Sonnendeck

Ein Sylt-Krimi
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Mai 2015
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97017-4 (ISBN)
 
Hauptgewinn! Mamma Carlotta ist überglücklich, als sie einige Tage an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gewinnt. Ihr Schwiegersohn, der Sylter Kriminalhauptkommissar Erik Wolf, kann ihre Freude jedoch nur bedingt teilen, denn seit einiger Zeit vermutet er einen Dieb an Bord der »Arabella«. Als sie das letzte Mal vor Anker lag, wurde gar der Besitzer eines Wenningstedter Restaurants ermordet. Wird Mamma Carlotta dem Täter an Bord näher kommen, als ihnen allen lieb ist?
  • Deutsch
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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,45 MB
978-3-492-97017-4 (9783492970174)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Gisa Pauly hängte nach zwanzig Jahren den Lehrerberuf an den Nagel und veröffentlichte 1994 das Buch »Mir langt's - eine Lehrerin steigt aus«. Seitdem lebt sie als freie Schriftstellerin, Journalistin und Drehbuchautorin in Münster, ihre Ferien verbringt sie am liebsten auf Sylt oder in Italien. Ihre turbulenten Sylt-Krimis um die temperamentvolle Mamma Carlotta erobern regelmäßig die SPIEGEL-Bestsellerliste, genauso wie ihre erfolgreichen Italien-Romane. Gisa Pauly wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Satirepreis der Stadt Boppard und der Goldenen Kamera des SWR für das Drehbuch »Déjàvu«.

Carlotta Capella, die .


Carlotta Capella, die sich noch nie auf dem Wasser bewegt hatte, die noch nie in einem Ruderboot, auf einer Segeljolle oder auf einem der Ausflugsdampfer gesessen hatte, die über den Trasimenosee fuhren, betrat ein Kreuzfahrtschiff! Und das, noch ehe sie sich von der rasanten Fahrt im Tenderboot erholt hatte. Mit feierlicher Miene, die ihr bei dem großen Schritt vom Tenderboot an Bord beinahe abhandengekommen wäre, nahm sie ihre Bordkarte in Empfang und ließ sich den Weg zum Aufzug weisen, mit dem sie auf das siebte Deck gelangen konnte, wo sich ihre Kabine befand.

»Ein Aufzug? Auf einem Schiff? Dio mio!«

»Sie können natürlich auch die Treppe nehmen«, sagte die Rezeptionistin, die den Ausruf falsch gedeutet hatte. »Dann lasse ich Ihnen das Gepäck in die Kabine bringen.«

»No, grazie!« Mamma Carlotta lehnte diesen Service, den sie für überflüssig hielt, höflich ab, versicherte aber ausdrücklich, dass sie das Angebot reizend fände, und bedankte sich überschwänglich dafür.

Sie bestieg mit Carolin den gläsernen Aufzug, als beträte sie ein Gotteshaus, und verließ ihn, als wäre ihr zwischenzeitlich die Beichte abgenommen worden. »Carolina! Sieh dir das an!«

Mehrere endlos erscheinende Flure gingen vom Treppenhaus ab, dehnten sich vor ihnen aus, mit unzähligen Türen an beiden Seiten.

Carolin studierte die Schilder, dann wies sie in einen Gang. »Hier entlang!«

Carlotta folgte ihrer Enkelin und bestaunte kurz darauf deren Geschicklichkeit, als sie die Kabinentür mit der Bordkarte öffnete. Dann entfuhr ihr ein Schrei. »Madonna!«

Der Steward, der gerade den Flur entlangging, kam angelaufen. »Ist alles in Ordnung, Madame?«

Carolin wehrte ihn ab. »Alles okay. Meine Nonna ist immer so, wenn sie sich freut.«

Ob der Steward mit dieser Erklärung etwas anfangen konnte, war nicht zu erkennen, aber er verzog sich wieder, als hätte er alles verstanden.

In der Kabine gab es einen Teppichboden in fröhlichen Farben, das breite Doppelbett zierte eine dunkelrote Bettdecke, die Wände leuchteten in hellem Orange. Mit den Einzelheiten konnte Mamma Carlotta sich jedoch noch nicht befassen. Sie strebte auf die Balkontür zu, hinter der sich das Meer ausbreitete. Kurz darauf stand sie an der gläsernen Brüstung und jubelte so laut, dass sich mehrere Köpfe über die Balkongeländer der anderen Kabinen reckten. »Meraviglioso!«

»Pscht, Nonna! Nicht so laut!«, zischte Carolin.

