Bruder Cadfaels Buße

 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. April 2021
  • |
  • 349 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7517-0729-9 (ISBN)
 
Die Kult-Krimi-Serie endlich als eBook!

England im Winter 1145: Noch immer kämpfen Kaiserin Maud und König Stephan verbissen um den Thron. Hoffnung keimt auf, als sich die beiden Kontrahenten zu einem Treffen und einem Gefangenenaustausch bereiterklären. Doch einer der Gefangenen scheint spurlos verschwunden zu sein: Olivier de Bretagne. Gegen den Willen seines Abts verlässt Bruder Cadfael die Abtei zu Shrewsbury und macht sich auf die Suche nach dem jungen Adligen. Er setzt für ihn sogar seine Ordenszugehörigkeit aufs Spiel - denn den Benediktinermönch verbindet einiges mit dem Verschwundenen ...

Begleiten Sie Bruder Cadfael bei seinem letzten und persönlichsten Fall!

Über die Reihe: Morde und Mysterien im finstersten Mittelalter des 12. Jahrhunderts liefern den perfekten Hintergrund für die spannenden Abenteuer des Bruders Cadfael, eines ehemaligen Kreuzritters, der sich als Mönch in die Abtei St. Peter & Paul nahe Shrewsbury zurückgezogen hat. Doch ein ruhiges Leben als Kräutergärtner und Heilkundiger ist ihm nicht vergönnt: Immer wieder muss er seine detektivischen Fähigkeiten einsetzen, um Verbrechen in der Gemeinde aufzuklären.

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!
1. Aufl. 2021
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 3,75 MB
978-3-7517-0729-9 (9783751707299)

Ellis Peters ist das Pseudonym der 1913 geborenen englischen Autorin Edith Pargeter. Ihre Bruder-Cadfael-Reihe erschien in 15 Sprachen und mehr als 20 Ländern und wurde erfolgreich von der BBC verfilmt. Ihr Wissen als Apothekenhelferin war der Ausgangspunkt für den kräuterkundigen Bruder Cadfael. Ellis Peters starb im Oktober 1995.

Kapitel 2


Als Zeitpunkt für den Beginn der Versammlung in Coventry legte man den letzten Novembertag fest. In der Zwischenzeit gab es gewisse Hinweise darauf, dass das Bemühen um Aussöhnung und Frieden keineswegs allgemein auf Zustimmung stieß - offenbar lag mächtigen Interessengruppen daran, es scheitern zu lassen. Philip FitzRobert hatte den Grafen von Cornwall und Halbbruder der Kaiserin, Reginald Fitz-Roy, mit dem er selbst verwandt war, ergriffen und gefangengesetzt, obwohl dieser im Auftrag der Kaiserin reiste und einen Geleitbrief des Königs besaß. Zwar ordnete dieser FitzRoys sofortige Freilassung an, als man ihm Mitteilung machte, doch entspannten sich die Beziehungen dadurch in keiner Weise.

»Wenn dieser Vorfall einen Rückschluss auf Philips Einstellung zulässt, kommt er auf keinen Fall nach Coventry«, sagte Cadfael zu Hugh, als sie davon erfuhren.

»Er wird sich hüten, fortzubleiben«, entgegnete dieser, »und käme er nur, um allen Friedenswilligen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Dazu hat er an Ort und Stelle weit bessere und wirksamere Möglichkeiten als aus der Ferne. Außerdem liegt ihm, soweit ich die Sache durchschaue, daran, seinem Vater, gegen den er so heftig wütet, von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten. Er kommt bestimmt.« Aufmerksam sah er den Freund an, in dessen Gesicht er sonst so deutlich lesen konnte und dessen niedergeschlagener Ausdruck ihm jetzt ein gewisses Unbehagen bereitete. »Willst du wirklich mit mir ziehen? Auch auf die Gefahr hin, zu weit zu gehen und deinen Urlaub zu überschreiten? Du weißt, dass ich deine Sache gern für dich betreiben würde. Sofern es über Olivier etwas in Erfahrung zu bringen gibt, werde ich es erfahren. Dafür brauchst du nicht aufs Spiel zu setzen, was du so hoch schätzt wie dein eigenes Leben.«

