Die Freundin

Psychothriller
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. August 2019
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-23481-2 (ISBN)
 
Ein vermisstes Mädchen. Zwei Freundinnen. Zwei Wahrheiten .

Während Charlotte auf Alice, die Tochter ihrer Freundin Harriet, aufpasst, verschwindet das Mädchen spurlos. Charlotte ist am Boden zerstört - sie schwört, Alice nur eine Sekunde aus den Augen gelassen zu haben. Diese Sekunde reichte aus. Harriet, völlig verzweifelt, weigert sich, ihre einzige Freundin zu sehen oder mit ihr zu sprechen.
Doch warum werden, zwei Wochen nach dem verhängnisvollen Tag, Harriet und Charlotte getrennt voneinander von der Polizei verhört? Und warum haben beide Freundinnen so große Angst davor, was die andere den Beamten sagen könnte? Beide scheinen Geheimnisse zu haben - gefährliche Geheimnisse, die schon bald ans Licht kommen werden .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 1,22 MB
978-3-641-23481-2 (9783641234812)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Heidi Perks arbeitete als Marketingchefin eines Finanzunternehmens, bevor sie sich entschloss, Vollzeit-Mutter und -Autorin zu werden. Sie ist ein unersättlicher Fan von Kriminalromanen und Thrillern und will immer herausfinden, wie die Menschen ticken. Heidi Perks lebt mit ihrer Familie in Bournemouth an der Südküste Englands.

VORHER

Charlotte

Um Punkt zehn Uhr am Samstagmorgen klingelte es, und ich wusste, dass es Harriet war, weil sie nie auch nur eine Sekunde zu spät kam. Ich verließ das Bad noch im Pyjama, als es zum zweiten Mal läutete. Um sicherzugehen, zog ich die Vorhänge oben beiseite und sah Harriet unten an der Haustür stehen, einen Arm fest um die Schultern ihrer Tochter gelegt. Sie hatte den Kopf gesenkt, während sie mit Alice sprach. Das kleine Mädchen neben ihr nickte, drehte sich zur Seite und schmiegte sich an seine Mutter.

Die Schreie meiner eigenen Kinder hallten von unten herauf. Die beiden Mädchenstimmen kämpften darum, die lautere zu sein. Evie übertönte Molly jetzt mit einem anhaltenden, gellenden Heulen, und als ich die Treppe hinunterlief, konnte ich nur verstehen, dass Molly ihre kleine Schwester anschrie, ruhig zu sein.

»Ihr hört beide auf zu schreien!«, brüllte ich, unten angekommen. Mein Ältester, Jack, bekam von alledem nichts mit; er saß im Spielzimmer, die Ohrstöpsel drin, und war in ein Spiel auf dem iPad vertieft, von dem ich wünschte, Tom hätte es ihm nie gekauft. Wie ich Jack manchmal um diese Fähigkeit beneidete, sich in seine eigene Welt zu flüchten! Ich hob Evie hoch, wischte mit einer Hand über ihr feuchtes Gesicht und verrieb die Marmite-Spuren in ihren Mundwinkeln nach oben. »Jetzt siehst du aus wie der Joker.«

Evie starrte mich an; mit ihren drei Jahren steckte sie mitten in der Trotzphase. Wenigstens hatte sie inzwischen aufgehört zu plärren und schlug nun die Füße zusammen. »Jetzt sind wir lieb, ja? Für Alice«, sagte ich, während ich die Tür öffnete.

»Hi, Harriet, wie geht's?« Ich ging vor Alice in die Hocke und lächelte sie an, doch sie vergrub weiterhin den Kopf im Rock ihrer Mutter. »Freust du dich schon auf das Schulfest heute, Alice?«

Zwar rechnete ich nicht mit einer Antwort, redete aber weiter auf sie ein. Hätte Molly sie erst mal unter ihre Fittiche genommen, würde Alice ihr vergnügt überallhin folgen wie ein Welpe. Und meine Sechsjährige wäre hochzufrieden und würde sich überlegen fühlen, weil endlich ein kleineres Kind zu ihr aufschaute.

»Nochmals danke für heute«, sagte Harriet, als ich mich aufrichtete.

