Die Bernini-Büste

Kriminalroman
 
 
Piper Spannungsvoll (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Dezember 2017
  • |
  • 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98326-6 (ISBN)
 

Der neue Fall für die attraktive Flavia die Stefano und den Kunstfachmann Jonathan Argyll, rund um die legendäre Bernini-Büste

Der Kunstexperte Jonathan Argyll hat einem kalifornischen Museum einen unbedeutenden Tizian verkauft . Zuerst erstaunt ihn nur der überhöhte Preis , der ihm geboten wurde. Dann stibt der reiche Käufer eines unnatürlichen Todes und auch Jonathan wird zur Zielscheibe des Mörders. Zum Glück sind Flavia di Stefano und Generale Bottando unterwegs in die USA um eine legendäre Bernini-Büste aufzuspüren.

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978-3-492-98326-6 (9783492983266)
349298326X (349298326X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Iain Pears, geboren 1955 in Coventry ist ein englischer Kunsthistoriker und Schriftsteller. Neben seinen journalistischen Arbeiten entstand mit der Zeit ein literarisches OEuvre, das vom Publikum wie auch von der offiziellen Literaturkritik immer wieder gelobt wurde. Er lebt mit seiner Familie in Oxford.

2


Trotz Argylls Befürchtungen war der Empfang eine sehr eindrucksvolle Angelegenheit, vor allem, wenn man dachte, wie überstürzt er auf die Beine gestellt worden war. So unangenehm Moresby als Arbeitgeber auch sein mochte, bei seinen Parties schien der Blankoscheck zu regieren. Und welche Unzulänglichkeiten das Museum selbst auch haben mochte, so war doch seine Eingangshalle ein idealer Ort für ein Gelage. Im Mittelpunkt stand ein riesiger Tisch, beladen mit Unmengen eisgekühlter Meeresfrüchte, für die man wohl den halben Ozean leergefischt hatte. Es gab Häppchen im Überfluß, in einer Ecke dröhnte eine Jazzkapelle und in einer anderen fiedelte ein Streichquintett, quasi als Bekräftigung des Anspruchs des Museums, hohe und populäre Kunst miteinander zu versöhnen. Beide wurden kaum beachtet. Getränke gab es zwar nicht gerade im Überfluß, aber in ausreichender Menge, wenn man sich ihnen widmete.

Mangel allerdings herrschte an diesen Multi-Multimillionären, die sabbernd Schlange standen, um Argyll seinen kleinen (aber erlesenen) Bestand an Kunstwerken abzukaufen. Vielleicht waren sie aber auch vorhanden, und er erkannte sie bloß nicht. Schließlich konnte man sich doch nicht einfach an einen heranschleichen und ihn schnell mal nach seinem Kontoauszug fragen, obwohl einige Leute einen sechsten Sinn für derartiges zu haben schienen: Edward Byrnes zum Beispiel ging instinktiv auf Leute zu, die so viel überschüssiges Bargeld hatten, daß es ihnen Löcher in die Taschen brannte. Argyll hatte nie begriffen, wie er das anstellte. Und ebensowenig verstand er sich darauf, ein Gespräch unmerklich so zu steuern, daß es sich plötzlich um, sagen wir mal, die französische Landschaftsmalerei des neunzehnten Jahrhunderts drehte. Von der man zufällig ein sehr schönes Exemplar anbieten könne.

Seine eigenen Bemühungen in diesem höchst komplizierten Betätigungsfeld führten meistens zu dem Versuch, flämische Genremalerei an Kellner zu verkaufen. Und falls er sich einmal den richtigen Ansprechpartner ausgesucht hatte, endete es damit, daß er ihm ausführlich die Mittelmäßigkeit seiner eigenen Bilder darlegte und statt dessen etwas empfahl, das sich im Augenblick im Besitz eines Konkurrenten befand.