Aber wie sollte man etwas so Herrliches, derart Einzigartiges und dazu noch Kostenloses annehmen, ohne seiner Freude Ausdruck zu verleihen? Andächtiges Schweigen war nun mal nicht Carlottas Sache. Sie beugte sich weit übers Geländer, um auf den Nachbarbalkon zu blicken, damit sie jemanden fand, mit dem sie ihre Begeisterung teilen konnte. Dort döste ein Mann und schreckte aus dem Halbschlaf, als sie ihn auf das Meer aufmerksam machte, das in der Sonne glitzerte, und ihm erzählte, dass sie nicht einmal in ihrem eigenen Haus in Umbrien einen Balkon habe. »Allerdings ist das auch nicht nötig, denn wir haben einen großen Garten ...«

Carolin zupfte am Ärmel ihrer Großmutter, um sie zum Schweigen zu bringen, während der Mann auf dem Nachbarbalkon hastig nach einem Handtuch griff, um es sich auf den Unterkörper zu legen. Dass er nackt ein Sonnenbad nahm, war Mamma Carlotta vor lauter Entzücken gar nicht aufgefallen. Nun zog sie eilig den Kopf zurück, beteuerte, dass es ihr unangenehm sei, den Herrn gestört zu haben, und bekräftigte ihn derart vernehmbar in seinem Wunsch, nahtlos braun zu werden, dass es noch im achten Deck mühelos zu verstehen war. Daraufhin zeigten sich weitere Köpfe über den Balkongeländern, und Carolin flüsterte ihrer Großmutter zu, sie solle endlich in die Kabine zurückkommen, ehe sie schon direkt nach ihrer Ankunft für den ersten Aufruhr sorgte.

Carolin zog es aufs Sonnendeck, obwohl die Sonne längst untergegangen und es draußen kühl geworden war. Aber sie hatte richtig vermutet, dass sich dort alles tummelte, was jung und sportlich war. Über die älteren Passagiere, die am Rande des Decks auf ihren Liegen vor sich hin dämmerten, konnte man getrost hinwegsehen. Neben dem Pool hielten sich junge Leute auf, sprangen ins Wasser, demonstrierten Fitness und zeigten ihre straffen Körper. Auch auf dem Volleyballfeld war einiges los, auf der Laufstrecke, die in einer großen Acht übers Deck führte, waren ein paar gut aussehende Jungs unterwegs, und die Poolbar war ein besonderer Anziehungspunkt. Dort ließ sich mit der Bordkarte bezahlen, was später vom Konto der Eltern abgebucht wurde.

Carolin fühlte sich auf Anhieb wohl und am richtigen Platz. Sie beschloss, mit der weiteren Besichtigung des Schiffes zu warten, bis alle attraktiven Jungs sich unter Deck begeben hatten. »Den Rest gucke ich mir nach dem Essen an«, erklärte sie ihrer Großmutter und zog eine Liege heran.

Mamma Carlotta hätte es nicht fertiggebracht, dieser neuen Welt im Ruhezustand zu begegnen. Sie musste sich bewegen, den Neuigkeiten entgegenlaufen. Ihr reichte es nicht, sie auf sich zukommen zu lassen. Sie ging von einer Seite des Schiffes zur anderen, schaute über die Reling, einmal aufs Meer hinaus, dann nach Sylt zurück. Viele Meter unter ihr nahm das Tenderboot gerade eine Gruppe gut gekleideter Passagiere auf, die den Abend offenbar auf der Insel verbringen wollten.

»Das wird eine Riesenparty in der Sansibar«, hörte sie einen Mann sagen, der ein weißes Dinnerjacket trug.

Mamma Carlotta setzte ihre Eroberung der >Arabella< fort. Sie gelangte in den Wellnessbereich, bestaunte die Saunalandschaft, das Kosmetikstudio und das Ruhedeck und konnte nicht fassen, dass es sogar einen Friseur an Bord gab. Nachdem sie einen Blick auf die Preislisten geworfen hatte, vergaß sie allerdings den Wunsch, sich mit einer Ganzkörpermassage in Schwung bringen zu lassen, sondern begab sich auf das Deck mit der Ladenzeile. Eine Modeboutique, eine Parfümerie und eine Kunstgalerie gab es dort, gleich dahinter das Theater, das sich über drei Decks erstreckte, das Fotostudio, der Fitnessraum.