Ich beugte mich vor und gab ihr einen Kuss auf die Wange. »Mache ich gern, das weißt du doch. Ich kann schon gar nicht mehr mitzählen, wie oft ich dich angefleht habe, mal Alice übernehmen zu dürfen«, entgegnete ich grinsend.

Harriets rechte Hand spielte mit ihrem Rocksaum, knüllte und glättete ihn wieder, und für einen Moment konnte ich nicht aufhören hinzusehen. Ich war darauf gefasst gewesen, dass sie nervös wäre, hatte sogar halb erwartet, dass sie absagte.

»Aber vier von denen, bist du sicher .«, begann sie.

»Harriet«, unterbrach ich sie sofort. »Ich nehme Alice wirklich gern mit zu dem Fest. Mach dir bitte keine Sorgen.«

Harriet nickte. »Ich habe sie schon mit Sonnencreme eingeschmiert.«

»Oh, das ist gut.« Und bedeutete, dass ich jetzt Sonnencreme für meine eigenen Kinder finden musste. Hatte ich überhaupt welche?

»Na ja, es ist so heiß, und ich will nicht, dass sie einen Sonnenbrand bekommt .« Sie verstummte und trat von einem Fuß auf den anderen.

»Du freust dich doch auf deinen Kurs heute, oder nicht?«, fragte ich. »Du siehst nämlich nicht so aus. Aber das solltest du. Es ist genau das, was du brauchst.«

Harriet zuckte mit den Schultern und sah mich an. »Es ist Buchhaltung«, sagte sie.

»Weiß ich, aber das willst du machen. Es ist super, dass du deine Zukunft planst.«

Ich meinte es ernst, auch wenn ich anfangs die Nase gerümpft hatte, weil es Buchhaltung war. Ich hatte noch versucht, Harriet zu einem Gartenbaukurs zu überreden, weil sie eine brillante Gärtnerin abgeben würde. Ich konnte sie mir lebhaft vorstellen, wie sie mit ihrem kleinen Van durch die Stadt fuhr, und versprach sogar, ihr eine Website zu gestalten. Harriet hatte ausgesehen, als würde sie darüber nachdenken, letztlich aber gesagt, dass Gartenarbeit nicht so gut bezahlt würde.

»Du könntest meinen Garten übernehmen«, hatte ich gesagt. »Ich brauche jemanden, der mir ein paar neue Ideen gibt. Ich würde .« Da hatte ich abrupt abgebrochen, denn ich war im Begriff ihr zu sagen, dass ich mehr als den üblichen Satz bezahlen würde. Doch wenn es um Geld ging, wurden meine guten Absichten bisweilen falsch verstanden.

»Wie wäre es mit Unterrichten?«, hatte ich rasch vorgeschlagen. »Du weißt selbst, dass du eine wunderbare Lehrerin wärst. Sieh dir nur an, wie du mit Jack warst, als ich dich kennengelernt habe.«

»Dafür müsste ich noch eine Ausbildung machen, und ich brauche diesen September einen bezahlten Job«, hatte sie geantwortet und sich abgewandt. Ich kannte sie gut genug, um zu wissen, wann ich aufhören musste.

»Dann also Buchhaltung«, hatte ich lächelnd gesagt. »Und darin wirst du super sein.« Auch wenn es nicht das wäre, was ich tun wollte, dachte Harriet immerhin über die Zeit ab September nach, wenn Alice in die Schule kam und sie sich auf etwas anderes konzentrieren konnte. Mir standen noch zwei lange Jahre bevor, ehe Evie eingeschult würde und ich mich wieder auf den Anschein einer Karriere stürzen könnte, anstatt zwei Tage die Woche für den Schnösel in den Zwanzigern zu arbeiten, der mir mal unterstellt gewesen war.

»Oh, ich habe ihr gar nichts zu essen eingepackt«, sagte Harriet plötzlich.

Ich winkte ab. »Braucht sie auch nicht. Wir können uns dort einen Snack besorgen. Der Elternrat investiert grundsätzlich mehr in Essensstände als in alles andere«, scherzte ich.

»Gut.« Harriet nickte, lächelte aber nicht und fügte nach einem Moment hinzu: »Dann gebe ich dir Geld.«

»Nein«, sagte ich entschieden und hoffentlich nicht zu streng. »Ist nicht nötig. Lass mich das machen.«

»Aber es ist kein Problem.«

»Weiß ich.« Ich lächelte. »Aber bitte trotzdem, Harriet. Die Mädchen freuen sich, dass Alice mitkommt, und wir werden einen tollen Tag haben. Sorg dich bitte nicht um sie«, wiederholte ich und streckte Alice meine Hand hin, die sie aber nicht nahm.

