New York Pretty: Nur wir beide

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Januar 2018
  • |
  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98388-4 (ISBN)
 

Der Roman um eine junge Frau, die ihre Wurzeln sucht - und die Liebe findet: Mit viel Herz, Charme und jeder Menge New-York-Feeling!

Vom beschaulichen Freiburg nach New York City: Rebecca reist für ein Praktikum bei einem Magazin in ihre Geburtsstadt New York. Sie lernt die Celebrity-Zwillinge Alex und Jeremy kennen und verliebt sich in den stillen Alex. Doch um als Paar eine Chance zu haben, müssen beide erst ihre Vergangenheit bewältigen...

In Zeiten von Facebook, Instagram, Snapchat und Co. sind Techies wie Mark Zuckerberg die neuen Celebritys. Im hippen New York bewegt sich die junge Deutsche Rebecca zwischen dieser glamourösen Welt der Hyperreichen und der Realität des Alltags, in dem das Geld kaum für die Monatsmiete reicht. Und dennoch zeigt die aus drei Perspektiven erzählte Geschichte über Rebecca, Alex und Jeremy, dass uns Menschen alle das Gleiche bewegt: die Suche nach Halt, Liebe und uns selbst.

1. Auflage
  • Deutsch
  • Munich
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 2,06 MB
978-3-492-98388-4 (9783492983884)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Eva Pfeiffer, geboren 1982, studierte Ethnologie und Politikwissenschaft in Heidelberg und Wien, bevor sie begann, als Redakteurin für Zeitungen und Magazine zu schreiben. 2017 erschien ihr Debütroman "Off the record - So schreibt man Liebe", in dem sie ihre Erfahrungen im Lokaljournalismus verarbeitet. Neben Filmen, Serien und Musik gilt Eva Pfeiffers besondere Liebe dem Big Apple, dem sie mit "New York Pretty - Nur wir beide" (2018) und "New York Pretty - Ein Bild von dir" (2019) gleich zwei Romane widmet. Eva Pfeiffer lebt in München.

1. Rebecca


Der Schrei aus dem Fernseher erinnerte an eine kläglich jaulende Katze.

Game over.

»Mann, du bist schon wieder tot!«, rief Ben und funkelte Rebecca verständnislos von der Seite an.

Frustriert ließ sie den Playstation-Controller sinken. »Diese blöde Mutantenkuh holt mich jedes Mal ein!«, verteidigte sie sich.

»Das ist keine Mutantenkuh«, erwiderte Ben genervt. »Außerdem hab ich dir eben erklärt, wie du die Kettensäge benutzt. Du stellst dich vielleicht an!«

»Ben, sei nett!«, intervenierte Chloe, Rebeccas Mitbewohnerin und Bens große Schwester, von der Fensterbank und warf Ben einen mahnenden Blick zu.

Der Lärm des Feierabendverkehrs drang von draußen in das schmuddelige Zimmer. Ein paar spätsommerliche Sonnenstrahlen schafften es durch die milchig-dreckige Glasscheibe und verfingen sich in Chloes kurzen Afrolocken.

Rebecca lehnte sich resigniert zurück und atmete den muffigen Geruch des Sofapolsters ein. Müde, Kopfweh, Hunger, Reihenfolge egal, dachte sie. Bei den Distanzen in New York würde es spät werden, bis Chloe und sie die Strecke von Harlem nach Brooklyn in die WG zurückgelegt hätten. Sie beschloss, sich auf dem Weg zur Subway eines dieser genialen Sandwiches kaufen, die einen Großteil ihrer Nahrung ausmachten, seit sie in der Stadt war. Eines mit Avocado und Hummus zum Beispiel.

»Ey, ich hab heute auch noch was anderes vor, okay?«, sagte Ben zu seiner Schwester, als sei Rebecca gar nicht da.

»Zocken mit deinen Nerd-Freunden?«, entgegnete Chloe belustigt.

Rebecca wurde die Situation unangenehm.

»Kürzen wir das hier ab«, sagte sie und bemühte sich, nicht ebenso genervt wie Ben zu klingen. »Könntest du für mich zusammenfassen, warum Rising das fantastischste Computerspiel aller Zeiten sein soll, Ben? Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass du hier gerade deinen Donnerstagabend opferst. Ich will vor diesen Frey-Zwillingen einfach nicht komplett ahnungslos dastehen, wenn ich sie interviewe.«

Ben rieb sich erschöpft die Augen.

