Leben auf Autopilot

Warum wir der Digitalisierung nicht blind vertrauen sollten
 
 
oekom verlag
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 26. September 2016
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  • 144 Seiten
 
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978-3-96006-138-0 (ISBN)
 
Die Digitalisierung hat die Welt revolutioniert und unser Leben erleichtert. Für die nahe Zukunft versprechen Softwareentwickler wahre Wunderdinge: Autopiloten ermöglichen unfallfreies Fahren, computergesteuerte Windparks die überfällige Energiewende. Doch was, wenn unsere Versorgungsnetze dadurch immer anfälliger werden? Entscheidet sich der Bordcomputer im Auto im Falle eines Unfalls 'richtig', wenn er das Leben des Fahrers schützt, das des
Fußgängers aber nicht? Gerd Pfitzenmaier unterzieht den Hype um das Internet der Dinge einer Prüfung und plädiert dafür, nicht alles umzusetzen, was möglich ist. Denn jenseits der Annehmlichkeiten lauern auch Risiken - vom einfachen Kurzschluss bis hin zur Unwetterkatastrophe, die Stromnetze lahmlegt, ganz zu schweigen von Sabotageakten durch Hacker und Terroristen. Das Buch geht der Frage nach, wie viel Macht wir der Technik zugestehen wollen und welches Leben erstrebenswert ist.
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
  • 0,94 MB
978-3-96006-138-0 (9783960061380)
3960061382 (3960061382)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Leben auf Autopilot [Seite 1]
2 - Inhalt [Seite 5]
3 - Kapitel 1: Der Wert des Fortschritts. Wie Künstliche Intelligenz die Welt verändert [Seite 7]
4 - Kapitel 2: Alles hat zwei Seiten. Die digitale Welt schafft neue Märkte, aber sie macht unfrei, krank und dumm [Seite 33]
5 - Kapitel 3: Mahner in der Wüste. Warum niemand auf Kassandra hört [Seite 51]
6 - Kapitel 4: Das Steuer aus der Hand geben. Wie die Informationstechnologie das Auto neu erfindet [Seite 71]
7 - Kapitel 5: Von regional zu digital? Wie die technischen Entwicklungen unsere Gesellschaft verändern [Seite 91]
8 - Kapitel 6: Die Chance. Was noch geschehen muss, damit die Zukunft so rosig wird wie geplant [Seite 107]
8.1 - 1. Freiheit - denn der Mensch sollte das letzte Wort haben [Seite 119]
8.2 - 2. Wahrheit - weil wir Menschen ein Recht haben zu wissen, was wirklich passiert [Seite 120]
8.3 - 3. Gesundheit - Computer dürfen uns nicht krank machen [Seite 121]
8.4 - 4. LIiebe - weil auch eine noch so ausgefeilte Technik Nähe und Emotion nicht ersetzen kann [Seite 122]
8.5 - 5. Privatsphäre - wir wollen zu Recht auch unbeobachtet sein [Seite 123]
8.6 - 6. Würde - Maschinen müssen Respekt vor uns haben [Seite 124]
9 - Anmerkungen [Seite 132]
10 - Über den Autor [Seite 143]