»So Gott sich dem Jungen als gnädig erweist, ist sein Leben noch nicht zur Hälfte um«, sagte Cadfael, »und es ist mehr wert als meine abgelaufenen Jahre. Ich denke, du hast eine eigene Aufgabe zu erfüllen. Es bleibt dabei - ich ziehe mit. Radulfus weiß es. Er verspricht nichts und droht mir nicht. Er hat gesagt, dass ich auf eigene Faust handele, wenn mich mein Weg weiter vom Kloster entfernt als bis Coventry, aber er hat nicht gesagt, was er an meiner Stelle täte. Allerdings wird er mich nicht ausrüsten, da ich nicht in seinem Auftrag reise, und so wäre ich dir dankbar, wenn du mich mit einem Reittier, einem Umhang und etwas Wegzehrung ausstatten könntest.«

»Außerdem bekommst du von mir ein Schwert und ein Strohlager in der Wachstube auf der Burg«, sagte Hugh, alle Feierlichkeit ablegend, »wenn dich das Kloster eines Tages verstößt. Natürlich erst, nachdem wir Olivier gerettet haben.«

Die bloße Nennung des Namens genügte, um Cadfael das Bild der ersten Begegnung mit dem bis dahin unbekannten Sohn ins Gedächtnis zu rufen. Im Schnee eines bitterkalten Wintertages hatte er ihn über die Schulter eines jungen Mädchens hinweg durch das offene Gatter des Tores der Priorei von Bromfield gesehen. Ein langes, schmales Gesicht mit milden Zügen, den weit auseinanderstehenden schwarzen Augen eines Falken, die von einem Goldschimmer umrahmt waren, einer scharf gekrümmten Nase und einem sacht geschwungenen stolzen und lebhaften Mund. Das Ganze wurde überkrönt von einem kurzgeschnittenen glänzenden Schopf blauschwarzen Haares. Die Haut leuchtete olivgolden wie ein überaus schönes Bronzestandbild. Mariams Sohn hatte ihr Gesicht und war des Andenkens an seine Mutter würdig. Mit vierzehn Jahren hatte er nach der Feier zu ihrer Beisetzung Antiochia verlassen und war nach Jerusalem gezogen, um sich dort der Glaubensgemeinschaft seines Vaters anzuschließen, den er bis dahin nur durch die Augen der Mutter gesehen hatte. Jetzt musste er an die dreißig Jahre alt sein und war womöglich selbst schon Vater eines Kindes von jener Ermina Hugonin, mit der er damals durch den Schnee nach Bromfield gekommen war. Ihre edle Familie hatte seinen Wert erkannt und sie ihm als Eheweib gegeben. Jetzt würde er ihr fehlen, wie auch dem Enkel, der vielleicht schon zur Welt gekommen war. Das aber durfte nicht sein, und niemand als Cadfael konnte die Dinge wieder ins Lot bringen.

»Nun«, sagte Hugh, »es ist nicht das erste Mal, dass wir miteinander reiten. Du hast drei Tage, um zu klären, was zwischen Gott, Radulfus und dir steht. Mach dich dann reisefertig. Auf jeden Fall werde ich dir statt eines Maultieres aus dem Kloster das beste Pferd aus den Stallungen meiner Burg geben.«

Innerhalb der Klausur herrschten gemischte Gefühle in Bezug auf Cadfaels Vorhaben, das er nur mit eingeschränkter Billigung des Abtes und ohne das Versprechen unternahm, sich dessen Bedingungen zu unterwerfen. Sorgfältig hatte Prior Robert den Brüdern dargelegt, unter welchen Voraussetzungen Cadfaels Abwesenheit vom Abt genehmigt worden war und dass sich dieser lediglich für die Dauer der Versammlung in Coventry vom Kloster entfernen durfte. Seine Formulierungen ließen erahnen, dass es zu einer Missachtung des Gebotes kommen werde, als könne er damit vorsorgen, dass man ihm später keinen Vorwurf machen würde. Der Grund war vermutlich, dass ihn der Abt nur unvollständig eingeweiht hatte. Eine Erklärung für die Gründe von Cadfaels nur zögernd genehmigter Abwesenheit wurde den Mitgliedern der Gemeinschaft nicht gegeben. Dieser Punkt ging nur Cadfael und Radulfus etwas an.

