Sieg der Könige

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. September 2015
  • |
  • 576 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97161-4 (ISBN)
 
Die Helden der Bestsellerreihe um »Die Könige« ziehen in die finale Schlacht um das Schicksal von Erdwelt: Orks, Elfen, Zwerge und Menschen sehen dem Sieg entgegen - oder ihrer Vernichtung. Denn der Dunkle König ist mächtiger denn je, und sein Kampf um die Krone hat erst begonnen ... Daghan von Ansun und Bertin Zwergenhammer haben das Heer der Fünftausend nach Tirgaslan geführt, um die alte Königsstadt zu erobern. Es gelingt, die Stadt einzunehmen und den Thron zurückzugewinnen. Doch eine Streitmacht von Kaldronen, Orks und Schattendrachen ist auf dem Weg nach Gorta Ruun - und ein Feind, der sich im Körper eines anderen verbirgt, entführt die kleine Prinzessin Alannah. Die Orks Balbok und Rammar nehmen die Verfolgung auf ...
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  • 2,19 MB
978-3-492-97161-4 (9783492971614)
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Michael Peinkofer, 1969 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaften und arbeitete als Redakteur bei der Filmzeitschrift »Moviestar«. Mit seiner Serie um die »Orks« avancierte er zu einem der erfolgreichsten Fantasyautoren Deutschlands. Seine Romane um »Die Zauberer« wurden ebenso zu Bestsellern wie seine Trilogie um»Die Könige«. Mit »Die Legenden von Astray« führt Michael Peinkofer alle Fantasy-Fans in eine neue Welt.

1

Mit einem scharfen Atemzug schreckte Daghan aus dem Schlaf.

Wieder einmal hatte der junge Herzog von Ansun einen Albtraum gehabt, und wieder einmal hatte er von Dwethan gehandelt, dem alten Druiden, dem nicht nur er persönlich, sondern alle freien Völker Erdwelts so unendlich viel zu verdanken hatten.

Dag richtete sich auf seiner Schlafstatt auf und wischte sich über die schweißnasse Stirn. Vier Monde waren seit jenen Ereignissen vergangen, aber es war nicht die Hitze des späten Sommers, die Dag den Schweiß aus den Poren trieb und ihn Nacht für Nacht diese Albträume haben ließ. Es war die Last der Verantwortung, das Wissen um das, was geschehen war. Um ruhiger zu werden, atmete er tief ein und aus, roch den fauligen Odem des Waldes und den Geruch der Pferde im nahen Pferch. Ab und an konnte er eines der Tiere schnauben hören, und hier und dort eine leise Stimme.

Dag beruhigte sich. Seine Gedanken jedoch blieben bei Dwethan, dem alten Fuchs, der das denkbar größte Opfer gebracht hatte - sein eigenes Leben.

Mit Wehmut dachte Dag an die Tage zurück, in denen er sich in einem dunklen Loch verkrochen und ein Dasein als Einsiedler gefristet hatte, um nur ja niemals wieder mit der Welt zu verkehren, die ihm so Böses angetan und ihm das Augenlicht geraubt hatte. Es war Dwethan gewesen, der eines Tages vor dem Eingang der Höhle gestanden und ihn ins Leben zurückgeholt hatte1. Und kein anderer als der alte Druide war es auch, der ihm neuen Mut und ein Lebensziel gegeben hatte. Dwethan hatte ihm beigebracht, dass sich der Wert eines Menschen nicht nach seinem Augenlicht bemaß; er hatte ihn gelehrt, auf andere Weise zu sehen und ihm klargemacht, dass die Welt ihn dennoch brauchte und er eine Bestimmung erfüllen würde. Und obwohl sich Dag dieser Erkenntnis lange Zeit verschlossen hatte, hatte er inzwischen erkannt, dass Dwethans Worte die Wahrheit waren.

Manches Rätsel hatte der Druide Dag in den vergangenen beiden Jahren enthüllt. Sein größtes Geheimnis jedoch hatte er fast bis zuletzt verborgen, sie alle mittels eines Blendzaubers getäuscht. Denn Dwethan war in Wirklichkeit kein Mensch gewesen, sondern der letzte Vertreter des Elfengeschlechts in Erdwelt.

Im sogenannten farwyla, dem großen Abschied, hatten sich die Elfen vor rund fünfhundert Jahren aus Erdwelt zurückgezogen, um nach neuer spiritueller Kraft und einer Heimat für ihr Volk zu suchen. Wohin sie gegangen waren, wusste niemand, doch seit jener Zeit war kein Elf mehr in Erdwelt gesehen worden. Dwethan jedoch war geblieben, dem Entschluss seiner eigenen Leute zum Trotz, um in all den Jahrhunderten unbemerkt über die Sterblichen zu wachen. Nur sein Name war ein versteckter Hinweis gewesen. Denn in der alten Elfensprache hatte das Wort dwethan jene bezeichnet, die vom Schicksal mit einer besonderen, magisch zu nennenden Fähigkeit bedacht worden waren - die Zauberer.