Ein Zwanzigjähriger, der die Last der Welt auf seinen Schultern trägt, schoss es Rebecca amüsiert durch den Kopf. Sie unterdrückte ein Grinsen. Schließlich nickte Ben ergeben und startete Rising erneut. Routiniert steuerte er seine Figur durch die Rebecca inzwischen vertraute karge Felslandschaft.

Ohne den Blick vom Flachbildfernseher zu wenden, erklärte er: »Du hast die Apokalypse überlebt, okay? Du bist jetzt in einer Welt voller Zombies und Mutanten. Da, rechts! Boah!«

Bens Figur wich einem Zombie aus, drehte sich blitzschnell um und rammte dem Untoten eine Axt in den Kopf. Es ertönte ein Geräusch, das an Holzhacken erinnerte.

»Und das ist jugendfrei?«, fragte Rebecca ungläubig.

Ben bedachte sie mit einem Blick, den er sich sonst wahrscheinlich für seine Großmutter aufhob, wenn er ihr Facebook erklärte. »Alle Teile von Rising sind als >M< eingestuft. Das steht für >Mature< und bedeutet >ab 17<. Aber glaub nicht ernsthaft, dass das jüngere Kids vom Spielen abhält.«

»Da hat er recht«, sagte Chloe. »Meine Schüler stehen da total drauf - egal, wie alt sie sind.« Chloe unterrichtete Geschichte und Literatur an einer Highschool in Brooklyn.

»Gibt es nicht viele solche Spiele? Was macht das hier so besonders?«, fragte Rebecca.

»Rising ist die Legende unter den Action-Adventure-Games«, antwortete Ben in feierlichem Ton. »Story, Figuren, Setting und Grafik sind der Hammer, alles Open World, du hast als Spieler kaum Grenzen und wahnsinnig viele Möglichkeiten - darin kannst du dich komplett verlieren. Tagelang. Rising ist wie Pulp Fiction: tausendfach kopiert, aber nie erreicht.«

»Klar«, kam es ironisch aus Chloes Fensterecke.

Rebecca tauschte ein Grinsen mit ihrer Mitbewohnerin.

Ben war jetzt immer mehr in seinem Element. »Auch die Geschichte von Freyzy Games ist ziemlich cool«, erklärte er weiter, Chloes Spott ignorierend. »Alex und Jeremy haben Rising zuerst als Download ins Netz gestellt. War ein absoluter Selbstläufer. Also haben sie mal eben Freyzy Games aus dem Boden gestampft. Die würden nie ihre Seele an eins von den großen Entwicklerstudios oder einen anderen Publisher verkaufen.«

Bens Figur machte einen Flickflack, als sich ein Schwarm Geier näherte, und landete auf dem Rücken des größten Vogels.

»Außerdem setzt Freyzy Games mit jedem Teil von Rising einen drauf. Anfang des Monats ist Rising 4 auf den Markt gekommen. Hammer. So was ist total selten bei Franchises. Ich meine, schaut euch dagegen Call of Duty an.«

Als der Geier über einen Berggipfel flog, ließ Ben seine Figur abspringen. Sie landete direkt neben dem Gipfelkreuz.

»Die Grafik«, sagte er nur bewundernd.

Auf dem Fernsehbildschirm startete ein Rundblick in Fischaugenoptik. Vor ihnen breitete sich ein Meer aus Blumen in gelben, blauen und violetten Farben aus. Die Landschaft erinnerte Rebecca an Bilder der Atacamawüste in Südamerika, wenn diese alle paar Jahre infolge des El Niño erblühte. Die Grafik war tatsächlich beeindruckend, soweit sie das beurteilen konnte. Sie begann, sich auf das Interview zu freuen. Diese Frey-Zwillinge schienen Ideen und Fantasie zu haben. Und sie würde einmal aus der Redaktion rauskommen. Seit Beginn ihres Praktikums beim Stadtmagazin New York Life vor anderthalb Wochen machte sie nichts anderes, als in den Layoutseiten Bildunterschriften in die Boxen unter den Promi- und Modefotos zu texten.

Bens Figur kletterte nun flink den Berg hinunter und machte auf einem Felsvorsprung Halt. Sie schob ein paar Steine zur Seite und betrat eine Höhle. Kein Zweifel: Ben kannte das Spiel in- und auswendig.