Harriet bückte sich, umarmte ihre Tochter, und ich beobachtete, wie die Kleine sich an die Brust ihrer Mutter drängte. Unwillkürlich trat ich einen Schritt zurück, weil ich das Gefühl hatte, den beiden Raum geben zu müssen. Das Band zwischen Harriet und ihrer Tochter schien so stark und so viel enger als irgendwas, das ich mit meinen Kindern hatte, doch ich wusste auch, dass dies hier heute ein Riesending für sie war. Denn Alice war schon vier, aber Harriet hatte sie noch nie zuvor in der Obhut von jemand anderem gelassen.

Ich für meinen Teil war begeistert gewesen, als ich Evie zum ersten Mal über Nacht bei meiner Freundin Audrey ließ, und da war sie knapp zwei Monate alt gewesen. Ich musste Tom beschwatzen, mit mir in den Pub zu kommen, und auch wenn wir um halb zehn zu Hause waren und ich keine halbe Stunde später auf dem Sofa einschlief, war es die eine Nacht ungestörten Schlaf wert gewesen.

»Ich liebe dich«, flüsterte Harriet in Alices Haar. »Ich liebe dich so sehr. Sei schön artig, ja? Und pass auf dich auf.« Sie schlang die Arme noch fester um ihre Tochter. Als sie die Umarmung löste, legte sie die Hände an Alices Wangen und küsste sie sanft auf die Nase.

Ich wartete verlegen an der Tür, dass Harriet sich wieder aufrichtete. »Möchtest du mit Molly in ihrem Zimmer spielen, bevor wir zum Fest gehen?«, fragte ich Alice und wandte mich an Harriet. »Willst du immer noch, dass ich sie um fünf nach Hause bringe?«

Harriet nickte. »Ja, das wäre nett, danke«, sagte sie und machte keine Anstalten zu gehen.

»Hör bitte auf, dich zu bedanken«, erwiderte ich grinsend. »Ich bin deine beste Freundin. Dafür bin ich da.« Außerdem wollte ich ihr Alice abnehmen. Harriet war in den letzten zwei Jahren oft genug für mich da gewesen. »Du weißt, dass du mir vertrauen kannst«, ergänzte ich.

Andererseits waren wir wohl alle angespannter als sonst, weil letzten Oktober ein kleiner Junge aus dem Park entführt worden war. Er war neun - im selben Alter wie Jack. Es war am anderen Ende von Dorset passiert. Hinreichend nahe also, dass wir alle die Bedrohung empfanden, und bis heute wusste niemand, warum er entführt wurde oder was mit ihm geschehen war.

Ich legte eine Hand auf den Arm meiner Freundin. »Keine Bange. Ich passe gut auf sie auf.« Schließlich trat Harriet einen Schritt von der Tür zurück, und ich nahm Alices Hand.

»Du hast meine Nummer, falls du mich brauchst«, sagte Harriet.

»Ich rufe an, sollte es ein Problem geben. Aber das wird es nicht«, versicherte ich.

»Brian ist zum Angeln; er hat sein Handy dabei, geht aber meistens nicht ran.«

»Okay, ich melde mich bei dir, falls es nötig ist«, sagte ich. Brians Handynummer hatte ich sowieso nicht; es bestand kein Grund, weshalb ich sie haben sollte. Ich wollte, dass Harriet sich beeilte und ging. Schließlich war ich noch im Pyjama, und ich konnte sehen, wie Ray gegenüber bei seinem elend langsamen Rasenmähen immer wieder zu mir starrte. »Harriet, du kommst zu spät«, sagte ich, aus dem Gefühl heraus, dass ich strenger mit ihr sein musste, sonst würde sie noch den Rest des Tages vor meiner Haustür stehen.

Als Harriet endlich gegangen war, schloss ich die Tür und atmete tief durch. Es hatte mal eine Zeit gegeben, in der hätte ich Tom zugerufen, dass Ray mich begaffte, und wir hätten darüber gelacht. Bei den merkwürdigsten Gelegenheiten fiel mir auf,...

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