Immun

Rho Agenda 2
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Januar 2015
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96498-2 (ISBN)
 
Ein Heilmittel gegen alle Krankheiten, nicht weniger glaubt die Regierung in dem abgestürzten Raumschiff in New Mexico gefunden zu haben. Doch drei Studenten finden durch Zufall ein zweites Schiff, von dem die Regierung nichts weiß und das eine schreckliche Wahrheit birgt. Das streng geheime Rho-Projekt hält nicht etwa den Schlüssel zur Rettung der Menschheit bereit, sondern steuert die Welt geradewegs in eine globale Katastrophe. Anstatt geheilt zu werden, sterben plötzlich Menschen - viele Menschen. Und jeder Gegner des Projekts scheint systematisch ausgeschaltet zu werden. Die Hoffnung liegt nun bei den drei jungen Studenten, deren bekannte Welt jedoch immer weiter aus den Fugen gerät.
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Kapitel 7


Der Schaft der AK-47 an seiner Wange fühlte sich gut an. Die Kalaschnikow hatte etwas Grundsolides an sich, eine Griffigkeit, die verständlich machte, weshalb sie das beliebteste Sturmgewehr auf der Welt war. Die Waffe vermittelte genau die Zuverlässigkeit, die sie besaß.

Jack Gregory schaltete den Infrarot-Laser ein und warf einen Blick durch das Zielfernrohr, das den Leuchtpunkt sichtbar machte. Es handelte sich um eine Scharfschützen-Modifikation, die er eigens für diesen Zweck montiert und erst vor vier Stunden einjustiert hatte.

Jack hatte in Priests Keller eine Ladepresse samt Matrizen gefunden und damit hundert Schuss Munition befüllt. Er befüllte seine Patronen immer von Hand, wenn sich die Gelegenheit dazu bot. Das erhöhte die Präzision der Flugbahn. Sobald nämlich eine Kugel den Gewehrlauf verließ, stieg sie während der ersten hundert Meter etwa eine Handbreit über die Sichtlinie an, ehe sie an Energie verlor und sich wieder senkte. Nur wenn der Schütze identische Patronen benutzte und in jede Hülse exakt die gleiche Pulvermenge presste, konnte er genau vorhersagen, wo das Geschoss einschlagen würde.

Priest hatte sich nie um solche Details gekümmert. Jack schon.

Aus dem kleinen Funkgerät an seinem Gürtel drangen drei kurze Störgeräusche. Das Knistern besagte, dass der Kühltransporter soeben Bronsons Versteck passiert hatte und gleich um die Kurve biegen musste, was ihn in Jacks Visierlinie bringen würde. Jack hatte den Ort des Anschlags so gewählt, dass der erste Schuss den Fahrer außer Gefecht setzte, während sich der Wagen noch in der Kurve befand. Das hatte vermutlich zur Folge, dass er geradeaus weiterfuhr. Der zweite Schuss würde den Beifahrer treffen, sobald er ins Lenkrad griff, um zu verhindern, dass das Fahrzeug von der Straße abkam.

Die hellen Scheinwerferkegel des Transporters schwenkten um die Kurve. Unscharf tauchte das Gesicht des Fahrers im Zielfernrohr auf, schwach erhellt von der Beleuchtung des Armaturenbretts. Jack richtete den Laserpunkt auf den Mund des Fahrers. Bei dieser Entfernung würde die Kugel etwa zehn Zentimeter höher einschlagen. Jacks behandschuhter Finger bewegte den Abzug gleichmäßig und gefühlvoll. Der Rückstoß der Waffe riss seine Schulter nach hinten, während der Schuss durch die Nacht dröhnte.

Der Wagen brach aus und kehrte in die Spur zurück, als der zweite Mann das Steuer von der Seite her packte. Jack wartete, bis sein Körper den Rückstoß abgefedert und der Laserpunkt sich stabilisiert hatte. Dann drückte er erneut ab.

Das Scheppern von Metall vermischte sich mit dem Echo des zweiten Schusses, als der Transporter eine Schneise in die Bäume und Felsbrocken neben der Straße pflügte. Mit einem Ruck kam das Fahrzeug zum Stehen. Der Anhänger knallte gegen die Führerkabine, stellte sich quer und kippte um.

Jack rannte über den Highway, noch bevor der Anhänger zu schaukeln aufgehört hatte. Mit einem raschen Blick nach links vergewisserte er sich, dass Janet mit gezogener Waffe auf der gegenüberliegenden Straßenseite lag und ihm Feuerschutz gab.

Jack erreichte den Ausgang der Kurve und schlitterte die leichte Böschung nach unten. Das Führerhaus des Kühltransporters war gegen den dicken Stamm einer Kiefer geprallt. Ein Scheinwerfer war wie durch ein Wunder heil geblieben und leuchtete nun schräg nach oben in die herabhängenden Äste. Der Gestank von ausgelaufenem Diesel hing in der Luft.

Mit einem Sprung erreichte Jack das Trittbrett auf der Fahrerseite und zerrte an der Klinke. Die Tür war so eingedrückt, dass sie erst beim zweiten Versuch nach außen schwang. In der Kabine herrschte ein Chaos aus Glassplittern, verbogenem Metall und Blut. Der Kopf des Fahrers war zwischen die Speichen des Lenkrads eingeklemmt. Die austretende Kugel hatte einen Teil der hinteren Schädeldecke einfach weggesprengt.

Jack schnitt den Sicherheitsgurt durch, hievte den Toten aus dem Führerhaus und beförderte ihn mit einem Stoß nach draußen. Der Wachtposten auf dem Beifahrersitz hatte ein kreisrundes Loch zwischen den Augenbrauen. Als Jack ihn aus seinem Gurt befreien wollte, sah er, dass die Lider des Mannes zu flattern begannen. Langsam schlug er die Augen auf. Jack durchtrennte den Gurt, packte den Mann unter den Achseln und schleifte ihn zur Tür, um ihn neben seinen Kumpel ins Freie zu befördern. Dann stieß er sich vom Trittbrett ab und landete dicht hinter den beiden Männern auf dem Boden.

Wenn er nicht vor einiger Zeit selbst gesehen hätte, dass die Nanomaschinen im Blut von Priest Williams so etwas wie Wunderheilungen bewirkten, wäre er zutiefst geschockt gewesen beim Anblick dieser beiden Männer, die nach menschlichem Ermessen längst tot sein mussten. Die klaffende Wunde im Hinterkopf des Fahrers begann sich bereits wieder zu schließen, obwohl die Verletzung so schwer war, dass dieser Vorgang bestimmt eine ganze Weile dauern würde - immer vorausgesetzt, dass die Nanomaschinen das zerstörte Hirngewebe überhaupt ersetzen konnten.

Aber die Kugel durch den Kopf des Beifahrers hatte keine sonderlich große Austrittswunde verursacht. Der Mann schien bereits wieder zu sich zu kommen. Zumindest verfolgten seine Augen jede Bewegung von Jack, der jetzt den Körper des Fahrers so arrangierte, dass er in Richtung Westen und mit dem Gesicht nach unten am Boden kniete.

Jack schleifte den Wachtposten neben ihn und wiederholte die Prozedur. Dann zog er das lange arabische Krummschwert aus der Schärpe, die er um seine Taille gewickelt hatte, und stieß dem Posten die scharfe Spitze ins Kreuz. In einer Art Schmerzreflex wölbte sich die Wirbelsäule des Wehrlosen, sein Hals streckte sich und sein Kopf fuhr mit einem Ruck nach oben.

Blitzschnell durchschnitt die Sarazenenklinge die Luft, grub sich tief in den Nacken des Wachtpostens und trennte ihm mit einem einzigen Hieb den Kopf von den Schultern. Ein Blutstrahl schoss aus der Halsschlagader. Dann sackte der Körper endgültig zusammen.

Jack trat neben den Fahrer und stach ihm ebenfalls die Schwertspitze in den unteren Teil des Rückgrats. Doch diesmal reagierte der Körper nicht. Offensichtlich hatten selbst die Heilkräfte der Nanomaschinen ihre Grenzen, zumindest dann, wenn ihnen nur eine kurze Zeit für die Regeneration des beschädigten Zellgewebes zur Verfügung stand. Also stemmte Jack dem tödlich Getroffenen einen Fuß ins Kreuz, riss ihn mit einer Hand an den Haaren hoch und ließ mit der anderen die Klinge niedersausen. Bei dem kurzen Abstand benötigte er drei Schwerthiebe, bis er ihm den Kopf abgeschlagen hatte.

Wenn ein Mensch enthauptet wird, entweicht sein Blut nicht in Strömen, sondern in mehreren, rasch schwächer werdenden Stößen, die durch die Pumpwirkung des Herzmuskels hervorgepresst werden. Und es ist nicht der Hirn- oder Nerventod, der das Herz zum Stillstand bringt, sondern das Ausbleiben der Flüssigkeit, die seine Kammern durchströmen muss.

Jack war acht Jahre alt gewesen, als er zum ersten Mal mit angesehen hatte, wie ein Mann enthauptet wurde. Das war auf dem Marktplatz der saudi-arabischen Hauptstadt Riad gewesen, den Ausländer insgeheim als Hinrichtungsplatz bezeichneten. Man hatte den Mann gezwungen, niederzuknien und sich über den Richtblock zu beugen.

Im letzten Moment hatte ein Saudi dem Knienden mit einem spitzen Messer in den Rücken gestochen. In einer Reflexbewegung hatte der Mann den Nacken angespannt und den Kopf hochzureißen versucht. Und das mächtige Schwert war nach unten gesaust. Ein Korb vor dem Richtblock hatte den abgeschlagenen Kopf aufgefangen. Das Herz des Toten hatte sein Blut in einem dicken und dann einem sehr viel dünneren Strahl aus dem Körper gepumpt, ehe es mit einem letzten schwachen Zucken stillstand.

Jack und seine Mutter hatten das alles aus der ersten Reihe der versammelten Menschenmenge beobachtet. Als Ehrengäste. Der Mann war Jacks Vater gewesen.

Eingehüllt in die langen Schatten der Kiefer, die immer noch von dem schräg nach oben gerichteten Autoscheinwerfer angestrahlt wurde, arrangierte Jack die beiden Toten rasch wieder in die kniende Position, die sie ursprünglich eingenommen hatten. Dann legte er die abgetrennten Köpfe einige Schritte weiter westlich ab und drehte jeden so, dass er den zugehörigen Körper anstarrte.

Aus einer Gürteltasche zog er einen kleinen Plastikbeutel, dem er ein Stück Fingernagel und zwei Haare entnahm.

Nachdem ein Mensch gestorben war, wuchsen seine Haare und Nägel noch geraume Zeit weiter. Jack hatte diese Tatsache genutzt und sich von Abdul Aziz ein paar kleine Beweisstücke besorgt, als er dessen Leichnam früher am Tag aus dem Brunnen geborgen hatte. Sie würden nun einem höheren Zweck dienen, als zusammen mit ihrem Besitzer zu verrotten. Er drückte den Nagelrest in das rechte Handgelenk des Fahrers. Dann ließ er die zwei Haare auf das blutgetränkte Hemd des Mannes fallen und wartete, bis sie festklebten.

Sobald die falschen Spuren gelegt waren, warf Jack erneut einen Blick auf seine Armbanduhr. 1 Uhr 13. Die blaugrüne Digitalanzeige blinzelte ihm entgegen, als wollte sie ihn zur Eile mahnen.

Mit einigen weit ausholenden Schritten hatte er die Rückseite des umgekippten Anhängers erreicht. Das silberfarbene Metall war verzogen und eingedrückt, aber nicht geborsten.

Wie Jack erwartet hatte, waren die Hecktüren mit einem stabilen Stahlschloss gesichert. Doch das stellte kein Problem für C4-Plastiksprengstoff dar. In diesem Fall flocht Jack ein Stück Sprengschnur durch und um den Schließmechanismus, ehe er den Zünder anbrachte.

Jack zog sich an die Flanke des Anhängers zurück und verband die beiden Enden des Zündkabels...

»Philips erzählt seine spannungsgeladene Story schlüssig, zeichnet glaubhafte Charaktere und schafft damit das seltene Kunststück, auch Nicht-Science-Fiction-Fans dem Genre des Zukunftsromans näherzubringen.«, Buchkultur Wien

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