»Die Multiplayer-PC-Version ist besser als die für Konsole«, fuhr Ben fort. »Ich zocke eh fast nur noch am Computer. Aber das hätte einen Noob wie dich noch mehr überfordert. Deshalb spielen wir gerade den ersten Teil. Das ist der einzige, den ich für die Playstation besitze.«

Rebecca fragte lieber nicht nach, was »Noob« bedeutete.

»Hey, Chloe! Erinnerst du dich an den Jungen letztes Jahr in Texas?«, fragte Ben. »Der sechsundsiebzig Stunden am Stück gespielt hat - ohne Essen und Trinken? Herzstillstand. Keine Chance. Oder die Fans, die vor den Läden übernachten, wenn ein neuer Rising-Teil auf den Markt kommt? Ich hab das auch mal gemacht, für Rising 2.«

»Stimmt, ich erinnere mich an die Aktion!«, rief Chloe. »Das gab ein Riesentheater mit Mom und Dad. Du hast das mit deinem seltsamen Freund durchgezogen, oder? Der mit dem Silberblick. Das war damals wegen Rising?«

Ben antwortete nicht und konzentrierte sich darauf, tiefer in die Höhle vorzudringen und eine Schlange zu köpfen.

Rebeccas Kopfweh wurde stärker. »Okay, ich glaube, mir reicht das als Rising-Crashkurs«, rief sie und stand vom Sofa auf.

»Sicher?«, fragte Chloe.

»Ich denke schon. Das ist ja kein Interview für ein Computer-Fachmagazin.«

»Cool«, sagte Ben, ohne das Spiel zu unterbrechen.

Chloe sprang vom Fensterbrett und wuschelte ihrem Bruder beim Vorbeigehen durch die kurzen Haare. Der zog peinlich berührt den Kopf weg.

»Danke, Ben. Das war total nett von dir«, sagte Rebecca.

»Passt schon«, antwortete er und beachtete sie nicht weiter.

Chloe und sie verließen das Zimmer des Studentenwohnheims und machten sich auf den Heimweg.

 

In der Subway standen sie so dicht eingequetscht zwischen den anderen Fahrgästen, dass sie auch beim Bremsen und Anfahren nie das Gleichgewicht verloren. Trotz der vielen Leute war es angenehm kühl in dem klimatisierten U-Bahn-Wagen.

Rebecca musterte die Menschen um sich herum und entdeckte eine Frau, die ein schickes Businesskostüm mit Sneakers kombiniert hatte. An ihren ersten Tagen in der Stadt hatte Rebecca sich über solche scheinbaren Mode-Fauxpas gewundert, doch dann hatte Danielle, eine Kollegin bei New York Life, sie über die hiesige Zwei-Paar-Schuh-Politik aufgeklärt: Morgens auf dem Weg zur Arbeit und abends auf der Heimfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln trugen die New Yorkerinnen bequeme bis sportliche Schuhe, bewahrten in ihrer Tasche oder unterm Schreibtisch im Büro jedoch die High Heels für tagsüber auf. Wobei es dabei natürlich auf den Job ankam. Weder Chloe noch Rebecca besaßen Stöckelschuhe, deren Absatzhöhe unter das Label High Heels gefallen wäre.

»Ben war wenig begeistert von unserem Überfall«, stellte Rebecca fest.

Chloe lachte unbekümmert. »Mag sein, aber von Zeit zu Zeit darf er ruhig mal daran erinnert werden, dass es so was wie Sozialverhalten gibt.«

»Versteht ihr euch gut?«

»Ich liebe den Kleinen über alles«, antwortete Chloe. »Er war ein ungeplanter Nachzügler, unser Nesthäkchen. Meine zwei anderen Brüder sind vierunddreißig und einunddreißig, dann komme ich mit dreißig und schließlich Ben mit zwanzig. Mom war zweiundvierzig, als sie ihn bekommen hat. Aber es ist alles gut gegangen in der Schwangerschaft.«

Rebecca registrierte die Wärme in Chloes Stimme, als sie von ihren Geschwistern erzählte. Es musste schön sein, in einer so großen Familie aufzuwachsen. Das Kontrastprogramm zu Rebeccas Kindheit - jedenfalls zu der Zeit ab ihrem siebten Lebensjahr. Bis dahin hatte Rebecca mit ihrer Mutter Christine, einer Deutschen, und ihrem Vater, einem gebürtigen New Yorker, in Brooklyn...

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