Komm, und küss mich!

Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Januar 2013
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10756-7 (ISBN)
 
Sie passen so gut zusammen wie Kaviar und Bier, wie Benzin und ein brennendes Streichholz. Und trotzdem verlieben sie sich Hals über Kopf ineinander: die britische Lady Francesca Day und Dallie Beaudine, der amerikanische Sportler. Es wird eine heiße, stürmische - und kurze - Liebesbeziehung. Aber als sie einander wiederbegegnen, beginnt das aufregendste Abenteuer ihres Lebens .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,99 MB
978-3-641-10756-7 (9783641107567)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Susan Elizabeth Phillips ist eine der meistgelesenen Autorinnen der Welt. Ihre Romane erobern jedes Mal auf Anhieb die Bestsellerlisten in Deutschland, England und den USA. Die Autorin hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Chicago.

1


Als man Francesca zum ersten Mal ihrer Mutter, Chloe Serritella Day, in den Arm legte, brach diese in Tränen aus. Sie behauptete, die Schwestern in der Londoner Privatklinik hätten ihr Baby vertauscht. Jeder Schwachkopf müßte auf den ersten Blick erkennen, daß so ein häßliches kleines Geschöpf unmöglich aus ihrem makellosen Körper kommen konnte.

Da kein Ehemann zur Hand war, der die hysterische Chloe hätte trösten können, hatten die Schwestern ihre liebe Mühe mit ihr. Sie versicherten, daß die meisten Neugeborenen in den ersten Tagen alles andere als gut aussehen. Chloe verlangte von ihnen, das häßliche kleine Kuckucksei fortzuschaffen und ihr schleunigst ihr eigenes süßes Baby zu bringen. Dann schminkte sie sich und empfing ihre Besucher – das waren unter anderem ein französischer Filmstar, der britische Innenminister und Salvador Dalí. Sie bekamen eine tränenreiche Schilderung der entsetzlichen Tragödie zu hören, deren Opfer Chloe angeblich geworden war. Die Besucher, seit langem an die dramatischen Auftritte der schönen Chloe gewöhnt, streichelten ihr die Hand und versprachen, der Sache auf den Grund zu gehen. Dalí, in einem Anfall von Großherzigkeit, verkündete, er werde eine surrealistische Version des Kindes malen und sie ihm zur Taufe schenken. Glücklicherweise verlor er das Interesse an dem Projekt und schickte statt dessen ein Set vergoldeter Kelche.

Eine Woche ging dahin. An ihrem Entlassungstag kleidete sich Chloe in ein loses schwarzes Gewand von Balmain mit breitem Organdykragen und ebensolchen Manschetten. Danach führten die Schwestern sie zu einem Rollstuhl und legten ihr das verstoßene Kindlein in den Arm. Nun hatte sich dessen äußere Erscheinung in der Zwischenzeit nicht wesentlich verbessert, aber als Chloe das kleine Bündel in ihrem Arm sah, erlebte sie einen für sie typischen blitzschnellen Stimmungsumschwung. Sie schaute in das fleckige Gesicht und verkündete vor Gott und der Welt, auch in der dritten Generation sei die Schönheit der Serritellas gesichert. Niemand war so taktlos zu widersprechen, was sich später auch als gut herausstellte. Innerhalb von wenigen Monaten sollte sich Chloes Prophezeiung erfüllen.

Chloes Empfindlichkeit, was weibliche Schönheit betraf, wurzelte in ihrer eigenen Kindheit. Als kleines Mädchen war sie ein richtiger Pummel gewesen, mit einem unübersehbaren Speckring um die Taille und ein paar Pausbäckchen, die die Konturen ihrer feinen Gesichtszüge nicht zur Geltung kommen ließen. In den Augen der anderen galt sie zwar nicht als unförmig; aber rundlich, wie sie einmal war, fühlte sie sich durch und durch häßlich, besonders im Kontrast zu ihrer mondänen, modisch-eleganten Mutter, Nita Serritella. Sie war Italienerin von Geburt und eine der ganz Großen in der Welt der Haute Couture. Erst 1947, als Chloe schon zwölf war, sagten alle, sie sei schön.

