Meeresblitzen

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. Oktober 2011
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07179-0 (ISBN)
 
Hatten Sie schon mal eine Meerjungfrau an der Angel?

Jane hat sich noch immer nicht so ganz an ihre übernatürlichen Fähigkeiten gewöhnt - das Leben als Meerjungfrau ist abenteuerlicher als erwartet! Doch als sie einen Ausflug nach Boston unternimmt, wird es höchste Zeit, dass sie ihre Kräfte einsetzen lernt. Denn aus einem romantischen Valentinstag an der Seite von Ryu, dem Vampir, wird rasch ein Kampf um Leben und Tod. Ein furchterregender Dämon verbreitet Angst und Schrecken. Jane nimmt die Verfolgung auf - und bringt sich und Ryu in höchste Gefahr...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,44 MB
978-3-641-07179-0 (9783641071790)
3641071798 (3641071798)
weitere Ausgaben werden ermittelt

KAPITEL 2


Am nächsten Tag ging ich nach der Arbeit erst nach Hause, bevor das Training mit Nell anstand. Die Fliegengittertür am Eingang unseres Hauses quietschte besorgniserregend, als ich sie öffnete, und ich nahm mir vor, demnächst die Scharniere zu ölen. Mein Schlüssel klemmte, wie immer, und ich rüttelte eine Weile daran, um mir schließlich Eintritt zu verschaffen. Mein Dad saß in unserem kleinen Wohnzimmer rechts von der Tür und schaute Poker.

»Hey, Dad!«, sagte ich sanft und vergewisserte mich erst, dass mit ihm alles in Ordnung war, bevor ich meinen Mantel aufhängte.

»Hallo, Liebes«, antwortete er. Er klang sehr müde und sah auch so aus.

»Wie fühlst du dich? Kann ich etwas für dich tun?« Ich wusste, dass er es hasste, wenn ich ihn bemutterte, aber ich konnte nicht anders. Im Bemuttern von ihm war ich nun mal gut.

»Oh, mir geht's gut. Nur ein bisschen müde.«

Ich ignorierte seine Bemerkung und ging zu ihm, um ihn genauer zu betrachten. Trotz seiner offensichtlichen Müdigkeit sah er nicht allzu schlecht aus, und welches neue Medikament der Arzt ihm auch immer verschrieben hatte, es schien anzuschlagen. In letzter Zeit hatte er entschieden mehr Farbe, und er schlief auch besser.

»Wirklich, mir geht's gut. Ich bin gestern nur zu lange aufgeblieben, um diesen dummen Film anzuschauen.«

Ich grinste ihn an. »Ich hoffe, du hast den Jungs nicht erzählt, dass du wach geblieben bist, um Magnolien aus Stahl anzuschauen«, zog ich ihn auf.

Er seufzte. »Machst du Witze? Damit würden sie mich bis an mein Lebensende aufziehen. Ich würde einen Baum fällen oder einen Reifen wechseln müssen, um meine Männlichkeit unter Beweis zu stellen. Aber ich liebe diesen verdammten Film nun mal«, gestand er.

»Und deshalb liebe ich dich, Dad«, sagte ich und beugte mich zu ihm, um ihm einen Kuss auf die stoppelige Wange zu drücken.

»Ich liebe dich auch, Schatz. Und ich will nicht, dass du dir meinetwegen so viele Sorgen machst. Ich fühle mich wirklich gut. Die neue Behandlung scheint zu helfen.«

»Du siehst auch besser aus«, sagte ich nicht nur zu ihm, sondern auch, um mich selbst davon zu überzeugen.

Er nickte und wechselte das Thema. »Was gibt's denn zum Abendessen?«

»Ich dachte, ich mache Fisch mit Ingwersoße, Reis und Salat.«

»Das klingt gut, Liebes. Und es könnte sein, dass in der Küche etwas auf dich wartet.« Ich kniff die Augen zusammen. »Was für eine Art etwas denn?«

»Ach, einfach etwas eben«, erwiderte mein Vater verschmitzt.

