Der Mann ist das Problem

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. September 2015
  • |
  • 336 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97090-7 (ISBN)
 
Helene hat genug! Als ihr Mann sich zu ihrem Geburtstag seinen eigenen Wunsch erfüllt und ihr ein Wohnmobil schenkt, das sie nie wollte, ist das Maß gestrichen voll. Sie setzt sich in das wuchtige Gefährt und düst los, ohne Plan, ohne Ziel, ohne Kohle. Letzteres ändert sich jedoch, als sie im Einbauschrank ein kleines Vermögen findet. Wie ist Siegfried an so viel Geld gekommen? Aber pah, was soll's! Eine bessere Grundlage für einen Neustart kann es schließlich kaum geben! In einem toskanischen Städtchen beginnt für Helene ein aufregendes neues Leben. Als Siegfried plötzlich vor ihrer Tür steht, ist allerdings erstmal Schluss mit Dolce Vita. Dochwill er wirklich sie zurück oder nur sein Geld?
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,40 MB
978-3-492-97090-7 (9783492970907)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Gisa Pauly hängte nach zwanzig Jahren den Lehrerberuf an den Nagel und veröffentlichte 1994 das Buch »Mir langt's - eine Lehrerin steigt aus«. Seitdem lebt sie als freie Schriftstellerin, Journalistin und Drehbuchautorin in Münster, ihre Ferien verbringt sie am liebsten auf Sylt oder in Italien. Ihre turbulenten Sylt-Krimis um die temperamentvolle Mamma Carlotta erobern regelmäßig die SPIEGEL-Bestsellerliste, genauso wie ihre erfolgreichen Italien-Romane. Gisa Pauly wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Satirepreis der Stadt Boppard und der Goldenen Kamera des SWR für das Drehbuch »Déjàvu«.

Ich freue mich darauf, Kathy wiederzusehen, aber ganz wohl ist mir bei ihrem Besuch nicht. Es gibt viele Leute in Düsseldorf, die sich fragen, wie und wo ich mittlerweile lebe, die Gerüchte verbreiten und sich Gerüchte erzählen lassen. Kathy wird nach ihrer Rückkehr der Star der nachbarlichen Kaffeeeinladungen sein und nicht umhinkönnen, in allen Einzelheiten zu berichten, was sie gesehen und gehört hat. Ein Grund, Adam für eine Weile auszuquartieren. Ich will nicht, dass Kathy später von Adam Nocke erzählt, dessen Bücher sie alle im Schrank stehen hat.

Gabriella wird verdonnert, eins der Gästezimmer besonders gründlich zu putzen und ganz besonders hübsch herzurichten. Frische Blumen, nagelneue Bettwäsche, Wasser und Rotwein und eine Schale mit Feigen sollen das Zimmer zieren, in das Kathy und Martin einziehen werden. Ich style meine Haare sehr sorgfältig, ziehe eine schneeweiße Hose an und verbiete Cocco kategorisch, mich anzuspringen, trage ein T-Shirt, das ich bei Signora Malpietro, einer Designerin in Chianciano, erstanden habe, und bin sogar so weit gegangen, mir nagelneue goldene Sandaletten zu kaufen. Kathy soll nicht denken, dass es mir schlecht geht in Chianciano. Sie soll später in Düsseldorf erzählen, dass ich geradezu aufgeblüht sei.

Als Martins Wagen die Auffahrt hinaufschleicht und zögernd in den Hof einbiegt, bin ich richtig aufgeregt. Kathy und Martin sind die Ersten, die aus meinem alten Leben kommen, um einen Besuch in meinem neuen Leben zu machen. Oder kommen sie aus meinem Leben, in dem ich nach wie vor zu Hause bin, um mir zuzusehen, wie ich dort zurechtkomme, wo ich eine Weile zu Gast bin?

Unsere Begrüßung ist herzlich, auch Martin gelingt die Wiedersehensfreude. Die beiden sehen sich sehr genau um, sind aber so freundlich, alles, was sie erblicken, liebenswürdig zu kommentieren. Das Schlimmste, was ich zu hören bekomme, ist: »In Italien ist eben alles ganz anders. Viel origineller!«

Sie loben das Zimmer, staunen, dass es sogar ein eigenes Bad besitzt, mit dem sie offenbar nicht gerechnet haben, erkundigen sich so unauffällig danach, was ich in dieser Pension verdiene, dass ich genauso unauffällig um die Antwort herumkomme.