Für Dag stand fest, dass Dwethan solch ein Zauberer - oder Weiser, wie sie in alter Zeit geheißen hatten - gewesen war. Nur so ließen sich seine besonderen Kräfte erklären, nur so sein ungeheures Wissen um die Rätsel der Vergangenheit. Dag hatte so unglaublich viel von ihm gelernt und dennoch stets das Gefühl gehabt, nur an der Oberfläche seines Wissens zu kratzen - und vielleicht war das auch besser so. Während ihn früher eine schier unstillbare Neugier erfüllt hatte, war Daghan inzwischen zu der Erkenntnis gelangt, dass es besser war, manche Dinge nicht zu wissen.

Wissen bedeutete Last, bedeutete Verantwortung . und von beidem hatte Dag mehr als genug.

Seit dem Tag, da sich Dwethan in den dunklen Eingeweiden der Festung Gorta Ruun selbst geopfert hatte, wurde Dag fast jede Nacht von diesen Träumen verfolgt, in denen er den alten Zauberer vor sich sah, kopfüber in einen bodenlosen Abgrund stürzend. Waren es wirklich nur Albträume?

Es war nicht das erste Mal, dass Dag derlei Visionen hatte. Seit er sein Augenlicht verloren hatte, hatte er mehrmals Dinge gesehen, die an anderen Orten und zu anderen Zeiten stattfanden, ohne dass er irgendwelchen Einfluss darauf hatte, was er vor seinem inneren Auge sah. Dwethan war überzeugt davon gewesen, dass es sich dabei um eine spezielle Gabe handle, die das Schicksal Dag zugedacht habe - ihm selbst kam es eher wie ein Fluch vor, zumal er in letzter Zeit auch noch andere, noch schlimmere Visionen hatte.

Erschreckende Bilder drängten sich ihm auf, Eindrücke von einer Zukunft, die sie alle erwarten mochte, von einer Welt, die zerstört war und in Trümmern lag, in der die Angst und das Chaos regierten und in der Kreaturen aus dem Reich der Schatten die letzten Sterblichen versklavten.

Dafür zu sorgen, dass diese Bilder niemals Wirklichkeit wurden, war Daghans oberstes Ziel.

In einem jähen Entschluss schwang er sich von dem aus Strohballen errichteten Lager, das in dem geräumigen, zweckmäßig eingerichteten Zelt für ihn bereitet worden war. Den meisten Kämpfern, die in seinem Heer dienten, stand sehr viel weniger Bequemlichkeit zu Gebote, viele mussten ihr Haupt auf den nackten Boden betten. Und doch hätte Dag gerne mit ihnen getauscht, hätte er dafür nur eine Nacht lang Ruhe gefunden, Schlaf, der frei war von quälenden Bildern.

Es war eine schwüle, mondlose Nacht. Obwohl er keine Kleidung trug, hatte Dag Schweiß auf der Haut. Er griff nach seinem Umhang, legte ihn sich um die Schultern und hüllte sich darin ein. Dann trat er unter dem Vordach des Zeltes hindurch nach draußen, vorbei an den beiden Wächtern, deren alarmierte, wachsame Präsenzen er fühlen konnte.

An einen der Pfosten des Baldachins gelehnt blieb er stehen, sog die feuchte Luft in seine Lungen und lauschte den Geräuschen der Nacht.

Verhaltenes Schnarchen war hier und dort zu hören, das durch die Zeltwände der Unterführer drang, das Scharren von Hufen und gelegentlich ein Schnauben. Ein metallischer Klang ließ vermuten, dass irgendwer seine Waffe schärfte - vermutlich jemand, der ebenso wenig Schlaf fand wie Dag. Und ab und an waren leise Stimmen zu hören. Dag konnte die Worte nicht verstehen - sprachen die Krieger über die gefährliche Lage, in der sie sich alle befanden? Über die Schlachten, die ihnen bevorstanden? Oder unterhielten sie sich einfach nur über ihr Zuhause, über ihre Heimat und ihre Familien, die sie womöglich niemals wiedersehen würden?