Sie hatte mehr Zeit in Schweizer Internaten zugebracht, als für ein Kind gut war. Im Sommer 1947 verbrachte sie ein paar Ferientage zu Hause. Sie drückte sich möglichst unauffällig in dem eleganten Salon ihrer Mutter herum, der in der Rue de la Paix gelegen war. Voller Neid und Widerwillen beobachtete sie Nita, gertenschlank im schlichten schwarzen Kostüm mit übergroßem himbeerfarbenem Satinrevers, die sich mit einer elegant gekleideten Kundin unterhielt. Ihre Mutter trug das blauschwarze Haar kurz und gerade geschnitten. Es fiel ihr in einer großen Welle über die linke Hälfte ihres blassen Gesichts. Den überlangen Hals, der einem Gemälde von Modigliani nachempfunden schien, zierten mehrere Reihen ebenmäßiger schwarzer Perlen. Diese Perlenkette und noch eine Reihe anderer Schmuckstücke, die sie in einem kleinen Wandsafe im Schlafzimmer aufbewahrte, waren Geschenke ihrer Bewunderer – international erfolgreicher Männer, die mit dem größten Vergnügen einer Frau Juwelen zu Füßen legten, die sie sich ebensogut aus eigenem Vermögen hätte kaufen können. Einer davon war Chloes Vater, obwohl Nita behauptete, sich nicht zu entsinnen, wer es war. Und natürlich hatte sie keinen Augenblick an Heirat gedacht.

Die attraktive Blondine, der Nitas ganze Aufmerksamkeit galt, sprach spanisch. Gemessen an dem Interesse der Weltöffentlichkeit, das diese Stimme in jenem Sommer des Jahres 1947 auf sich zog, klang sie reichlich vulgär. Chloe verfolgte das Gespräch nur mit halbem Ohr, nebenbei sah sie den superschlanken Mannequins zu, die Nitas neueste Modelle vorführten. Warum war sie nicht so dünn und selbstbewußt wie diese Mannequins? Warum war sie nicht so wie ihre Mutter? Sie hatte doch die gleichen grünen Augen, das gleiche schwarze Haar. Wenn ich doch schön wäre! dachte Chloe. Dann würde die Mutter sie nicht mehr verabscheuen. Wohl an die hundertmal hatte sie sich geschworen, weniger zu essen, und genausooft hatte sie mangels Willenskraft resigniert. Neben Nitas überragendem Durchsetzungsvermögen fühlte sich Chloe wie ein schwankendes Rohr im Wind.

Die Blondine schaute plötzlich von einer Zeichnung auf und ließ die wäßrigen braunen Augen auf Chloe ruhen. In ihrem seltsam harten Spanisch sagte sie: »Die Kleine wird noch eine wahre Schönheit. Sie sieht Ihnen sehr ähnlich.«

Mit kaum verhohlener Geringschätzung sah Nita zu Chloe hinüber. »Ich sehe nicht die geringste Ähnlichkeit, Señora. Und solange sie nicht lernt, ihr Eßbesteck einmal wegzuschieben, wird es nichts mit der Schönheit!«

Nitas Kundin hob eine Hand, schwer beladen mit protzigen Ringen, und winkte Chloe heran. »Komm, querida, gib Evita einen Kuß!«

Chloe reagierte nicht spontan, sie dachte über das Gesagte nach. Dann erhob sie sich zögernd von ihrem Stuhl und durchquerte den Salon. Sie schämte sich ihrer strammen Waden, die unter dem Saum ihres Sommerkleides hervorsahen. Sie beugte sich über die Frau und drückte einen schüchternen, aber dankbaren Kuß auf die leicht parfümierte Wange der Evita Perón.

»Faschistenhexe!« zischte Nita Serritella, als die First Lady von Argentinien zur Tür hinaus war. Sie steckte sich die Zigarettenspitze zwischen die Lippen und riß sie sofort wieder aus dem Mund. Ein dunkelroter Abdruck blieb auf der Ebenholzspitze zurück. »Ich kriege eine Gänsehaut, wenn ich die anfasse! Jedes Kind weiß, daß Perón und Konsorten allen europäischen Nazis Unterschlupf gewähren.«

Die Erinnerung an die deutsche Besetzung von Paris war noch frisch. Nita verachtete alle Kollaborateure aus tiefstem Herzen. Trotzdem war sie natürlich pragmatisch genug, Eva Peróns Geld – egal wie schmutzig es sein mochte – nicht in die Avenue Montaigne fließen zu lassen, wo Dior residierte.

