Rote Flammen

Die Legenden von Astray 3
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Oktober 2018
  • |
  • 608 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-99246-6 (ISBN)
 

Astray steht am Rand eines Krieges. Unter der Führung des Feuerpriesters Xusra greift das Heer Ostragiens Brückstadt an. Die Helden von einst - die Astara Jenya, der Halbling Lorymar, der Schwertkämpfer Kynrik und der Urok Worfeck - zögern: Sollen sie noch einmal in den Kampf der Mächte eingreifen? Die junge Bray versucht die Gruppe zu einen und sieht sich dabei zwischen den Fronten gefangen ... In Archos unterdessen wird der gefangene Prinz an seine Erzfeinde ausgeliefert, und zwei weitere Helden von einst tauchen aus dem Nebel des Vergessens auf - während aus den Tiefen der Welt eine schreckliche Bedrohung emporkriecht und nicht nur das Schicksal der Helden, sondern das von ganz Astray für immer verändert.

1. Auflage
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 5,32 MB
978-3-492-99246-6 (9783492992466)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Michael Peinkofer, 1969 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaften und arbeitete als Redakteur bei der Filmzeitschrift »Moviestar«. Mit seiner Serie um die »Orks« avancierte er zu einem der erfolgreichsten Fantasyautoren Deutschlands. Seine Romane um »Die Zauberer« wurden ebenso zu Bestsellern wie seine Trilogie um»Die Könige«. Mit »Die Legenden von Astray« führt Michael Peinkofer alle Fantasy-Fans in eine neue Welt.

1


Brückstadt
18 Jahre später

Die Stadt am Bruch war eine Kuriosität.

Halb verdankte sie ihre Existenz dem Einfallsreichtum ihrer Erbauer, halb einem glücklichen Zufall. Denn als vor beinahe vier Jahrzehnten jene Katastrophe, die als die »Große Divergenz« in die Chroniken von Astray einging, den Kontinent spaltete und den Bruch entstehen ließ, sorgte eine Laune des Schicksals dafür, dass ein bis dahin unbedeutendes Dorf ausgerechnet an der Stelle lag, wo die tiefe, Tausende von Meilen lange Kluft am schmälsten war und eine Reihe natürlicher, aus dem dunklen Abgrund aufragender Felspfeiler den Bau einer Brücke ermöglichte .

Der Brücke.

Der einzigen, die die neu entstandenen Territorien von Westray und Ostray noch verband und damit zur Schlagader einer ganzen Welt wurde. Die Siedlung, die binnen kürzester Zeit auf der westlichen Seite des Bruchs entstand, nährte sich aus den Trümmern der alten Welt, und während gewöhnliche Städte sich horizontal auszudehnen pflegen, breitete Brückstadt sich vertikal aus, wuchs über die gezackte, fast senkrecht abfallende Wand der Kluft wie ein Schlinggewächs: Jeder noch so geringe Vorsprung wurde ausgenutzt, um Gebäude darauf zu errichten, Türme auf künstlichen Söllern erbaut, Höhlen und Stollen in den Fels getrieben. Schmale Gassen und steil ansteigende Treppen ersetzten, was andernorts Straßen waren, und von den Zöllen beflügelt, die jeder zu entrichten hatte, der die Brücke passieren wollte, entwickelte sich die Stadt am Bruch zu einer strahlenden Metropole und zog Nutzen aus der Katastrophe, die Astray ereilt hatte. Immer höher und prächtiger wurden die Häuser und Türme, die nun auch am Rand der Kluft erwuchsen, immer größer die Leichtfertigkeit der Magistrate, denen die Verwaltung der Stadt oblag. Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit gewesen, wann die Geschichte die Stadt am Bruch einholen würde - doch Jenya hatte nicht erwartet, dass es so bald geschehen würde.

Auf einem der zahllosen Söller stehend, die kühn ins Leere hinausgebaut waren, blickte die Astara auf die Brücke, die die Kluft überspannte und sich bis hinüber zur anderen Seite erstreckte. Doch ihre Aufmerksamkeit gehörte nicht den kühnen, aus Holz errichteten Bogen, die sich von Felspfeiler zu Felspfeiler spannten, sondern dem, was auf der anderen Seite vor sich ging .

Jenya war nicht allein.

Der Schwertkämpfer Kynrik war bei ihr, ein einstiger Paladin des Kaisers.

Der Halbling Lorymar Thinkling, der einen großen Teil seines Lebens dort drüben auf der anderen Seite der Kluft verbracht hatte.

Und ein Urok namens Worfeck, der seine Wege jedoch geändert hatte und seit geraumer Zeit auf den Namen »Baumblatt« hörte, was zwar zu seiner grünhäutigen Erscheinung passen mochte, jedoch nicht zu seinem Wesen .

»Da sind sie«, stellte er fest. Es lag kein Bedauern in seiner Stimme und auch kein Vorwurf. Es war nur eine Feststellung.

»Ja, nicht zu übersehen«, knurrte Lorymar. Der Wind, der beständig aus der Tiefe heraufblies, zerzauste ihm das Haar. Er war der kleinste der vier und hatte Mühe, über die Zinne zu spähen. Was er jedoch in der Ferne, auf der anderen Seite der abgrundtiefen Felsenkluft erblickte, stimmte ihn nicht froh.

Ein Heer war dort aufmarschiert, eine gewaltige Streitmacht. Zehntausend mochten es sein - Reiter, Fußvolk und Bogenschützen, die dort ihr Lager bezogen und ihre Zelte aufgeschlagen hatten, die geballte Zerstörungskraft Ostragiens . Lorymar, der lange im Osten gelebt hatte und Narr am Hofe von König Astyragis gewesen war, kannte jene Krieger aus nächster Nähe - und deshalb wusste er auch, dass es Zeit war zu gehen.

»In Ordnung«, meinte er deshalb achselzuckend und wandte sich auf dem Söller um. »Das war's dann ja wohl. Wir sollten aufbrechen, ehe in der Stadt die Panik ausbricht.«

»Du weißt, dass wir dem nicht einfach den Rücken zukehren können«, sagte Jenya nur, ohne den Blick von der anderen Seite des Bruchs zu wenden.

»Und ob ich das kann. Siehst du's nicht? Ich bin schon dabei .«

Lorymar wollte los, als ihn eine große grüne Pranke am Kragen seines Rocks packte, herumdrehte und wieder abstellte.

»Kannst du nicht«, beschied ihm der Urok trocken. An den seltsamen ugaryschen Akzent, mit dem er sprach, weil er noch bis vor Kurzem unter den Mönchen von Var'a'shek geweilt hatte, dem Kloster des Windes, würde Lorymar sich wohl nie gewöhnen.

»Was dort auf der anderen Seite geschieht, ist unsere Schuld«, stellte die Astara fest. Ihr langes rotes Haar wehte im Wind wie ein Banner.

Lorymar Thinklings Augen wurden noch größer, als sie von Natur aus schon waren. »Du meinst, es ist unsere Schuld, dass in Ostragien ein geistig minderbemittelter Wichtigtuer auf dem Thron sitzt, den sich ein größenwahnsinniger Priester zur Marionette gemacht hat?«

Kynrik, der Schwertkämpfer, sah fragend auf ihn herab. Sein Bart und sein graues Haar, das am Hinterkopf zu einem Schwanz gebunden war, umrahmten sein grimmiges Antlitz. »Wie es aussieht, habe ich wohl einiges verpasst.«

»Ich bin dabei gewesen«, knurrte Lorymar. »Und glaub mir, da hast du ganz sicher nichts verpasst.«

»Klär mich auf, Kurzer.«

Kurzer.

Lorymar knirschte mit den Zähnen. So hatte Kynrik ihn schon früher manchmal genannt. Und schon damals hatte es ihm nicht gefallen.

»In Altashar sitzt Artabans Bruder Astyragis auf dem Thron«, erläuterte er seufzend. »Was seine Geltungssucht betrifft, steht er dem großen Artaban in nichts nach. In allen anderen Belangen jedoch ist er ein ziemlich kleines Licht und unter der Fuchtel eines gewissen Xusra. Der ist Hohepriester des Feuerkults, der im Osten seit einigen Jahren Wurzeln geschlagen hat.«

»Ein Feuerkult.« Kynrik spuckte über die Zinnen. »Kaum ist man ein paar Jahre weg, verändert sich gleich alles.«

»Es waren mehr als drei Jahrzehnte«, brachte Lorymar ihm in Erinnerung. »Und du warst auch nicht nur einfach weg, sondern hast im Kerker gesessen.«

»Danke, dass du mich dran erinnerst, Gnom.«

Gnom.