Eine Stunde nach ihrer Ankunft sitzen wir im Garten der »Locanda Tedesca«, und ich betrachte mit Kathys Augen, was nun mein Leben ausmacht. Ich vergleiche, wie Kathy vergleicht, wenn sie auch nicht sagt, wie das Ergebnis ihrer Betrachtungen aussieht. In Düsseldorf säßen wir auf einer Terrasse mit Blick auf einen gepflegten Rasen. Einen Rasen in der Toskana zu pflegen ist sehr arbeitsintensiv, deswegen sitzen wir hier auf einem Stück Wiese unter dem größten Olivenbaum, der herrlichen Schatten spendet. In Kathys Garten betrachten wir das Leben von Koi-Karpfen, die sich träge durch ein Becken bewegen, das extra für sie angelegt wurde, hier können wir Cocco betrachten, die zu unseren Füßen döst und sich gelegentlich von einer Katze ärgern lässt, die schon länger hier lebt und auf ältere Rechte pocht. Unsere Häuser in Düsseldorf sind mittlerweile kinderlos und von verlässlicher Ruhe und Ungestörtheit, hier kommen Feriengäste mit ausgefallenen Wünschen, Gabriella lässt einen das Blut in den Adern gefrieren, wenn sie mal wieder auf eine Spinne gestoßen ist, und der neue Hund, der auf dem Nachbarhof eingezogen ist, kläfft, als sollten alle wissen, dass künftig mit ihm zu rechnen ist. Die gepflegte Langeweile, die in Düsseldorf mit einem Prosecco bekämpft wird, ist hier bestenfalls ein kurzes Ausruhen zwischen dem Bettenmachen und den Vorbereitungen für das Frühstücksbuffet. Dieses Leben ist urwüchsig, das Leben in Düsseldorf kommt mir heute dagegen künstlich vor. Ein sauberes Plastikleben gegen ein Leben voller Natur. Aber ob Kathy das auch so sieht? Sie redet nur von der vielen Arbeit, und Martin kann nicht verstehen, warum Arbeit besser sein soll als Bequemlichkeit.

Er zeigt auf das Wohnmobil, an dessen Reifen das Unkraut hochwächst. »Darf ich mir das mal ansehen? Ich hätte auch Lust, in einem Wohnmobil Urlaub zu machen.«

Kathy tut so, als kämen Ferien auf dem Campingplatz für sie ebenfalls infrage, aber in Wirklichkeit ist sie nur froh, dass Martin uns für eine Weile allein lässt.

»Du brauchst dir keine Sorgen um deine Tochter zu machen«, tuschelt sie mir zu, während ihr Mann in das Wohnmobil klettert. »Friederike ist wirklich sehr tapfer. Sie war in letzter Zeit häufig erkältet, nichts Schlimmes, aber starker Husten und Schnupfen und immer leichtes Fieber. Doch sie hat sich nicht unterkriegen lassen. Und notfalls bin ich ja auch noch da.«

Ich höre Martin im Wohnmobil rumoren, er scheint sich sehr genau umzusehen.

»Udo tut ja auch sein Bestes. Als Friederike neulich unter Blasenentzündung litt, hat er Sonderurlaub genommen. Siegfried kann ja wenig für die Kinder tun. Er sitzt den ganzen Tag in der Kanzlei. Die Idee, beruflich kürzerzutreten, hat er natürlich fallen gelassen. Er wollte die Zeit ja mit dir verbringen.«

Ich höre Schränke auf- und zugehen und Schlösser klicken. Die Karosserie des Wohnmobils schwankt, als ginge Martin hin und her.

»Siegfried tut, was er kann. Aber er ist natürlich nicht immer in bester Verfassung. Dass du ihn verlassen hast, setzt ihm sehr zu. Unter anderen Umständen wäre er ein fröhlicher Großvater, der mit dem Enkel durch den Garten tollt. Aber so .«

»Maximilian ist noch viel zu klein, um durch den Garten zu tollen«, gebe ich zurück und würde am liebsten zum Wohnmobil gehen, um zu sehen, was Martin dort macht.

»Ich lade Siegfried natürlich häufig zum Essen ein«, ergänzt Kathy noch schnell, als Martin in der Tür des Wohnmobils sichtbar wird. »Er kann ja nicht kochen. Und immer Fast Food . Du brauchst dir also wirklich keine Sorgen zu machen. Wir tun alle, was wir können.«

Martin kommt zu uns zurück. »Ich glaube, das ist mir doch alles zu eng«, sagt er, und Kathy atmet erleichtert auf. Ich hätte sie gerne noch gefragt, ob Martin nach wie vor nächtliche Spaziergänge unternimmt, aber ich schlucke die Frage hinunter. Sollte er in der folgenden Nacht unterwegs sein und die Böschung hinunterfallen, ist das seine eigene Schuld!