Nach diesem Vorfall sammelte Chloe Zeitungsausschnitte mit Fotos von Eva Perón und klebte sie in ein rotes Album. Immer wenn Nita sie fortan aufs schärfste kritisierte, tröstete sie sich mit dem Album und dachte daran, was Eva Perón prophezeit hatte.

In ihrem vierzehnten Lebensjahr verschwanden auf wunderbare Weise der Babyspeck und der starke Drang nach Süßigkeiten. Jetzt kam das legendäre Serritella-Gesicht zum Vorschein. Stundenlang betrachtete Chloe sich im Spiegel, entzückt von ihrem gertenschlanken Spiegelbild. Jetzt wird alles anders, dachte sie. In der Schule hatte sie sich immer als Außenseiterin gefühlt, jetzt gehörte sie plötzlich dazu. Es war ihr nicht bewußt, daß sie die anderen Mädchen eher durch das neugewonnene Selbstwertgefühl als durch die schlanke Taille anzog. Für Chloe war Schönheit mit Akzeptanz gleichzusetzen.

Nita schien sich über die Gewichtsabnahme zu freuen. Als Chloe in den Sommerferien in Paris war, brachte sie endlich den Mut auf, ihrer Mutter ein paar Kleiderentwürfe zu zeigen. Sie hoffte, eines Tages auch Modeschöpferin zu werden. Nita breitete die Blätter auf ihrem Arbeitstisch aus, zündete sich eine Zigarette an und sezierte jede einzelne Zeichnung mit dem kritischen Blick der Designerin.

»Diese Linie hier ist einfach lächerlich. Und hier stimmen die Proportionen nicht. Hier hast du alles durch zu viele Details verdorben. Hast du denn gar kein Auge dafür, Chloe?«

Chloe grapschte nach den Zeichnungen und versuchte sich nie wieder im Entwerfen.

In der Schule setzte Chloe alles daran, ihre Klassenkameradinnen zu übertrumpfen – in Aussehen, Intelligenz und Beliebtheit. Niemand sollte wissen, daß tief drinnen immer noch das linkische, dicke Mädchen steckte. Sie lernte, die nebensächlichsten Dinge zu dramatisieren, und entwickelte einen übertriebenen Hang zur Theatralik.

Mit sechzehn verlor sie ihre Unschuld an den Bruder einer Freundin in einem Aussichtsturm am Luzerner See. Es war ein unangenehmes Erlebnis, aber da sie Sex mit Schlanksein verband, wollte sie es so bald wie möglich mit einem erfahrenen Partner wiederholen.

Im Frühjahr 1953, Chloe war achtzehn, starb Nita ganz überraschend an einem Blinddarmdurchbruch. Schweigend, wie betäubt, durchlebte Chloe die Beerdigung ihrer Mutter, zu benommen, um zu begreifen, daß die Heftigkeit ihres Kummers nicht so sehr von der Tatsache herrührte, daß ihre Mutter tot war, als vielmehr von dem Gefühl, nie eine Mutter besessen zu haben. Aus Angst vor dem Alleinsein stolperte sie in das Bett eines wohlhabenden polnischen Grafen, der bedeutend älter war. Vorübergehend konnte er ihr Geborgenheit bieten. Sechs Monate später gelang es ihr mit seiner Hilfe, Nitas Salon für einen wahnsinnig hohen Betrag loszuschlagen.

Schließlich kehrte der Graf zu seiner Frau zurück, und Chloe machte sich daran, von ihrem Erbe zu leben. Jung, reich und unabhängig, zog sie schon bald die jungen Müßiggänger an, die sich wie goldene Fäden durch das Gewebe der internationalen High-Society schlangen. Sie sammelte die Männer, experimentierte mal hier, mal da und suchte...

"Was die Welt braucht, sind mehr Romane wie die von Susan Elizabeth Phillips!"

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