Der Gedanke ließ Dag schwermütig werden. Er hatte niemals ein großer Heerführer sein, niemals über Leben und Tod so vieler entscheiden wollen. Aber so, wie sich die Dinge entwickelt hatten, konnte er nicht anders. Das Schicksal hatte ihm keine Wahl gelassen, und nun musste er sehen, dass er der ihm übertragenen Verantwortung gerecht wurde - auch wenn er sehr viel lieber an einem ganz anderen Ort gewesen wäre, und am liebsten auch zu einer anderen Zeit.

Er erinnerte sich noch gut daran, als er das erste Mal hier gewesen und die gewaltigen Mauern von Tirgaslan erblickt hatte. Niemals hätte er geglaubt, dass er eines Tages als Eroberer zurückkehren würde . zumindest als jemand, der sein Heer gegen die Mauern der alten Königsstadt schickte. Über Sieg oder Niederlage würden andere Dinge entscheiden.

Es lag nicht mehr in seiner Hand .

»Aye, findest du auch keinen Schlaf?«

Es war die Stimme von Ferghas, seinem treuen Gefährten, den er zum stellvertretenden Befehlshaber des Heeres ernannt hatte. Anders als Dag stammte Ferghas nicht aus Ansun, sondern gehörte den Clansleuten der Hügellande an, bei denen Dag einst Hilfe gesucht hatte. Mehrfach waren sie dem Tod um Haaresbreite entronnen, hatten viel zusammen durchgemacht - zu viel, um einander noch etwas vorzuspielen.

»Die Geister der Vergangenheit«, gab Dag leise zu, während er weiter so tat, als blickte er hinaus in die Nacht, auf die Zelte des Heerlagers, die sich überall zwischen den Bäumen duckten, auf die Wagen und Pferde - und auf die trutzigen Mauern von Tirgaslan, die sich jenseits davon in den wolkenverhangenen Nachthimmel reckten.

»Mir fehlt der alte Mann ebenfalls«, gab Ferghas unumwunden zu, der offenbar am anderen Stützpfosten des Vorzeltes lehnte. Seinen geräuschvollen, gleichmäßigen Atemzügen nach rauchte er Pfeife. »Irgendwie schien der alte Fuchs immer zu wissen, was zu tun war.«

»Wir wissen es auch«, versicherte Dag. »Nur nicht, ob es uns auch gelingen wird.«

»Aye«, bestätigte Ferghas mit leise grollendem Lachen, »wenn du dich geirrt hast, Herzogsohn, wird die Niederlage so vollkommen sein, dass wir nicht einmal Gelegenheit haben werden, sie zu bedauern.«

»Ich weiß, guter Ferghas. Ich weiß.«

Nachdem sie den Zwergen dabei geholfen hatten, deren alte Feste Gorta Ruun zurückzuerobern und den Einfall der Schattenlegion in die Welt der Sterblichen zu verhindern2, hatte sich das neu formierte »Heer der Fünftausend« gen Süden gewandt. Neben den Zwergen, die von der Schreckensherrschaft Lord Ansgars und seiner Alchemisten befreit worden waren, setzte sich dieses Heer vor allem aus Menschen zusammen, Angehörigen der Hochland-Clans, die nach Jahren des inneren Zwists und kleinlicher Fehden endlich ihren Streit begraben hatten und nun Seite an Seite kämpften. Und da waren die Nathiri, eine Gruppe von Assassinen, die ihrer Anführerin, der schlangenhaften Nagaya, treu ergeben waren. Obschon vergleichsweise gering an Zahl, waren sie sowohl als Kundschafter als auch als Speerspitze eines jeden Angriffs ein unverzichtbarer Teil von Daghans...

»Eine gelungene Fantasy-Reihe findet hier ihren Abschluss. Peinkofers Stil und Sprache setzen die Geschichte schön in Szene.«, Ruhr Nachrichten, 11.01.2016
 
»Klassische Fantasy, brillant erzählt von Genre-Meister Michael Peinkofer.«, Bunte, 15.10.2015
 
»Michael Peinkofer war nie ein Autor, der seine wichtigen Figuren nicht auch über die Klinge hat springen lassen. Ein Kniff, der eine Geschichte spannend hält und natürlich auch dem Pathos seinen Raum zugesteht.«, agm Magazin
 
»Trotz mehrerer parallel verlaufender Handlungsstränge und einer großen Bandbreite unterschiedlicher Stimmungen liest sich auch dieser Wälzer des produktiven Autors sehr griffig und wie aus einem Guss. Für Erdwelt-Fans ein Muss.«, Sonic Seducer
 
»Packend, episch und ergreifend: Michael Peinkofer beschließt mit >Sieg der Könige< fulminant und spannend bis zur letzten Seite seine Fantasy-Trilogie.«, Multimania

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