In den Augen der anderen

Roman
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. August 2011
  • |
  • 690 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1028-0 (ISBN)
 
Jacob hasst die Farbe Orange. Und er hasst es, wenn sein gewohnter Tagesablauf gestört wird. Routinen sind für ihn lebenswichtig, denn er leidet unter dem Asperger-Syndrom. Doch dann wird seine Erzieherin erschlagen, und Jacob wird des Mordes verdächtigt. Die von seiner Mutter Emma mühsam erkämpfte 'Normalität' bricht zusammen. Alle Beweise sprechen gegen Jacob. Doch Emma nimmt den Kampf auf. Denn es geht darum, ihren Sohn vor dem Gefängnis zu bewahren - und um die Rechte von Menschen, die anders sind.
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 1,82 MB
978-3-8387-1028-0 (9783838710280)
3838710282 (3838710282)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"Jacob (S. 150-151)

Ich war nie ein großer Fan von Typisch Lucy. Aber wenn ich die Folge sehe, in der Lucy und Ethel in der Süßigkeitenfabrik am Packband arbeiten, muss ich jedes Mal lachen, über die Art, wie sie sich die Süßigkeiten in den Mund und ihre Uniformen stopfen … Nun ja, da wissen Sie als Zuschauer schon, dass Lucy am Ende ihr berühmtes Heulen heulen wird. Als Detective Matson mir all diese Fragen stellt, fühle ich mich wie Lucy in der Süßigkeitenfabrik.

Zuerst komme ich mit – besonders, nachdem mir klar geworden ist, dass er mich nicht wegen meiner Einmischung bei dem Erfrorenen zur Rede stellen will –, doch dann wird es immer komplizierter. Die Fragen stapeln sich wie Lucys Süßigkeiten, und ich bin noch immer dabei, die letzte zu verpacken, da stellt er mir schon die nächste. Ich wünschte, ich könnte seine Worte nehmen und irgendwohin stopfen, wo ich sie nicht mehr hören muss. Kaum hat die Werbung angefangen, da steht Detective Matson vor mir. In dem Clip wird für Pedi Paws geworben, einen neuartigen Krallenschneider für Haustiere.

Das erinnert mich an den Zwergpudel, den wir in der Pizzeria gesehen haben, und das wiederum erinnert mich an Jess, und ich habe das Gefühl, als wäre ein Vogel in meiner Brust gefangen. Was würde Detective Matson wohl sagen, wenn er wüsste, dass ich just in diesem Augenblick Jess’ pinkfarbenes Handy in der Tasche habe? »Ich habe nur noch ein paar Fragen, Jacob«, verspricht Detective Matson, »und ich werde darauf achten, dass es nicht länger als neunzig Sekunden dauert.« Er lächelt, aber nicht, weil er glücklich ist. Ich hatte mal einen Biologielehrer, der genauso war. Wenn ich Mr. Hubbards Fehler vor der Klasse korrigiert habe, dann hat er nur mit der linken Seite seines Mundes gelächelt.

Aber dieses komische, halbe Lächeln bedeutete offensichtlich, dass er sich ärgerte. Also bin ich wegen schlechten Benehmens zum Direktor geschickt worden, obwohl das eigentliche Problem war, dass der Gesichtsausdruck eines Menschen nicht immer widerspiegelt, wie er sich innerlich fühlt. Detective Matson schaut auf mein Notizbuch. »Wofür ist das?«, fragt er. »Ich mache mir Notizen zu den einzelnen Folgen«, erkläre ich ihm. »Ich habe über hundert.« »Episoden?« »Notizbücher.«

Er nickt. »War Mark bei Jess, als du dort angekommen bist?« »Nein.« Jetzt wird im Fernsehen für Zahnpasta geworben. Insgeheim habe ich schreckliche Angst davor, alle meine Zähne zu verlieren. Manchmal träume ich davon, aufzuwachen und sie alle wie Murmeln auf meiner Zunge zu spüren. Ich schließe die Augen, damit ich nicht hinsehen muss. »Kennen Sie Mark?«, frage ich. »Wir haben uns getroffen«, antwortet der Detective. »Hast du mit Jess je über ihn gesprochen?« Ich habe die Augen noch immer geschlossen; vielleicht sehe ich ja deshalb, was ich sehe: Mark, der in der Pizzeria seine Hand unter Jessicas Bluse schiebt. Sein furchtbares orangefarbenes Sweatshirt. Den Ohrring in seinem linken Ohr.

Die blauen Flecken, die ich an Jess’ linker Seite gesehen habe, als sie nach einem Buch auf dem Regal gegriffen hat – zwei unregelmäßige purpurfarbene Flecken wie Qualitätsstempel auf einer Rinderhälfte. Sie hat mir erzählt, sie sei von einer Trittleiter gefallen, aber sie hat weggeschaut, als sie das gesagt hat. Und im Gegensatz zu mir, der ich wegschaue, weil es mir angenehmer ist, schaut sie nur weg, wenn ihr etwas unangenehm ist."

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