Auch so hatte er Lorymar manchmal genannt. Und es hatte ihm noch weniger gefallen.

»Xusra ist gefährlich«, beharrte er. »Er weiß das Volk hinter sich, und selbst der König ist ihm verfallen - nicht zuletzt deshalb, weil er ihn fürchtet.«

»Muss ja ein toller Kerl sein, dieser Feuerpriester«, knurrte Kynrik. Nicht nur das Alter hatte sich in seine kargen, wettergegerbten Züge gegraben, sondern auch die Entbehrung - jetzt verzogen sie sich in unverhohlenem Spott.

»Kraft seiner Gedanken ist er in der Lage, Feuer zu entfachen«, klärte Lorymar ihn auf.

»Und so etwas glaubst du?«

»Ich brauche es nicht zu glauben, denn ich habe es mit eigenen Augen gesehen«, bekräftigte der Halbling. »Er braucht Menschen nur anzusehen, und schon gehen sie in Flammen auf.«

»Blendwerk und Zauberei«, meinte Worfeck verächtlich - Uroks wussten mit beidem nichts anzufangen.

»Seine Gegner bei Hofe hat Xusra alle vernichtet«, fuhr Lorymar unbeirrt fort, »und er hat alle Pläne vereitelt, Frieden zwischen den Reichen zu stiften. Ihm ist es stets nur darum gegangen, Westray anzugreifen - allerdings nicht zu Astyragis' Ehren, wie dieser wohl vermutet hat, sondern um seinen Kult überall in Astray zu verbreiten.«

»Ein Fanatiker«, merkte Jenya an.

»In der Tat - und er weiß, dass Brückstadt der Schlüssel zum Westen ist. Deshalb ist sein Heer jetzt dort drüben - und wir sollten gehen.«

»Wie ich schon sagte - das können wir nicht.«

»Wieso nicht? Das ist nicht unser Krieg«, stellte Kynrik klar. Entgegen seiner ersten Vorsätze hatte er sich wohl entschlossen, wieder mit der Astara zu sprechen - trotz all der Dinge, die zwischen ihnen vorgefallen waren. Damals, vor beinahe vier Jahrzehnten.

Statt zu antworten, deutete Jenya nur auf den Abgrund, der sich jenseits des Söllers erstreckte und unendlich weit hinabzureichen schien, bis in die Tiefen der Welt. »Vielleicht hast du im Lauf deiner langen Gefangenschaft ja vergessen, dass es diese Kluft ohne uns nicht geben würde? Und also auch keine zwei Reiche, die einander belauern wie zwei giftige Schlangen.«

»Ich hatte es vergessen. Aber inzwischen erinnere ich mich wieder daran - so wie ich mich an alles erinnere«, fügte er mit bitterem Unterton hinzu. »Aber schließlich konnten wir nicht absehen, dass dies geschehen würde. Wir haben getan, was nötig war, um Kaiser Malfertas zu besiegen. Andernfalls wäre die ganze Welt in einen Abgrund der Finsternis gestürzt. Manchmal muss man Entscheidungen treffen.«

»So ist es - und den Elfenstein einzusetzen, war unsere Entscheidung. Und deshalb liegt alles, was geschehen ist, in unserer Verantwortung.«

»Nicht mehr in meiner.« Kynrik schüttelte das kantige Haupt. »Ich habe genug dafür gebüßt, das kannst du mir glauben.«

»Baumblatt?«, fragte die Astara daraufhin.

Der große Urok, der noch immer die grüne Robe seines Konvents trug, sah zu Boden. »Meine Mitbrüder haben mich aus einem bestimmten Grund in ihren Kreis aufgenommen«, erklärte er, »nämlich damit ich Gefahr vom Kloster abwende und sie beschütze. Und das hier ist eine Gefahr.«

»Du willst für deine Brüder sterben?«, fragte Lorymar.

Baumblatt, der einst Worfeck hieß, zuckte mit den Schultern. »Wir werden alle sterben«, brummte er verdrießlich. »Wenn wir bleiben, sterben wir hier. Wenn nicht, sterben wir später anderswo.«

»Du bist schon immer ein unverbesserlicher Optimist...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

9,99 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen