Die Rückkehr des Baumeisters

Roman
 
 
Piper Schicksalsvoll (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Dezember 2017
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
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978-3-492-98351-8 (ISBN)
 
Der dritte und letzte Band der großen Mittelalter-Trilogie über den genialen Baumeister Harry Talvace von Ellis Peters: ein literarisches Glanzstück

Der junge Harry Talvace wird vom Mörder seines Vaters auf der Burg am Ufer des Severn gefangenhalten. Aber aus der Feindschaft zwischen dem Baumeister und Isambard erwächst Respekt und schließlich sogar Freundschaft. Zu spät erkennt der Burgherr, dass es sein eigener Sohn ist, der im gefährlich werden soll. In einem dramatischen Kampf stehen ihm nun auch seine einstigen Widersacher zur Seite - aber erst als auch die Toten zur Ruhe kommen, kann Harry das Erbe seines Vaters antreten.

Der dritte Band der großartigen Trilogie aus der Feder der Bestsellerautorin Ellis Peters, auch bekannt unter ihrem Klarnamen Edith Pargeter. Die weiteren Bände der »Heaven Tree«-Reihe von Ellis Peters, »Der Baumeister von Albion« und »Die Rückkehr des Baumeisters« sind ebenfalls bei Piper Fahrenheit erschienen.
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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,92 MB
978-3-492-98351-8 (9783492983518)
3492983510 (3492983510)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ellis Peters (Pseudonym von Edith Pargeter), geboren 1913, verband ihr Leben lang ihr Interesse für Geschichte mit ihrem literarischen Talent. Schon im Alter von dreiundzwanzig Jahren veröffentlichte sie ihren ersten Roman. Internationales Ansehen erwarb sie sich mit ihren Geschichten um Inspektor George Felse und den historischen Bruder-Cadfael-Romanen. Ihre Bücher wurden in mehr als fünfzehn Sprachen übersetzt. Sie starb 1995 in Shropshire, England. Die weiteren Bände der Baumeister-Trilogie liegen auf deutsch bereits vor: »Das Erbe des Baumeisters« und »Die Rückkehr des Baumeisters«.

Kapitel eins


Parfois/Shrewsbury: August 1232

Die stumpfen Turnierschwerter trafen sich klirrend mitten in der Luft und erfüllten das Sonnenlicht mit blauen Funken. Der Zusammenprall war so stark, daß Harry der Schmerz vom Handgelenk bis hinauf in die Schulter fuhr. Aber er behielt die Waffe fest in der Hand und drückte die Klinge seines Gegners so gut er konnte um wenige Zoll von seinem Haupt weg. Wenn das Schwert ihn getroffen hätte, wäre er bestenfalls bewußtlos zusammengebrochen; schlimmstenfalls hätte man ihn mit eingeschlagenem Schädel vom Übungsplatz getragen. Der alte Nicholas Stury schonte niemanden. Manchmal argwöhnte der Jüngling, daß der Fechtmeister es heimlich genoß, den jungen Adeligen, welche zu ihm in den Unterricht geschickt wurden, Schmerzen zuzufügen. Und gewiß gab es unter den jungen Männern nicht wenige, die sich vor ihm fürchteten.

Beide Kämpfer wirbelten beim Austausch von Hieb und Abwehr um die eigene Achse; dann wechselten sie mit zwei raschen Schritten die Position. Der Kreis der aufgeregten Gesichter drehte sich mit ihnen, und man hörte gedämpftes Stimmengewirr voller Erwartung und Anspannung. Harry kannte die Jünglinge zu gut, um zu glauben, sie stünden bei diesem Schwertkampf auf seiner Seite und würden zu ihm halten. Die meisten von ihnen tolerierten ihn und machten ihm das Leben nicht schwer. Einige der Fürstensöhne hatten sich in den zurückliegenden Monaten sogar mit ihm angefreundet. Aber wenn es ums Kämpfen ging, konnten sie, die sie doch alle Engländer waren, unmöglich einem Waliser und dazu noch Gefangenen Isambards den Sieg wünschen; nicht einmal gegen Stury, den sie alle aus tiefstem Herzen haßten. Mochte der alte Fechtmeister auch noch so herzlos sein, er gehörte zum Haushalt von Parfois und war damit einer der ihren. Deswegen drückten sie ihm gegen den Fremden die Daumen.

