Eure Kraft und meine Herrlichkeit

Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 2. März 2011 | 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05560-8 (ISBN)
 
Eine Göttin kennt keinen Alltag. Ihr Reich ist die Nacht, ihr Nektar die zahllosen Drinks, ihre Strahlen erleuchten die Discokugel. Sie ist die Sonne am Abendhimmel und das Grün deines Neids. Eine Göttin hat keine Probleme und keinen Vater. Eine Göttin ist niemals einsam. Und eine Göttin könnte niemals fallen. Doch Anita ist keine Göttin ...
»Eure Kraft und meine Herrlichkeit« ist großes Pathos und tiefe Verzweiflung, Provokation und Sprachwut, Identitätssuche und Leidenschaft. Die fünfzehnjährige Anita gehört zu einer unverstandenen Generation, deren Markenzeichen der Exzess ebenso wie die Sehnsucht nach Geborgenheit sind. Sie säuft, zieht durch die Clubs und scheint von der Schule ebenso wenig zu halten wie von ihrer karrierefixierten Mutter. Doch am Ende des Höhenflugs steht der Absturz, auf die Ernüchterung folgt Einsamkeit. Constanze Petery lässt uns durch die Augen der Antiheldin Anita blicken, beschreibt das Zerbrechen der Familie, die Flucht in den Rausch, den Kampf um die Identität: Sie zielt direkt auf die offenen Wunden der Gesellschaft - und beschreibt eine verlorene Jugend in gewaltigen, verstörenden Bildern.


Constanze Petery wurde 1991 in München geboren. Schon während ihrer Schulzeit war sie aktive Teilnehmerin an Poetry-Slams. Mit den ersten Kapiteln von 'Eure Kraft und meine Herrlichkeit' gewann sie als bisher jüngste Teilnehmerin ein Literaturstipendium der Stadt München. Constanze Petery lebt in New York und München.
Deutsch
0,23 MB
978-3-641-05560-8 (9783641055608)
3641055601 (3641055601)
weitere Ausgaben werden ermittelt
11 DRECK AM STECKEN (S. 97-98)

»Schau sie dir doch an.« Ich fahre durch eine graue Stadt, heute mehr Kulisse meiner Selbstinszenierung denn je, Grau in Grau, ein Aquarell, als ob die Szene mit Weichzeichner gefilmt worden wäre. Vor diesem Hintergrund treten die Figuren noch krasser hervor, scharf und eckig. Diese hier sind das, was man üblicherweise nette alte Damen nennt, um zu verdrängen, dass heute ein normaler Arbeitstag ist, nicht Feiertag, und die jungen Leute alle in ihren kleinen Bürogebäuden verstaut sind, fein säuberlich gestapelt wie Hemden. Nur diese zwei Rentnerinnen sind herausgefallen aus diesem Schrank der Gesellschaft, haben mit dem Privileg der Rente das Vorrecht der Beschäftigung verloren und stützen sich nun gegenseitig in ihrem Alltag.

Ich bin ein gefundenes Fressen, das rote Tuch vor ihren Augen. Viel Wut hat sich aufgestaut, die letzten Wochen waren schwül und anstrengend, man muss sie wohl eingesperrt haben, in Altbauapartments, mit Tee und Kuchen und drei Dutzend angefangenen Stickdeckchen, an den Wänden die Gesichter der Enkel. Und jetzt sind sie ausgebrochen, haben ihre Stiefelchen geschnürt und wollen noch einmal auf den Putz hauen, pöbeln, wie nicht einmal die stärksten Halbstarken in den dunklen Gassen ihres Reviers es sich trauen. Ich habe mich natürlich auch mal wieder dumm angestellt.

Ich bin in diesen Bus eingestiegen, und ich hätte mich genauso gut in den hinteren Teil setzen können, dort, wo sich Alte-Damen-Mägen bei jeder Kurve umdrehen. Aber nein. Ich dachte, ich sollte mich vielleicht schonen. Belegte den begehrtesten Sitz des ganzen Busses mit meinem unverschämt wohlgeformten Hinterteil. Direkt am Eingang. In Schwatznähe zum Fahrer. Mit Frontalblick aus der Windschutzscheibe. »Frech.« Sie haben sich vor mir aufgebaut, schwingen ihre Regenschirme wie Totschläger und schauen mir direkt ins Gesicht. In die Augen. Während sie seelenruhig über mich herziehen.

Das soll ich natürlich mitkriegen, walkürenhaft heben sie die Stimmen, sie wissen ja nicht, dass die Kopfhörer in meinen Ohren nicht zum Beschallen, sondern zur Abschreckung dienen sollen. Sie sind Teil der Kluft des bösartigen Schulschwänzers, der schwangeren Jugendlichen, ich bin der personifizierte Untergang der Nation. Gestern habe ich mir die Fingernägel schwarz lackiert, man muss zu der Rolle stehen, die man von der Natur aufgedrückt bekommt.

Ich weiß meine zu genießen. Ich bin böse. Und die zwei Damen sind die netten alten Damen. Als solche haben sie ein Anrecht auf meinen Platz. Ich bin nur froh, dass ich dem Fahrer beim Einsteigen kokett zugelächelt habe, ich kann einen treuen Vasallen brauchen, eine offizielle Abmahnung nicht. Die Jugend ist mein Verhängnis und meine Rettung zugleich. »Seit der Operation kann ich gar nicht mehr lange stehen. Soll ich ja auch gar nicht.
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