Nun ja, um einen nackten Vampir handelte es sich wahrscheinlich nicht, sonst wäre mein Vater nicht so gelassen. Trotzdem schlich ich misstrauisch in die Küche, denn ich kannte den Hang meines Lovers, ein Riesentamtam um so kitschige Erfindungen der Konsumindustrie wie den Valentinstag zu machen. Ich hatte wirklich Angst, dass gleich ein Feuerwerk losgehen oder aus einer überdimensionalen Torte doch noch ein nackter Vampir springen würde.

Mir lief das Wasser im Mund zusammen, aber ich war nicht sicher, ob dies geschah, weil ich an den nackten Ryu oder an die Torte dachte.

Mhmmmm . Kuchen .

Doch sowohl meine Kuchen- als auch meine Sexfantasien wurden jäh beendet, denn nichts von beiden erwartete mich in der Küche. Stattdessen stand auf der Arbeitsplatte ein völlig normaler Strauß roter Rosen. Okay, es waren ziemlich viele Rosen - mindestens drei Dutzend -, aber es waren eben nur Rosen. Ich sah nach, ob es sich um einen Standardstrauß vom Floristen handelte oder ob die Vase vielleicht mit Diamanten besetzt war. Es hatte eine Weile gedauert, bis Ryu kapiert hatte, dass ich ihn wollte und nicht seine teuren Geschenke. Wo hätte ich auch schon groß Gelegenheit, Designerklamotten oder Schmuck zu tragen? Etwa im Old-Sow-Strudel? Also war ich glücklich über die Rosen. Er hatte nicht vergessen, wie sehr ich Blumen liebte. Hoffentlich würde der Strauß noch mit einem Besuch von ihm gekrönt werden - Valentinstag war schließlich nur heute -, aber die Rosen waren schon ein hübscher Auftakt .

. und der Ausklang zugleich, dachte ich, als ich die Karte an dem Strauß entdeckte. Denn dabei handelte es sich überhaupt nicht um eine Karte, sondern um ein offenes Ticket nach Boston. Für den nächsten Tag.

Ich kicherte nervös, als unser Telefon wie auf ein Stichwort der Götter klingelte.

»Hallo?«, meldete ich mich, obwohl ich verdammt gut wusste, wer dran war.

»Hey, Baby«, schnurrte die Stimme, die, egal wie vertraut sie mittlerweile geworden war, mir noch immer kalte Schauer über den Rücken jagte.

»Du .«, stammelte ich. »Du .«, fuhr ich fort, unsicher, ob ich ihm einfach nur danken oder doch lieber der Versuchung nachgeben sollte, den Hörer abzulecken.

». bist großartig? Außergewöhnlich? Sexy? Dein Liebling? Ich kann gern weitermachen.«, sprang Ryu für mich ein.

»Ryu«, unterbrach ich ihn.

»Jane«, hauchte er, während mein Unterleib einen ekstatischen Tanz aufführte. »Gefällt dir dein Geschenk?«

»Die Rosen sind wunderschön, Schatz. Danke.«

»Nicht annähernd so bezaubernd wie du, meine Süße. Aber sie sind nicht das eigentliche Geschenk. Kannst du kommen?«

Ich lächelte, als ich hörte, wie er das letzte Wort in die Länge zog, und mein Herz pochte lautstark, wie immer, wenn Ryu im Spiel war. Wenn ich nicht sowieso schon total aufgeregt gewesen wäre, ihn so bald zu sehen, dann hätte er mich damit vor Vorfreude schier zum Platzen gebracht.

»Ja, ich kann kommen. Ich muss es noch mit Grizzie und Tracy abklären, aber ich bin sicher, es ist okay. Im Laden ist jetzt während der Ferien sowieso nichts los. Dann muss ich noch sicherstellen, dass die Jungs nach meinem Vater sehen. Aber das sollte kein Problem sein. Noch ein paar Anrufe, und dann bin ich ganz dein.«

»Ganz mein, Baby?«, schnurrte er. »Du weißt ja, ich nehme dich beim Wort.«

Ich lachte. »Vorsicht, Blutsauger. Wenn du jetzt schon dafür sorgst, dass ich mich spontan selbst entzünde, dann schaffe ich es nicht nach Boston. Aber ich freue mich schon sehr, dich zu sehen. Ich habe dich vermisst.«