Nicholas war stolz auf den weitausladenden, starken Hieb, den er gegen den Kopf des Gegners gerichtet hatte. Vielleicht gefiel ihm daran auch nur, die Angst im Gesicht seines Gegenübers zu erkennen, bevor die Klinge traf, oder aber zu verfolgen, wie der Jüngling voller Verzweiflung den Schlag abwehrte. Harry konnte sich ausrechnen, daß Stury diesen Hieb über kurz oder lang ein weiteres Mal bei ihm versuchen würde. Doch das erschreckte ihn nicht, er kannte mehrere Möglichkeiten, mit einem solchen Angriff fertig zu werden. Der Jüngling wich geschickt nach rechts aus, wehrte ein paar Stöße und Hiebe ab, die nur dazu angelegt waren, ihn auf die falsche Fährte zu locken, und bedrängte seinerseits den Lehrer mit ein paar nicht weniger listigen Attacken.

Und dann kam der Hieb: hart, schnell und so plaziert, daß Harry trotz des gefütterten ledernen Übungshelms sicherlich in Ohnmacht gefallen wäre. Doch statt vor der Klinge zurückzuweichen und das eigene Schwert hochzureißen, um den Stahl von seinem Kopf abzulenken, duckte sich der Jüngling und tauchte unter der Waffe hindurch. Als er sich seitlich neben Stury befand, drehte er sein Schwert mit der Rückhand und bohrte dem Mann die stumpfe Spitze in die Rippen. Zu seiner grimmigen Freude beantwortete Nicholas das mit einem Stöhnen. Doch das reichte ihm nicht: Harry riß die Klinge hoch und stieß die Spitze in die Achselhöhle des immer noch ausgestreckten Armes von Stury. Es war eine symbolische Geste und sollte den Fechtmeister warnen, daß er ihn hätte töten können, wäre es bei diesem Kampf um Leben und Tod gegangen.

Die Jünglinge brüllten vor Begeisterung über den ehrlichen Sieg. Ein Page, der rittlings auf einer der Fensterbänke der Waffenkammer hockte, schrie mit seiner schrillen Stimme: »Treffer! Ein Treffer!« Die unverhohlene Freude auf dem Gesicht des Knaben wärmte Harry das Herz. Offenbar besaß er in dieser Schar doch einen Anhänger.

Walter Langholme, der Kammerdiener des Burgherrn, ließ seine Stimme ebenfalls vernehmen, und als Stury wutentbrannt erneut auf den Jüngling losgehen wollte, senkte er die lange Turnierlanze zwischen die beiden und stieß dem Fechtmeister dreimal das stumpfe Stangenende gegen die Brust.

»Das reicht. Talvace hat dich besiegt, Nick, und wenn du ehrlich bist, gestehst du dir das auch ein.«

Schon unter normalen Umständen wäre das dem erfahrenen Waffenmeister schwer genug gefallen; um so mehr, da es sich bei seinem allzu begabten Schüler um einen Ausländer und auch noch um einen Grünschnabel von gerade mal siebzehn Jahren handelte. Um einen Waliser, den eine Laune des Herrn von Parfois hierbehielt und der mit seiner Erlaubnis an den Spielen und Übungen der jungen Edelleute teilnehmen durfte.

»Er hat mich kaum berührt!« protestierte Nicholas und schob die Lanze mit einer riesigen Hand weg, die aus demselben Sandstein gemacht zu sein schien, aus dem die Stützpfeiler der Burg bestanden. »Das nennst du einen Treffer? Wenn ich nicht mit einem Fuß ausgeglitten wäre, hätte der Junge nie eine Gelegenheit gefunden, sich unter meinem Schwert hinwegzuducken!«

Harry trat in den Schatten der Waffenkammer und deponierte das Schwert auf dem Mäuerchen, das unterhalb der hohen Fenster verlief. Er nahm den wattierten Helm ab, ein grobes, einfaches Ding, das mit den zeremoniellen Turnierhelmen und ihren geschmückten und verzierten Formen gar nichts gemeinsam hatte. Darunter tauchte sein gerötetes Gesicht auf. Er atmete gierig die frische Luft ein. Der Page oben auf dem Sims warf ihm ein Tuch zu, und Harry wischte sich damit dankbar den Schweiß von Hals, Wangen und Stirn. Dann warf er es sich keck über die Schulter und erklärte:

»Dann stell dich mir zu einem neuen Zweikampf, wenn du mir diesen Sieg schon streitig machen willst. Mir ist das gleich. Was ich soeben vollbrachte, kann ich mit Leichtigkeit ein weiteres Mal tun.«

Unter den gegenwärtigen Umständen hätte er so etwas besser für sich behalten. Selbst bei denjenigen unter den Jünglingen, die etwas für ihn übrig hatten, löste das Empörung aus. Alle schrien auf und verlangten, daß den Worten Taten folgen sollten. Harry hingegen war sich insgeheim gar nicht so sicher, den Fechtmeister ein zweites Mal besiegen zu können. Stury einmal zu schlagen war vielleicht möglich; mit der nötigen Geduld und Vorsicht konnte das durchaus gelingen. Aber jetzt war sein Gegner vorgewarnt, und nach der Niederlage brannte er darauf, es seinem frechen Schüler heimzuzahlen. In dieser Situation war mit dem Mann nicht zu spaßen. Doch für solche Überlegungen war es nun zu spät. Er hatte die Herausforderung ausgesprochen und mußte auch dazu stehen. Der Jüngling nahm den Wasserkrug, der auf dem Mäuerchen stand, und löschte seinen Durst, während die anderen durcheinanderschrien, bis Langholme die Lanze schließlich in den Boden stieß und zur Ordnung aufrief.

Aus dem Schatten des Bogenganges, der zum inneren Burghof führte, ertönte jetzt eine klare, laute Stimme: »Talvace hat gesiegt. Das steht außer Frage. Wer will das anzweifeln?«

Der Lärm erstarb augenblicklich. Harry hatte keine Ahnung, wie es Isambard gelungen war, sich in dem allgemeinen Stimmengewirr verständlich zu machen. Vielleicht hatten die Jünglinge und Männer seine Worte mehr gespürt denn gehört; womöglich hatte seine Stimme auf geradem Weg den Nerv der Ehrfurcht in den Anwesenden getroffen, so wie kleine quietschende Geräusche manchmal Schmerz in den Zähnen verursachen. Mit drei kleinen Sätzen hatte Isambard es verstanden, Schweigen um sich herum zu verbreiten. Alle, die sich vor der Waffenkammer aufhielten, waren respektvoll aufgesprungen. Als der Burgherr zwischen ihnen hindurchschritt, waren sämtliche Blicke allein auf ihn gerichtet; und zwar mit der üblichen angespannten Aufmerksamkeit, die Harry nach langen Monaten zu erkennen wußte.

Ich bin hier anscheinend der einzige, der sich nicht vor ihm fürchtet, dachte er. Doch dann mußte er korrigierend hinzufügen: Nein, Langholme scheint keine Angst mehr vor ihm zu haben; nicht mehr, denn sie muß ihn einst beherrscht haben. Der Kammerdiener hat seinem Herrn in all diesen Jahren so nahegestanden, daß alle Angst vor ihm gewichen ist. Sicher sind die beiden mittlerweile so vertraut miteinander, daß dieses Gefühl nicht mehr vorhanden ist. Walter treibt nicht der Ehrgeiz um, selbst Ritter zu werden. Er ist zufrieden mit dem, was er hat. Isambard hat das erkannt und achtet ihn mit einer Wertschätzung, die er für keinen anderen in seinem Haushalt übrig hat.

Harry beobachtete die große, schlanke Gestalt des Herrn von Parfois, die aus dem Schatten auftauchte, auf sie zutrat und sich von der Stille, die sie selbst geschaffen hatte, nicht im mindesten beeindrucken ließ. Isambard eilte nicht zu ihnen, denn nicht einmal für Könige hatte er je seine Schritte beschleunigt. An diesem heißen Augusttag hatte er sich seines Waffenrockes und seiner Cotte entledigt. Sogar die Kragenbänder seines losen Leinenhemdes hatte er gelöst, und so konnte man seinen dürren, aber geraden Hals bewundern, auf dem sich die Sehnen straff wie angespannte Bogensehnen von der braunen Haut abhoben.

Isambard liebte die Sonne. So hatte er mehrere Spitzbogenfenster in die Mauern des Herrenturmes schlagen lassen, damit das Tageslicht seine Lieblingsgemächer durchfluten konnte. Auch hatte es den Anschein, als liebte die Sonne ihn ebensosehr; denn jedes Jahr bräunte der Sommer ihn so sehr, daß er seine dunkle Schönheit widergewann. Er verlor dadurch mindestens fünfzehn von seinen mittlerweile achtundsechzig Jahren, und mit seinen Gewändern aus flämischem Brokat sah er dann mehr als stattlich aus. Die Sonne konnte zwar nicht das Schwarz in sein eisengraues Haar zurückzaubern, das immer noch dicht und lockig wie das eines Jünglings sein Haupt zierte....

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