So war es auch an diesem Abend. Beinahe gegen seinen Willen gelang es ihm, den Eindruck zu erwecken, er finde den Gedanken, etwas zu verkaufen, leicht geschmacklos. Während Hector di Souza, so erschien es Argyll, jeder reichen Frau in der Umgebung seine Fälschungen aufschwatzte, schaffte er es nicht einmal, jemandem zu sagen, daß er etwas zu verkaufen hatte. Seine einzige längere Unterhaltung führte er mit dem Architekten, einem sich betont zwanglos gebenden Mittvierziger mit einer für seine Generation typischen Neigung zur Beleibtheit, der ihm einen Vortrag hielt über die Synthese des modernistischen Utilitarismus und der klassischen Ästhetik, wie sie in seinem Ouvre zum Ausdruck kam. Mit anderen Worten, er redete zwanzig Minuten lang ununterbrochen über sich selbst. Es machte ihn nicht gerade sympathisch, daß er die Gewohnheit hatte, einem pausenlos über die Schulter zu schauen, um nur ja nicht einen eventuell interessanteren Gesprächspartner zu verpassen.

Ganz uninteressant war die Unterhaltung dennoch nicht: In einem Anfall von Selbstzufriedenheit vertraute er Argyll an, daß dies ein großer Abend für ihn sei. Der alte Moresby habe sich nun endlich dazu durchgerungen, das Große Museum (GM, wie das Personal es nannte) zu bauen, und werde es heute abend bekanntgeben. Daher die Panik, daher der plötzliche Besuch, daher Thanets blasierte Unbestimmtheit, mit der er seine tiefergehende Besorgnis überspielte, und daher vermutlich auch Anne Moresbys Präventivschlag wenige Stunden zuvor.

»Der größte private Museumsauftrag seit Jahrzehnten«, sagte er mit entschuldbarer Befriedigung. »Das Ding wird eine Stange kosten.«

»Wieviel ist eine Stange?« fragte Argyll, der Geschichten über die Verrücktheiten anderer Leute liebte.

»Allein das Gebäude ungefähr dreihundert Millionen.«

»Dollar?« krächzte Argyll entsetzt.

»Natürlich. Was glauben Sie denn? Lire?«

»O Gott. Er muß verrückt sein.«

Der Architekt machte ein entrüstetes Gesicht, als hätte Argyll in Zweifel gezogen, daß man ihm so viel Geld anvertrauen könnte. »Museen sind die Kirchen der modernen Zeit«, verkündete er mit sonorer Stimme. »Sie bergen alles in sich, was in unserer Kultur schön und erhaltenswert ist.«

Argyll sah ihn verwundert an und versuchte zu entscheiden, ob das als Witz gemeint war. Er kam zu dem deprimierenden Schluß, daß der Mann es ernst meinte. »Aber ziemlich teuer«, gab er zu bedenken.

»Das Beste kostet eben«, sagte der Architekt.

»Und das Beste sind Sie?«

»Natürlich. Ich bin bei weitem der bedeutendste Architekt meiner Generation. Vielleicht jeder Generation«, ergänzte er bescheiden.

»Aber kann er denn sein Geld nicht besser anlegen?«

Einen Augenblick lang dachte der Architekt über diese Möglichkeit nach - scheinbar zum ersten Mal. »Nein«, sagte er nach einer Weile bestimmt. »Wenn er das Museum nicht baut, geht alles an seinen entsetzlichen Sohn. Oder an seine entsetzliche Frau. Wenn die beiden nicht so schrecklich wären, wäre es zu diesem Projekt wahrscheinlich nie gekommen.«

Dann entdeckte er am anderen Ende der Halle eine wichtigere Persönlichkeit und machte sich davon. Argyll, den es zwar kränkte, daß man ihn stehengelassen hatte, der aber auch froh war, endlich seine Ruhe zu haben, schoß wie eine Pistolenkugel in Richtung Getränkeabteilung davon, um sich zu erfrischen.

Das Geschäft an der Theke war eher flau, der Kellner machte einen leicht unterbeschäftigten Eindruck. Einer allerdings - und Argyll fand ihn sofort sympathisch, als er sah, daß er mit zitterndem Finger auf den Whiskey zeigte - schien bemüht, dem armen Kerl das Gefühl zu geben, er werde gebraucht.