Unbefriedigte Neugier sorgte dafür, dass angesichts des wenigen, was bekannt wurde, die wildesten Mutmaßungen umliefen. Stumm richteten sich entsetzte und bekümmerte Blicke auf einen Bruder, den der eine oder andere beinahe schon als Abtrünnigen ansah. Manche, die bereits seit ihrer Kindheit im Kloster lebten, nahmen ihm gegenüber eine feindselige Haltung ein. Andere hingegen, die später gekommen waren und denen das Leben als Eingeschlossene bisweilen zur Last wurde, waren voll Neid. Der Krankenpfleger Edmund, den man bereits mit vier Jahren als für den Ordensstand bestimmt und ins Kloster gegeben hatte, nahm getreulich hin, was ihn an Cadfael verwirrte und fürchtete lediglich eine Weile, er werde den kräuterkundigen Mitbruder verlieren. Nur der Vorsänger, Bruder Anselm, der sonst äußerstenfalls einen misslungenen Ton beim Chorgesang oder eine Erkältung bei einem der besten Sänger durchgehen ließ, nahm die Neuigkeit mit äußerster Gelassenheit hin. Er vermutete, dass alles zum Besten stehe, wünschte jedem nur das Beste und machte sich weiter keine Sorgen.

Prior Robert missbilligte jede Abweichung von der Benediktinerregel, wie er schon in den vergangenen Jahren alle Vorrechte missbilligt hatte, die seiner Meinung nach Bruder Cadfael eingeräumt wurden. Dazu gehörte auch die Erlaubnis, sich frei unter den Bewohnern der Abteivorstadt und in der Stadt zu bewegen, wenn Krankheitsfälle das erforderten. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte außerdem sein Sekretär, Bruder Jerome, nur allzu gern den Groll des Priors geschürt; doch war jenem vor einer Weile eine schreckliche Niederlage widerfahren, die seiner Selbstzufriedenheit einen schweren Dämpfer aufgesetzt hatte. Seit man ihn nach einer ihm auferlegten langen Buße von seiner Aufgabe als Beichtiger der Novizen entbunden hatte, war er von überraschender Demut. So verhielt er sich zumindest zurzeit weit umgänglicher als zuvor und nutzte nicht mehr jede sich bietende Gelegenheit, die Schwächen anderer zu geißeln. Zweifellos würde er im Laufe der Zeit wieder in seine gewohnte Selbstgerechtigkeit verfallen, dies eine Mal aber blieb Cadfael jeglicher Tadel aus seinem Munde erspart.

So kam es, dass die schärfste Auseinandersetzung in Cadfael selbst stattfand. Er hatte die Gelübde abgelegt und war sich durchaus dessen bewusst, dass sie ihn an den von ihm selbst gewählten Ort banden, den er jetzt zu verlassen erwog. Bei der Darlegung seines Falles vor dem Abt hatte er die reine Wahrheit gesagt und alles rückhaltlos und offen geschildert. Doch entband ihn das von den Verpflichtungen, die er eingegangen war? Bruder Edmund und Bruder Winfried würden ihn gemeinsam vertreten müssen, Arzneien zubereiten, sich um das Lepra-Hospiz von St. Giles kümmern, den Kräutergarten pflegen, kurz, nicht nur ihre eigene Arbeit, sondern auch seine erledigen müssen.

Das wäre für sie eine große Bürde, wenn er die ihm gewährte Zeit der Abwesenheit nicht einhielte. Während er diese Möglichkeit erwog, war ihm bewusst, dass er durchaus damit rechnete. Daher lag sein Entschluss wie eine Entscheidung zwischen Leben und Tod auf ihm, bevor er auch nur die Klosterpforte durchschritten hatte.

Trotz allem war ihm klar, dass er gehen würde.

Hugh kam am vereinbarten Vormittag unmittelbar nach dem Primgebet mit dreien seiner Hauptleute. Alle waren gut beritten, und für Cadfael führten sie einen munter tänzelnden und stolz blickenden Rotschimmel am Zügel mit, dessen Stirn eine weiße Blesse schmückte. Befriedigt merkte Hugh, dass sich das besorgt blickende Gesicht des Freundes aufhellte, als er des gut gebauten stattlichen Tieres ansichtig wurde, das fast ebenso edel war wie Hughs stolzer Grauschimmel. Gestiefelt und reisefertig legte ihm Cadfael den Mantelsack quer über den Sattel und...

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