Schatten der Erinnerung

Roman
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. August 2011
  • |
  • 432 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0512-5 (ISBN)
 
Am Strand von Sussex wird eine junge Frau gefunden: halb ertrunken, schwer misshandelt - und ohne jegliche Erinnerung daran, wer sie ist und was mit ihr geschah. Als Dale, eine Freundin des Mädchens, von ihrem Schicksal erfährt, versucht sie gemeinsam mit Lotte, deren Geschichte zu rekonstruieren. Doch die beiden werden in einen Strudel von Rätseln, Geheimnissen und Albträumen gezogen. Warum war Lotte so lange Zeit verschwunden? Wer ist der Mann, der sie verfolgt? Und: Was ist mit dem Baby passiert, von dem Lotte offensichtlich vor Kurzem entbunden wurde?
1. Aufl. 2011.
  • Deutsch
  • 0,46 MB
978-3-8387-0512-5 (9783838705125)
3838705122 (3838705122)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"15. KAPITEL (S. 212-213)

Lotte ließ sich auf das Bett zurücksinken und sah zu, wie Dale wieder einmal vergeblich versuchte, durch das winzige Fenster zu kommen. Sie hatte erneut den Schrank daruntergeschoben, war hinaufgeklettert, hatte mit einem Schuh das Fenster eingeschlagen, und dann hatten sie abwechselnd laut um Hilfe gerufen, in der Hoffnung, dass sie jemand hören würde. Leider lag das Fenster ebenerdig und in einer Art Alkoven, sodass ihre Stimmen vermutlich nicht sehr weit trugen. Lotte hatte während der letzten Tage ihrer Gefangenschaft auch versucht, anders aus dem Kellerraum zu entkommen, aber ohne Erfolg.

Dale wollte jedoch nicht hören. »Man sagt, wenn man den Kopf durch etwas zwängen kann, dann passt auch der Rest des Körpers durch«, erklärte sie Lotte stur. Aber jedes Mal, wenn sie den Kopf durchsteckte und dann versuchte, die Schultern nachzuschieben, blieb sie stecken und musste sich wieder zurückziehen, während ihr Tränen der Frustration über die Wangen liefen. Sie hatte auch versucht, Lotte hindurchzuschieben, weil diese kleiner war, aber ebenfalls vergeblich.

Lotte hielt Dale nicht mehr davon ab, sich sinnlos zu verausgaben. Sie erinnerte sich gut daran, dass sie selbst während der letzten fünf Tage, die sie hier ohne Essen verbracht hatte, auch nicht mehr rational gewesen war. Kaum zu glauben, dass das alles erst wenige Wochen zurücklag. Die meiste Zeit hatte sie sich mit dem Messer in der Hand oben auf die Treppe gekauert und darauf gewartet, dass entweder Fern oder Howard hereinkamen, um sie damit anzugreifen. Sie war starr vor Kälte und schwach vor Hunger gewesen, doch das alles war für sie nicht so wichtig wie der Verlust ihres Babys und ihr Verlangen nach Rache. Fern und Howard verließen während dieser letzten fünf Tage oft das Haus, aber wenn sie im Haus waren, verhielten sie sich merkwürdig leise.

Fern schrie nicht mehr, sie hörte keine lauten Geräusche, es waren keine Kochgerüche wahrnehmbar, und auch das Radio und der Fernseher blieben aus. Lotte hätte diese Stille als Zeichen der Trauer interpretiert, wenn es ihr eigenes Baby gewesen wäre oder wenn sie sich als hingebungsvolle Adoptiveltern erwiesen hätten. Aber sie wusste, dass die beiden kein Herz hatten, deshalb waren sie vermutlich nur so still, weil sie über ihren nächsten Schritt nachdachten.

Zuerst befürchtete sie, dass die beiden sie vielleicht hier verhungern lassen wollten, aber nach einer Weile wurde ihr klar, dass ihnen das Haus zu wertvoll dafür war. Sie wären nicht einfach gegangen und hätten es zurückgelassen; abgesehen von dem Geld, das sie dann verloren, wäre ihr Verbrechen irgendwann entdeckt worden. Also sollte sie durch den Essensentzug vermutlich nur so weit geschwächt werden, dass die beiden sie wegbringen, töten und ihre Leiche dann irgendwo entsorgen konnten, vielleicht zusammen mit der des Babys. Damals hatte Lotte keine Hoffnung gehabt, dass ihr jemand zu Hilfe kommen würde.

Stattdessen hatte sie nur darauf gewartet, dass einer der beiden irgendwann herunterkam, weil sich dadurch vielleicht eine winzige Chance zur Flucht bot. Dieses Mal dagegen glaubte sie wirklich an eine Rettung. Zum einen würde die Polizei sofort, nachdem sie und Dale als vermisst gemeldet waren, alles in Bewegung setzen, um nach ihnen zu suchen. Und Dales Eltern würden zusammen mit Scott, Adam und Simon rund um Brighton für Aufmerksamkeit sorgen, woraufhin sich vielleicht jemand melden würde, der etwas gesehen hatte. Möglicherweise kamen die beiden Männer, die sie hergebracht hatten, auch aus der Gegend."

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