Sie bleiben nur eine Nacht in der »Locanda Tedesca«. Vermutlich war es ihnen zu riskant, eine längere Zeit bei mir zu buchen. Kathy hatte ja immer den bösen Verdacht, dass ich nun in der Wildnis lebe und kein Mensch, der zu Hause in Designermöbeln wohnt, bei mir Urlaub machen kann. Wir verbringen den Abend mit viel Wein im Garten, wo es so schön ist, dass Kathy unmöglich ihre Koi-Karpfen vermissen oder daran denken kann, dass ihre Terrassenmöbel bequemer sind als die Stühle in der »Locanda Tedesca«. Martin tut uns den Gefallen, früh schlafen zu gehen, da er ja am nächsten Tag wieder hinter dem Steuer sitzen muss, sodass Kathy und ich noch ein paar Stunden für uns allein haben. Wir versuchen, so viel Unsinn zu reden wie früher, so viel zu lachen wie früher, so viel Prosecco zu trinken wie früher und uns, als wir Hunger bekommen, aus dem Kühlschrank zu holen, worauf wir gerade Lust haben, und dabei zu kichern, als schlügen wir einer Schlankheitsdiät ein Schnippchen. Wir vermeiden es, von Siegfried und meinen Kindern zu reden, nicht einmal Martins Probleme kommen zur Sprache. Worüber reden wir überhaupt? Über die Nachbarin in Düsseldorf, über das Paar, das sich getrennt hat, und den Sohn des Supermarktbesitzers, der mit Rauschgift erwischt wurde. Was ich Kathy von meinem neuen Leben erzähle, bleibt ebenso an der Oberfläche, weil ich Angst habe, dass sie alles, was sie hier zu hören bekommt, vor Siegfried wiederholen wird. Was sie sieht, ist schon genug, über meine Gefühle und meine Pläne soll sie nichts erfahren. Kein Wunder, dass nicht viel übrig bleibt und wir beide bald zu gähnen beginnen. Nicht nur, weil wir müde sind, sondern weil wir beide einen Grund brauchen, den Abend zu beenden.

Ich bin froh, als die beiden weiterreisen und mein altes Leben wieder von mir abrückt. Dass Kathy Schuldgefühle zurückgelassen hat, merke ich erst später. So nötigt mir die Tapferkeit von Signora Manoli nun noch mehr Respekt ab, die sich für ihre Tochter aufopfert, indem sie deren Baby bei sich aufnimmt und die Tochter nach Rom ziehen lässt, damit sie dort eine Stelle antreten kann. Und dann der alte Signor Venerio! Nach dem Tod seiner Frau verwahrlost er zunehmend, trägt ungepflegte Kleidung, ernährt sich nicht richtig und fängt nun schon morgens mit dem Vino rosso an.

»Ja, ja, so geht's, wenn die Frau nicht mehr im Hause ist«, höre ich die Witwen von Chianciano flüstern, wenn Signor Venerio vorbeischlurft. »Ein Mann ohne Ehefrau geht vor die Hunde.«

Seit ich feststellen musste, dass der Enkel von Signora Manoli genauso alt ist wie Maximilian, mache ich einen großen Bogen um deren Haus. Es ist unerträglich zu sehen, wie sie mit dem Kleinen im Garten spielt, wie liebevoll sie ihn betrachtet, wenn sie den Kinderwagen unter einen Olivenbaum stellt und seinen Schlaf bewacht. Und Friederike? Meine Tochter kann nicht auf meine Hilfe bauen, mein Enkel muss auf meine Fürsorge verzichten, und mein Mann verwahrlost womöglich, ohne dass ich es weiß.

Franziska hat in diesen Tagen viel zu tun. Aber besonders erfolgreich ist sie mit ihren Bemühungen nicht. Ihre Überzeugungskraft lässt zu wünschen übrig. Du bist so lange für deine Familie da gewesen, es ist okay, wenn du jetzt mal nur an dich denkst! Wenn dein Mann mit dem Alleinsein nicht klarkommt, dann ist das sein Problem, nicht deins. Und wenn deine Tochter ihr Kind nicht ohne Hilfe großziehen will, dann ist sie die Versagerin. Nicht...

»eine amüsante Geschichte«, Gießener Allgemeine, 02.01.2016
 
»>Der Mann ist das Problem< steckt voller Lesespaß von der amüsantesten Sorte.«, literaturmarkt.info, 02.11.2015
 
»Gisa Pauly versteht es, nicht nur Krimi-Spannung aufzubauen, sondern mit Wortwitz und Liebe zum Detail Situationskomik zu erzeugen«, Osnabrücker Zeitung, 05.10.2015

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