»Großartig«, sagte der Fremde, ein Mann Ende Dreißig mit langen braunen Haaren von ziemlich antiquiertem Schnitt. »Ich hab' schon geglaubt, ich bin der einzige, der was anderes trinkt als Perrier. Was trinken Sie?«

Das war weniger großzügig, als es klang, denn schließlich waren die Getränke umsonst, aber als Aufforderung zu einem Gespräch reichte es aus. Argyll ließ sich nachschenken, und dann lehnten sie sich kameradschaftlich nebeneinander an den Tisch und ließen die Welt an sich vorüberziehen.

»Und wer sind Sie?« fragte der Mann. Argyll stellte sich vor. »Ich glaube, ich hab' Sie hier noch nie gesehen«, sagte der andere. »Sind Sie hier, um meinem Alten Fälschungen und Nippes anzudrehen?«

Argyll war ebenso verstimmt wie neugierig. Dies war offensichtlich Arthur M. Moresby III, genannt Jack, obwohl Argyll nicht wußte, warum. Er fragte danach. Jack Moresby machte ein gequältes Gesicht.

»Um mich von meinem Vater zu unterscheiden. Ich sag's ja nicht gern, aber mein zweiter Vorname ist Melisser.«

»Melissa?«

»Melisser. Der Mädchenname meiner Mutter. Mein Vater war der Ansicht, daß ich als sein Sohn schon zu viele Vorteile habe, und da hat er wohl gedacht, er gibt mir ein paar Schwierigkeiten mit auf dem Weg. So nach dem Motto: Die Prügel, die ich in der Schule wegen meines weibischen Namens kriege, machen mich erst zum ganzen Mann.«

»Ach du meine Güte.«

»Ja. Arthur kann ich mich nicht nennen, weil ich nicht mit ihm verwechselt werden will, und als jemand, der am Tag 'nen halben Liter Whisky trinkt, kann ich mich schlecht Melisser rufen lassen. Jack klingt mehr nach Schriftsteller, denk' ich mir.«

»Sie schreiben Bücher?«

»Hab' ich doch grad gesagt, oder?«

Eine sehr unverblümte Art, knapp an der Grenze zur Unhöflichkeit. Argyll begann zu verstehen, warum er bei Architekten und dergleichen nicht gerade in hohem Ansehen stand. Um das Thema zu wechseln, versicherte er ihm, daß er keine Fälschungen verkaufe. Er sei hier, um ein kleines, aber kostbares Stück von unanzweifelbarem Wert abzuliefern.

Jack war nicht überzeugt, schien aber nicht weiter darauf eingehen zu wollen. Argyll fragte ihn, ob er viel Zeit im Museum verbringe. Er wäre beinahe an seinem Whiskey erstickt und meinte, normalerweise würde er sich nicht einmal als Toter hier sehen lassen.

»Sehen Sie sich doch nur diese Meute an«, rief er und wies mit ausholender Geste in den Saal. »Haben Sie je eine solche Ansammlung von Widerlingen in einem Raum gesehen? Mh? Was meinen Sie?«

Juristisch betrachtet war das eine Suggestivfrage, also eine, auf die man sich die Antwort gut überlegen mußte. In seinem Geschäftszweig, versicherte ihm Argyll, sei ein Raum voller Widerlinge nichts Besonderes. Wem sollte er denn sonst seine Bilder verkaufen?

Jack gab ihm in diesem Punkt recht und schenkte nach. Argyll bot ihm im Gegenzug eine Schüssel mit Erdnüssen an. Jack schüttelte den Kopf. Er rühre die Dinger nicht an. Vom Salz bekomme er geschwollene Gelenke. Argyll betrachtete die Erdnüsse mit neuem Respekt. Welche Widerlinge er denn vor allem im Sinn habe? fragte er und gab zu bedenken, daß er sich als Fremder im Land in diesen Kreisen noch nicht so gut auskenne.

Also gewährte der Junior ihm eine kurze Einführung. Er wußte überraschend gut Bescheid, wenn man bedachte, daß er angeblich seiner Familie und deren Kreisen möglichst aus dem Weg ging.

Samuel Thanet, sagte er und zeigte mit dem Finger auf den Direktor, der seit Beginn der Party im Saal...

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