Kapitel 1
Der Wert des Fortschritts


Wie Künstliche Intelligenz die Welt verändert Schöne neue Welt: Spätestens seit März 2016, als ein Computer erstmals einen Menschen in dem hochkomplizierten Spiel Go schlug, verschmelzen Fiktion und Wirklichkeit. Die kühnsten Fantasien der von künstlicher Intelligenz (KI) träumenden Informatiker und Technikfans scheinen sich zu realisieren.1 Die Tech-Visionäre erspähen in der Morgenröte, die am Horizont dämmert, eine Erde, auf der Roboter den Menschen Arbeit oder auch die lästige Parkplatzsuche abnehmen, Algorithmen die Zukunft planen und Maschinen im »Internet der Dinge« (IoT) miteinander kommunizieren, um den Wohlstand der Industrienationen exponentiell zu vermehren. Diese Zukunft beginnt genau jetzt! In Siebenmeilenstiefeln überwinden die Menschen auf dem Weg in diese neue Welt immer mehr Grenzen, die ihnen bislang gesetzt sind und sie zwingen, im Hier und Jetzt zu leben. Das sollen leistungsstärkere Rechner ändern. Sie ermöglichen die Flucht in die Zukunft - eine Zukunft, die teils irreale Züge annimmt, denn dank der fortschrittlichen Datenverarbeitung begeistern sich immer mehr Menschen für eine bloß virtuelle Schein- und Nebenwelt, in der sich Wirklichkeit und Fiktion mischen. So nähern wir uns einer Zeit, in der die alles verändernde Kraft der sogenannten künstlichen Intelligenz unser aller Leben wandeln soll: Künftig werden immer öfter mathematische Formeln, die wahrscheinliche Ergebnisse im Voraus zu berechnen versuchen, Entscheidungen für uns Menschen treffen. Schon jetzt leisten die Prozessoren, die Roboter steuern, Erstaunliches. Der durch die Welt trampende Hitchbot mit dem Mülleimerdeckel auf dem Kopf in gelben Kindergummistiefeln war 2015 ein »lebender« Beweis für die These. Bis Vandalen seine Reise durch Kanada und Deutschland brutal beendeten, war die Maschine selbstständig unterwegs, um Menschen zu treffen und die Distanz zwischen ihm und ihnen zu überwinden. »Das Experiment glückte: Die deutschen Autofahrer nahmen ihn mit und waren nett zu >Hitchbot<«, schrieb die Süddeutsche Zeitung über das Experiment.2 Der humanoide Roboter trank Bier in Bayern und besuchte den Kölner Karneval oder ein Football-Match in den USA. Es hätte dieses Beweises, dass Hitchbot die Fähigkeit besaß, mit Menschen zu kommunizieren, gar nicht unbedingt noch gebraucht. Vielen Menschen ist auch so klar: Maschinen sind nicht mehr nur für »niedere« Arbeiten einsetzbar. Sie taugen längst zu weit mehr als zu stupider Sammlertätigkeit oder monotonem Sortieren und schnellem Addieren. Mittlerweile steuern die Prozessoren die Roboter um ein Vielfaches exakter, als dies ihre menschlichen Kollegen je könnten. Sie sind längst nicht mehr nur reine Diener und Helfer für uns Menschen, dafür gemacht, uns schwere Arbeit abzunehmen oder diffizile Feinheiten mit »ruhigerer Hand« zu fertigen. Sie beobachten genauer als ihr Pendant aus Fleisch und Blut und reagieren viel schneller auf ungeplante Abweichungen von einer definierten Norm. Damit reduzieren sie Ausschuss beim Produzieren, sparen Material oder Energie. Selbst bislang nur von hoch spezialisierten Medizinern praktizierte Aufgaben machen die Computer den Ärzten immer häufiger strittig. Sie »lernen heute schon, Histologen zu imitieren, die auf Fotos von menschlichem Gewebe zum Beispiel Krebszellen erkennen«,3 weiß der KI-Forscher Jürgen Schmidhuber und glaubt, dass Roboter dies bald besser können als die Ärzte selbst. Weil die zunehmend engere Vernetzung Computer in die Lage versetzt, immer schneller und treffsicherer aus dem immer volleren Datenpool Ergebnisse herauszulesen, rückt der Zeitpunkt näher, an dem die Verknüpfungsleistung der künstlichen Gehirne jene der biologischen Schaltzentralen in den Köpfen des Homo sapiens übersteigt. Damit erreichen wir einen kritischen Punkt im Mensch-Maschine-Verhältnis: Wir Menschen, die bis dato diese Computer zusammenbauen und ihnen mit unserer Software erst Macht einhauchen, könnten dann von ebenjener Macht übertrumpft werden. Bislang bleibt die Aufgabe, Entscheidungen zu fällen, noch dem menschlichen Geist vorbehalten. In nur fünf Jahrzehnten bauen Ingenieure aber vermutlich bereits Maschinen, deren jeweilige Prozessoren »so viel rechnen können wie alle Menschenhirne zusammen«.4 Bald erreichen wir einen kritischen Punkt im Mensch-Maschine-Verhältnis. »Noch übertrifft jedes Kleinkind die Roboter an Schläue«, schreibt Wolfgang Blum 2013 in der Zeit über die seiner Meinung nach damals noch bescheidene Aussicht der Computer, beim Wetteifern mit der Denkleistung des Menschen für sich zu punkten.5 Das war ehedem: Die künstlichen Gehirne haben inzwischen alle Chancen, ihr Manko, das sie zurzeit noch zum Verlierer