Coaching mit Magie

Zauberhafte Methoden für Coachs, Trainer und Führungskräfte Mit CD
 
 
Junfermann Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Januar 2016
  • |
  • 208 Seiten
 
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978-3-95571-031-6 (ISBN)
 
Was haben Coaching und Bühnenzauberei gemeinsam? Kann man das eine mit dem anderen verbinden? Genau das tut Klaus-Peter Pfeiffer. In diesem Buch beschreibt er, wie durch das Denken eines Zauberers Probleme zu Ressourcen werden können.
Und wie denkt ein Zauberer, wenn er ein Zauberkunststück vorführt? Er muss glauben, dass er beispielsweise "wirklich" einen Tisch zum Schweben bringen kann. Gleichzeitig muss ihm klar sein, dass es eigentlich nicht geht. Und dennoch "kann" ein Zauberer das. Und wenn er an seine Zauberei glaubt, überträgt sich das auf die Zuschauer, dann ist es mehr als ein Trick. Ein Zauberer muss sein Handwerk beherrschen, muss wissen, wann er welchen Trick einsetzt und genau beobachten, ob das, was er tut, auch funktioniert. Folgt ihm das Publikum? Ist es im Geschehen involviert oder distanziert? Konstant ist der Traum präsent zu halten, dass hier etwas geschieht, was eigentlich unmöglich ist.
Die Kunst des Zauberns besteht darin, dass die Zuschauer die Magie in sich selbst entdecken und damit Zustände von Staunen, Überraschung, Verwandlung erlebbar werden. Dieses Buch gewährt Ihnen einen Einblick in das Denken eines Zauberers. Mehr noch: In zahlreichen praktischen Übungen und Fallbeispielen lernen Sie die Perspektive des Zauberers auf die Bereiche Coaching und Training zu übertragen. Klaus-Peter Pfeiffer lehrt Sie durch die Kunst der Verzauberung ein Stück heilsamer, verwandelnder Magie einzu bringen - sei es bei Einzelnen, Teams oder in Unternehmen.
Und nebenher liest dieses Buch noch Ihre Gedanken - vielleicht!
  • Deutsch
  • Paderborn
  • |
  • Deutschland
  • 6,52 MB
978-3-95571-031-6 (9783955710316)
3955710319 (3955710319)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Dr. Klaus-Peter Pfeiffer studierte Philosophie, Theologie und Vergleichende Religionswissenschaft. Seit 1997 ist er selbstständiger Trainer und Coach im Bereich Personalentwicklung. Sein Kindheitshobby, die Zauberkunst, setzt er heute als didaktisches Mittel ein.
1 - Cover [Seite 1]
2 - Inhalt [Seite 8]
3 - Danke! [Seite 12]
4 - Die CD [Seite 14]
5 - Vorwort von Robert Dilts [Seite 16]
6 - Einleitung: Denken Sie wie ein Zauberer und wirken Sie Wunder [Seite 18]
7 - Warum Philosoph, Zauberer, Coach & Trainer zu sein eigentlich das Gleiche ist [Seite 30]
8 - Prolog [Seite 34]
8.1 - 1. Corporate Magic - warum Unternehmen Zauberer brauchen [Seite 36]
8.2 - 2. Dieses Buch liest Ihre Gedanken - vielleicht [Seite 40]
8.3 - 3. Coaching - Kunst - Unternehmen: Ein kurzer Überblick [Seite 44]
9 - 1. Akt: Einwände [Seite 54]
9.1 - 4. Wir sind doch nicht im Theater . oder? Täuschung ohne Betrug - und ihr Nutzen [Seite 56]
10 - 2. Akt: Grundlagen [Seite 72]
10.1 - 5. Träumer, Realist, Kritiker [Seite 74]
10.2 - 6. Was Imagination vermag - ein Praxisbeispiel [Seite 106]
10.3 - 7. Schnee in der Universitätsbibliothek - die Magie des Settings [Seite 110]
11 - Zwischenspiel [Seite 124]
11.1 - 8. Von Liebe und Wundern oder: Worum es eigentlich geht [Seite 126]
12 - 3. Akt: Praxis [Seite 130]
12.1 - 9. Die Columbo-Strategie oder: Coachen wie ein Zauberer [Seite 132]
12.2 - 10. Impact in Coaching, Training & Präsentationen [Seite 170]
12.3 - 11. Der Erickson-Stein [Seite 176]
12.4 - 12. Wie Erinnerung funktioniert: Eine Intervention mit einem Zauberkunststück [Seite 180]
12.5 - 13. Der Konflikt-Kommunikator [Seite 184]
13 - Epilog [Seite 186]
13.1 - Mein Vorhang fällt - Vorhang auf für Sie! [Seite 188]
13.2 - Auflösung der Oops-Experimente [Seite 190]
13.3 - Literaturverzeichnis [Seite 194]

3. Coaching - Kunst - Unternehmen: Ein kurzer Überblick


Es scheint, dass die Worte "Magie", "Zauber", "Wunder" sich in der Psychologie großer Beliebtheit erfreuen und immer wieder gern als Metapher benutzt werden. Schon Sigmund Freud schrieb:

Worte waren ursprünglich Zauber, und das Wort hat noch heute viel von seiner alten Zauberkraft bewahrt. Durch Worte kann ein Mensch den anderen selig machen oder zur Verzweiflung treiben, durch Worte überträgt der Lehrer sein Wissen auf die Schüler, durch Worte reißt der Redner die Versammlung der Zuhörer mit sich fort und bestimmt ihre Urteile und Entscheidungen. (Freud 1969, 10)

Bei C. G. Jung und den von ihm inspirierten Arbeiten ist der Magier ein wichtiger "Archetyp". Zwar gibt es eine klare Trennung zwischen Magier und Zauberkünstler, doch gibt es so manche ursprüngliche Gemeinsamkeit, worauf später noch eingegangen wird. Der Jung'sche Analytiker und Zauberkünstler John Granrose schrieb die Abschlussarbeit seiner Ausbildung als Jung'scher Therapeut über den Archetyp des Magiers. Dass es einen Bezug zwischen beiden gibt, zeigt sich auch darin, dass er auf Magier und Zauberkünstler gleichermaßen einging (Granrose 1996).

Der Reigen der Verwendung von Magie und Zauber geht weiter. Man denke nur an Steve de Shazers Words were originally magic (Shazer 1994) und seine "Wunderfrage", die "Miracle Method" von Scott D. Miller und Insoo Kim Berg (Miller und Berg 1995), die Geschichten mit Zauberkraft der Lanktons (Lankton und Lankton 2008), um nur einige Beispiele zu nennen.

Dass Therapie im weitesten Sinne auch etwas mit Kreativität und Kunst zu tun hat, darauf hat schon James Hillman, der bekannte Psychotherapeut Jung'scher Prägung, mit Bezug auf Freud hingewiesen. Er schreibt:

Was in der tiefenpsychologischen Therapie stattfindet, ist nicht nur die Analyse von des einen Menschen Lebensgeschichte durch einen anderen, mit verschiedenem Drum und Dran - Ritual, Suggestion, Eros, Macht, Projektion -, es ist immer auch ein Sängerwettstreit und damit eine Neuinszenierung einer der ältesten kulturellen Vergnügungen, die die Menschheit kennt. Dies ist einer der Gründe, warum Psychotherapie den Anspruch erheben kann, als etwas Kreatives betrachtet zu werden. Sie ist kreativ, indem sie neue, sinngebende imaginative Muster hervorzubringen vermag, kreativ also im Sinne von Poiesis. Ein erfolgreicher Therapieverlauf ist somit gekennzeichnet von der gemeinsamen Arbeit an Fiktionen; die Therapie ist die Umgestaltung und Neu-Imagination der bestehenden Geschichte in eine sinnvollere, phantasievollere Fabel, die in alle Teile der Geschichte Mythos bringt. Leider sind wir Therapeuten uns viel zu wenig bewusst, dass wir Sänger sind. (Hillman und Staufer-Zahner op. 1986, 28f.)

Ihre genuine Anwendung findet die Kunst in der Kunsttherapie. Bei diesen Ansätzen wird der Wert der Kunst für therapeutische Prozesse am deutlichsten. Leider hat die Zauberkunst meines Wissens noch keinen Eingang darin gefunden.

Aber auch außerhalb der Kunsttherapie im engeren Sinne wird Kunst wertgeschätzt. Rubin Battino versteht sie als psychotherapeutische heilende Metapher und widmet ihr in seiner Arbeit über Metaphern ein eigenes Kapitel (Battino 2002, 275-279). An anderer Stelle spricht er von Kunst als hypnotherapeutischer Metapher und entwickelt ein Acht-Stufen-Programm, in dem Kunst sowohl für Klienten mit psychologischen als auch für solche mit physischen Problemen eingesetzt wird (Battino und South 2005, 363-377). Im Gegensatz zu anderen Ansätzen, in denen seiner Meinung nach hauptsächlich Malen, Zeichnen, die Arbeit mit Ton etc. verwendet werden, betont er, dass Kunst als hypnotherapeutische Metapher alle Formen der Kunst, also auch die darstellenden Künste, einschließt. Zwar erwähnt er die Zauberkunst nicht. Doch sein Acht-Stufen-Programm ließe sich gewiss mit Mitteln der Zauberkunst realisieren.

Der Einsatz von Kunst zu therapeutischen Zwecken ist eine Möglichkeit. Einen anderen Weg deutet der bekannte Psychotherapeut und Erickson-Schüler Jeffrey Zeig an, wenn er schreibt: "Therapeuten können von Künstlern lernen." (Zeig, privates Manuskript, 16) Er hat in den letzten Jahren viele Gespräche mit Künstlern, darunter der Hollywoodregisseur James Foley, geführt. Dabei ging er der Frage nach, inwiefern künstlerische Mittel psychotherapeutisch nutzbar gemacht werden können. Zur Begründung schreibt er:

Denn Kunst hat zum Ziel, Emotionen zu beeinflussen und zu verstärken. Emotionen steuern Entscheidungen. Und Emotionen fixieren Dinge im Gedächtnis, ähnlich dem Vorgang, bei dem ein in eine Lösung getauchter Kontaktabzug das Foto fixiert und damit die Vision fest an einem Ort verankert - einem Ort, an dem zuvor nichts Faszinierendes existierte. (ebd., 1)

Ganz besonders möchte ich auf die bisher einzigartigen therapeutischen Arbeiten von Annalisa Neumeyer hinweisen, die sie vornehmlich mit Kindern und Jugendlichen durchführt. Sie nennt ihren Ansatz ausdrücklich therapeutisches Zaubern (Neumeyer 2009).

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die vor allem von Cindy und Kevin Spencer in den USA entwickelten Ansätze im Rahmen der Ergotherapie. Die beiden Zauberer nennen ihr Programm "Healing of Magic". Dabei dient das Erlernen von einfachen Zauberkunststücken der Wiedergewinnung und Stärkung vielfältiger Fähigkeiten. Dazu zählen:

  • Grob- und feinmotorische Fähigkeiten
  • Problemlösungsfähigkeiten im Sinne von Planung, Organisation, Abfolge von Abläufen und Steigerung der Frustrationstoleranz
  • Aufmerksamkeitssteigerung
  • Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeiten
  • Training kognitiver Fähigkeiten
  • Kompetenzsteigerung psychosozialer Aktivitäten wie Kommunikation mit anderen, Präsentationsskills etc.

Ein neuer Ansatz: Zauberkunst als therapeutische Neuinszenierung der eigenen Lebensgeschichte


Jenseits des Erlernens von Zauberkunststücken zum therapeutischen Gebrauch gibt es vielleicht noch eine ganz andere Möglichkeit, die noch nie entwickelt wurde und die ich hier nur anreißen kann:

In der Reflexion auf den oben erwähnten Ansatz von James Hillman, der Therapie als Neuinszenierung der Patientengeschichte in eine sinnvollere Fabel versteht, möchte ich der Frage nachgehen, ob nicht auch eine Zaubervorstellung als Modell eine weitere Möglichkeit und damit eine Bereicherung im (psycho-)therapeutischen oder Coaching-Arsenal des Erzählens sein könnte.

Fallgeschichten, so Hillmann, "werden nach unterschiedlichen, der Belletristik entlehnten Modellen gestaltet" (Hillman und Staufer-Zahner op. 1986, 31). Er kritisiert an der Psychotherapie, dass sie viel zu eng ist, weil sie beim Erzählen im Prinzip nur vier Formen kennt: "Epos, Komödie, Krimi, sozialen Realismus. Eine von diesen muss in jedem Fall herhalten, egal, womit wir konfrontiert werden, egal, wie viel Leidenschaft und Erotik, Tragik und Edelmut, Abwegigkeit und Willkür aus der vorgetragenen Geschichte spricht." (ebd., 29) Hillman plädiert dafür, dass sich die Psychologie offen der Literatur zuwendet, die sie oft unbewusst benutzt. "Es wäre an der Zeit, dass wir (.) das Fiktive in der Psychologie sähen." (ebd.) Um das Feld der Erzählgenres zu erweitern, plädiert er für den Schelmenroman. Da Zaubern, wie wir bei Hall sehen werden, mit dem Schelmischen assoziiert wird, ist dieses Genre auch für uns interessant. "Besonders bunt und detailliert wird die Welt der Zuhälter und Dirnen, der Diebe, Betrüger und Scharlatane geschildert, genüsslich über ebenso aufgeblasene wie korrupte Würdenträger hergezogen. In diesem Reich der Schelme, das auch in uns existiert (sic!), ist es möglich, alles zu durchschauen, ohne moralische oder moralisierende Konsequenzen daraus zu ziehen." (ebd., 30) Natürlich weiß Hillman, dass eine solche Erzählform von den Vertretern der herkömmlichen Genres als minderwertig, defizitär und sogar fast pathologisch abgetan würde. Dennoch:

Eine Therapie hilft vielleicht dann am ehesten und besten, wenn jemand diese ganze Vielfalt (der Erzählgenres, Anm. v. mir) zur Verfügung hat, um sein Leben zu beschreiben (.) anstatt ein Modell zuungunsten der anderen wählen zu müssen. Denn während ein Teil von mir weiß, dass die Seele tragisch in den Tod geht, lebt ein anderer eine pikareske Phantasie, und ein dritter sucht in einer heroischen Komödie nach Verbesserung und Vervollkommnung. (ebd., 31)

Warum aber sollte man sich nur auf die Literatur beschränken? Lebt in uns nicht auch die Welt der Zauberer? Könnte nicht auch sie eine Erzählmetapher sein? Wenn es wirklich darum geht, das Fiktive in der Psychologie zu sehen, dann ist die Zauberkunst dafür prädestiniert! Keine andere Kunst agiert so ausdrücklich in dem Spannungsfeld von Fiktivem und Realem, Schein und Sein, Traum und Wirklichkeit! Letztlich ist dies das Thema der Zauberkunst. Die Parallelen zwischen unserem Leben und einer Zaubervorstellung sind mit den Händen zu greifen. Wenn jemand eine Zaubervorstellung besucht, weiß er eigentlich nicht, was ihn erwartet. Manchmal ist man nur Gast auf einem Fest oder einer Tagung und weiß gar nicht, dass eine Zaubervorstellung geplant ist. Neugier und eine gewisse Ängstlichkeit sind zumindest am Beginn die vorherrschenden Gefühle. Kaum einer setzt sich in die erste Reihe. Es könnte sonst passieren, dass man auf die Bühne gerufen wird und mitmachen müsste. Ein Teil von uns will es vielleicht, weil es uns Anerkennung und Applaus bringt, ein anderer Teil hat Angst davor und vor dem Unbekannten schlechthin. In der...

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