Mamma Carlotta war Feuer und Flamme. Und wenn sie sich in diesem Zustand befand, brauchte sie jemanden, mit dem sie ihren Enthusiasmus teilen konnte. Die Passagiere, die sie bisher angesprochen hatte, hielten es mehr mit stillem Behagen und belächelten sie sogar, als sie ihr kindliches Vergnügen bemerkten. Mamma Carlotta kam es so vor, als hielten sie jeden Freudentaumel für unangemessen und als käme es ihnen auf den Eindruck an, sie seien an solche Genüsse gewöhnt und könnten sie sich so häufig leisten, dass sie über die Freude am Neuen längst hinaus waren. Als Mamma Carlotta erwähnte, dass sie diese Reise im Preisausschreiben gewonnen habe, hatte sie sogar das Lächeln zu sehen bekommen, das Kindern geschenkt wurde, wenn sie zum ersten Mal Schnee erlebten.

Dann musste sie eben mit Carolin über alles reden, was es hier zu sehen und zu erleben gab. Die freute sich zwar auch nur sehr verhalten, aber immerhin hatte sie genauso wenig Erfahrung als Passagier auf einem Kreuzfahrtschiff und würde ihre Nonna nicht belächeln. Außerdem stellte Mamma Carlotta fest, dass die Essenszeit nah war und sich schon einige Passagiere in der Nähe der Eingänge zu den drei Restaurants aufhielten. Sie musste Carolin Bescheid sagen, damit sie einen guten Platz in der Nähe eines Fensters bekamen.

Sie fand ihre Enkelin dort, wo sie sie verlassen hatte, aber neben ihrer Liege stand nun eine weitere, auf der ein junger Mann in Carolins Alter saß und sie ansah, als würde er ihr gern die blonden Haarspiralen vor dem Gesicht wegziehen, um sie genauer zu betrachten.

Carolin trug nicht nur einen entsetzlich knappen Bikini, sondern auch einen ganz neuen Ausdruck im Gesicht, jedenfalls auf dem Teil, der sichtbar war. Für Sekunden war sie ihrer Nonna sogar fremd. Ihr Lächeln war kokett, ihre Miene von einem drolligen Ernst, der dem Jungen wohl zeigen sollte, dass sie zwar interessiert war, aber noch einiges von ihm erwartete, bevor sie bereit war, den Verstand zu verlieren. Sie legte den Kopf schräg, wenn sie ihn anblickte, und bildete sich wohl ein, ihre Brust mit dem Rausrecken derselben automatisch zu vergrößern. All das hatte ihre Großmutter noch nie an ihr gesehen.

Mamma Carlotta war beunruhigt. Hier, auf dem Schiff, trug sie die Verantwortung für Carolin ganz allein, konnte sie nicht auf Erik abwälzen, der manchmal streng war, sich gelegentlich aber auch erschreckend liberal gab. Carolin war gerade erst siebzehn geworden! Dass sie selbst schon mit sechzehn der Liebe fürs Leben begegnet war und noch im selben Jahr die Ehe eingegangen war, hätte sie sich nicht vorhalten lassen. Sowenig sie diese Entscheidung bereute, so zufrieden sie immer in ihrem Leben gewesen war, für ihre Enkeltochter wünschte sie sich etwas anderes als frühe Mutterschaft. Also galt es, die Augen offen zu halten und zu verhindern, was verhindert werden musste.

Mit einem freundlichen Lächeln trat sie näher und sah darüber hinweg, dass Carolin über ihr Erscheinen alles andere als erfreut war. »Wir sollten uns fürs Essen umziehen, Carolina!«

Sie blickte dabei nicht ihre Enkelin, sondern den jungen Mann an, der zum Glück begriff und genau das Richtige tat. Er erhob sich und stellte sich vor: »Hallo! Ich heiße Tilman Flemming.«

Ein blasser Junge, kaum größer als Carolin, unscheinbar, mit einem korrekten Haarschnitt, in unauffälliger Kleidung. Er gehörte nicht zu denen, die am Rande des Pools saßen, ihre Muskeln und ihre Attraktivität spielen ließen und den...

»Der interessant konzipierte Kriminalfall, gewürzt mit einem netten Sylter Inselfeeling, dazu die mit viel Herz gestalteten Charaktere, ließ mein büchersüchtiges Herz mit der Sonne um die Wette strahlen.«, irveliest.wordpress.com, 19.08.2015
 
»Mit viel Humor!«, Hamburger Morgenpost, 25.07.2015
 
»Eine wunderbare Urlaubslektüre. Kleines Schmankerl für Carlotta-Fans: die Rezepte aus Italien im Anhang.«, Ruhr Nachrichten, 06.07.2015
 
»Humor, Krimi und ganz besondere italienische Momente bekommt man hier geboten und das Buch bietet sich als unterhaltsame Urlaubslektüre an.«, wir-besprechens.de, 04.06.2015
 
»Eine spannende und mitreißende Geschichte, der es aber auch an Humor nicht fehlt.«, Westdeutsche Allgemeine, 14.05.2015

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