im Gedankenwettstreit mit dem Menschen abstempelt, schon sehr bald wettzumachen. Sie holen in rasender Geschwindigkeit nach, was ihnen an kombinatorischer Brillanz fehlt. Der amerikanische Erfinder und Autor Raymond Kurzweil ist in seinem Job als Google's Director of Engineering eine der Galionsfiguren in der Vorhersage des Zeitpunkts der sogenannten technologischen Singularität, ab dem sich die Technik durch KI so schnell selbst weiterentwickelt, dass die Zukunft des Menschen nicht länger vorhersehbar sein wird. Als Basis dienen ihm und seinen Kollegen die Beobachtungen von Gordon Moore: Der kalifornische Naturwissenschaftler sagte 1965 voraus, die Komplexität von Computerchips verdopple sich etwa alle zwei Jahre (auch wenn er selbst bezweifelte, dass die Rasanz dieser Entwicklung tatsächlich auch immer schnellere und bessere Rechner erzeuge). Aus dieser Beobachtung formulierte Moore eine Regel, die als »Gesetz« in der Informationstechnologie seinen Namen trägt. Das »Moor'sche Gesetz« beschreibt die Geschwindigkeit, mit der die Datenverarbeitung immer schneller und zugleich genauer wird. Sie ist die Formel, welche die Rasanz des Fortschritts definiert. Daraus abgeleitet, kalkuliert Raymond Kurzweil den Zeitpunkt, an dem die künstlichen Intelligenzen der Rechner dem menschlichen Gehirn ebenbürtig werden, noch vor die Mitte des laufenden 21. Jahrhunderts. In gut drei Jahrzehnten soll dieser Tag dämmern. Dann verliert das Menschenhirn den Wettlauf um Leistungskraft und Geschwindigkeit also doch gegen den Computer. Dann ist Homo sapiens nicht mehr derjenige, der alles weiß. Dieses Privileg gebührt - wenn Kurzweil recht behält - etwa um 2045 dem vernetzten und selbst lernenden Computer. Das zeichnet sich am Horizont bereits deutlich ab. Da wirkt es schon fast wie das berühmte »Pfeifen im Wald«, wenn ein Mitglied im Münchener Chaos Computer Club (CCC) nicht müde wird, zu betonen, dass »Maschinen und damit auch Computer nichts haben, was man als Intelligenz bezeichnen würde«.6 Die Rechner, so leistungsstark sie auch sein mögen, sagt der Chaos-Hacker, der lieber anonym bleiben möchte, »können ausschließlich Befehle abarbeiten, die ihnen ein Mensch vorgibt«. Der Spezialist für Computerprogramme rückt die Welt damit wieder ein Stück ins richtige Lot. Er sagt: »Algorithmen können bloß den Anschein erwecken, intelligent zu handeln.« Das ist ein großer Unterschied! Computer sind dem Menschen zwar an Schnelligkeit überlegen, das gilt jedoch nur fürs Kombinieren, denn sie arbeiten schematisch. Ein Arbeitsschritt folgt dem nächsten - wenngleich in atemraubendem Tempo. Das große Plus des Menschen aber ist dessen Kreativität - und die intuitive Entscheidung »aus dem Bauch heraus«. Die rasant technischen Entwicklungen laufen Gefahr, unsere Gesellschaften zu verändern, zu verwässern oder zu zerstören. Manch ein Protagonist des neuen Maschinenzeitalters schwört dennoch Stein und Bein, dass mit zunehmender Technisierung rosa Zeiten auf dem Globus anbrechen. Zu denen, die daran zweifeln, dass alles, was glänzt, tatsächlich auch Gold ist, gehört dagegen die Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann. Selbst Fachfrau in der Informationsverarbeitung, begegnet sie der IT-Euphorie mit einem ganzen Bündel misstrauischer Fragen. Die Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien erforscht seit Jahren die rasant schnellen technischen Entwicklungen, die das tägliche Leben der Menschen begleiten und immer mehr bestimmen und dabei Gefahr laufen, unsere Gesellschaften und manches kulturgeschichtlich erworbene Gut zu verändern, zu verwässern oder zu zerstören.7 »Es gibt tausend offene Fragen zur Technik im Alltag«,8 schreibt sie daher in einem Zeitungsbeitrag und fordert, es sei endlich Zeit, »Regeln für unseren Umgang mit der Zukunft«9 zu vereinbaren. Sonst könnten wir ein böses Erwachen erleben und irgendwann feststellen, dass der Hype um die angeblichen Segnungen der vernetzten Welt uns mit seiner janusköpfigen Gestalt zugleich auch Unerwünschtes beschert - eben die Rückseite der Medaille. Schlimmer noch: wenn der Hype an Faszination verliert und wir gewahr werden sollten, dass die Rückseite des selbstgeschaffenen Janus längst so übermächtig ist, dass wir sie nicht mehr kontrollieren können. Die Euphorie weicht dann dem Grauen - eine apokalyptische Vorstellung. Um das zu verhindern, dürfen wir uns nicht unreflektiert von der Faszination dessen, was technologisch machbar erscheint und mitunter sicherlich wünschenswert ist, in den Bann ziehen lassen. Es gilt, abzuwägen, ob alles, was Tech-Begeisterte als Zukunft ausmalen, auch tatsächlich so eintreten soll. Vor allem...

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