicken in den immer dunkler werdenden Wald und konzentrierte sich stattdessen auf die weite Landschaft, die sich auf der anderen Seite vor ihr erstreckte: Wie ein flauschiger Bettüberwurf schmiegte sich die saftig grüne Wiese über ein Meer von kleinen Hügeln, auf deren Spitzen Ginsterbüsche blühten und Grasbüschel wucherten. Es war so still hier. Sie hörte nichts außer den Tropfen, die auf ihre Kapuze prasselten. Und es roch so gut: Nach Gras und Erde und Regen.

Emily war so auf sich selbst konzentriert und auf die ruhige Kraft, die von ihrer Umgebung ausging, dass sie das Auto erst bemerkte, als es neben ihr zum Stehen kam.

Sie erschrak fürchterlich und verschluckte sich dabei. Während sich das Fenster des schwarzen Geländewagens surrend öffnete, hustete Emily ununterbrochen und versuchte gleichzeitig, wieder Luft in ihre Lungen zu bekommen. Ein junger Typ streckte den Kopf heraus. Emily sah zu ihm auf und war so entsetzt, dass sie erneut die Luft anhielt und noch lauter zu husten begann.

»Oh, wow, sorry, ich wollte dich nicht erschrecken«, erklärte der Junge schnell. Er klang selbst einigermaßen schockiert. »Ich dachte nur - du sahst aus, als hättest du dich verlaufen.«

Das konnte unmöglich sein.

Emily blickte in die meerblauen Augen des Jungen, in sein schönes Gesicht, das von tiefschwarzen Haaren umrahmt war. Hätte er auf einem Pferd gesessen, sie wäre schreiend davongelaufen. So aber starrte sie ihn nur ungläubig an, bevor sie sich räusperte, um ihre Stimme wieder zu finden.

»Lieber Himmel, wie kann man sich nur so anschleichen«, krächzte sie.

»Anschleichen?« Perplex erwiderte der Junge Emilys Blick. Er hatte links neben ihr gehalten und saß dennoch auf der richtigen Seite, um mit ihr zu sprechen - an den Linksverkehr würde sie sich wohl erst gewöhnen müssen. Er klopfte mit einer Hand auf das Blech seiner Tür und fuhr fort: »Ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass ich mich mit diesem Ungetüm anschleichen könnte, aber . nun ja.« Er lächelte sie an, immer noch erstaunt. »Also: Hast du dich verlaufen? Soll ich dich mitnehmen oder macht es dir Spaß, im Regen durch die Landschaft zu spazieren?«

Emily bewegte sich nicht. Sie war sich bewusst, dass er auf eine Antwort wartete, doch sie sah sich nicht in der Lage, eine zu formulieren. Sie hatte nicht wirklich von diesem Jungen geträumt, oder etwa doch? Von einem wildfremden Engländer, den sie nie zuvor gesehen hatte?

Sie hörte ihn Luft holen. »Okay .«, setzte er an, und Emilys Gedanken schnappten zurück in die Gegenwart.

Blödsinn, schalt sie sich.

Laut fragte sie: »Entschuldige, was hast du gesagt?«

Der Junge runzelte die Stirn. »Du siehst aus, als hättest du dich verirrt«, wiederholte er betont langsam, »und ich wollte wissen, ob ich dich irgendwo hinfahren...

"Pilz schreibt in klaren Sätzen, packt Emotionales zwischen die Zeilen, lässt Platz für die eigene Phantasie, gerade von jungen Menschen, die Abenteuer und Zuneigung suchen."
 
"Spannender und gefühlvoller Zeitreiseroman!"
 
"Pilz spielt gekonnt mit dem Zeitreisegedanken und verbindet ihn mit einer Liebesgeschichte, was zumal dem jungen weiblichen Zielpublikum gefallen dürfte."
 
"'Zurück nach Hollyhill' ist ein Zeitreiseroman der besonderen Art."
 
"'Zurück nach Hollyhill' ist ein Fantasy-Roman, der plötzlich zum Krimi wird. Das ist überraschend, bereitet aber enormen Lesespaß."
 
"Ein elegant geschriebenes, clever konstruiertes Buch zwischen Fantasy, Science-fiction, Thriller und Romanze. Ausdrücklich nicht nur für junge Leserinnen."
 
"Der erste Roman von Alexandra Pilz macht Schlagzeilen und die Autorin zeigt, dass sie zu den Stars am Himmel der deutschen Jugendliteratur gehört."

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