»Ich dich auch, Liebling. Ich vermisse dich die ganze Zeit. Wir haben ja schon darüber gesprochen.«

Ich erstarrte. Ryu hatte das letzte Mal, als wir uns sahen, durchblicken lassen, dass er unsere Beziehung langsam einen Schritt voranbringen wollte. Aber ich hatte keine Ahnung, wie wir das machen sollten. Also ging ich mit dieser Situation auf meine typische, unheimlich reife Art um und ignorierte das Thema einfach.

»Tja, du hast Glück; das war gutes Timing«, sagte ich. »Es ist der perfekte Zeitpunkt für einen Besuch. Aber das nächste Mal solltest du das besser vorher mit mir abklären. Was, wenn ich beschäftigt gewesen wäre

Ryu gluckste sein lustiges Lachen, und das Lustgefühl in meinem Bauch breitete sich in meinem restlichen Körper aus wie ein Feuerwerk. »Für mich bist du doch nie zu beschäftigt, Baby. Ich kenne dich.« Bevor ich gegen diese Behauptung protestieren konnte, fuhr er fort: »Und du wirst es lieben. Ich habe ein großartiges Wochenende für uns geplant. Du wirst nie wieder weg wollen.«

»Die Sachen, die du planst, sind immer großartig«, sagte ich dankbar. »Du bist schließlich Ryu.«

»Und du bist Jane. Für Jane versetze ich sogar Berge.«

Ich lachte. »Ich freue mich schon über ein Abendessen.«

»Dann versetze ich eben nur deine Beine - um meine Taille, während du an der Wand lehnst und ich vor dir stehe . nachdem ich dir auch noch den letzten Rest deiner Kleidung ausgezogen habe.«

Ich errötete, als mein beinahe unsterblicher Lover versuchte, mich in Telefonsex zu verwickeln, während ich in der hell erleuchteten Küche stand und mein Dad gleich nebenan in seinem durchgesessenen Lehnstuhl Poker schaute.

»Ryu«, sagte ich schluckend mit rauer Stimme. »Ich bin in der Küche . «

»Dann kannst du dich ja ein bisschen auf dem Tisch räkeln, während du mir zuhörst. Du weißt doch, was man auf Küchentischen Aufregendes machen kann.«

»Ryu«, unterbrach ich ihn verzweifelt. Ich konnte es kaum aushalten. Offenbar war ich es, die ein schlechtes Timing hatte. »Morgen. Wir sehen uns morgen. Dann können wir.«

»Ja.« Nun war er an der Reihe, mich zu unterbrechen. »Dann können wir. Und wir werden. Ich habe dich vermisst, Jane. Wie lange ist es her, zwei Wochen?«

»Ja.«

»Zu lang. Ich hasse es, dich zu vermissen.«

»Ich auch, Ryu.«

»Tja, morgen gehörst du wieder ganz mir. Das ganze Wochenende lang, und wenn du willst, auch länger. Das Rückflugticket ist offen.« Er wusste, dass ich ihm sagen würde, ich müsse wieder zurückfliegen, also ließ er mich diesmal nicht zu Wort kommen. »Aber dieses Wochenende gehörst du auf jeden Fall mir.«

»Ganz dir«, bestätigte ich.

»Denk heute Abend an mich, Jane. Wenn du ins Bett gehst.«

Es bestand sowieso keine Chance, dass ich nicht an ihn denken würde, nicht nach seiner Vorstellung heute am Telefon. »Das werde ich, Ryu. Glaub mir.«

»Gut. Und morgen wirst du dann in meinem Bett sein.«

Schweigend erbebte ich.

»Tschüss, Baby. Wir sehen uns morgen.«

Er hatte Unrecht, natürlich. Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, bis ich wieder in seinen Armen war.

Aber dann war es doch endlich so weit.

 

Gerade hatte ich mir noch den Hals verdreht, um Ausschau zu halten, auf welchem Gepäckband sich...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

7,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der Nutzung dieser Web-Seiten erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok